BdZ Log 19 - Sareth / NPCs
#1
 *** Auf Caernis Prime ***

Flankiert von Mönchen, die ihre kleinen, kugelartigen Leuchten trugen, betraten Professor Capranyi, ich und zwei Vertreter der Aktivisten das Kloster. Die übrigen Männer und Frauen aus der Gruppe waren vor den Mauern verblieben. Einige protestierten mit lauten Sprechchören. Eine Situation, die mir nicht gefiel, zumal mir der Führer der Gruppe, ein gewisser Gapa, unterdessen Einblick in ein anderes Problem gegeben hatte. Die Aktivisten die sich ‚Nachfolger des Lichtes‘ nannten, wollten in der Tat durch die Drohung des Angriffs auf das Kloster ihre Regierung zur Umkehr vom Weg der ‚Geldgier‘ bewegen. Aber Gapa wusste, dass Gegner ihrer Gruppe Maulwürfe bei ihnen eingeschleust hatten. Maulwürfe, deren Agenda es war, die Situation auf jeden Fall eskalieren zu lassen, um Beta Pavonis einen Vorwand zum Eingreifen wegen terroristischer Aktivitäten zu liefern und dann Caernis Prime zu annektieren. Doch wer von den Aktivisten es war, hatte er noch nicht herausgefunden. Wir hofften, dass es zu keinen Gewaltakten kam, während wir nach dem Artefakt forschten. Die Mönche hatten sich gegenüber den Aktivisten niedergelassen und beteten – ein spiritueller Schutzwall.

Wir anderen vier hatten den Bereich zwischen äußerer und innerer Mauer, in dem sich zahlreiche Werkstätten befanden, hinter uns gelassen. Der Sitte des Klosters gemäß durften wir nur kleine Schritte tun und mussten den Kopf gesenkt halten. Ich sah, wie Professor Capranyi trotzdem öfters heimliche Blicke auf die kulturellen Schätze ringsum warf, die ja sonst niemand zu Gesicht bekam. Für einen Kulturwissenschaftler eine schmerzliche Sache: an einem traumhaften Fundort zu sein und nichts sehen zu dürfen! Vermutlich versuchte er, sich wenigstens einige der rituellen Tattoos der Mönche einzuprägen!

Vor dem Haupteingang zum Innenbereich mussten wir warten. Der Ältesten der kleinen Mönchsgemeinschaft vollzog einige für uns nicht näher deutbare Handlungen und wandte sich erst dann zu uns um.

[Bild: KlosterCaernisPrime]
 
„Nur weil ich eine Vision von den Höchsten Gebern bekommen habe, ist es euch als Fremden erlaubt, in unser Heiligtum einzutreten“, erklärte er. „Aber ihr müsst eure Schuhe ausziehen und euer Haupt bedecken.“ Er verteilte Tücher, die wir über die Köpfe legen sollten. Angesichts der Eiseskälte war ‚barfuß‘ keine sonderlich einladende Option, aber nun … Es blieb keine Wahl!

So standen wir wenig später innerhalb der alten Mauern. Ich legte dem Ältesten noch einmal unser Anliegen und die Gefahren, die dem Kloster im Moment drohten, dar.

„Wir verfolgen das Geschehen mit großer Sorge“, erwiderte er, während sein Blick die Vertreter der Aktivisten streifte. „Wir sehen die Fremden, hören ihren Lärm, spüren die Unordnung, die mit ihnen zieht. Dies ist ein Ort des Friedens. Für alle. Für die Kinder von Caernis Prime. Alpha und Beta Pavonis.“

„Das ist auch unser Anliegen. Genau darum sind wir hier. Damit Caernis Prime ein Ort des Friedens bleibt“, versicherte ich. „Wir glauben, dass das heilige Patama den Konfliktparteien diesen Weg aufzeigen kann.“

„Das Patama ist eine Lehre. Wenn die Höchsten Geber jemandem Gnade schenken, erkennt er das Patama und folgt dem heiligen Weg.“

Professor Capranyi war zu uns getreten. „Mit Verlaub, Ehrwürden… Exzellenz…“ Er wusste nicht, wie die korrekte Anrede lautete und optierte für das Feierlichste, was ihm einfiel. „Ich glaube aufgrund langjähriger Forschungen annehmen zu können, dass das Patama ein reelles Artefakt ist. Aufzeichnungen über den Aufbruch von Caernis Prime. Aufzeichnungen, die das gemeinsame Erbe der Auswanderer zeigen, ihren gemeinsamen Anspruch, und damit das Fundament für dauerhafte Friedensverhandlungen sein könnten.“

„Wenn unsere Regierung denn hört“, brummte einer der Aktivisten hinter mir. „Die Herren glauben doch, dass sie die Wahrheit längst verinnerlicht haben! Genau wie die Obersten Führer von Alpha Pavonis. Was soll irgendein Artefakt ändern? Wir vergeuden hier unsere Zeit.“ Sein Begleiter warf ihm einen finsteren Blick zu.

