Umbra et Malleus Log 2 / Joint Log F. Hammerton / R. Vandenberg
#1
 
So many centuries
So many gods
We were the prisoners of our own fantasy
But now we are marching against these gods
I'm the wizard, I will change it all

 
Blind Guardian - Valhalla

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Alpha Crucis-System / Planet X3417-A / Äquatorialzone
 
Die Schönwetterphase hatte die letzten 2 Monate angehalten. Schönwetterphase auf X3417-A bedeutende einen strömenden Dauerregen, der den ohnehin morastigen Boden dieser öden Tundrawelt in eine sumpfige Schlammhölle verwandelte. Die Außentemperatur betrug exakt 4 Grad Celsius, für diese Welt geradezu ein Hitzerekord.
Hinter einer kleinen Felsengruppe standen geduckt einige durchweichte Zelte, immer im Schatten zweier gigantischer Massebeschleunigerkanonen und zahlreicher Projektilwaffenstellungen, daher niemals trocknend, auch nicht in den hin und wieder kehrenden Pausen des Regens. Energiewaffen waren auf dieser Welt, aufgrund der immer wieder auftretenden Energiestürme unbrauchbar. Ebenso unbrauchbar wie Ausrüstung ohne Atemfilter,
Der an diesem Ort herrschende Geruch, eine Mischung aus dem fauligem Gestank der Sümpfe und des Morasts, dem süßlichen Geruch von Verwesung,  den ozonartigen Ausdünstungen der Massenbeschleuniger, gepaart mit dem Gestank vom Regen überfluteter provisorischer Latrinen, gab dieser Gegend ein Odor von dem, was sie wirklich war. Ein Schlachtfeld. Große Pestilenz behaftete Insekten schwirrten trotz des Regens durch die Luft. Und wenn man nach ihnen schlug und sie mit der Hand traf, prallten sie bisweilen gegen die nassen Felsen, für kurze Zeit einen schleimigen, grün-bräunlichen Fleck hinterlassend.
Doch dies störte den Mann in einem Zelt, gleich neben einem der Massebeschleuniger nicht. Vom Zelt aus hatte man einen direkten Blick auf den gigantischen Berg in etwa 20 km Entfernung. Und selbst aus dieser Entfernung konnte man den Koloss der Festung auf dem Berg erkennen.
Seit 6 Monaten waren Colonel Frank Hammerton und seine Kampfgruppe jetzt hier. Den letzten Auftrag des alten Großinquisitors, vor der Machtübernahme durch den Usurpator LaSalle, erfüllend, hatten sie sich hierher zurückgezogen. Wie etliche Kommandoeinheiten der Inquisition, irgendwo auf gottvergessenen Planeten. Auf neue Aufgaben wartend und dabei eine Sache erledigen, welche die imperiale Flotte wohl einfach übersehen hatte.
Hammerton zündete sich eine Zigarre an und ließ den Geruch des brennenden Tabaks den Gestank der Umgebung aus dem Zelt vertreiben. Er tat dies immer vor entscheidenden Geschehnissen und heute würde es wieder ein solches geben. Der fast 1,90m große Terraner fuhr sich durch das kurzgeschorene Haar und blickte dann auf sein Spiegelbild in einer Pfütze im Zelt, welche sich unter einem Loch im Dach gebildet hatte. Ein Einschussloch? Hammerton wusste es nicht und es war ihm auch gleichgültig.
Der Mann, welcher Hammerton aus der Pfütze entgegensah, wirkte weder besonders massiv, noch ausgeprägt muskulös. Nein, Hammerton verließ sich weniger auf seine körperlichen Kräfte, als auf seine Ausbildung, Wissen, Ausrüstung, Gewandtheit und Erfahrung. Und seine Erfahrung ließ ihn jetzt wieder mit den Zeiten hadern.
So viele Jahre diente er bereits dem Imperium. Unzählige Schlachten hatte geschlagen. Für die Flotte, oder die Inquisition. Und immer war dies anerkannt worden. Doch die Leute, welche jetzt das Sagen hatten, traten die Traditionen des Empires mit den Füßen.  Hammerton schüttelte den Kopf.  Verrottet, diese Leute waren völlig verrottet.
Das Eintreten eines jungen Offiziers unterbrach Hammertons trübe Gedanken. Der Offizier salutierte zackig und stand dann vor Colonel Hammerton stramm.

