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BdZ Log 11 - Sareth/Prof. Capranyi - Druckversion

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BdZ Log 11 - Sareth/Prof. Capranyi - Sareth - Oct-Sun-2026

*** Caernis Prime ***

Professor Capranyi und ich hatten ein gutes Stück Weg vom Shuttle Richtung der äußeren Klostermauer zurückgelegt, nicht ohne dass er sich über die unzureichende Isolation der Kälteschutzhandschuhe und die unzumutbare Schneebrille beklagte, natürlich. 
"Die Sternenflotte sollte mehr in eine moderen Ausrüstung investieren, Admiral."


"Es gibt diese Ausrüstung, wir haben sie nur nicht an Bord, da kein Ausseneisatz geplant war."

"Er geht auf Ihre geniale Idee zurück, auf Ihre! Ich will nicht hoffen, dass das meiner akademischen Reputation in irgendeiner Weise - was gibt es, was schauen Sie?"

Ich tippte auf meinem Padd, das mit Tricorder gekoppelt war, und ein dreidimensionales Geländeabbild zeigte. "Bewegung seitens der Aktivisten. Mehrere Lebenszeichen sind auf dem Weg zum Kloster, und zwar über den Steilhang dort drüben. Waffensignaturen bisher nicht feststellbar."
 
Capranyi erklomm einen nahen Felsbrocken, zückte sein Ferngals und sah in die Richtung. "Ja, da sind sie. Sie tragen irgendwelche Koffer, und ein, zwei große Banner. Der Text ist noch nicht zu entziffern." Er wandte sich wieder mir zu. "Ich nehme an, dass Sie versuchen werden, einen weiteren kleinen Vorposten in unmittelbarer Nähe des Klosters zu errichten. Das ist das übliche Vorgehen in solchen Fällen. Mehr und mehr Siedlungsposten in beanspruchten Gebiet, dann die offizielle Übernahme." 

"Das glaube ich nicht. Zumindest nicht nur. Denken Sie an den Funkspruch vom Flaggschiff von Beta Pavonis. Da steckt mehr dahinter." 

Vom Kloster tönte der Gong weit in die Ebene. Wir wussten nicht, ob es sich um ein gewöhnliches Zeichen für einen Gebetsruf handelte, oder ein Alarmsignal. Von der Aussichtsplattform des höchsten Turms der Anlage konnte man die herannahenden Aktivisten bereits erspäht haben. Ebenso wie die Vorboten von LaSalles kleiner Inszenierung auf dem Gipfel des Berges. Von unserem momentanen Standpunkt aus sahen wir dort nur die üblichen graubläulichen Winterwolken, die tief zwischen den höchsten Bergzacken hingen.
 
"Ja," ließ sich Capranyi wieder vernehmen, "wenn sie das Kloster tatsächlich zerstören, haben sie das Herz der Gegner eliminiert, sozusagen."

"Aber das ist nicht, was sie wollen", erwiderte ich und ließ mich auf einem der Mauerreste links des Pfades nieder. "Denken Sie an den Funkspruch: sie wollen Erneuerung in den eigenen Reihen."
 
"Durch das Patama. Aber wir wissen nicht einmal, was es ist. Beziehungsweise gib es unterschiedliche Meinungen in der Forshcung darüber. Oder, wo dieses Patama ist." 

"Sie, Professor, glauben, dass es hier ist."
 
Er ließ sich mit einem Seufzer neben mir nieder und beobachtete die sich nähernde Gruppe der Aktivisten durch das Fernglas. "Ja." 

"Und sie glauben - im Gegensatz zu vielen anderen Forschern - dass es nicht nur religiöse Lehren von vor dem Großen Exodus, sondern Weisungen für das Leben nach dem Aufbruch von Caernis Prime beinhaltet."
 
