Umbra et Malleus Log 9
#1
*** ISS Dark Mirror ***

 
Der Großinquisitor machte sich auf den Weg ins Offizierskasino, obwohl ihm derzeit der Appetit vergangen war. Aber eine gewisse Kalorienzufuhr war unabdinglich, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, das hatte der Allmächtige in seiner unendlichen Weisheit nun einmal so festgelegt.
 
Also trat er an die Replikatoren, die hier im Offiziersbereich mit deutlich höheren Auswahlmöglichkeiten bestückt waren, und bestellte einen Imbiss. Auf dem Weg zu einem der Separeetische an den Fenstern erblickte er jene junge Dame, die ihn vor einigen Tagen kurz vor ihrem Abflug um seinen Segen gebeten hatte. Sergeant Ellen Robinson. Gerade blitzte ihr Technikerabzeichen wieder deutlich im Deckenlicht auf. Auch sie saß vor einem vollen Teller - Eile war also in dieser Beziehung nicht geboten. So nahm Richard in einiger Entfernung Platz, aß und behielt sein Zielobjekt im Auge, während er sich die kommende Strategie überlegte. Er musste schnellstens wissen, wieviel Vandenberg wusste!
 
...
 
Beim Verlassen des Kasinos kreuzte er wie zufällig den Weg von Sergeant Robinson. Sie grüßte ehrerbietig und er ließ sich den Ring küssen. Ach, das tat gut ab und an...
"Wahrscheinlich haben Sie hier an Bord nicht wirklich Gelegenheit zur Beichte, Sergeant. Ich könnte etwas Zeit erübrigen."
 
"Oh, ja, da haben Sie Recht, aber... ich möchte Ihnen nicht die Zeit stehlen."
 
"Keineswegs. Es ist schließlich meine Pflicht, nein, mein Bedürfnis, Gläubigen in seelischer Not beizustehen. Und ich kann sehen, dass Sie Ihr Gewissen gern etwas erleichtern möchten."
In einiger Nähe schlenderte ein Crewman vorbei und Richard bedachte ihn mit einem eisigen Blick, der ihm bedeutete, so schnell wie möglich weiter zu kommen und sich nicht umzudrehen. Gut dass die Inquisition ihre Aura auch in dieser beklagenswerten Zeit nicht völlig eingebüßt hat...
"Kommen Sie, Ellen, machen Sie sich keine Sorgen um meine Zeit. Ich bin für Sie da, wie für alle anderen, die meiner Hilfe bedürfen."
 
 
*** Richards Quartier ***
 
Der Großinquisitor und sein Beichtkind hatten die notwendigen Vorbereitungsgebete gesprochen, und nun lauschte er zurück gelehnt in seinen Sessel, was die zu seinen Füßen kniende Frau sich gern von der Seele reden wollte. Bisher war es nichs Verwertbares, aber er konnte sie nicht zu rasch 'verhören', ohne Argwohn zu erwecken. Alles musste ganz natürlich vor sich gehen. Wenn sie sich nur nicht so unendlich ermüdend lange bei ihren Beziehungsquerelen zu diesem oder jenem Crewmitglied aufhalten würde, Infernus maledictus! Er gab ihr einen kleinen  mentalen Anstoß, um sie in jene andere Richtung zu lenken, bevor er offen fragte:
"Und Ihr Dienst an Bord? Das scheint auch etwas zu sein, was sie belastet. Ihr Stress hier ist vermutlich sogar der Grund Ihrer Verfehlungen in Sachen Ihrer Beziehungen."
 
"Ja? Ja, kann sein, ist manchmal unerträglich, und dann lasse ich es aus an Amir. Letzte Woche, da habe ich ihn---"
 
Nein, ich will es nicht wissen!"Sehen Sie. Ellen. Es ist immens wichtig, dass Sie Ihre Seele von allem befreien, was Ihnen Schmerz und Unfrieden verursacht." Nun komm schon!!!
 
"Die Sache mit den Borg... aber ich darf nicht darüber sprechen. Exzellenz, wenn jemand erfährt--"
 
"Keine Sorge, mein Kind. Alles, was hier zwischen uns gesprochen wird, wird hier in diesen vier Wänden verbleiben. Vertrauen Sie mir. Vertrauen Sie der Gnade des Allmächtigen und erzählen Sie mir alles!"
 
"Ja, ich weiß. Es ist ja nur... Ensign Rudnikov hat eine Andeutung fallen lassen in einer Bar, und einer von Agatheas Leuten hat ihn exekutiert."
 
Interessant.
 
"Ich meine, ich hab nichts gesehen, aber man sagt, die haben ihn beiseite geräumt, weil er geredet hat. Deshalb sind sie doch an Bord. Die haben ihre Augen ja überall, und wenn man nicht aufpasst..." Ihre zitternde Stimme erstarb und ihre Angst war plötzlich so groß, dass Richards mentale Fühler keinen Kontakt mehr herstellen konnten.
 
