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Zwischen Licht und Finsternis Log 14 - Richard von Rabenstein - May-Sun-2023 *** An Bord der Vindicator *** Richard von Rabenstein ließ den Blick über die kleine Flotte schweifen, die sich im Sichtbereich um die Vindicator befand. Waren die Personen an Bord ihm treu ergeben oder war alles nur eine ausgeklügelte Falle, die ihn zur Strecke bringen sollte? Er wollte auf jeden Fall wachsam bleiben. Kavun arbeitete an einem subdermalen Transporterimplantat, dass ihm notfalls die Flucht vor einem Zugriff ermöglichen sollte. Dennoch: Wachsamkeit, höchste Wachsamkeit, konnte durch nichts ersetzt werden! Daher hatte er auch dafür gesorgt, dass den beiden Reparaturteams, die nun auf der Vindicator tätig waren, genügend seiner eigenen Leute ‚Hilfe leisteten‘, aka ein wachsames Auge auf sie hatten. Am Morgen war er an Bord von Remingtons Schiff gewesen und hatte festgestellt, warum er den Spitznamen „Dr. Dolittle“ trug. Selbst auf der Brücke kreuchte und fleuchte irgendwelches Getier. Nachdem ein gefiedertes Etwas versucht hatte, auf Richards Kopf zu landen, hatte er seinen Besuch an Bord dieser fliegenden Arche Noah etwas abgekürzt. Eine vorsichtige Sondierung der anwesenden Crewmitglieder hatte erbracht, was er ohnehin vermutet hatte: dies waren in der Tat keine gewöhnlichen Piraten. Ein starkes Gefühl von Disziplin und Pflichtbewusstsein konnte er erspüren. Remington selbst war ohne Zweifel ein Mann, der Luxus und damit ein erkleckliches Einkommen schätzte, das zeigte schon seine Kleiderwahl. Auch die Handwaffen, die er umgeschnallt trug, waren teure Stücke, nichts aus dem Standardrepertoire des Imperiums. Die Frage blieb, ob der Kommandant dieser außergewöhnlichen Söldnerschaar an irgendeinem Punkt Geld über Loyalität stellen würde und somit einen Schwachpunkt darstellte. Nun, vielleicht würde ihr mysteriöser Sponsor da etwas Licht ins Dunkel bringen können, wenn nicht offen, so vielleicht bei einer kleinen mentalen Forschungsreise… Nach Abschluss der notwendigen Reparaturen an der Vindicator, die nun dank ohne Der Türmelder ertönte, und einen Moment später die Stimme von Marcia, die die persönliche Wache übernommen hatte. „Exzellenz, Captain Inquisitor De Chabannes ist hier.“ Die Türflügel glitten auf, und ein kleiner, drahtiger dunkelhäutiger Mensch glitt in den Raum, in der Amtstracht der Inquisition. Einen Augenblick später fiel er vor Richard auf die Knie und küsste den Saum seines Gewandes. „Bruder, ich preferiere die übliche Ehrbezeigung. Es genügt, wenn Ihr den Amtsring küsst.“ „Ja, selbstverständlich!“ De Chabannes richtete sich wieder auf. „Ich bin nur so überwältigt! Ich hielt die Kampagne für eine hervorragende Propaganda eines … Dissidenten, der dachte, wie viele innerhalb des Imperiums. Aber – Ihr seid tatsächlich Richard von Rabenstein.“ „In der Tat.“ „Ich war dabei, als Ihr … als der Abtrünnige… Euch vom Leben zum Tode beförderte.“ „LaSalle?“ fragte Richard, um sicher zu gehen. De Chabannes nickte. „Und nun seid Ihr auferstanden!“ „Soweit würde ich theologisch nicht gehen, Bruder.“ Er versuchte, sein Gegenüber mental abzutasten, aber natürlich war der Inquisitor geschult in Abschirmtechniken. Mehr als eine Wolke der Ehrerbietung, um nicht zu sagen, Anbetung, erfasste Richard nicht. „Die Prophezeiung des Makarius, sie ist korrekt!“ Richard hatte nie von einer solchen Prophezeiung gehört; vermutlich gab es sie in seinem eigentlichen Universum nicht. „Sie sagt, dass der Abtrünnige versuchen wird, das Licht auszulöschen, aber dass es zurück kehren wird aus den Anderen Gefilden, und das Reich und die Kirche retten!“ Nun, das konnte man so oder so auslegen. Aber warum auch nicht? Die göttliche Vorsehung hat es gewollt, dass er in dieses Universum gekommen war – in DIESES, nicht irgendeines, in dem das Terranische Imperium vielleicht in voller Blüte und alter Größe stand. Er war hier, um Reich und Kirche zu retten und – nebenbei – seinen rechtmäßigen Platz als Inquisitor Maximus einzunehmen. „Was plant der Abtrünnige?“ fragte er De Chabannes geradewegs ins Gesicht, und registrierte jetzt eine kurze Welle des Abscheus. „Ich hörte, er ist wieder im Amt.“ „LaSalle hat es geschafft, sich vom Direktorium reinstallieren zulassen, weil er von einer diffusen Bedrohung für das Imperium faselte. Das Letzte, was mir zugetragen wurde, war, dass er nach Panox – B wollte. Ins verbotene Territorium.“ „Und das Direktorium unterstützt es?“ „Mit Ausnahme von DeRaaf. Aber niemand weiß, was er im Schilde führt.“ Das klingt ganz nach unserem Universum… Die Variantionsbreite ist offenbar nicht sehr groß… „Sag mir, Bruder, was haltet Ihr von unseren selbstlosen Helfern unter Remington?“ „Ich misstraue ihnen.“ Richard nickte. „Und wann hattet Ihr beschlossen, zu mir überzulaufen?“ „Für Captain Varenholm kann ich nicht sprechen. Ich für meinen Teil habe meine Möglichkeiten sondiert, seit ich von der Sache mit Panox B gehört hatte. LaSalle missbraucht unsere heilige Sache für seine eigene Agenda. Ich erkannte die Parallelen zur Prophezeiung des Makarius. Und ich hörte Eure Predigten…“ Ein Komsignal unterbrach die Unterredung. Kavun meldete den Abschluss der Reparaturen am Antrieb. „Das bedeutet, wir werden uns auf den Weg zu unserem mysteriösen Benefactor machen,“ kommentierte De Chabannes fragend, und setzte hinzu, falls das noch nicht deutlich geworden sein sollte: „Ich misstraue ihm.“ Richard lächelte schmal. „Ist es nicht eines der Motti der Inquisition? Durch Misstrauen zur Wahrheit.“ |