Umbra et Malleus Log 25 NPC Robert von Rabenstein
#1
*** Flottengefängnis / Charon ***

Robert Maximilian von Rabenstein nahm das Knirschen der Eiskristalle im gefrorenen Boden überdeutlich wahr, als er aus dem Gefängniskomplex hinaus trat. Sein Blick glitt über die trostlosen Duraniumwände der äußeren Umfassungsmauer, auf denen die Schatten von Scharfschützen-Androiden sich grau gegen den schwarzen Himmel abhoben. Jenseits der Kuppel dieser Lokalität, für die die Bezeichnung 'Habitat' beinahe obszön zu nennen war, lag lebensfeindlicher Fels und Eis mit einer Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt. Und selbst unter der Kuppel war es frostige minus 20 Grad. Für das Bewachungskommando war Charon eigentlich eine ebensolche Hölle wie für die Gefangenen. Es gab keinerlei Freizeitbeschäftigungen, wenn man die illegal inszenierten Kämpfe oder gelegentliche Strafaktionen ausnahm. Es gab nichts außer Dunkelheit bzw. neonkaltes Kunstlicht und Brutalität.

Vielleicht hatte deshalb das Netzwerk der hier inhaftierten Kriminellen so gut funktioniert, überlegte von Rabenstein. Aus purer frustrierter Langeweile heraus. Wer hier zum Wachkommando gehörte, machte sich keine Illusionen mehr über seine Karriere... zumindest nicht in der Flotte. Um so offener war man Karrieren außerhalb gegenüber, wie es schien.

Er hatte über Monate hinweg verfolgt, wie Nachrichten aus dem Gefängnis nach draußen gelangten, und Drogen hinein. Fast unbeeindruckt regierten manche Insassen ihr kriminelles Imperium weiter. Er hatte alles registriert, in der Hoffnung, irgendwann die Hintermänner hochnehmen zu können und sie DeRaaf zu präsentieren -  um dann die ersehnte Beförderung zum Commodore kassieren zu können.

Und was tue ich jetzt? Er wandte den Blick zur Seite und streifte den neben ihm stehenden Gefangenen Hohardus Edzardus, der ausdruckslos auf seine Füße starrte, um die noch immer die elektronische Fessel lag. Offiziell nahm er ihn mit für eine kleine private Befragung - wie der Fachjargon für Verhör unter Folter außerhalb der Rechte lautete.  Würder der Kerl seinen Teil der Verabmachung einhalten oder ihn draußen einfach abservieren? Der Captain überlegte kurz, dass ER anstelle  des Gefangenen nicht lange fackeln würde.

Über den Gefängnishof hallte die Alarmsirene. Das bedeutete das Kraftfeld war deaktiviert und sie konnten ungehindert die Luftschleuse erreichen, an der sein Shuttle angedockt war. Von Rabenstein schob dem Gefangenen die Mündung seines Handdisruptors in die Seite. "Vorwärts!"

"Na, seien Sie mal bisschen netter, Käpt'n!"

"Bewege deinen verdammten Arsch!"


*** Im Shuttle ***


Das Shuttle war auf Kurs nach Tesfaloria, dem von Edzardus genannten geheimen Stützpunkt der Terroristen. Nun, Robert Maximilian von Rabenstein stoppte mitten in diesem Gedanken. Vielleicht gewöhne ich mir besser an, sie jetzt als 'Rebellen' zu bezeichnen...

Der Ex-Gefangene machte keinen Hehl aus seiner Verachtung für seinen 'Retter'. Er lungerte im Copilotensessel, um sich die Verpackungen mehrere angeknabberter Rationspakete, die er als "genauso beschissen wie der Knastfraß" klassifiziert hatte. Er hatte versucht, dem Replikator etwas Alkoholisches abzuringen, was natürlich wegen der Programmbeschränkungen nicht möglich war.

"Ich hab' übrigens Ihren Lackaffen von Sohn kennengelernt, damals auf der 'Picard'," tat er jetzt kund. "Herzlichen Glückwunsch - Leute wie der sind wendiger als 'ne schwarze Mamba. Der hätte es fast geschafft, die Tussi aus meinem Kommando zu bekehren. Ich wette --"

"Ich lege keinen Wert darauf, mit Ihnen zu diskutieren."