FH: Ich höre Lt. Tschel?
LT: Wir haben eine Nachricht von Commissioner Vandenberg erhalten. Der Gast ist eingetroffen.
FH: Sehr gut. Teilen Sie Mr. Vandenberg mit, dass wir uns auf Beta Phönizis treffen werden.
LT: Sir, jawohl Sir.
FH: Hoffentlich ist es die Umstände wert. Schließlich habe ich diesem Geschäftspartner von Arminius SR eines unserer beiden Kampfschiffe ausgeliehen. Ein Kampfschiff und ein Truppentransporter als Rest, sind nun wirklich keine schlagkräftige Flotte. Aber wir werden sehen. Bereiten Sie die Schiffe auf einen baldigen Abflug vor.
LT: Sir, Jawohl Sir.
FH:  Sonst noch etwas, Lt?
LT: Sir, wir haben eine Nachricht aus der klingonischen Festung erhalten.
FH: Hat der Kommandant über mein Angebot nachgedacht?
LT: Sir, das hat er.
FH: Und wie lautet seine Antwort?
LT: Nur, Sir, er sagte er werde und ich zitiere, lieber mit tausenden Wunden bedeckt im Kampf sterben, als sich Ihnen zu ergeben, Sir. Er sagte weiterhin und ich zitiere auch hier, dass er sich aus Ihrer Hirnschale einen Trinkbecher machen werde, Sir.
 
Hammerton blickte auf die Glut seine Zigarre.
 
FH: Das diese Klingonen immer so merkwürdige Tischsitten haben müssen? Nun wie auch immer, des Klingonen Willen ist sein Stovokor. Es wird Zeit, dass wir unsere Hintern von dieser stinkenden Kugel heben. Lassen Sie die Massebeschleuniger auf Kernschuss einstellen. Dauerfeuer auf Festung.
LT: Sir, ich gebe zu bedenken, dass wir Befehl haben, die Festung einzunehmen. Deswegen kämpfen wir ja nun schon so lange hier.
FH: In dieser Gegend, am Hintern des Empires, eine Festung zu erobern ist zum jetzigen Zeitpunkt sinnfrei. Die Klingonen werden alle wichtigen Einrichtungen bereits zerstört haben, um sich dann einen ehrenvollen Tod im Nahkampf zu gönnen. Dazu habe ich weder Lust, noch die Veranlassung Männer und Frauen zu opfern. Führen Sie also Ihre Befehle aus und lassen Sie anschließend sammeln. Ich habe die Nässe in diesem Zelt und den gesamten Planeten satt.
 
Lt. Tschel salutierte zackig und eilte aus dem Zelt. Wenige Minuten später erwachten die Massebeschleuniger zu donnerndem Leben. Bei jedem Schuss, welcher einen 15 m langen Wolframstab als glühendes Projektil gegen die Festung schleuderte, erbebte die gesamte Umgebung.
2 Stunden später, nachdem das Lager geräumt und die Schiffe von Hammertons Flotte über die zertrümmerten und glimmenden Reste der Festung abgeflogen waren, hatte auch der Regen aufgehört. Und es herrschte Stille. Totenstille.
 
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Ortswechsel:
 
Malastair 4 / ISS Dark Mirror / Brücke
 

Werden Sie nicht blasphemisch… Und wen haben sie bei dieser Perspektive im Auge? Schwester Agathea vielleicht?
 
Richard von Rabensteins Worte hingen wie eine giftige Wolke zwischen ihm und Vandenberg. Doch dieser grinste nur bösartig.

Va: Oh das werde ich Ihnen erklären. Sehen Sie, LaSalles Vorgänger Constantinus hatte sich eine recht ansehnliche Spezialeinheit zugelegt. Für ein paar höchst geheime Spezialmissionen. Ich habe nur einige bruchstückhafte Informationen, doch so wie es aussieht, waren diese Einheiten auf Claudius selbst und nicht auf die Inquisition oder das Empire vereidigt. Die Ausrüstung dieser Einheiten soll vom Feinsten sein.
 
Richard schüttelte den Kopf.

RR: Und wo soll diese Ausrüstung herkommen? Die Flotte hielt auf ihrem Material immer eifersüchtig den Deckel drauf.
Va: Man sagt, Constantinus habe einen Mittelsmann in der Flotte gehabt und dieser habe eben bei jeder Bestellung dafür gesorgt, dass die Rüstungskonzerne eben etwas mehr geliefert haben. Und natürlich sind diese Mehrlieferungen nicht unbedingt durch die Bücher gelaufen.
RR: Ich kenne alle Abteilungen der Inquisition unter Constantinus. Und von irgendwelchen Sondereinheiten militärischer Struktur habe ich nie etwas gehört, geschweige denn gelesen.
Wie sind Sie denn an diese „Informationen“ gekommen?
Va: Nun, auch ich habe so meine Quellen, glauben Sie mir.
RR: Ich glaube, Sie wurden hier ein wenig hochgenommen, von Ihren sogenannten Quellen.
Va: Meinen Sie? Wo habe ich wohl dieses Schiff her? Ich konnte über Arminius von Schmitt-Rottloff Kontakt zu einer Kommandogruppe dieser Einheit herstellen.
 
