Sep-Wed-2021, 08:33 PM
*** San Francisco / Oberkommando der Sternenflotte / Cafeteria ***
Ich seufzte und rührte in meinem Cappucino. "Nun, auf jeden Fall, Rufus, Charlie bekommt keine Ausnahmegenehmigung zur Ausreise aus dem Quarantänegebiet, auch nach negativem Test nicht, weil der Grund nicht unter die Prioritätenkategorie fällt."
"Ja, kann ich mir denken. Sichtung von Captain Kirk...."
"Ich hatte es als temporales Diskontinuitätsproblem deklariert," erwiderte ich mit einem schwachen Lächeln. "Aber Sie wissen, wie die Behörden sind. Und das Daystrom Institute will keinen Zugang ermöglichen, ohne das ein persönliches Erscheinen und Irisscan vorliegen, nebst Bioscan. Die Transporter-Musterpuffer und ihre Einlagerung unterliegen besonderen Persönlichkeitsschutzdirektiven, und Abteilung drei hat da kein Erbarmen."
Rufus LaSalle lächelte ebenfalls gequält. "Ja, ich kenne Commodore Giuliani gut. Sie würde aus Datenschutzgründen nicht einmal eine Fotografie der Urgroßmutter einer Person aus zwanzig Meter Entfernung betrachten lassen - es sei denn, man hat alle Formulare in dreifacher Ausfertigung dabei, unterzeichnet vom Präsidenten persönlich."
"Ich habe auch im Büro von Commodore Sodran nachgefragt, schließlich ist sie die Leiterin des Daystrom. Leider ist sie gerade zu einer Einweihungszeremonie auf Phalan, und das Vorzimmer will es sich mit Abteilung drei nicht verderben."
"Ja, kann ich mir vorstellen."
"Aber - so rasch gebe ich nicht auf! Ich habe einen alten Bekannten zu Rate gezogen, der auf mehreren Schiffen im Transporterraum Dienst getan hat, darunter auf der Enterprise F und der Saipan. Was er von der Theorie hält, dass sich Reste aus einem inaktiven Musterpuffer irgendwie in ein aktives Transportersystem 'schleichen' könnten."
"Lieutenant a.D. Cavik Amuti?" fragte LaSalle.
"Ja, genau er."
"Nun, der dürfte zumindest die neueren Anlagen der letzten 50 Jahre bestens kennen. Er ist ja sowas wie eine Legende, nach der Rettungsaktion auf Mora Prime. - Und, was meint er?"
"Dass es ungefähr so wahrscheinlich ist, wie wenn man eine Ladung Buchstaben in den Computer füttert und wartet, dass sie zufällig eine Ode von Byron ergeben," antwortete ich. "Es ist also theoretisch möglich: insofern 1. der alte Musterpuffer nicht korrekt gelöscht wurde, 2. das Siegel auf irgendeine Weise durchlässig wurde oder gelöst wurde, und 3. die Matrix des modernen Transportersystems im richtigen Moment die gleiche Varianz aufwies, um eine Signalübertragung zu ermöglichen. Außerdem müssen die Sicherheitssperren des modernen Transportersystems außer Kraft gewesen sein, denn die sollen ja gerade das Einschleusen irgendwelcher Fremdsignale verhindern."
"Das heißt, ohne Mitwirkung von dritter Hand - unmöglich," konstatierte LaSalle, und schien sich gleich in den polizeilichen Gefilden des DIA etwas wohler zu fühlen. "Wir müssen unbedingt an die Dienstpläne und die Einlagerungsprotokolle des Daystrom kommen! Wann ist Commodore Sodran zurück?"
"Nicht vor einer Woche. Und falls das Quarantänegebiet ausgeweitet wird..."
"Ich möchte dieses potenzielle Sicherheitsrisiko in unseren Transportersystemen oder irgendwelche temporalen Phänomen auch nicht auf die lange Bank schieben. Also müssen wir den ganzen Fall auf eine höhere Prioritätsebene heben, so dass Abteilung drei ausgehebelt wird. Andererseits..."
