Zwischen Licht und Finsternis - Log 17 / Sir Waltham
#1
An Bord der Albion / Deck 2 / Labortrakt

Richard von Rabenstein war sich noch immer nicht sicher, warum er der Einladung zur„Präsentation erster Forschungsergebnisse in Sachen LaSalles Plänen“, gefolgt war-
Ihm waren okkulte Dinge, die Werkzeuge der Hölle, eigentlich zuwider. Doch der Gedanke, mehr über die Pläne LaSalles zu erfahren, war wie in schlechter Geschmack, den man trotzdem auskostete, weil er die Sinne ungewöhnlich reizte. Und außerdem war es wichtig, Walthams Fähigkeiten und Wissen einschätzen zu können. Nur für den Fall der Fälle.
Das Labor strahlte, wie wohl alles an Bord von Walthams Privatschiff, eine gediegene Elgeganz aus. Holodisplays und einfache Stühle dominierten den Raum. Luxus für den Geist, nicht für den Körper.
Walthams Gesichtsausdruck verriet seine Gefühle nicht. Und Richard hatte auch keine Veranlassung, diesen Gefühlen nachzuspüren. Würde Waltham etwas Übles gegen Richard im Schilde führen, gäbe es sowieso keine Rettung. Aber so schätzte Richard diesen Mann nicht ein.
Hass? Ja auf LaSalle. Aber aus diesem Hass schien dieser merkwürdige Informationshändler seine Energie zu beziehen.
Waltham wandte sich Richard zu, als dieser eintrat.

Wa: Ah Euer Exzellenz. Ich freue mich, dass Sie meiner Einladung folgen konnten.

Richard lächelte dünn.

RR: Ich muss zugeben, dass die Einladung interessant klang.
Wa: Oh davon bin ich überrzeugt. Das Okkulte, um das es hier geht, ist immer anziehend. Und darin liegt seine eigentliche Macht.
RR: Sie wollen mir hier doch wohl nicht ein kleines Happening des Grauens vorführen? Das wäre reine Zeitverschwendung.
Wa: Keine Sorge, hier geht es um Fakten.
RR: Gut. Denn an einen Irrglauben kann ich keinen Gedanken verschwenden.
Wa: Das Okkulte ist also ein Irrglaube!? Hat nicht auch der „wahre Glaube“ okkulte Elemente?
RR: Das kommt auf den Betrachtungswinkel an. Aber kommen wir doch einfach zur Sache.
Wa: Oh, wie sind bereits bei der Sache. Wasser zu Wein, Speisungen unzähliger Menschen usw. usw. Das alles klingt für Nichtgläubige fantastisch, unmöglich. Doch ist es das wirklich? Denn wenn wir alles Religiöse weglassen, bietet sich uns der simple Fakt einer Materiumformung und Replizierung.
RR: Ich bin zwar kein Experte in Replikationstechnologien aber ich weiß was Sie meinen. Fahren Sie fort.
Wa: Ich gehe einmal davon aus, das Ihnen die Grundprinzipien der Transportertechnologie bekannt sind. Der technologische Aufwand der zur Materieteleportationen betrieben werden muss , ist auch heute noch immens. Was wäre nun aber, wenn ich keinen Materiestrom transportieren würde, sondern lediglich die Information zum Bau eines Objekts , zu seiner Materialisation aus am Zielort vorhandener Materie , übertragen würde?
RR: Das würde sehr viel Zeit und Energie sparen und die Reichweite extrem erhöhen.
Wa: Richtig. Man könnte vor Ort Waffen, Munition, ja automatisierte Kampfsysteme erzeugen und gegen einen Gegner einsetzen.
RR: Das ist aber nichts Neues. Die Inquisition hat dieses Verfahren auf Mornell Secundus schon vor 100 Jahren eingesetzt.
Wa: So, hat Sie das? Mag ja sein. Aber das alles ist immer noch im Bereich unseres Verständnisses der Physik. Doch nehmen wir einmal an, jemand wendet dieses Verfahren auf einen, sagen wir Gedankenimpuls an.
RR: Wie meinen Sie das?
Wa: Nun, was wäre, wenn man einen Gedanken, einen festen Willen, einen Befehl, in einen molekularen Bauplan umwandeln und über große Entfernungen transportieren könnte. Und wenn man statt eines technologisch erzeugten Trägers, ein extrem starkes, psionisches Feld verwenden würde.
RR: Man könnte dann nicht nur die Gedanken eines Wesens kontrollieren, sondern man wäre dann auch in der Lage, Kraft der eigenen Gedanken aus Materie alles zu formen , was man benötigt.
Wa: Oder eine Person oder Objekt physikalisch zu attackieren. Man benötigt keine eigene Armee, man erschafft sich eine Armee im Inneren des Zieles. Und gegen diese Art von Energie gibt es noch keine Schilde.
RR: Das Umwandeln von Materie nur durch Gedankenkraft könnte man als Magie oder Hexerei bezeichnen.
Wa: Ja, aber auch nur, weil die treibende Kraft dahinter nicht mechanischer Natur wäre.
RR: Dazu würde man aberf extrem starke, psionische Kräfte benötigen.
Wa. Ja, aber wenn LaSalle an solche Kräfte , sozusagen an mentale Generatoren heran kommen würde….
RR. Dann könnten er und seine Untergebenen überall in der Galaxis angreifen. Sie müssten nicht einmal vor Ort sein. Ja nicht einmal in der Nähe ihres Ziels.
Wa: Stellen Sie sich vor, er würde so etwas wie mentale Relaisstationen einrichten
RR: Er würde seinen Willen, ja einen Teil seines Geistes überall hin projizieren können. Er würde diesen Teil seines Geistes vom Körper trennen.
Wa: Eine Art taktisches Disanimatio.
RR: Mein Gott
Wa: Es kommt noch besser. Laut den Informationen, welche ich …nun sagen wir…..monitär extrahiert habe, gibt es im Gebiet von Panox-B, Überreste einer alten Zivilisation, von der viele Völker behaupten, dass diese Zivilisation über gigantische mentale Kräfte verfügt hätte. UND das diese Wesen nur schlafen würden. Wenn LaSalle sich dieser Wesen, wenn Sie existieren, bedient….
RR: Daher ist es umso dringender, LaSalle aufzuhalten, bevor er Panox-B erreicht.
Wa: Ich habe , über meine Mittelsmänner, mit einem der Warlords im Dark Rim Korridor, Kontakt aufgenommen. Dalin Prequeck ist reich, er ist kunstsinnig und ein wenig verrückt. Und er hat wohl Kontakt zu einem Koadjukator der Tholianer.
RR: Sehr gut. Können wir über ihn in Kontakt mit den Tholianern treten?
Wa: Nun theoretisch ja. Doch bevor wir überhaupt daran denken können, Dalin zu fragen, müssen wir erst einmal seine Bedingungen für Gespräche mit ihm erfüllen.
RR: Und die wären?

Waltham lächelte böse.

Wa: Nun, Prequeck ist sehr religiös. Und er wird bald heiraten. Und daher hat er einen besonderen Wunsch, da er gehört hat, dass eventuell ein Mann der Kirche mit ihm in Kontakt treten könnte.
RR: Ich werde keine Trauung für einen Warlord zelebrieren!
Wa: Nein, das wäre wirklich unpassend. Dalin möchte etwas anderes.
RR: Und was?
Wa: Er möchte beichten.
[Bild: Signatur-Waltham.jpg]
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Zwischen Licht und Finsternis - Log 17 / Sir Waltham - von Robert Vandenberg - Jun-Sat-2023, 01:31 PM

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