Rückkehrer Log 9 - Sareth
#1
*** USS Picard / Besprechungsraum ***

Das war ganz klar ein Angriff, klang Mort Caldreds Stimme in mir nach. "Nein, wir können nicht das nicht mit Sicherheit sagen; es könnte sich auch lediglich gegen eine Beeinträchtigung durch unsere Energiefelder zur Wehr setzen," gab ich zu Bedenken. "Ich will nicht voreilig eine offenbar intelligente Lebensform als feindselig einstufen und Waffengewalt zur Anwendung bringen. Wir müssen uns zuerst Gewissheit darüber verschaffen, was sich auf der Wellington ereignet hat. - Nichts desto trotz: wir müssen die Verletzten bergen, und daher muss diese Behinderung weichen."

"Vielleicht legen wir einen Köder aus..." überlegte LaSalle. "Ich war kürzlich zu Gast bei Botschafter Worfs Familie, und die Söhne haben mich zu einer Jagd in der K'Oroff-Provinz mitgenommen," fügte er erklärend hinzu. "Nicht, dass ich es besonders ersprieslich fand. Aber, ein Köder in einer Falle..."

Ich lächelte. "Ein Shuttle. Mit einer passenden Energiequelle..."

"Exakt."

Ich wandte mich an Mr. Caldred: "Haben Sie irgendwelche Informationen darüber, welche Energieformen die Ra'Neg'O besonders attraktiv finden?"

Der Reptiloide an der Sicherheitsstation gab ein Geräusch zwischen Zischen und Knurren von sich. "Ich war Kopfgeldjäger und kein Wissenschaftler. Also... nein, Madam Admiral. Keine Informationen."

Ich nickte. "Mr. Jefferson, sehen Sie, ob etwas in der offiziellen Datenbank der Föderation zu finden ist. Setzen Sie gleichzeitig einen Prioritätsruf an den Wissenschaftsattaché auf Kariyana ab. Wir müssen alle Kanäle nutzen. Bis dahin..." Ich studierte wieder die Angaben zu diesem seltsamen und offensichtlich intelligent reagierenden Energiefeld auf dem Monitor. "Versuchen wir es mit einem Output im Bereich von 25.000 bis 50.000 Joule. Modulation der Feldvariablen auf Grundlage der Einstein-Moholy Gleichung. Vielleicht bringt das ja unseren Freund in Kommunikationsstimmung. - Mrs. Makan, können wir ein Shuttle entsprechen umrüsten, dass wir in ihm eine entsprechende Energiequelle unterbringen können?"

"Ja, ich denke, das ist machbar. Wir nehmen einen Klasse IV-Sicherheitskontainer, das wird reichen, unsere eigenen Systeme abzuschirmen und nur gerichtete Energie an bestimmten Punkten freizugeben. Genug, um jemanden anzulocken, der scharf drauf ist."

"Wie lange brauchen Sie?"

"Vielleicht eine halbe Stunde. Wir werden die Antriebseindämmung neu kalibrieren müssen."

"Können wir im Transporterraum der Wellington noch einmal umpolarisieren?"

"Einmal noch, aber mehr würde ich der alten Hardware nicht zumuten," erwiderte sie.

Das hatte ich befürchtet - aber mehr Versuche hielt ich aufgrund der Lage ohnehin nicht für akzeptabel. Sollte dies scheitern, mussten andere Maßnahmen ergriffen werden. "Gut, fangen Sie an!"

Noch im Gehen beorderte die Chefingenieurin ihre Teammitglieder in die Shuttlebay. LaSalle hatte unterdessen erneut unser MHN gerufen, und war dabei, einen Lagebericht zu erhalten. Der medizinische Zustand der überlebenden Wellington-Crew war stabil. Von daher drohte im Moment also keine Gefahr. Diese ging von der strukturellen Integrität des Schiffes aus. Einige Bereiche mussten dringend mit Kraftfeldern gesichert werden, da sie Mikrofrakturen aufwiesen. Wir konnten aber die Energie nicht wieder herstellen oder Reparaturdrohnen entsenden, solange unser Freund da nicht wegzubewegen war.

War die energetische Lebensform erst einmal im Shuttle, konnten wir sie dort mit gezielten Kraftfeldern isolieren und von weiterem Schaden abhalten. Währenddessen machte sich ein anderes kleines Team daran, die Drohnen vorzubereiten. Zunächst würde die 'Vorhut' starten und das Terrain sowohl taktisch überprüfen, als auch die Energieversorgung wieder herstellen, dann die eigentlichen Reparaturroboter in Einsatz kommen. Erst wenn diese Schritte erfolgreich waren und es für humanoide Besucher der Wellington sicher, würde ich Crewmitglieder rüberschicken. Das MHN machte unterdessen die Verletzten bereit für den Transfer in unsere Krankenstation.

*** Eine halbe Stunde später ***

"Shuttle hat die Zielkoordinaten erreicht, Antrieb heruntergefahren," meldete Monroe von der Navigation. "Alle Systeme stabil." Die optischen Sensoren zeigten das vergleichsweise winzige Objekt, das nunmehr zwischen der Wellington und der Picard schwebte. Makan aktivierte die Energiequelle.

Ich gab den Befehl für die weiteren Schritte: zunächst auf der Wellington, wo sich das Energiewesen wieder verankert hatte. Wie auch zuvor sah für einen Moment alles gut aus.

"Nun komm schon, Bursche, zieh um..." brummte Monroe.

"Vielleicht ist es eine Madame," witzelte Jefferson von der Sensorik.

Dann stach erneut ein rotfarbener Lichtstrahl durch das All, diesmal in Richtung des Shuttles.

Mort Caldred zischte. "Phaser?" Er hatte die Finger auf den Kontrollen und wartete auf das Signal.

"Nein, warten Sie!" kam Chefingenieurin Makans Ruf. "Die Energie ist viel niedriger als beim ersten Mal! Das wird unserem Shuttle keinerlei Schaden zufügen!"

Caldred schien nicht sehr überzeugt, wenn ich seine Mimik richtig deutete. Aber im nächsten Moment wurde unser aller Aufmerksamkeit von dem Geschehen da draußen im Raum in Anspruch genommen: entlang des roten Strahls bewegte sich jetzt etwas weiß gleißendes vorwärts. Es sah aus wie ein Blitz, der sich an einem gigantischen Blitzableiter vorarbeitet....

Und dann meldete Makan mit einem leichten Zittern in der Stimme, als fürchte sie, das Energiewesen wieder umzustimmen: "Es ist im Shuttle. Hat sich auf unserer Energiequelle verankert. Ich aktiviere das Eindämmungsfeld."

"Nun, dann lassen wir es dort mal in Ruhe speisen, oder was auch immer," sagte LaSalle und wandte den Blick zu mir.

Ich nickte und gab die Order, die erste Welle der Reparaturdrohnen zu starten. Jefferson behielt unterdessen die Energiewerte auf der Wellington im Auge. Wir waren zuversichtlich, in ein paar Minuten mit der Evakuierung beginnen zu können.
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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