Oct-Sun-2022, 08:04 PM
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Oct-Sun-2022, 08:05 PM von Richard von Rabenstein.)
*** Gavidian-System ***
Das blaßviolette Licht des weißen Zwergs, der diese ferne Sonnensystem mehr schlecht als recht beleuchtete und erwärmte, tauchte den Mann auf dem windgeschliffenen Felsvorsprung in harten Kontrast. Dämpfe waberten von dem schmalen Flusslauf unterhalb von ihm nach oben, reicherten sich mit dem Staub oxidierten Eisens und anderer Mineralien an, der sie gelblich-rot färbte. Wie Ausdünstungen der Hölle.
Richard von Rabenstein kniete nieder und streckte die rechte Hand in Richtung des Dunstes. Die durch die Bewegung ausgelösten Luftströme trieben die rötlichen Schwaden für einen Augenblick zur Seite. Er delektierte sich am metaphorischen Gehalt der Szenerie und richtete sich wieder auf, eine schmale, schwarzumhüllte Gestalt im harten Licht.
Inquisitor Maximus Electus, dachte er und vertiefte sich in das Siegel seines Amtsringes. Einer der Aufrichtigen war gestorben, um ihm das Schmuckstück zu überbringen. Eigentlich sollte ich in meinem Palais in Rom sein, die Tiefen des Glaubens ausloten, Sermones verfassen, Gesandte empfangen… Ich sollte mich um die Reinheit des Glaubens und die Stärke des Terranischen Imperiums kümmern…
Stattdessen saß er hier in einer primitiven Wohnhöhle, die seine Gefolgsleute von den noch primitiveren ungläubigen Ureinwohnern konfisziert hatten! Doch seine Aufgabe, seine MISSION war von all der Adversitas nicht berührt. Noch immer oblag ihm die Rettung der Kirche und die Rettung des Imperiums. Daran würden weder marodierende Borg, klingonische Rebellen, verräterische Romulaner oder LaSalle’s Killerkommandos etwas ändern!
Vor gut einem Jahr war er hier angekommen, mit einer Handvoll Flüchtlinge, die er mit einem Betrugsmanöver vor dem Sklavenmarkt bewahrt hatte. Der Zweck heiligte die Mittel. Seither saß er hier, knüpfte dezente Beziehungen zu möglichen Verbündeten und setzte flammende Reden in das interstellare Transmitternetzwerk ab. Einer der Geretteten war ein Transceivertechniker gewesen, und verstand es meisterhaft, Programme mittels anderen Programmen an Bord von ahnungslos vorbeifliegenden Schiffen zu schmuggeln, die dann dort, sobald Kontakt zu einem Netzwerk erkannt wurde, ihre eigentlich Botschaft absendeten, ohne dass man sagen konnte, von wo sie gekommen war.
Von Frank Hammerton hatte Richard seit Monaten nichts gehört. Der Colonel war in den Vairis-Sektor aufgebrochen, nachdem ihm ein dubioser Waffenhändler weisgemacht hatte, dort sei ein intaktes Drohnengeschwader verborgen worden und ‚warte‘ auf kundige Hände nebst neuen Zielen. Richard schätzte, dass Hammerton in die Falle eines lokalen Warlords getappt war, der unterdessen seine Flottille in Einzelteile zerlegt hatte und auf dem Schwarzmarkt verhökerte.
Der Großinquisitor wandte sich um und ließ den Blick über die Einöde aus schwarzem Fels, waberndem Dunst und glänzenden Eisflächen schweifen. Die Gegend war so abweisend, leer und kalt wie ein Gräberfeld.
Doch plötzlich, für einen winzigen Moment, schien das Bild, das sich dem Auge bot, zu zittern. Ganz im Süden seines Blickfeldes, dort, wo ein bedrohlicher Felsen in den Himmel ragte, glänzten für einen Sekundenbruchteil warme gelbliche Lichter. Richard presste die Lippen zusammen. Ihr holographisches Abschirmfeld war instabil. Das könnte sich als tödlich erweisen, falls Spionagesonden sich in die Umlaufbahn begaben.
Aber ihre Energiereserven gingen zur Neige. Das Dilithium, das sie sich über Umwege erhandelt hatten, war nicht raffiniert genug. Die Verunreinigungen sorgen für einen unregelmäßigen Fluss des Materie-Antimaterie-Mixes, es kam zu Energieschwankungen, und das Netz brach zusammen.
Just während er darüber philosophierte, tauchte am Himmel ein sich erratisch bewegendes, hell glühendes Objekt auf, stabilisierte sich kurz, raste aber dann in einem Sturzflug gen Osten der Tiefebene zu und war verschwunden. Richard hatte das Gefühl, dass die Kälte des Felsens seinen Körper nach oben kroch. Hatte der Feind ihn gefunden?
„Erhabener?“ drang eine Stimme zu ihm, und einige Schritt hinter ihm gewahrte er seinen Leibwächter. Der Mann war nicht sonderlich intelligent, aber exzellent in den Kampfkünsten und schoss mit allem, was ein Rohr und ein Projektil hatte.