Richard lachte verächtlich.
 
RR: Und unter welchem Namen soll diese Truppe registriert sein?
 Va: Nun, Euer Exzellenz, meine Quelle war hier etwas vage. Sie sprach von einem Ordo malleus non nobilis.
 
„ Ordo malleus non nobilis.“ In Richards Geist stieg diese Bezeichnung wie ein dünner, unangenehmer Rauchfaden auf. In der Tat. Irgendwo in seinen Erinnerungen lauerte etwas über einen Ordo malleus. Es war Zeit mehr darüber heraus zu finden. Richard beschloss, in die Offensive zu gehen.
 
RR: Wenn Sie schon Kontakt zu dieser Gruppe haben, was wollen Sie dann von mir? Und da wir schon bei Fragen sind. Hier kommt die Frage alle Fragen. Warum haben Sie mich aus dem Hochsicherheitsgefängnis befreien lassen?
Va: Seit wann sind Sie so begriffsstutzig Euer Exzellenz? Es geht hier um ehemalige Inquisitionseinheiten und wen benötigt man, um mit solchen Fanatikern zu kommunizieren? Einen Inquisitor. Außerdem haben wir ja noch ein gemeinsames Ziel.
RR: Haben wie denn so etwas wie ein gemeinsames Ziel? Haben wie denn überhaupt so etwas wie Gemeinsamkeiten? Ich ein Mann der Kirche und Sie ein Technokrat des Krieges?
 Va: Technokrat des Krieges. Muss ich mir merken. Wunderbar prosaisch. Nun ich glaube, Sie wollen endlich Ihre rechtmäßige Position einnehmen: Großinquisitor. Daraus haben Sie nie einen Hehl gemacht. Nur um diesen Plan zu verwirklichen, benötigen Sie eine schlagkräftige Bodentruppe und eine funktionsfähige Einsatzgruppe als mobile Basis. Nur mit Exerzitien, Beten und Selbstkasteiung werden Sie LaSalle nicht beseitigen. Zumal dieser ja, sich jetzt mit okkulten Dingen beschäftigt, wie man hört.
RR: Und was springt für Sie dabei heraus? Aus selbstloser Liebe zur Inquisition werden Sie diesen ganzen Zauber ja nicht veranstalten. Was sind Ihre Wünsche an mich, sozusagen als Gegenleistung für meine Rettung? Doch nicht etwa Prior eines Klosters werden?
 
Vandenberg lächelte bösartig.
 
Va: Meine wahren Wünsche stehen auf einem anderen Blatt. Was diese Sache betrifft: Ich will meinen Platz in der Flotte und meinen guten Ruf. zurück und das kann ich nur, wenn LaSalle und seine Vasallen in Flotte und Regierung beseitigt sind. Das geht nur mit Gewalt. Von innen heraus.
Und Sie sollen eben diese Inquisitionstruppen als Großinquisitor, sozusagen als Ihre Truppen in den Kampf führen. Ich für meinen Teil übernehme die Leitung der kleinen Raumkampfgruppe.
 
Ein kurzes Signal ertönte. Vandenberg schaute auf ein Info-Holo und brummte dann zufrieden.

Va: Der Kommandant der Sondereinheit wird sich mit uns auf Beta Phönizis treffen.
RR: Weit ab von imperialem Gebiet.
Va: Und ein sicheres Lager für Vorbereitungen.
RR: Was geschieht wohl, wenn ich mich nicht an Ihrem kleinen Privatkrieg beteiligen will?
Va: Nun, dann wird Schwester Agathea Sie zum nächsten Posten der Handelsgilde bringen. Dort können Sie ja Ihr Glück versuchen. Aber ich wäre da vorsichtig. LaSalle ist hinter Ihnen her. Nicht hinter mir. Als Alternative könnten Sie es ja einmal beim klingonischen Widerstand versuchen, oder bei den Romulanern. Ersatzweise könnten Sie sich auch in dieser Oase bleiben und meditieren, ob Ihre Chancen als Einzelkämpfer zu überleben nicht doch etwas geringer sind als, ich zitiere die Worte eines meiner Crewmitglieder, „die eines Schneeballs in einem Hochofen“. Also?
 
 
 
 
 
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Umbra et Malleus Log 2 / Joint Log F. Hammerton / R. Vandenberg - von Robert Vandenberg - Sep-Sun-2020, 12:52 AM

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