Dämonen / Log 16 / XO
#1
USS Picard / Deck 2 / Korridor
 
Bordnacht ist immer ein relativer Begriff. Wie sollte es auch anders sein, war doch die Zeiteinteilung an Bord nach einem Planeten ausgerichtet, der tausende von Lichtjahren entfernt war. Insofern war 3 Uhr morgens nur irgendeine Zeit und dies galt erst recht für Randy Marlowe.
Seit einigen Tagen hatte es keine merkwürdigen Zwischenfälle an Bord mehr gegeben. Die Picard hatte sich wieder auf Kurs zum Singam-Nebel begeben. Und da so etwas wie Normalbetrieb eingekehrt war, sah es Randy als seine Aufgabe an, etwas Ungewöhnliches zu tun. Und dies bestand eben heute daraus, rückwärts durch die Gänge zu joggen. So konnte man manche Dinge besser sehen. Oder besser anders sehen. Also bewegte sich Randy mit bemerkenswerter Geschwindigkeit rückwärts durch die Gänge, was um diese Zeit niemandem so recht auffiel.
Die Ruhe, welche ihn umgab, half Marlowe beim Denken.  Er dachte über sich nach, die Dinge die er erlebt hatte und was noch alles passieren könnte. Eventuell würde er eine wunderschöne Frau finden und extrem reich werden. Was wollte man mehr?
Gerade war Randy dabei, sich auszumalen, wie wohl das Leben als reicher Witwer wäre, als ein langgezogener Schrei ihn aus seinen Gedanken Riss. Aus einem Quartier am oberen Ende kam eine Gestalt gerannt. Sie stieß in vollem Lauf an die gegenüberliegende Korridorwand, fiel zu Boden und blieb zuckend, sich krümmend und vor Schmerzen schreiend, am Boden liegen. Marlowe eilte zu der Person, die er als 2nd Lt. Melvis, eine Mitarbeiterin aus der Astrometrie erkannte.

Me: Hilfe, ich verbrenne, oh bitte lösch doch jemand diese Flammen.

Marlowe sah absolut nichts. Weder Flammen, noch irgendeine andere Verletzung waren an Melvis zu erkennen. Nur dass sie jetzt begann, scheinbar in Panik, den Ärmel ihres Schlafanzuges abzureißen und dann wild um sich zu schlagen.

Me: Weg, geht weg, nein, nein,

Dann gab Melvis nur noch ein Gurgeln von sich.
Marlows Hand schlug so fest auf den Wandkommunikator, dass das gesamte Panel in die Wand gedrückt wurde.

Ma: Marlowe an med. Bereitschaft. Medizinischer Notfall auf Deck 2, Korridor 12/13. Akute Lebensgefahr.

Melvis rollte sich jetzt von einer Seite des Korridors zur anderen, sprang auf, ging 2 Meter und brach dann zusammen. Ihr langgezogenes Stöhnen wurde erst durch das erlösende Zischen eines Hyposprays beendet, welches Melvis vom herbeigeeilten Notfall-Mediziner verabreicht wurde.

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Ortswechsel: USS Picard / Medizinisches Labor
1 Stunde später
 
Vandenbergs Blick sprach Bände. Das was hier vorging schmeckte ihm, als Wissenschaftler alter Schule, überhaupt nicht.

Va: Und es gibt keinerlei Hinweise auf Brandverletzungen?
 
Nalae schüttelte den Kopf.
 
Na: Nichts. Keinerlei herkömmlichen Hinweise, noch nicht einmal auf geringe Strahlungsverletzungen. Jedoch weist Lt. Melvis als psychischen Merkmale schwerst Brandverletzter auf. Ich habe sie jetzt in ein künstliches Koma versetzt.
Va: Sie sagten keine herkömmlichen Hinweise?
 
Nalae grinste böse.

Na: Nun, ich habe alles Mögliche überprüft. Vor lauter Verzweiflung sogar im Subraum-Bereich einen Scan durchgeführt. Und siehe da, ich bin fündig geworden. Schauen Sie hier:
 
Ein Holobild klappte sich auf und zeigte eine Darstellung von Lt. Melvis. Eine rötliche Wolke war um Lt. Melvis zu erkennen. Doch direkt über ihrem Kopf war eine zuckende, violette Linie zu erkennen, welche wie ein Keil in die rötliche Wolke eindrang. Weiße Blitze zuckten an den Berührungspunkten zwischen der Wolke und der Linie.
 
