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KI-Ketzerei - Missionsende Teil II - Sareth - Apr-Sun-2025 *** An Bord der Feynman / Kantine *** Es war spät abends Bordzeit und Richard hatte sich bei einem Tee an einem der Panoramafenster in der Offiziersmesse niedergelassen, um über die vergangenen Tage auf Spiros Alpha nachzusinnen. Er begrüßte es, dass zu diesem Zeitpunkt niemand sonst mehr hier war und er ungestört philosophieren konnte. Bereute er es, sich auf dieses Abenteuer eingelassen zu haben? Keineswegs. Nicht nur war die Rettung der Crew der Feynman wie geplant gelungen – dies allein wäre ja schon die Unannehmlichkeiten wert gewesen – sondern auch die Fülle an neuen Eindrücken und Inspirationen war ein Geschenk! Chris Reed hatte sich öfter über die primitiven Zustände und Denkweisen beklagt, abeer Primitivität lag bekanntlich im Auge des Betrachters. Richard hatte die komplexe Kultur und Kunst, die sich schon bei oberflächlichem Kontakt dem Auge und Ohr bot, geradezu aufgesogen und so viel wie möglich in seinen privaten Aufzeichnungen festgehalten. Er hätte es interessant gefunden, die weitere Entwicklung dieser Gesellschaft aus der Nähe zu verfolgen. Aber da er kein Xeno-Ethnologe war, bestand wohl keine Aussicht auf einen Posten als kultureller Beobachter, selbst wenn sich die Beziehungen von Spiros Alpha zur Föderation wieder andern. Was er für sehr wahrscheinlich hielt. Also würde es bei Inspirationen bleiben. Wer wollte ihm die ‚dichterische Freiheit‘ vorwerfen? Das Geräusch einer sich öffnenden Tür ließ ihn sich umwenden. Er erkannte Sareth, die einzige Person, die er in diesen Momenten der Reflexion nicht als störend empfand. „Ich konnte nicht schlafen,“ fügte sie nach dem Gruß erklärend hinzu. „Und da die Replikatoren in den Quartieren ja noch nicht wieder funktionieren, dachte ich mir, ich hole mir einen kleinen Mitternachtsimbiss.“ Sie trat an die Replikatoreinheiten und traf ihre Auswahl. Dann setzte sie sich mit einem Sandwich zu Richard. „Der Platz ist noch frei, hoffe ich.“ Er machte eine einladende Geste. „Es ist nicht mein Schweizer Chalet, aber du bist immer willkommen, wo ich weile.“ „Wahrscheinlich bist du froh, wenn du wieder dort bist, in allem Komfort des 25. Jahrhunderts!“ „Ach, das Leben auf Spiros Alpha ist nicht ohne Reiz…“ „Besonders für einen akademischen Würdenträger!“ Sie lachte. „Was wohl passieren wird, wenn Sie feststellen, dass es keinen Finanzprotektionsaufseher Gurold und keinen Professor Rigamus Riventius gibt?“ „Oh, das gibt vermutlich Anlass zu interessanten Verschwörungstheorien… aber andererseits, in einer Phase de Umbruchs, da können schon einmal analoge Akten verloren gehen.“ Er schmunzelte. „Ja, das ist der Nachteil in einer analogen Gesellschaft… oder auch Vorteil. In digitale Akten hätten wir leicht eindringen und entsprechende Einträge hinterlegen können, Fotografien, Geburtsregister, Zeugnisse, alles mögliche. Aber Papierurkunden konnten wir so schnell nicht in die Aktenschränke schmuggeln!“ „Andererseits ist es vermutlich so, dass der geschätzte Mr. Barnes Atarver peinlichst darauf achten wird, sich nicht zu kompromittieren. Das wird das offizielle Narrativ der Ereignisse entsprechend beeinflussen. Ich hoffe nur, dass es weiterhin ruhig bleibt und es zu keinen größeren Gewalttaten kommt. Zum Glück scheint es keine sehr explosive Mentalität zu sein, wenn das ganze bei den Klingonen passiert wäre, oder auch den Rihannsu…“ „Allerdings. Hoffen wir das Beste. Die Regularien verbieten uns leider, Sensordrohnen im Orbit zu halten.“ Sareth seufzte. „Bedauerlicherweise scheint es eine Konstante im Universum zu sein, dass alle Veränderung, alles Neue, nur mit einem gewissen Maß an Gewalt und Schmerz vor sich geht. Nicht umsonst die Metapher vom Geburtsschmerz. Es gilt in der Natur wie in Gesellschaften…“ Eine Weile hingen sie beide schweigend ihren Gedanken nach. Dann fragte er: „Hast du schon Kontakt zu Rollos Taxiservice aufgenommen?