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Zwischen Licht und Finsternis - Log 10 - Richard von Rabenstein - Mar-Sun-2023 ***Transmitterstation / Werkstatt *** Kavun deutete auf das Konglomerat aus Metall und Polymeren hinter dem Kraftfeld, das ungefähr die Größe eines Fußballes hatte. Wäre die Aufmerksamkeit der Personen nicht gewesen, es wäre im chaotischen Allerlei der kleinen Reparaturwerkstatt der Transmitterstation nicht sonderlich aufgefallen. „Es sind auf jeden Fall die Überreste einer Spionagedrohne, Exzellenz,“ erklärte Kavun dem neben ihm stehenden Richard von Rabenstein. „Vermutlich hat sie der Ionensturm vor drei Tagen fertig gemacht, und ein paar Mikrometeoriten hat sie auch abgekriegt.“ „Die Sturmfront hat unsere Station vor zwei Tagen gestreift…“ „Ja, sie könnte die Drohne erfasst und mitgerissen haben.“ „Und durch unseren Perimeter geschleudert?“ „Genau. Aber sie kann auch schon innerhalb gewesen sein. Ist schwer zu sagen.“ „Das bedeutet also, dass der Gegner über unsere Position informiert sein könnte?“ Kavun betätigte eine Schaltfläche und das Objekt hinter dem Kraftfeld zerstob in einem grellen Blitz. „Ja, kann sein. Weiß nicht, wann die internen Transmitter beschädigt worden sind.“ Richard dachte an die seltsame codierte Nachricht, die ihn vor knapp einer Woche erreicht hatte. