Jul-Sat-2021, 09:20 PM
*** ISS Dark Mirror / Quartier von Richard von Rabenstein ***
Richard betrachtete den Amtsring an seinem Finger und konnte den Ärger über Robert Vandenberg und dessen Wissenschaftler nicht gänzlich unterdrücken, obwohl es natürlich unprofessionell war, sich an solchen Minimalitäten festzuhalten. Immerhin war der Stein mit dem Siegel über 1500 Jahre alt - er wurde von Amtsinhaber zu Amtsinhaber weiter gegeben, lediglich die Fassung erneuert. Wie konnte man also über diese erhabene Reliquie sich derart disrespektierlich äußern?! Nun, er konnte diesen Kretin nicht exkommunizieren, dafür fehlte die juristische Handhabe (und wahrscheinlich würde es den Kerl auch nicht interessieren).
Richard holte tief Atem und stand auf. Aus dem Fenster seines Quartiers blickte auf die unspektakulären Ausläufer des Velconnia-Asteriodengürtels und die schwach leuchtenden Schwaden eines planetaren Nebel in der Ferne. Das Omegamolekül als Antwort? Erneut überdachte er ihre bisherigen Funde. Es ist nicht logisch... Valentinian findet dieses Portal... erkennt sein Gefahrenpotential... beauftragt mich mit seiner Vernichtung - und die einzige Option liegt in der seltensten Substanz des Universums, derer habhaft zu werden JAHRE dauern könnte?!
"Ego sum Alpha et Omega, Principium et Finis. Alpha et Omega.... Quid profari voluistis, Valentinian?!"
*** Zwei Stunden später ***
Richard war zu Vandenbergs Quartier marschiert und bedachte die beiden dort stehenden Ordonnanzoffiziere mit eisigem Blick. "Sie öffnen umgehend."
"Nur nach Ihrer Sicherheitsfreigabe."
"Ich kann Sie jederzeit von Ihrem Posten entbinden, aus Gründen der Obstruktion meiner Absichten. Und allem sonst, was mir einfällt." Er trat an den Posten vorbei und streckte die Hand Richtung Türöffner aus, was der Soldat mit einem raschen Griff zu vereiteln wusste. Richard prallte mit dem Rücken gegen die Tür - und das störte Vandenberg auf. Einen Augenblick darauf glitten die Flügel zurück und er starrte gereizt auf die Szenerie.
"Kann man hier nicht mal in Ruhe schlafen?! Was gibt es?"
"Dringende Angelegenheiten."
"Haben Sie auch mal NICHT dringende Angelegenheiten?!" Der Kommandant schloss seinen Morgenmantel und bedeutete der Ordonnanz, wieder auf Posten zu gehen. Dann schloss er die Tür und wies auf die Sitzgruppe unter dem Fenster.
"Ego sum Alpha et Omega, Principium et Finis."
"Ja, das ist mir bekannt."
"Ich spreche von der Heiligen Schrift."
"Wovon dachten Sie, spreche ich?!"
„Worauf ich hinaus will: In der Heiligen Schrift verwendet der Allmächtige diese Worte, um sich selbst zu beschreiben. Und in der Tat könnte dieses Portal beinahe als eine göttliche Manifestation gesehen werden. Die Perfektion. Der Urgrund des Seins, der Vielfalt der Universen… Anfang und Ende….“
„Nun.“ Vandenberg räusperte sich dezent. „Es war IHRE Idee, es zu zerstören.“
„Es muss auch zerstört werden, denn es ist nicht der Urgrund des Seins, sondern seine Antithese. Die Möglichkeit der Vernichtung allen Seins. Nicht Gott, sondern der Antichrist, wenn Sie so wollen.“
„Ich möchte eigentlich meine täglichen vier Stunden Schlaf,“ brummte Vandenberg, „also kommen Sie zur Sache und halten mir hier keine Predigt!“
„Es ist eine Einheit. Alpha et Omega. Was uns der selige Valentinian Constantius sagen wollte, ist, dass das Omegamolekül DORT ist, im Velconnia-Belt. Und nach allem, was ich vermute, sogar auf dem Planeten selbst. Es ist die Energiequelle des Portals.“
„Die einzige gelungene Zerstörung eines Omegamoleküls ist von Admiral Janeway überliefert. Sie nutzte eine Harmonikresonanz und einen gravimetrischen Torpedo.“
„Gut. Das dürfte auch das Netz der Quantenverschränkung genug destabilisieren.“
„Spielen Sie gern Armageddon, Exzellenz?“
„Nur, wenn es unvermeidlich ist. – Lassen Sie Kurs zurück setzen. Die genauen Flugdaten sind im Computer unseres Shuttles gespeichert. Wir können-„
Die bordinterne Kom unterbrach den Großinquisitor mit einem Alarmsignal. Dann meldete sich Offizier aus dem Arrestbereich. Mehr als + Notfall, Unterstütz….+ war aber nicht mehr zu unterscheiden. Die Stimme erstarb in einem Röcheln, dem unverkennbare Geräusche eines harten Aufpralles folgten, in den sich das Zischen von Disruptorstrahlen mischte. Vandenberg fluchte und kontaktierte die Brücke.