Er überwand sich und ließ die rechte Hand auf ihren Kopf sinken. "Keine Angst. Hier sind Sie in Sicherheit. Denken Sie nur an Ihr Seelenheil. Sie wissen doch, dass Experimente mit den Borg eine schwere Blasphemie darstellen."
 
"Ja." schluchzte sie. "Es ist schrecklich! Aber was soll ich machen, ich bin in der Kommandostruktur! Was soll ich machen?!" Sie streckte die Arme aus und klammerte sich an ihm fest.
 
Ahh, Sanctissima Trinitas! "Ellen. Beruhigen Sie sich. Ich verstehe Sie. Aber ich kann Sie erst absolvieren, wenn Sie mir alles sagen, was vorgefallen ist. Warum gibt sich Ihr Kommandant mit solchen gotteslästerlichen Taten ab?"
 
"Damals im Krieg gegen die Borg, hab ich gehört, hat er Zugriff auf einen Kortikalknoten bekommen, in dem irgendwelche Sachen gespeichert waren... ein Mythos, ein Borg-Mythos.... das Licht wird zur Nacht und das Ende zum Anfang oder  so, es war so eine Art... Gedicht... Ist irgendwie im Subsystem von den Dingern verankert."
 
Seit wann pflegen die Borg Poesie? Und seit wann interessiert sich Vandenberg dafür?! Ein Gedicht ... wohl eher ein Code...
 
"... und seither sind wir hinter jedem Borg her, den wir irgendwo erwischen können. Die Offiziere sagen, wegen der Hardware, aber ich bin bei der Tech-Crew, ich programmiere die Searchbots. Wir sind auf der Suche nach dem Taminus!"
 
Das war die letzte Bestätigung die Richard brauchte. Vandenberg war auf offensichtlich mit ziemlicher Besessenheit auf der Suche, und er war überzeugt davon, am Ziel seiner Sehnsüchte etwas immens Wichtiges zu finden - aber er wusste nicht, wo er suchen sollte! Nun, ganz sicher nicht auf Delmaran...! 
 
"...Jemand hat gehört... er glaubt... dass Imperium fällt ihm wie eine reife Pflaume in die Hände! Und er soll gesagt haben, dafür verkaufe er seine Seele dem Teufel!"
 
Das hat  Vandenberg schon vor Jahren getan. Richard absolvierte eine immer noch schluchzende Sergeant Robinson und expedierte sie dann mit der Versicherung göttlichen Wohlwollens nach draußen. Es gab keine Zeit mehr zu verlieren!
 
 
*** ISS Dark Mirror / Transporterraum ***
 
Richard war an dem jungen Mann an den Transporterkontrollen vorbei marschiert und hatte auf dem Transferfeld Platz genommen. "Auf die ISS Vespasian, Brücke (= der Kommandokreuzer von Hammerton)!"
 
"Sir, ähm... Exzellenz, der Konvoi geht in zwei Minuten auf Warp. Ich muss Rücksprache--"
 
"Sie werden mich AUGENBLICKLICH auf die Vespasian beamen! Oder ich belege Sie mit dem großen Anathema!"
 
Die schweißfeuchten Hände des Crewman flogen über die Transporterkontrollen.
 
 
*** ISS Vespasian / Brücke ***
 
Richard materialisierte kurz bevor Warp initiiert wurde. Hammerton  fuhr aus dem Captains Chair hoch und besann sich in letzter Sekunde auf die Grundregeln der Höflichkeit. "Exzellenz," brachte er heraus, "solche plötzlichen Erscheinungen auf meiner Brücke pflege ich ... nicht zu schätzen. Außerdem sind meine Sicherheitsleute stets feuerbereit!"
 
"Befehlen Sie sofortigen Stop!" rief Richard unbeeindruckt. "Schilde hoch und Gefechtsbereitschaft!"
 
Hammerton konnte ein irritiertes Husten nicht völlig unterdrücken. Die übrige Brückencrew ließ die Blicke unsicher von einem zum anderen wandern.
 
"Sie sind auf das Amt des Großinquisitors verpflichtet! Und in dieser Eigenschaft BEFEHLE ich Ihnen sofortigen Stop!"
 
Hammerton machte eine Handbewegung Richtung technischer Station, und der dortige Offizier leitete die Order an den Maschinenraum weiter, während die Kom entsprechende Befehle an die übrigen Schiffe absetzte. Eine Minute später schwebte die kleine Taskforce gemächlich auf Impulsantrieb im Raum. Im Holoemitter entfaltete sich Vandenbergs Gestalt.
 
"Hammerton, Von Rabenstein - was soll diese Scharade?!"
 
"Ich habe eine kleine Kursänderung bekannt zu geben," ergriff Richard das Wort. "Wir fliegen in den Velconnia-Belt,  nicht nach Delmaran."

(PS: wie gesagt, hab da noch eine Idee, warte aber auf Antwort. S. oben im Verwaltungsbereich)
[Bild: Signatur-Rabenstein-neu.jpg]
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