“ „Ja, ein Pilot ist in der Nähe, im Denobulabelt. Er soll morgen bei der Feynman eintreffen.“ „Was ist mit diesem Sternenflottenträger, den wir gestern Mittag auf den Sensoren hatten? Könnte er uns… nunja, gefährlich werden? Oh, wie sich das anhört, als seien wir eine Bande von Schmugglern!“ „Gefährliche Fracht bei Spiros Alpha – Ein neuer Actionkrimi!“ Sareth deutete die Größe eines entsprechenden Posters an. „Haha, nur unter Pseudonym.“ … *** Spiros Alpha / Shazach / Studentenviertel *** Vier Wochen waren seit den Ereignissen in der Universitätsaula vergangen. Die Gemüter hatten sich längst noch nicht beruhigt. Diskussionsgrüppchen auf den Straßen gehörten ebenso zum Alltag wie Glaubenshüter, die an die Wahrung von Moral und alten Werten gemahnten. Ein paar Verhaftungen hatte es gegeben, nachdem Pflastersteine geflogen waren, und die Gegenseite wiederum Fensterscheiben bei einer Ausstellung über antike Technik eingeschlagen hatte. Eine seltsame Erwartungshaltung lag in der Luft, zwar von Besorgnis begleitet, was nun Neues kommen würde, aber im Allgemeinen doch positiv. Die Regierung hatte Untersuchungskommissionen eingesetzt, die sich in den Bereichen Straßenbau und Umwelt um mögliche Innovationen Gedanken machen sollte – immerhin. Andererseits waren vorsorglich Verordnungen zum Schutz der Kunstschaffenden bestätigt worden. „Ich kann es immer noch nicht glauben,“ murmelte Namr und blickte in die Runde seiner Freunde. Vor jedem stand ein Krug mit frischem Bier und lag ein Wurstbrot. „Beinahe wären wir im Knast gelandet, und jetzt… Praktikanten beim Denkmalschutzamt.“ „Wir haben so ein verdammtes Glück, dass wir nicht exmatrikuliert worden sind,“ stimmte jemand zu. „Ich meine, ich, kurz vorm Examen. Wär eine Katastrophe gewesen.“ „Und jetzt dürfen wir sogar ganz offiziell an alten Geräten basteln und schrauben!“ „Und ihr glaubt, dass ist einfach so gekommen, die Erleuchtung über die Regierung?“ bohrte Ida. „Atarver war doch immer einer von den ganz Harten. Und dann hat er plötzlich diese Sachen entdeckt? Oder wollte er was verschleiern?“ „Naja, der Protest hat einiges bewirkt. War ja nicht der einzige. Und dann sind ja auch nicht alles verbohrte Dummköpfe an der Macht, nicht so ganz.“ Er lachte und bekam eine Kopfnuss eines seiner Freunde. „Du glaubst immer noch, dass die Aliens dahinter stecken? Die Leute von der Föderation? Warum sollten die an einem Umsturz bei uns interessiert sein? Wir sind doch total uninteressant für die, nach allem, was ich über sie weiß. Wir sind nur ein kleiner Planet, mit nicht mal nennenswert Bodenschätzen, und so, total im Outback.“ „Ich weiß nur, dass ich dieses Medaillon gefunden hatte,“ antwortete Ida. „Und dann, nach unserem Auftritt in der Aula, war es plötzlich weg. Also hat es jemand mitgenommen. Dieser Professor vielleicht, der sich so für uns ins Zeug gelegt hat. Vielleicht-„ „Vielleicht war das ein Agent der Föderation, was? Ida, du musst einen Roman schreiben, du hast Ideen, du wirst berühmt damit!“ Sie rümpfte leicht pikiert die Nase. „Ich habe jedenfalls im Katalog geschaut, nach Veröffentlichungen von dem. Und da war nichts. Ist doch komisch, oder.“ „Jedenfalls hat er unseren Altvorderen ganz schön ins Gewissen geredet. Hoffe, irgendwer hat die Rede mal mitstenographiert.“ „Ich freue mich jedenfalls schon auf morgen, erster Tag im Praktikum. Wir sollen alles aufnehmen, was da unten in den Katakomben steht. Und die Presse ist morgen auch geladen, paar Fotos machen.“ „Dann bringst du besser mal deine Frisur in Form, he!“ Die Freunde stießen mit ihren Keramikkrügen an.
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