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MISSIONSSTART Rasende Riesen (RR) - Sareth - May-Fri-2025 *** San Francisco / Sternenflotten-Oberkommando / Büro von Admiral t’Khellian *** Nach der anstrengenden Rettungsmission der Feynman und ihrer Crew hatte ich mir ein paar Wochen Urlaub gegönnt. Gemeinsam mit Charlie war ich in einem historischen Campingmobil durch den Westen der ehemaligen USA gereist. Dort, zwischen atemberaubenden Felsformationen, die die Natur mit Künstlerhand geformt hatte, schien die Zeit stehen geblieben. Der Wind raschelte in den Zweigen der alten Pinien und Wacholderbüsche, die sich in erdgefüllten Nischen anklammerten. Die Sonne glänzte im Morgentau auf den Nadeln der Kakteen. Einsam und erhaben zugleich erstreckten sich die alten Straßen oft von Horizont zu Horizont, noch immer meist entfernt von allen größeren Ansiedlungen. Ich hatte während meiner Karriere bei der Sternenflotte schon viele exotisch-schöne, atemberaubende Plätze gesehen, aber hier auf der Erde, oder auch auf Romulus, das war etwas Besonderes. Man fühlte seine Wurzeln, seine Verankerung in den Elementen der Heimat. Zeit, um zur Ruhe zu kommen, ehe der „Büroalltag“ einen wieder in Beschlag nahm. Und so großartig sich ein Büro im Oberkommando der Sternenflotte auch anhörte, es blieb ein Schreibtisch (zugegeben mit einem grandiosen Ausblick auf die Golden Gate!) aber eben auch mit langwierigen, langweiligen bürokratischen Dienstaufgaben. Erwartungsgemäß hatten sich in meinem Postfach Unmengen von Nachrichten angehäuft. Da war zum Beispiel die (wiederholte) Aufforderung unseres Sicherheitsbüros, an einer Schulung zur Absicherung der Kommunikatoren teilzunehmen, die in der letzten Zeit mehrfach gehackt worden waren. Von Spaßvögeln zum Glück, und nicht von Terroristen. Das war natürlich wichtig, andererseits wurden sie nun schon mit DNA-Verifizierung auf den jeweiligen Träger eingestellt… Meine Augen blieben an einer Dienstantrittsanzeige hängen. Rufus LaSalle war zum Leiter der DIA befördert worden! Also hatte es meinen alten Gefährten aus Saipan-Tagen nun doch „erwischt“! Ich konnte mir vorstellen, wie begeistert er davon war. Nun, das war unweigerlich der Lauf einer Sternenflottenkarriere – wenn man einen guten Job machte. Machte man einen weniger guten, wurde man vielleicht irgendwo auf einer drittklassigen Basis geparkt. Kommandos über Schiffe waren uns immer nur eine Zeitlang vergönnt. Während ich darüber nachsann und beiläufig einige Dokumente auf den bereitliegenden Padds mit der elektronischen Unterschrift versah, erreichte mich eine weitere Nachricht: die USS Picard-B, die monatelang mit einem experimentellen neuen Antrieb ausgerüstet worden war, sollte ihren Testflug antreten. Ich war eingeladen, als Beobachterin teilzunehmen! Nun beruhte der Antrieb zu einem Teil auf einem von mir verfassten Aufsatz über die Einsatzmöglichkeiten von quantenverschränkten Tachyonen. Auf das Phänomen waren wir damals mit der Saipan gestoßen, noch zu meiner Zeit als Wissenschaftsoffizierin, und jahrelang hatte es in der Abteilung für Temporale Physik entsprechende Forschungen und Feldtests gegeben. Die hatte ich allerdings mangels Zeit nur noch am Rande verfolgt. Nun, das versprach interessant zu werden! Vor allem war es eine Gelegenheit, die Schreibtischbürokratie für ein paar Tage wieder hinter mir zu lassen… In zwei Wochen sollte der Testflug sein, genügend Zeit, um in meinen Terminkalender entsprechend zu schieben. *** Zwei Wochen darauf / USS Picard-B / Brücke*** Mit einem kaum hörbaren Zischen glitten die Türen des Turbolifts zur Seite und ich trat auf die Brücke. Seit dem letzten Refit hatte es an der Innenausstattung nur geringfügige Änderungen gegeben. Beinahe organisch anmutend gruppierten sich die geschwungenen ergonomischen Konsolen am den Captains Chair in der Mitte der Brücke. Der Ton der Wandvertäfelung war eine Spur wärmer und kontrastierte mit den Holoanzeigen über den einzelnen Konsolen. Vorn am Platz des Navigators glomm das immersive Hologramm in Standby und wartete auf den entsprechenden Befehl, um sich um den Navigator zu entfalten. Dieser war ein Ferengi, wie unschwer zu erkennen war, und ein weiblicher dazu, was die Ohrringe verrieten. Es gab nur sehr wenige Ferengi in der Sternenflotte, höchstens eine Handvoll. Ich war gespannt, welche Geschichte hinter ihrer Karriere steckte – wenn sie denn bereit war, sie später in der Kantine vielleicht zu teilen. Von der alten Crew erkannte ich Sicherheitschef Mort Caldred, der wie immer irgendwie zu groß für seine Umgebung wirkte, obwohl seine Station an seine Physiognomie angepasst worden war. Der Schwanz mit der pfeilförmigen Spitze ruhte elegant über der Sitzlehne. Caldreds Gesichtsschuppen hatten sich leicht violett verfärbt, ein Zeichen für die sonst nicht merkbare Anspannung. Wie ich wusste, war auch CMO Illiz an Bord, der vierarmige und