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KI-Ketzerei Log 30 - Sareth - Sareth - Feb-Sun-2025 *** Spiros Alpha / Katakomben / altes Labor *** Zum Glück war ich mit passender Gewandung und dem Holofilter als Einheimische kenntlich. Jakes Uniform war von einem weiten Mantel verdeckt, den er zum Schutz gegen das Tropfwasser in bei dem Marsch durch die Katakomben umgelegt hatte. So konnte er problemlos als Abkömmling einer der menschlichen Einwanderer von Spiros Alpha durchgehen. Der junge Polizist und wir starrten uns einen Augenblick lang an. Das Gerät, was er hielt, schien eine Kamera zu sein. Ich erinnerte mich, Ähnliches im Smithsonian einmal gesehen zu haben. Was auch immer sich LaSalle in der Universität einfallen lassen würde – diese Situation zu entschärfen lag erst einmal an uns! Ich beschloss, die Vorwärtsverteidigung aufzunehmen. „Aha, Sie hat Oberprotektionsaufseher Atarver geschickt, um uns bei der Dokumentation zu helfen?“ Ich wünschte, ich hätte seinen Rang gekannt, aber die Abzeichen an seiner Uniform sagten mir nichts. „Äh…Ich … wir haben hier vorhin eine Verhaftung durchgeführt, von ein paar jungen Leuten, die verbotene Technik einschmuggeln wollten. Ich wollte den Tatort… für die Akten …“ Es war offensichtlich, dass er nicht autorisiert war, hier irgendetwas abzulichten und ihn wohl die Neugier her getrieben hatte. „Sie sind also nicht informiert worden, dass heute die Denkmalschutzbehörde kommt, um die Funde zu klassifizieren?“ Ich legte alle behördliche Entrüstung in meine Stimme. „Äh… Denkmalschutzbehörde?“ „Barnes Atarver hat kürzlich diese alte Maschinenhalle unter der Stadt entdeckt. Es war Ihnen doch sicher bekannt, dass hier noch Relikte aus der Zeit vor der Kulturrevolution vorhanden sind?“ „Ja, selbstverständlich.“ Jetzt straffte er sich. „Es unterliegt alles noch strengster Geheimhaltung, schließlich wollen wir nicht, dass Neugierige hier zu schaden kommen oder die wertvollen Objekte in ihrer Unkenntnis beschädigen. Daher wir sind heute hier, um diese Funde zu inventarisieren und klassifizieren. Dafür hatten wir eine Assistenz mit Filmkamera geordert.“ „Eine was-Kamera?“ Ich fluchte im Stillen. „Das beste Modell, meine ich!“ „Das ist das beste, was wir haben, unser Budget wurde leider wieder zusammen gestrichten,“ erwiderte er. „Aber sie hat schon fünf Wechselplatten, und ein wirklich helles Blitzlicht!“ Er hob die abenteuerlich aussehende zweite Apparatur. In diesem Moment blinkte hinter uns eine der alten Apparaturen auf. Ich vermutete, irgendein Alarmsignal. „Sie haben die angeschaltet?“ fragte der Protektionsaufseher etwas nervös. „Selbstverständlich, für die Dokumentation,“ antwortete Jake Van Rooyen geistesgegenwärtig. „Wir schalten Sie auch sogleich wieder ab, sobald Sie ihre Aufnahmen gemacht haben. Beeilen Sie sich, wir haben noch Tonnen Papierkram zu erledigen heute.“ Er sah zu mir. „Wo ist mein P… ah… mein Schreibzeug?“ Ich hatte bei den Accessoires in meiner Tasche einen Schreibblock und einen Federhalter. Ich reichte Jake beides, und da der junge Polizeibeamte mit seinem Blitzlicht und der Kamera beschäftigt war, bemerkte er zum Glück nicht, dass Jake nicht wusste, wie man mit dem Füller schreibt. Ich nahm hilfreich die Kappe vom Gerät, und immerhin produzierte er dann schon mal einen großen Tintenklecks auf dem Blatt. … Die vierte Fotoplatte war soeben belichtet worden, als schwach ein hektisches Glockengebimmel zu uns in die Katakomben drang. Der Protektionsaufseher schrak zusammen. „Ohweh, Feueralarm!“ „Rasch, machen Sie, dass Sie nach oben in die Wache kommen! Vielleicht müssen Sie Hilfestellung geben!“ ermutigte Jake. „Wir können den Rest allein erledigen!“ „Ja, selbstverständlich!