Na: Ich bitte die dramatische Darstellung zu entschuldigen. Aber ich musste mit der Empfindlichkeit der Sensoren schon auf das Maximum gehen, um überhaupt etwas feststellen zu können.  Wie Sie sicher wissen, erzeugen alle Lebewesen, wenn sie mit Subraumfeldern in Berührung kommen, eine Art Schatten oder schwaches Eco im Subraum. Daher die rötliche Wolke. Diese zuckende, violette Linie jedoch, wird vom Computer als Störfeld angezeigt. Ursache und Energieform völlig unbekannt. Aber es interagiert mit dem Subraumschatten von Lt. Melvis und erzeugt seinerseits eine Art Subraumstörung, wie ich sie bei einem Lebewesen noch nie gesehen habe. Aber das könnte die Ursache für Lt. Melvis Zustand sein.
Va: Mhmm, so wie der Computer die Werte angibt, stammt die Störung selbst aber nicht aus dem Subraum.
Na: Das denke ich auch nicht. Ich nehme mir jetzt noch einmal die Ergebnisse der Untersuchung von Mr. Tr´Kovath vor.
Va: Halten Sie mich auf dem Laufenden.
 
Nalae nickte nur.
 
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Ortswechsel: USS Picard, Sicherheitsbüro
 
Mort Caldred schien die Situation in gewissem Sinne erheiternd zu finden. Vandenberg begann, die Sache allmählich als lästig zu empfinden. Es gab bisher nichts Greifbares, nur jede Menge neuer Rätsel. Und der Brief, welcher in Doktor D´Varos Quartier aufgetaucht war, machte die Sache auch nicht einfacher.
 
MC: Doktor D´Varos Untersuchung des Briefes dauert noch an, jedoch hat Sie mir erste Ergebnisse übermittelt. Demnach wurde das Papier eindeutig repliziert. Jedoch nicht mittels molekularer Auflösung, wie es bei einem Replikator üblich ist, sondern auf subatomarer Basis, ähnlich wie beim Transporter. Ich habe die Transporterlogs überprüft. Der letzte Transport, welcher durchgeführt wurde, war jener vom Planeten weg. Und außer mir und Ihnen kommt niemand an die Logs heran.
Va: Ein Scherz eines Crewmitgliedes scheidet also aus.
MC: Definitiv. Im Übrigen entspricht die Handschrift auf dem Brief keiner der in den Datenbanken hinterlegten Handschriften der Crewmitglieder. Doktor D´Varo untersucht den Brief jedoch weiter.
Va: Mhm…das Ganze kann nun nicht mehr als natürliches Phänomen angesehen werden. Dazu sind die Vorgänge zu selektiv. Haben die Quatiersdurchsuchungen etwas ergeben?
MC: Nicht viel: Keinerlei Zusammenhänge bis auf einen Umstand. Crewman Zeman, Lt. Melvis und Doktor D´Varo hatten unmittelbar vor dem jeweiligen Vorfall etwas repliziert.
Va: Subraumfelder.
MC: Korrekt Sir.
Va: Nun gut. Mr. Caldred, veranlassen Sie eine Ebene 3 Untersuchung aller Replkations- und Transportersysteme.  Die Technik soll alle Systeme untersuchen und anschließend deaktivieren. Versorgung nur noch aus den Notvorräten.Warp-Antrieb und Computerkern mehrfach abschirmen.
MC: Jawohl Sir. Da ist noch etwas, Sir.
Va: Ja?
MC:  Als wir das erste Mal auf die Ashan trafen, sagte man uns, man habe uns zunächst für Dhallharan gehalten.
Va: Korrekt.
MC: Und die Ashan selbst haben uns ja geradezu aufgefordert, den Singam-Nebel zu untersuchen.
Va: Was Captain Sokar als freundliche Geste aufgefasst hatte. Weiter!
MC: Nun, unter all den Daten für Captain Sokars Besuch, welche uns von den Ashan übergeben wurden, fand sich auch ein Text, welcher wohl eher nicht für uns gedacht war. Nach etlichen Anläufen konnten wir ihn übersetzen.
Va: Und?
MC: Er lautet:  Die Dhallaran werden enden im Singam-Nebel. Sie nehmen mit unser Leid.
[Bild: Signatur-Waltham.jpg]
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