+Wir haben den Kontakt verloren. Sensoren offline. Einsatzkommando schon unterwegs, Sir!+ tönte es von dort.
*** Arrestbereich ***
Mort Caldred löste sich mit einem gewissen Widerwillen von dem Wachmann, den er eben zur Strecke gebracht hatte. Leider konnte er ihn nur einmal töten… Als er in einmal innerhalb der Zelle hatte, diesen terranischen Idioten, war alles ein Kinderspiel gewesen.
„Los, beeil dich!“ schrie Sokar aus einer der Zellen. Es war klar, dass bald Verstärkung eintreffen würde. Mort packte den Disruptor des Wachmanns und feuerte eine Salve über eine ganze Reihe elektronischer Paneele, die sich mit Blitzen und dezenten Rauchwölkchen ins Computernirwana verabschiedeten. Die Kraftfelder vor den Zellen brachen zusammen.
Sokar hechtete aus seiner heraus, fing die zweite Waffe auf, die sein Leibwächter ihm zuwarf. In diesem Moment öffnete sich die Tür des Lifts und die nichtsahnende Wachablösung starrte paralysiert in die Mündung des Disruptors. Sokar schoss ohne weitere Überlegung und bereicherte seine Waffenausrüstung um ein weiteres Exemplar. „Runter zur Shuttlebay! Das ist eine Caesarion-Klasse, ich kenne den Aufbau!“ Das Syndikat hatte unter anderem mit den Schemata der Schiffe gedealt.
Caldred war mit ein paar Sätzen hinter ihm, als Sokar noch etwas einfiel.
Er stürzte zurück an die Hauptkonsole des Arrestbereichs, die nur noch zur Hälfte Funktionstüchtigkeit signalisierte.
„Was tust du?!“ fauchte Caldred.
„Ich muss wissen, wo mein Sohn ist! Ich gehe nicht ohne ihn!“
Richard betrachtete den Amtsring an seinem Finger und konnte den Ärger über Robert Vandenberg und dessen Wissenschaftler nicht gänzlich unterdrücken, obwohl es natürlich unprofessionell war, sich an solchen Minimalitäten festzuhalten. Immerhin war der Stein mit dem Siegel über 1500 Jahre alt - er wurde von Amtsinhaber zu Amtsinhaber weiter gegeben, lediglich die Fassung erneuert. Wie konnte man also über diese erhabene Reliquie sich derart disrespektierlich äußern?! Nun, er konnte diesen Kretin nicht exkommunizieren, dafür fehlte die juristische Handhabe (und wahrscheinlich würde es den Kerl auch nicht interessieren).
Richard holte tief Atem und stand auf. Aus dem Fenster seines Quartiers blickte auf die unspektakulären Ausläufer des Velconnia-Asteriodengürtels und die schwach leuchtenden Schwaden eines planetaren Nebel in der Ferne. Das Omegamolekül als Antwort? Erneut überdachte er ihre bisherigen Funde. Es ist nicht logisch... Valentinian findet dieses Portal... erkennt sein Gefahrenpotential... beauftragt mich mit seiner Vernichtung - und die einzige Option liegt in der seltensten Substanz des Universums, derer habhaft zu werden JAHRE dauern könnte?!
"Ego sum Alpha et Omega, Principium et Finis. Alpha et Omega.... Quid profari voluistis, Valentinian?!"
*** Zwei Stunden später ***
Richard war zu Vandenbergs Quartier marschiert und bedachte die beiden dort stehenden Ordonnanzoffiziere mit eisigem Blick. "Sie öffnen umgehend."
"Nur nach Ihrer Sicherheitsfreigabe."
"Ich kann Sie jederzeit von Ihrem Posten entbinden, aus Gründen der Obstruktion meiner Absichten. Und allem sonst, was mir einfällt." Er trat an den Posten vorbei und streckte die Hand Richtung Türöffner aus, was der Soldat mit einem raschen Griff zu vereiteln wusste. Richard prallte mit dem Rücken gegen die Tür - und das störte Vandenberg auf. Einen Augenblick darauf glitten die Flügel zurück und er starrte gereizt auf die Szenerie.
"Kann man hier nicht mal in Ruhe schlafen?! Was gibt es?"
"Dringende Angelegenheiten."