"Andererseits möchten wir die Presse heraushalten, die sich ja sowieso besonders gern üer irgendwelche Flottensachen auslässt, seit dem Debakel mit dem letzten OBH," entgegnete ich.
"Korrekt. Und insbesondere im Wahljahr. Da wollen wir nicht gerade eine Lachnummer abgeben für gewisse Kreise." Wir aßen schweigend unsere Sandwiches und grübelten. Plötzlich grinste Rufus LaSalle sein berüchtigtes übles Grinsen und mir war klar, dass sich ihm gerade ein Ausweg gezeigt hatte... oder doch wenigstens ein Weg zum Ausweg: "Richard von Rabenstein."
"Wieso? Was hat er damit zu tun?"
"Als ich letztens mit Madame Giuliani aneinander geriet, wegen irgendeiner Aktenfreigabe, erklärte sie, Zitat 'sie wolle kein Theater, es reicht ihr, wenn ihre Tochter Theaterwissenschaften studiere'."
"Nun...."
"Im Laufe des Gesprächs wurde aber klar, dass ihr geliebtes Töchterchen ihr Ein und Alles ist, sozusagen. Trotz der entsetzlichen Berufswahl, für die ich sie natürlich gebührend bedauert habe. Aber es kann ja nicht jeder in der Sternenflotte für Datensicherheit sorgen. Gott sei Dank. Aber was, wenn wir der kleinen Giuliani ein Exklusiv-Interview mit Literaturnobelpreisträger Richard von Rabenstein ermöglichen?"
"Rufus, Sie sind ein intriganter--" Ich schüttelte lächelnd den Kopf.
"Ich gehe lediglich alle erreichbaren Wege, um ein Ziel zu erlangen," erwiderte er. "Also auch Umwege. Manchmal sind Umwege die schnellsten Wege."
"Durchaus."
"Also glauben Sie, Sie können unseren vielbeschäftigten, medienscheuen Preisträger zu einer freundlichen Starthilfe für eine junge Aspirantin der Kunst bewegen?"
"Ich will es versuchen. Hoffentlich ist er nicht auch gerade unterwegs. Ich habe ihn zuletzt vor vier Tagen gesehen."
Ich seufzte und rührte in meinem Cappucino. "Nun, auf jeden Fall, Rufus, Charlie bekommt keine Ausnahmegenehmigung zur Ausreise aus dem Quarantänegebiet, auch nach negativem Test nicht, weil der Grund nicht unter die Prioritätenkategorie fällt."
"Ja, kann ich mir denken. Sichtung von Captain Kirk...."
"Ich hatte es als temporales Diskontinuitätsproblem deklariert," erwiderte ich mit einem schwachen Lächeln. "Aber Sie wissen, wie die Behörden sind. Und das Daystrom Institute will keinen Zugang ermöglichen, ohne das ein persönliches Erscheinen und Irisscan vorliegen, nebst Bioscan. Die Transporter-Musterpuffer und ihre Einlagerung unterliegen besonderen Persönlichkeitsschutzdirektiven, und Abteilung drei hat da kein Erbarmen."
Rufus LaSalle lächelte ebenfalls gequält. "Ja, ich kenne Commodore Giuliani gut. Sie würde aus Datenschutzgründen nicht einmal eine Fotografie der Urgroßmutter einer Person aus zwanzig Meter Entfernung betrachten lassen - es sei denn, man hat alle Formulare in dreifacher Ausfertigung dabei, unterzeichnet vom Präsidenten persönlich."
"Ich habe auch im Büro von Commodore Sodran nachgefragt, schließlich ist sie die Leiterin des Daystrom. Leider ist sie gerade zu einer Einweihungszeremonie auf Phalan, und das Vorzimmer will es sich mit Abteilung drei nicht verderben."
"Ja, kann ich mir vorstellen."
"Aber - so rasch gebe ich nicht auf! Ich habe einen alten Bekannten zu Rate gezogen, der auf mehreren Schiffen im Transporterraum Dienst getan hat, darunter auf der Enterprise F und der Saipan. Was er von der Theorie hält, dass sich Reste aus einem inaktiven Musterpuffer irgendwie in ein aktives Transportersystem 'schleichen' könnten."