„Das Patama ein Artefakt?“ Der Älteste der Mönche sah uns bestürzt an. „Von diesem Irrglauben habe ich gelesen, ja…“ 

Professor Capranyi überging das religiöse Problem mit wissenschaftlichen Erklärungen, als stünde er im Hörsaal: „Aufgrund der Aufzeichnungen von Tessima und den  Petroglyphen des Alten Ordens auf Alpha Pavonis geht die Forschung davon aus, dass es sich bei dem Patama um einen alten Datenspeicher handelt. Dass die Lesart von K’umr’ava eben nicht wie im neueren Sprachgebrach Weg oder Lehre bedeutet, sondern ‚das Auszulesende‘, also ein Speicher. Und dieser Speicher muss sich im Gebäude der alten Zentralregierung befunden haben. Die ich wiederum aufgrund eigener Forschungsarbeiten teilweise unter diesem Kloster vermute.“

„Dieser alte Speicher – wenn er noch existiert – könnte die Verständigung Ihrer Völker bringen“, setzte ich hinzu, weil ich die ängstlichen und skeptischen Mienen der Mönche erkannte. „Und in diesem Sinne ist er doch eine Lehre, ein Weg, nicht wahr? Die Aufzeichnungen müssen sich nicht widersprechen.“

Der Älteste neigte zumindest interessiert den Kopf. „Unser Heiligtum steht auf den Grundmauern des alten Observatoriums im Zentrum des Regierungspalastes“, bestätigte er dann vorsichtig. „Aber alle anderen Mauern sind unter dem Gletscher und Geröll begraben. Selbst wenn eure Suche den Weg des Frieden bringen könnte – all unsere Lebenszeiten würden nicht ausreichen, das Patama zu suchen. Und überdies, es ist uns nicht gestattet, die Unverletzlichkeit dieser Mauern und des Bodens zu entweihen.“

„Wir verfügen über Technologien, die die Unverletzlichkeit der Mauern und des Bodens gewährleisten würde“, ergriff ich das Wort. „Niemand braucht mit Hacke und Schaufel hier alles umzugraben.“

„Handelt es sich um ein Speichermedium aus der Prä-Exodus-Ära, wurden bestimmte Metalle und Kunststoffe zu seiner Herstellung benutzt, die wir leicht anmessen können“, erklärte Professor Capranyi. Einer der Mönche nickte langsam, alle anderen blickten verständnislos drein. Speichermedien, gleich welcher Ära, hatten hier keinen Platz.

„Das kann ich nicht gestatten“, sagte der Älteste. „Nicht, ohne mich zuvor mit allen Brüdern zu beraten und vor allem die Höchsten Geber zu befragen! Ich muss meditieren und-„

In diesem Moment wurde eine der seitlichen Pforten aufgerissen und ein junger Mönch rannte in das Atrium. „Erhabenster!“ Er warf sich vor dem Ältesten nieder. „Auf dem Gipfel des heiligen Berges, Erhabenster! Das Wunder der silbernen Schlangen!“

„Ein Zeichen, ein Zeichen!“ hörte ich einige der Mönche erschrocken flüstern.

 
*** An Bord der Picard / Brücke ***

LaSalles bestens inszeniertes ‚Zauberkunststück‘ begann Wirkung zu zeigen. Als Mort Caldred die wütende Stimme Zva Makumas von Alpha Pavonis über die Brücke klingen hörte, fragte er sich allerdings, ob es die gewünschte Wirkung sein würde…

+ Was ist das für eine Blasphemie? + fauchte er, während der Bildschirm wie immer dunkel blieb, da die religiöse Fraktion von Alpha Pavonis ablehnte, ihre Gesichter ‚Ungläubigen‘ zu zeigen.

Mort Caldred stellte anerkennend fest, dass LaSalle die Ruhe selbst war. „Captain Makuma. Ich weiß nicht, worauf Sie abzielen. Würden Sie uns bitte aufklären? Wie Ihre Sensoren sicher anzeigen befindet sich die Picard wie verabredet auf dem Rückzug.“

+ Dieses Schleichen nennen Sie Rückzug?! Und was soll- +

Die Übertragung wurde unterbrochen, weil sich nun ein wütender Kommandant Giffris von der Abordnung von Beta Pavonis dazwischen schaltete. + Föderation! + knarzte er und beugte sich in Richtung seiner Kom, als könne er LaSalle persönlich an die Kehle gehen + was soll diese Scharlatanerie? Glauben Sie vielleicht, einen aufgeklärten Mann wie mich mit solchem Humbug beeindrucken zu können? +

…
 
(Ok, LaSalle, du bist dran, deinen Plan mit diesem Zauberkunststück zu entfalten =))
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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BdZ Log 19 - Sareth / NPCs - von Sareth - Oct-Fri-2026, 11:58 AM

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