KI - Ketzerei Log 24 - NPCs
#1
*** Spiros Alpha / Polizeiwache bei der Behörde der Obersten Protektion ***

Namr und seine „Erleuchter“ saßen in einer von einer Petroleumfunzel eher spärlich erleucheten Zelle. Noch einige Stunden zuvor hatten sie alles im Griff, so schien es. Es gab einen Plan, das selbstgebaute primitive Fernsehgerät in Sicherheit und aus den Augen der möglicherweise schnüffelnden Behörde zu bringen – und exakt unter den Augen des Chefs der Behörde waren sie dabei gelandet!

„Das ist einfach toro, oder?!“ murmelte Jadar zum wiederholten Mal und wanderte bis an die Gitterstäbe der Zelle und dann die vier Meter zurück. „Wie konnte der Obervallo da uns persönlich erwischen? Was hat der Kerl da getrieben, mitten in der Nacht? Und was waren das für Maschinen?“

„Vielleicht haben die uns schon die ganze Zeit überwacht,“ krächzte Kevvik verzweifelt. „Jetzt wird mein Vater Stress in der Fabrik bekommen, wegen mir. Vielleicht zitiert ihn der Direktor zu sich. Oder er verliert gleich seine Arbeit! Und die Uni wird uns exmatrikulieren!“

Namr brütete nur düster neben den Gitterstäben und überlegte, dass Exmatrikulieren eigentlich noch das Beste war, was ihnen passieren könnte. „Obervallo“ Atarver konnte sie auch in einem öffentlichen Schauprozess abservieren… Er dachte an Ida und wie es ihr wohl ergangen sein mochte mit der geplanten Aktion bei den Großen Literaturfestspielen. Vielleicht sahen sie sich bald wieder, hier, in der zentralen Korrektionsanstalt von Shazar.

Aber Jadar hatte wirklich Recht. Was bei allen alten Göttern waren das für Maschinen gewesen, in den Gewölben neben dem Museum, unter der Protektionsbehörde? Und die hatten nicht einfach da gestanden, eingestaubt, von Spinnen zugewebt, kalt und tot, wie so viele Artefakte, die er bei den Streifzügen in den Katakomben des Museums gefunden hatte. Nein, diese Maschinen brummten, zirpten, blinkten. Und der Oberste Kommissar der Protektion schien DAS gar nicht aufzuregen.

Ihre kleine Kiste mit dem selbstgebauten Fernseher brachte ihn sofort auf hundertachtzig, aber das Zeug um ihn rum? Seine Reaktion ließ eigentlich nur einen Schluss zu: er wusste über diese Maschinen Bescheid. Und…. Namr stockte bei dem Gedanken fast der Atem: er oder irgendwer, den er kannte, benutzte sie auch. Trotzdem saßen SIE hinter Gittern und Atarver inszenierte sich gerade irgendwo.



Die festgesetzten Studenten ahnten nicht, dass sich die Wachposten im angrenzenden Raum ganz ähnliche Fragen stellten:
„Hast du das gesehen, da unten, Szepi?“

„Ich bin nicht blind. Aber ich habe NICHTS gesehen, falls du das meinst.“

„ICH bin zur Protektion gegangen, um die Bürger vor Verbrechern und Bedrohungen zu schützen,“ entgegnete sein jüngerer Kamerad. „Nicht, um meinen Verstand vorne in der Wachstube an den Haken zu hängen, ehe ich die Uniform anziehe!“

„Ich sage dir, es ist gesünder, seinen Job zu tun, und Befehle zu befolgen.“

„Szepi! Mann! Wach auf! Kennst du die alten Berichte nicht? Von den Maschinenhallen und geheimen Anlagen unter der Erde?! Und dass die Regierung sie benutzt, um uns zu überwachen?“

„Du hast letztens zu lange diesen Verschwörungstheoretiker verhört, glaub ich!“

„Vielleicht war es kein Verschwörungstheoretiker, sondern jemand, der Bescheid wusste!“

Szepi legte die Füße auf den alten Holztisch der Wache und griff nach der Dose mit seinem Abendessen. „Jemand, der mit einem Fernrohr in die Nacht starrt, und dort Raumschiffe findet, die Spiros Alpha umkreisen, weiß nicht Bescheid. Unser Planet ist verbotenes Terrain, laut Gesetz. Hier kreist niemand. Du machst mich ganz nervös. Setz dich. Ich habe heute feinen Käse mit, kannst was abhaben….“

„Käse?! Wen interessiert dein Käse! Mann! Da unten, unter UNSEREN FÜSSEN ist ein Labor mit irgendwelchen blinkenden Kästen! Das sollte da nicht sein!“
Er ging an den Schrank und holte die Kamera der Wache, mit der für gewöhnlich Beweisobjekte festgehalten wurden. Vor einigen Stunden hatte sie das komische Gerät der inhaftierten Studenten abgelichtet. Die Platten waren unterdessen im Fotolabor, würden aber erst morgen entwickelt werden, da der Fotograf bereits Dienstschluss gehabt hatte.