"Lieutenant a.D. Cavik Amuti?" fragte LaSalle.
"Ja, genau er."
"Nun, der dürfte zumindest die neueren Anlagen der letzten 50 Jahre bestens kennen. Er ist ja sowas wie eine Legende, nach der Rettungsaktion auf Mora Prime. - Und, was meint er?"
"Dass es ungefähr so wahrscheinlich ist, wie wenn man eine Ladung Buchstaben in den Computer füttert und wartet, dass sie zufällig eine Ode von Byron ergeben," antwortete ich. "Es ist also theoretisch möglich: insofern 1. der alte Musterpuffer nicht korrekt gelöscht wurde, 2. das Siegel auf irgendeine Weise durchlässig wurde oder gelöst wurde, und 3. die Matrix des modernen Transportersystems im richtigen Moment die gleiche Varianz aufwies, um eine Signalübertragung zu ermöglichen. Außerdem müssen die Sicherheitssperren des modernen Transportersystems außer Kraft gewesen sein, denn die sollen ja gerade das Einschleusen irgendwelcher Fremdsignale verhindern."
"Das heißt, ohne Mitwirkung von dritter Hand - unmöglich," konstatierte LaSalle, und schien sich gleich in den polizeilichen Gefilden des DIA etwas wohler zu fühlen. "Wir müssen unbedingt an die Dienstpläne und die Einlagerungsprotokolle des Daystrom kommen! Wann ist Commodore Sodran zurück?"
"Nicht vor einer Woche. Und falls das Quarantänegebiet ausgeweitet wird..."
"Ich möchte dieses potenzielle Sicherheitsrisiko in unseren Transportersystemen oder irgendwelche temporalen Phänomen auch nicht auf die lange Bank schieben. Also müssen wir den ganzen Fall auf eine höhere Prioritätsebene heben, so dass Abteilung drei ausgehebelt wird. Andererseits..."
"Andererseits möchten wir die Presse heraushalten, die sich ja sowieso besonders gern üer irgendwelche Flottensachen auslässt, seit dem Debakel mit dem letzten OBH," entgegnete ich.
"Korrekt. Und insbesondere im Wahljahr. Da wollen wir nicht gerade eine Lachnummer abgeben für gewisse Kreise." Wir aßen schweigend unsere Sandwiches und grübelten. Plötzlich grinste Rufus LaSalle sein berüchtigtes übles Grinsen und mir war klar, dass sich ihm gerade ein Ausweg gezeigt hatte... oder doch wenigstens ein Weg zum Ausweg: "Richard von Rabenstein."
"Wieso? Was hat er damit zu tun?"
"Als ich letztens mit Madame Giuliani aneinander geriet, wegen irgendeiner Aktenfreigabe, erklärte sie, Zitat 'sie wolle kein Theater, es reicht ihr, wenn ihre Tochter Theaterwissenschaften studiere'."
"Nun...."
"Im Laufe des Gesprächs wurde aber klar, dass ihr geliebtes Töchterchen ihr Ein und Alles ist, sozusagen. Trotz der entsetzlichen Berufswahl, für die ich sie natürlich gebührend bedauert habe. Aber es kann ja nicht jeder in der Sternenflotte für Datensicherheit sorgen. Gott sei Dank. Aber was, wenn wir der kleinen Giuliani ein Exklusiv-Interview mit Literaturnobelpreisträger Richard von Rabenstein ermöglichen?"
"Rufus, Sie sind ein intriganter--" Ich schüttelte lächelnd den Kopf.
"Ich gehe lediglich alle erreichbaren Wege, um ein Ziel zu erlangen," erwiderte er. "Also auch Umwege. Manchmal sind Umwege die schnellsten Wege."
"Durchaus."
"Also glauben Sie, Sie können unseren vielbeschäftigten, medienscheuen Preisträger zu einer freundlichen Starthilfe für eine junge Aspirantin der Kunst bewegen?"
"Ich will es versuchen. Hoffentlich ist er nicht auch gerade unterwegs. Ich habe ihn zuletzt vor vier Tagen gesehen."