“ Die Kamera und die Platten unter dem Arm machte der junge Mann kehrt. Einen Moment später war er im Dämmerlicht verschwunden. Wir sahen eine Petroleumlampe aufleuchten, dann hasteten seine Schritte eine Treppe hoch. Jake und ich atmeten auf. Er hatte schon seinen Tricorder wieder in der Hand, und ich signalisierte unseren beiden Alien-Crewmitgliedern, dass sie zurück kommen durften. Endlich konnten wir das Problem in Augenschein nehmen! „Scheint eine Anlage ähnlich einer der alten Teilchenbeschleuniger zu sein, nur kleiner,“ sagte der Bolianer Dadvin und kniete neben einem der Panels nieder. „Hier ist ein Kühlmittelleck. Wir müssten die Verkleidung abnehmen, um da ran zu kommen.“ „Gut, machen wir uns an die Arbeit. Das Strahlungsniveau ist noch sicher?“ „Ich überwache es die ganze Zeit, Sir. – Sehen Sie sich diese Leitungen an, von irgendwelchem Getier angenagt! Welcher Irre hat das bloß unter Strom gesetzt, und warum?“ Vorsichtig arbeitete das Technikerteam, während ich die Umgebung nach womöglichen weiteren ungebetenen Besuchern im Auge behielt. Aber noch läuteten die Glocken. Die hatten wohl mit dem Alarm alle Hände voll zu tun. Ich war gespannt auf LaSalles Bericht… Nach etwa einer halben Stunde waren wir soweit, dass ich einen Bericht an Sarek auf der Feynman schicken konnte. Dort analysierten sie die Situation, und wir kamen überein, dass das sicherste Vorgehen sein würde, zunächst ein schützendes Kraftfeld um die gesamte Kernanlage zu errichten und dann die instabile Antimateriereaktion mit einem gezielten Energiepuls erst zu stabilisieren und dann zum Erliegen zu bringen. Anschließend konnten wir die alten Container ausbauen, so dass die Feynman sie sicher herausbeamen konnte. Zurück bleiben würde eine interessante Anlage für den Denkmalschutz, die keinen Schaden mehr anrichten konnte, da die Reaktionsquelle fehlte. Bevor auch Jake, seine letzten Crewmitglieder und ich zur Feynman beamten, machte Dadvin noch einige Fotos mit seiner Holocam. Vielleicht könne er einen Aufsatz über diese Anlage schreiben, meinte er. *** An Bord der Feynman / Briefingroom *** Gleich nach unserer Rückkehr hatten wir uns bei Sarek, Dr. Val’Kara und der übrigen Seniorcrew der Feynman eingefunden. Mit unserem Katakombengeruch in den Kleidern waren wir für den vulkanischen XO sicher eine Zumutung. Er ließ sich aber nichts anmerken, sondern grüßte mit aller Ruhe seinen Captain und wies uns zu den Plätzen am Tisch. In weiser Voraussicht hatte Val‘Kara einen kleinen Imbiss für jeden von uns bereit gestellt. Jake betrachtete verliebt sein Sandwich mit Salat – nach den langen Wochen mit Rationspaketen würde es ohne Zweifel schmecken wie in einem Luxusrestaurant! Ich war froh, dass die Besatzung der Feynman vollzählig hatte gerettet werden können, aber auch, dass wir die befürchtete kulturelle Kontamination so gering wie nur möglich gehalten hatten. Und gleichzeitig… doch diese festgefahrene Gesellschaft mit einem vorsichtigen Schubs aus ihrer Erstarrung befreit, so hoffte ich zumindest. Aber: es waren ja keine "Aliens" gewesen, sonderen die Honoratioren der eigenen Elite! Nach einer ersten kurzen Nachricht von LaSalle waren er, Chris Reed und Richard während des „Feueralarms“ aus dem Universitätsgebäude entwichen. Sie wollten zurück zu unserem Basiscamp in der Studentenbude, und sich von dort nochmals melden. Die Sensoren der Feynman überwachten die Situation in der Hauptstadt; nach der Aufregung war wieder Ruhe eingekehrt, auch wenn überall Gruppen zusammen standen und die Ereignisse während des Literaturwettbewerbs diskutierten. Gewalt konnte bisher nirgends gesichtet werden. Barnes Atarver würde schon um seiner eigenen Reputation wegen sehr, sehr vorsichtig sein. |