"Ja, das legten die Transkriptionen der Artifakte auf Mat'av nahe. Allerdings-" 

"Wenn das Patama existiert, wenn Ihre Forschungen korrekt sind, Professor, dann gibt es sozusagen einen Zeitzeugen. Ein Zeitzeuge, mit dem sich Alpha-und Beta Pavonis auseinandrsetzen müssen, weil er ihre eigene Geschichte ist. - Sehen Sie, das Tor öffnet sich!"

Ich wies in die Richtung. Die großen metallbeschlagenen Flügel des Klostertores zogen sich langsam zurück, gaben einen immer größer werdenden Spalt frei, in dem jetzt eine Gruppe der Mönche auftauchte. Von der anderen Seite kämpften sich die Aktivisten von Beta Pavonis den Bergpfad hinauf.

Der Anführer der Gruppe hatte uns bald erreicht. "Föderation! Was habt ihr hier zu suchen! Das ist ein Kampf, der euch nichts angeht!"

Ich öffnete den Mund aber zu meiner Überraschung kam mir der Professor zuvor: "Wir sind hier aufgrund eines Unglücksfalls. Und da die göttlichen Mächte bestimmt haben, dass unser Shuttle hier notlanden musste, folgen wir ihrem Plan und wenden uns zum Nabel des Heilsweges, dem Berg und seinen Hütern." 

"Ihr beide entweiht die heilige Stätte!" rief jetzt der Mann an der Spitze der Mönche. Seinem Kopfschmuck nach war er der Führer der Gemeinschaft. 

"Niemand darf den Ort betreten, von dem die Vorväter aufgebrochen sind. Niemand ausser denen, die das Heilige bewahren!"
 
"Ihr bewahrt das Heilige? Ihr versteckt es!" rief jetzt einer aus der Gruppe der Aktivisten. "Und deshalb ist bei uns alles dunkel geworden! Alle folgen nur noch der Gier, häufen Besitz an! Niemand kümmert sich mehr um die Heiligen Worte! Um den Heiligen Weg!"

"Deshalb sind Sie gekommen? " fragte ich. 

"Wir sind gekommen, um ein Zeichen zu setzen, dass niemand übersehen kann!" 

"Nur die Allerhöchsten können Zeichen geben", sagte der Mönch. "Alles andere ist Frevel."
 
Einer der Aktivisten hob jetzt die Hände, in denen er unverkennbare Resonazverstärker hielt. "Wenn man uns nicht zuhört, wenn unsere Regierung nicht umkehrt, wenn nicht ALLE umkehren auf den Weg des Lichts, sprengen wir den Gipfel des Berges!" 

Die Mönche murmelten entsetzt.
 
"Es gibt einen anderen Weg." Ich trat entschlossen vor den Mann mit seinen Resonanzverstärkern, die auf zwei Drohnen montiert waren. 

"Aus dem Weg, Föderation! Es ist unsere Heilige Pflicht! Wir haben gelobt, unser Volk zurück zum Licht zu führen, koste es, was es wolle!" 

"Auf diese Weise führen Sie es einen Krieg, der keine Sieger kennen wird. Außer denjenigen in Ihrer Regierung, die schon immer der Meinung waren, Religion ist nur gut, um die Leute abzulenken, ein rückwärtsgewandtes Relikt, dass dem Fortschritt und der Wirtschaft entgegen steht. Wollen Sie das?!"

"Föderation! AUS DEM Weg!" Er setzte nach vorn, wurde jetzt aber von einem anderen Mitglied der kleinen Aktivistentruppe zurück gehalten. 

"Meine Vorfahren haben Steine in den Mauern dieses Klosters behauen!" sagte er. 

Aus den Reihen der Mönche löste sich ebenfalls eine Gestalt. "Du bis ein Abkömmling der Baumeister, Fremder?" 

Die beiden Gruppen betrachteten sich neugierig. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie sich die Wolken um den Berggipfel verdichteten und gab Professor Capranyi ein kurzes Zeichen.