"Haben Sie auch mal NICHT dringende Angelegenheiten?!" Der Kommandant schloss seinen Morgenmantel und bedeutete der Ordonnanz, wieder auf Posten zu gehen. Dann schloss er die Tür und wies auf die Sitzgruppe unter dem Fenster.
"Ego sum Alpha et Omega, Principium et Finis."
"Ja, das ist mir bekannt."
"Ich spreche von der Heiligen Schrift."
"Wovon dachten Sie, spreche ich?!"
„Worauf ich hinaus will: In der Heiligen Schrift verwendet der Allmächtige diese Worte, um sich selbst zu beschreiben. Und in der Tat könnte dieses Portal beinahe als eine göttliche Manifestation gesehen werden. Die Perfektion. Der Urgrund des Seins, der Vielfalt der Universen… Anfang und Ende….“
„Nun.“ Vandenberg räusperte sich dezent. „Es war IHRE Idee, es zu zerstören.“
„Es muss auch zerstört werden, denn es ist nicht der Urgrund des Seins, sondern seine Antithese. Die Möglichkeit der Vernichtung allen Seins. Nicht Gott, sondern der Antichrist, wenn Sie so wollen.“
„Ich möchte eigentlich meine täglichen vier Stunden Schlaf,“ brummte Vandenberg, „also kommen Sie zur Sache und halten mir hier keine Predigt!“
„Es ist eine Einheit. Alpha et Omega. Was uns der selige Valentinian Constantius sagen wollte, ist, dass das Omegamolekül DORT ist, im Velconnia-Belt. Und nach allem, was ich vermute, sogar auf dem Planeten selbst. Es ist die Energiequelle des Portals.“
„Die einzige gelungene Zerstörung eines Omegamoleküls ist von Admiral Janeway überliefert. Sie nutzte eine Harmonikresonanz und einen gravimetrischen Torpedo.“
„Gut. Das dürfte auch das Netz der Quantenverschränkung genug destabilisieren.“
„Spielen Sie gern Armageddon, Exzellenz?“
„Nur, wenn es unvermeidlich ist. – Lassen Sie Kurs zurück setzen. Die genauen Flugdaten sind im Computer unseres Shuttles gespeichert. Wir können-„
Die bordinterne Kom unterbrach den Großinquisitor mit einem Alarmsignal. Dann meldete sich Offizier aus dem Arrestbereich. Mehr als + Notfall, Unterstütz….+ war aber nicht mehr zu unterscheiden. Die Stimme erstarb in einem Röcheln, dem unverkennbare Geräusche eines harten Aufpralles folgten, in den sich das Zischen von Disruptorstrahlen mischte. Vandenberg fluchte und kontaktierte die Brücke.
+Wir haben den Kontakt verloren. Sensoren offline. Einsatzkommando schon unterwegs, Sir!+ tönte es von dort.
*** Arrestbereich ***
Mort Caldred löste sich mit einem gewissen Widerwillen von dem Wachmann, den er eben zur Strecke gebracht hatte. Leider konnte er ihn nur einmal töten… Als er in einmal innerhalb der Zelle hatte, diesen terranischen Idioten, war alles ein Kinderspiel gewesen.
„Los, beeil dich!“ schrie Sokar aus einer der Zellen. Es war klar, dass bald Verstärkung eintreffen würde. Mort packte den Disruptor des Wachmanns und feuerte eine Salve über eine ganze Reihe elektronischer Paneele, die sich mit Blitzen und dezenten Rauchwölkchen ins Computernirwana verabschiedeten. Die Kraftfelder vor den Zellen brachen zusammen.
Sokar hechtete aus seiner heraus, fing die zweite Waffe auf, die sein Leibwächter ihm zuwarf. In diesem Moment öffnete sich die Tür des Lifts und die nichtsahnende Wachablösung starrte paralysiert in die Mündung des Disruptors. Sokar schoss ohne weitere Überlegung und bereicherte seine Waffenausrüstung um ein weiteres Exemplar. „Runter zur Shuttlebay! Das ist eine Caesarion-Klasse, ich kenne den Aufbau!“ Das Syndikat hatte unter anderem mit den Schemata der Schiffe gedealt.
Caldred war mit ein paar Sätzen hinter ihm, als Sokar noch etwas einfiel.
Er stürzte zurück an die Hauptkonsole des Arrestbereichs, die nur noch zur Hälfte Funktionstüchtigkeit signalisierte.
„Was tust du?!“ fauchte Caldred.
„Ich muss wissen, wo mein Sohn ist! Ich gehe nicht ohne ihn!“
![[Bild: Signatur-Rabenstein-neu.jpg]](http://www.uss-saipan.de/USS-Saipan/Signatur-Rabenstein-neu.jpg)