Edzardus gähnte herzhaft. "Ich wollte nur höflichen Smalltalk machen, wie es sich unter alten Kameraden der imperialen Flotte so gehört." Er starrte wieder nach vorn auf den Schirm des Cockpits, der die Lichtstreifen des Warptransfers zeigte. "Grottenlangweilig hier."

Von Rabenstein aktivierte den Nachrichtenkanal des Subraumfunks, um einerseits den Kerl nicht hören  zu müssen, andererseits um zu sehen, ob schon irgendwelche Aktionen gegen ihn eingeleitet worden waren. Da er heute nicht zum Dienst erschienen war, war DeRaaf vermutlich schon informiert worden. Da man ihn zu Hause ebenso wenig erreichte und sein Kommunikator irgendwo im Orbit um Charon driftete, würde die Flottensicherheit und unweigerlich auch die Inquisition Ermittlungen einleiten.

Aber die Topnachricht war etwas anderes: die Exekution von 36 Offizieren auf Befehl LaSalles.

Von Rabenstein blieb wie erstarrt sitzen. War es seine Pflicht, zurück zu kehren und das Attentat auszuführen, so wie es der Großkanzler gewollt hatte? Noch war es nicht zu spät. Er könnte Edzardus vaporisieren und sich auf den Rückweg machen.... das kleine Netzwerk von Charon nebenbei bloßstellen.... die Beförderung kassieren.... das Imperium von LaSalle befreien.... und selber in den Orkus wandern. Seine Hände bewegten sich weder zum Steuerelement, noch zu seinem Disruptor. Er blieb ganz einfach sitzen und starrte hinaus. Nein, er taugte nicht zum Märtyrer für ein neues Imperium.

*** Tesfaloria / 1 Tag später ***


Das gottverlassene Camp inmitten der Wüste eine Basis zu nennen, war sicherlich übertrieben. Ebenso übertrieben, wie den dürren Bajoraner, der Captain Von Rabenstein gerade den Sack vom Kopf riss, einen Terroristenboss zu nennen.

"So, was hat mir Howy hier für ein Geschenk gemacht?" fragte er und stieß den Knienden sicherheitshalber gleich noch mal in den Dreck.  Weicheier konnte er nicht brauchen. Imperiale Spione noch viel weniger. Und Howy hatte es verdammt eilig gehabt, sich mit dem Shuttle davon zu machen.

"Robert Maximilian von Rabenstein, Captain der Imperialen Flotte." Er wollte nach seiner ID fischen und bekam einen Schlag mit dem Gewehrkolben.

"Du behältst erst mal die Pfoten oben!" Der Bajoraner signalisierte einem seiner Kumpane, die ID zu überprüfen.

Einen Moment später hob der die Augen von dem Scanner in seiner Hand und nickte. "Die ist echt. Und das Oberkommando hat auch einen Suchbefehl rausgegeben, habe ich gehört."

"Das kann alles ein Trick sein. Wollen erst mal sehen, ob du auch der bist, der auf der ID steht..." Blitzschnell hatte der Bajoraner ein Messer gezückt und Von Rabenstein über die Handfläche geritzt. Sein Kumpan ließ das Blut über die Prüffläche des Scanners laufen. Sie benutzten ein von der imperialen Sicherheit gestohlenes Programm, das Tiefenscan ermöglichte. "Gut..." Er schnalzte mit der Zunge, als er das Ergebnis sah.

"Tatsächlich.... Verwandt mit  dem Großinquisitor, nach dem die Kopfgeldjäger der halben Galaxis fahnden?"

"Ja."

"Noch besser." Der Bajoraner packte Von Rabenstein und zog ihn auf die Füße. "Dann wollen wir jetzt ALLES wissen, was du so über die Flotte weißt UND über den Herrn Inquisitor Maximus."

"Ich will eine neue Identität und Transport in die blockfreie Zone."

"Und ich will zwei orionische Nutten. - Du hast hier gar nichts zu wollen, bis du deinen Wert gezeigt hast. - Also fangen wir gleich an! Wie ist die derzeitige Truppennverteilung im Kabiria-Sektor?" Der Bajoraner bugsierte den Ex-Captain in seinen Unterstand.

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(PS: wenn wir ihn jetzt auch noch zu Sokar, Vandenberg und Co bringen, wären alle halbwegs beisammen)
[Bild: Signatur-Rabenstein-neu.jpg]
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