„Du hast das auch gesehen?“
„Ja, Erhabener.“
„Sammel ein Team und investigiere… und finde heraus, was da herunter gekommen ist. Falls es Überlebende gibt, will ich sie haben.“
Das blaßviolette Licht des weißen Zwergs, der diese ferne Sonnensystem mehr schlecht als recht beleuchtete und erwärmte, tauchte den Mann auf dem windgeschliffenen Felsvorsprung in harten Kontrast. Dämpfe waberten von dem schmalen Flusslauf unterhalb von ihm nach oben, reicherten sich mit dem Staub oxidierten Eisens und anderer Mineralien an, der sie gelblich-rot färbte. Wie Ausdünstungen der Hölle.
Richard von Rabenstein kniete nieder und streckte die rechte Hand in Richtung des Dunstes. Die durch die Bewegung ausgelösten Luftströme trieben die rötlichen Schwaden für einen Augenblick zur Seite. Er delektierte sich am metaphorischen Gehalt der Szenerie und richtete sich wieder auf, eine schmale, schwarzumhüllte Gestalt im harten Licht.
Inquisitor Maximus Electus, dachte er und vertiefte sich in das Siegel seines Amtsringes. Einer der Aufrichtigen war gestorben, um ihm das Schmuckstück zu überbringen. Eigentlich sollte ich in meinem Palais in Rom sein, die Tiefen des Glaubens ausloten, Sermones verfassen, Gesandte empfangen… Ich sollte mich um die Reinheit des Glaubens und die Stärke des Terranischen Imperiums kümmern…
Stattdessen saß er hier in einer primitiven Wohnhöhle, die seine Gefolgsleute von den noch primitiveren ungläubigen Ureinwohnern konfisziert hatten! Doch seine Aufgabe, seine MISSION war von all der Adversitas nicht berührt. Noch immer oblag ihm die Rettung der Kirche und die Rettung des Imperiums. Daran würden weder marodierende Borg, klingonische Rebellen, verräterische Romulaner oder LaSalle’s Killerkommandos etwas ändern!
Vor gut einem Jahr war er hier angekommen, mit einer Handvoll Flüchtlinge, die er mit einem Betrugsmanöver vor dem Sklavenmarkt bewahrt hatte. Der Zweck heiligte die Mittel. Seither saß er hier, knüpfte dezente Beziehungen zu möglichen Verbündeten und setzte flammende Reden in das interstellare Transmitternetzwerk ab. Einer der Geretteten war ein Transceivertechniker gewesen, und verstand es meisterhaft, Programme mittels anderen Programmen an Bord von ahnungslos vorbeifliegenden Schiffen zu schmuggeln, die dann dort, sobald Kontakt zu einem Netzwerk erkannt wurde, ihre eigentlich Botschaft absendeten, ohne dass man sagen konnte, von wo sie gekommen war.
Von Frank Hammerton hatte Richard seit Monaten nichts gehört. Der Colonel war in den Vairis-Sektor aufgebrochen, nachdem ihm ein dubioser Waffenhändler weisgemacht hatte, dort sei ein intaktes Drohnengeschwader verborgen worden und ‚warte‘ auf kundige Hände nebst neuen Zielen. Richard schätzte, dass Hammerton in die Falle eines lokalen Warlords getappt war, der unterdessen seine Flottille in Einzelteile zerlegt hatte und auf dem Schwarzmarkt verhökerte.
Der Großinquisitor wandte sich um und ließ den Blick über die Einöde aus schwarzem Fels, waberndem Dunst und glänzenden Eisflächen schweifen. Die Gegend war so abweisend, leer und kalt wie ein Gräberfeld.
Doch plötzlich, für einen winzigen Moment, schien das Bild, das sich dem Auge bot, zu zittern. Ganz im Süden seines Blickfeldes, dort, wo ein bedrohlicher Felsen in den Himmel ragte, glänzten für einen Sekundenbruchteil warme gelbliche Lichter. Richard presste die Lippen zusammen. Ihr holographisches Abschirmfeld war instabil. Das könnte sich als tödlich erweisen, falls Spionagesonden sich in die Umlaufbahn begaben.
Aber ihre Energiereserven gingen zur Neige. Das Dilithium, das sie sich über Umwege erhandelt hatten, war nicht raffiniert genug. Die Verunreinigungen sorgen für einen unregelmäßigen Fluss des Materie-Antimaterie-Mixes, es kam zu Energieschwankungen, und das Netz brach zusammen.
Just während er darüber philosophierte, tauchte am Himmel ein sich erratisch bewegendes, hell glühendes Objekt auf, stabilisierte sich kurz, raste aber dann in einem Sturzflug gen Osten der Tiefebene zu und war verschwunden. Richard hatte das Gefühl, dass die Kälte des Felsens seinen Körper nach oben kroch. Hatte der Feind ihn gefunden?
„Erhabener?“ drang eine Stimme zu ihm, und einige Schritt hinter ihm gewahrte er seinen Leibwächter. Der Mann war nicht sonderlich intelligent, aber exzellent in den Kampfkünsten und schoss mit allem, was ein Rohr und ein Projektil hatte.
„Du hast das auch gesehen?“
„Ja, Erhabener.“
„Sammel ein Team und investigiere… und finde heraus, was da herunter gekommen ist. Falls es Überlebende gibt, will ich sie haben.“
![[Bild: Signatur-Rabenstein-neu.jpg]](http://www.uss-saipan.de/USS-Saipan/Signatur-Rabenstein-neu.jpg)