vieräugige Zevarroide. Im Captains Chair saß Sokar mit geradem Rücken, ohne die Lehne zu berühren, und nahm fokussiert den Preflight-Check vor. Ich hatte nur ein paar kurze formelle Worte mit ihm wechseln können. Soweit ich wusste, hatte unterdessen auch einer seiner Söhne an der Sternenflottenakademie die Ausbildung begonnen. Die übrigen Crewmitglieder kannte ich nicht – beziehungsweise nur aus einem kurzen Blick in die Personalakte. An der Wissenschaftsstation stand eine junge Romulanerin in Ereinns-Uniform, wohl wieder eine Austauschoffizierin. Den Sessel des XO besetzte ein Mensch, und auch an der Komkonsole saß ein Terraner. Einen weiteren Beobachtungsplatz im rückwärtigen Bereich nahm kein anderer als der neue Chef der DIA, Rufus LaSalle, ein. Sein Auftauchen hatte irritierte Blicke zur Folge gehabt. Was wollte er hier? Gab es Missstände, Unlauterkeiten, dunkle Machenschaften an Bord. Er hatte die Befürchtungen mit einem sarkastischen Lächeln quittiert und erklärt, dass es die ja vielleicht gäbe, er diesmal aber nur eine Gelegenheit ergriffen hatte, noch einmal dem Schreibtisch zu entfliehen. Sein offizieller Auftrag lautete die Prüfung der Tauglichkeit der neuen Antriebsmodifikation für die Fregatten der DIA. Die letzten beiden Dockingklammern waren gelöst. Die letzten Inspektionsdrohnen hatten ihren Flug abgeschlossen. Von der Flugleitung auf Utopia Planitia kam das finale „GO!“ Mit einem halben Impuls begann sich die Picard-B langsam aus dem schützenden Nest der Wert 5 heraus zu bewegen. Unser Testflug sollte uns bis zur romulanischen L’Rotha-Station im Nachbarsystem von Ch’Rihan führen, wo uns ein Team von Wissenschaftlern und eine kleine Politikerdelegation erwartete – mit den üblichen Reden für solche Fälle natürlich. Der Prätor selbst würde nicht dabei sein, da er gerade mit einer diplomatischen Krise zu den Breen beschäftigt war. Aber die Prokonsulin hatte ihr Kommen angesagt. Entlang unserer Route befanden sich Messbojen, die exakt unsere Zeit protokollieren sollten. War der Flug in der vorgesehenen Zeit absolviert, konnte der neue Antrieb subraumschonender als bisheriger Transwarp eingesetzt werden. Soeben hatten wir die Außengrenze des terranischen Sonnensystems überquert. Captain Sokar befahl die Aktivierung des Warpantriebs. Kurz darauf waren wir auf Warp 7. Die sichelförmige Zusatzkomponente an den Gondeln wurde ausgefahren und der Accelerator eingeschaltet. Ein leichtes Zittern durchlief das Schiff, als wir schneller als üblich den nächsten Warpfaktor erreichten. Mort Caldred, dessen Spezies Veränderungen im Warpfeld fühlen konnte, verengte kurz die Augen, entspannte sich aber sogleich wieder, noch ehe von der Technik die Meldung der erfolgreichen Kompensierung des Feldes kam. Also war alles in Ordnung. Strukturelle Integrität und Deflektor befanden sich innerhalb des grünen Bereiches. Mit ruhiger Stimme befahl Sokar die Einleitung der nächsten Stufe. Über den Hauptschirm huschte ein kurzes Flimmern, dann schalteten die Sensoren in Kompensation und wir waren im Transwarp. Unsere Ferenginavigatorin bestätigte die Passage der ersten Boje. Ich konnte auf meinem Armlehnenbildschirm simultan zu Sokar den Status verfolgen. Automatisch sendete die Picard-B den Ping zur nächsten Boje, das Antwortsignal traf ein. An der Komkonsole gab es kurz ein Alarmsignal, da unser Transmitter nicht mehr mit der Standardfrequenz der Relaisstationen übereinstimmte. Sokar ließ die automatische Kennungssendung deaktivieren, diesem Problem mussten wir uns später widmen. Nächste Boje. Bisher waren wir etwa 40 Minuten schneller, und umweltverträglicher! „Maximalgeschwindigkeit erreicht,“ kam die Meldung aus der Technik. „Alle Systeme arbeiten normal.“ Mort Caldreds Schwanzspitze wippte über der Konsole. Rufus LaSalle warf einen kurzen Blick auf die Daten auf seinem Padd und nickte anerkennend. „Das sieht vielversprechend aus für unsere kleinen Fregatten, dann werden wir dem Schmugglerproblem endlich Herr,“ murmelte er in meine Richtung. Nächste Boje. Ich dachte zurück an die Anfänge der Sternenflotte, an Captain Archers Enterprise. Welche Aufregung geherrscht hatte, als sie Warp 5 erreichen konnten. Ein echter Meilenstein. Und immer hatten neue Teams von Ingenieuren und Wissenschaftlern gearbeitet, um die Basis des Warpantriebs weiter zu verbessern und rascher die gewaltigen Distanzen im Weltraum überbrücken zu können. Die „Welt“ war dadurch zwar kleiner geworden, doch hinter dem Vertrauten öffneten sich immer neue Welten zur Erforschung. Selbst wenn einige Zusammentreffen nicht wünschenswert friedlich von statten gegangen waren und wir auch auf gefährliche Spezies getroffen waren – das Netzwerk unserer Kooperation hatte sich stets als tragfähig erwiesen. Nächste Boje. Wir würden weiterhin in neue Raumbereiche vorstoßen und neue Zivilisationen und Phänomene kennenlernen, die uns und sie bereicherten. |