Nun stellte der junge Protektionsdiener den mittelgroßen Kasten mit der schweren Glasoptik und dem ausziehbaren Lederbalgen wieder auf den Tisch und schob ein neues Fünferpaket mit fotografischen Platten in das vorgesehene Fach. Die Kamera war eine neue Entwicklung; statt nur einer Platte, konnte sie nacheinander auf vier weitere zugreifen, die über einen raffinierten Mechanismus hochgeklappt wurden.

„Was hast du jetzt vor?“

„Ich gehe da noch mal runter und fotografiere alles. Schon als Beweis für uns, dass wir es wirklich gesehen haben! Und wer weiß…“


*** In den Tunneln unterhalb der Stadt ***


Captain Van Rooyen und ein Teil seiner Gruppe hatten sich auf den Weg gemacht, der ominösen Antimateriesignatur auf die Spur zu kommen, die sie plötzlich mit dem Tricorder angemessen hatten. Innerhalb der letzten Stunde, während der sie sich durch alte Abwässerkanäle und U-Bahnschächte vorarbeiteten, war die Anzeige noch einmal hochgeschnellt und dann wieder abgefallen. Auf jeden Fall sah das nicht nach einer kontrollierten Reaktion aus. Abgesehen davon, dass es hier auf diesem Planeten ohnehin keine kontrollierte Antimateriereaktion geben sollte – höchstens die allgemein bekannte Reaktion, die heißer Dampf auf einen mechanischen Kolben bewirkte!

Die Handgelenk- und Kopftaschenlampen seines Teams rissen von den Gewölben herabhängende Wurzeln und Spinnweben aus dem Dunkel. Unter den Füßen verkündeten schmatzende Geräusche, dass das Feuchtigkeitsniveau sich gesteigert hatte. Irgendwo im Dunkel klang auch leichtes Plätschern und Tropfen.

Van Rooyen blickte auf die holographische Anzeige des Tricorders, die eine Überlagerung des bekannten Stadtplanes mit ihren bisher erhaltenen Scanergebnissen zeigte. Die im Moment nur noch schwache Antimateriespur wurde als blaue Raute angezeigt. „Das ist ziemlich im Stadtzentrum, in der Nähe der Universität,“ erkannte er. „Möglicherweise eines der alten Labore, in denen damals geforscht wurde, vor der Kulturrevolution.“

Die Andorianerin neben ihm, eine Technikern, klappte ihre Fühler zurück. „Und die ganze Zeit saßen sie auf diesem Blindgänger, sozusagen. Wie auf Andoria, wo sie vor einigen Jahrzehnten noch einen Torpedo aus den Kriegen mit Vulkan entdeckten, friedlich unter dem neuen Regierungsgebäude. Lag da seit dreihundert Jahren und rottete vor sich hin. Nur die Kälte hat uns vor dem Schlimmsten bewahrt.“

Dadvin, der bolianische Ensign, meldete sich aus dem Basiscamp unter dem alten Flughafen. Das hieß, er hatte es geschafft, den Transmitter wieder zum Leben zu erwecken, so dass sie über die Kommunikatoren Kontakt halten konnten!

+… kann ich noch einige andere Com-Badge-Signaturen auffangen, aber fast alle sehr schwach. Meine Reichweite ist nicht stark genug. .. + Seine Stimme brach kurz ab, aber Van Rooyen bekam noch mit, dass er irgendwelche alten Kupferspulen auf abenteuerliche Weise mit dem Transmitter koppeln musste.

Der Captain hoffte, dass der Rest seiner Crew an den diversen Landeplätzen wohlauf war, dass es keine ernsthaft Verletzten oder Erkrankten gab – aber auch keine Kontaminationen der lokalen Kultur! Ob tatsächlich schon ein Rettungsteam hier auf Spiros Alpha war und nach ihnen suchte? Oder hatten die Sensoren von Dadvins Tricorder eine Fehlanzeige geliefert? Schließlich hatten sie die Kapazität drosseln müssen, um die Akkulaufzeit zu verlängern.
Andererseits –

Dadvins Stimme, nun wieder deutlich und klar, durchbrach seine Gedanken:
+… ein Signal in relativer Nähe anmessen, etwa 12 bis 15 Kilometer von Ihnen, Sir.+

Vielleicht Sokar?! hoffe Van Rooyen. Schließlich war sein Erster Offizier in der Stadt unterwegs gewesen, als ihr Kontakt abbrach!

+… habe einen Ping gesetzt, und es kam die korrekte automatische Transpondersignatur zurück. Definitiv ein aktiver Sternenflottenkommunikator. Ich sende einen Request… + Nur einen Moment später hallte Dadvins aufgeregte Stimme wieder durch den Abwassertunnel. + Ich habe Kontakt, Sir! Ich patche zu Ihrem Kommunikator durch! +

Van Rooyen, der halb und halb erwartet hatte, Sokars vertraute Stimme zu vernehmen, schrak beinahe zusammen, als er eine weibliche Stimme hörte. Und eine bekannte dazu:
+Hier T’Khellian. Hallo?+

„Sareth? Hier ist Jake! … Ah… Van Rooyen, USS Feynman!“
Also war sie hier, die Rettungsmission! Das sah Sareth ähnlich, dass sie einen Weg fand, die Regularien irgendwie zu umgehen und zu ihrer Rettung aufzubrechen!

(Fortsetzung folgt aus Sareths Sicht)
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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