BdZ Log 3
#1
*** USS Picard / Bereitschaftsraum des Captains ***

“…Persönliches Logbuch Admiral T’Khellian, Acting CO USS Picard. Fortsetzen! – Wir sind seit fünf Stunden in den Zielsektor Caerna unterwegs. Es ist schon ein seltsames Gefühl, nach so vielen Jahren wieder einmal tatsächlich im Captain’s Chair zu sitzen, und nicht nur auf dem Platz des Missionsberaters zur Linken des Kommandanten! Rufus LaSalle sagte nach seinem Briefing, darauf müssten wir Urgestein von der USS Saipan ja eigentlich mit einem Glas romulanischen Ale anstoßen. Das werden wir vielleicht tatsächlich machen, aber erst am Ende dieser heiklen Mission… Zuerst werden wir jede verfügbare Ressource an Einfallsreichtum und Konzentration benötigen, da bin ich mir sicher.

Auf Jupiter Station ist noch ein Besatzungsmitglied zu uns an Bord gekommen, Prof. Dr. Capranyi, Betazoide, Dozent für Interreligiösen Dialog und Mitglied des Föderationsrates für Religiöse Fragen. Er ist sicher eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Ein kurzer Blick in das Register seiner Veröffentlichungen reicht aus, um uns Sternenflottenpersonal – wie er uns nennt – das klar zu machen. Aber leider ist er eben auch eine Koryphäe in Sachen Arroganz und Exzentrizität. Rufus war der Meinung, dass zu viel Gelehrsamkeit leider oft den Blick auf die Lösungen eher versperrte… Computer, Pause.“

Mein Blick schweifte zu zwei Darstellungen von Caerna Prime, eine Gesamtaufnahme, und ein Detail einer halb unter Wasser liegenden Ruinenstruktur. Sie waren etwa 80 Jahre alt und stammten von einem Survey-Team des Archäologischen Instituts der Sorbonne, die damals hier im Sektor Untersuchungen durchgeführt hatte.
Die meisten Informationen, die wir über den Planeten hatten, und die nicht von Alpha oder Beta Pavonis kamen, stammten aus dieser archäologischen Kampagne. Wenig später hatte ein Abkommen der beiden Planeten mit der Föderation weitere Forschungsaktivitäten untersagt. Die Föderation hatte sich ihrerseits verpflichtet, auf die Einhaltung des Vertrages auch von „Freien Archäologen“ aka Raubgräbern oder Expeditionen anderer Mächte zu achten. Entsprechende Beobachter- und Warnbojen waren platziert worden.

Mein Türmelder ertönte. Es war Rufus LaSalle. „Ich hoffe, ich störe nicht.“

„Nein, kommen Sie herein, ich hatte mein Logbuch ohnehin gerade pausiert.“ Ich wies auf die Sesselecke unter dem Fenster und warf beiläufig einen Blick auf die Zeit, die wir noch bis zum Zielgebiet benötigen würden. Etwas über eine Stunde.

LaSalle warf ebenfalls einen Blick auf die Holoprojektionen von Caerna Prime. „Wenn man die Planeten aus dieser Ferne beobachtet, erscheinen einem diese Konfliktsituationen immer noch absurder,“ sagte er. „Aber auf der Erde war es ja nicht anders.“

„Ja, viele Kulturen machen diese Phase in der Entwicklung durch. Aber in unserem Fall haben die Kontrahenten erst nach der Entwicklung des Raumfluges und nach dem Exodus diese feindselige Ausrichtung gegeneinander entwickelt. Dafür gibt es nur wenige Präzedenzfälle, laut Memory Alpha. – Möchten Sie ein Glas Tee?“

„Ja, danke. - So wie ich das sehe, hat es mit der Geschichte von Alpha Pavonis zu tun. Der Theokratie, die sich nach der iridianischen Pest dort an die Macht kam. Wenn sich ein Regime über die Feindschaft zu allen und allem anderen definiert und in der Abschottung das Heil sieht…“

„Das ist das grundlegende Problem. Sie haben ihr Narrativ geformt, das sie seit fast zweihundert Jahren in die Köpfe der Bewohner hämmern, und jeder der Fragen stellt, ist automatisch ein Feind, der nicht nur unglaubwürdig ist, sondern auch vernichtungswürdig. In der jetzigen Lage allerdings werden die eigenen Hardliner zu Feinden,“ überlegte ich. „Wenn sie mit ihren Siedlungsabsichten auf Caerna einen Krieg auslösen.“

LaSalle nickte. „Mir macht auch die befürchtete Einmischung auswärtiger Mächte ernsthafte Sorgen, was der OBH so vorsichtig ausdrückte. Wir wissen ja ziemlich genau, das Beta Pavonis mit dem Gedanken spielt, dem Ferengi-Konsortium beizutreten. Und das wäre für den Verkehr in der Region eine Katastrophe. Und Situationen wie unsere könnten diese Absichten natürlich beschleunigen.“

„Aber immerhin hat die Regierung von Beta Pavonis die Föderation um Vermittlung gebeten,“ antwortete ich.

„Die Frage ist, welche Macht die Regierung gegenüber den mächtigen Wirtschaftsinteressen überhaupt hat. Auf jeden Fall-„

Das Interkom signalisierte einen eingehenden Ruf von der Brücke. Ich öffnete die Verbindung. „T’Khellian hier, ich höre.“

+Die Langstreckensensoren erfassen zwei Schiffe, die sich uns nähern. Sie senden die Kennung von Alpha Pavonis.+

„Verstanden.“ Ich erhob mich, ebenso wie LaSalle.

„Es geht los!“


*** USS Picard / Brücke ***

Auf dem Hauptschirm formte sich gerade eine Gestalt, als wir die Brücke betraten. Allerdings blieb das Bild in einem undeutlichen Waberzustand. XO Quimby zog irritiert die Brauen zusammen und wollte sich schon an die Komtechnik wenden. Da ertönte die Stimme des Kontaktes: +Abgesandte der Föderation, Sie sprechen mit Zva Makuma. Unsere heiligen Regeln verbieten uns, Ungläubigen unser Gesicht zu zeigen. Es würde unsere Kraftlinien entweihen.+

„Hier spricht Admiral T’Khellian von der USS Picard. Ich danke Ihnen, dass—„

+Wir betrachten Ihre Anwesenheit als eine Einmischung in unsere internen Angelegenheiten. Verlassen Sie unverzüglich diesen Sektor.+

Nun, das war noch ruppiger, als wir es uns ausgemalt hatten! „Zva Makuma, wir möchten Ihnen und den Vertretern von Beta Pavonis eine Plattform bieten, um eine Verhandlungslösung zu erreichen. Blutvergießen und Zerstörungen an Ihrer gemeinsamen heiligen Stätte zu verhindern.“

+NICHTS ist uns und den Ungläubigen von Beta Pavonis GEMEINSAM! WIR fürchten keine Verluste, WIR fürchten kein Blutvergießen!+
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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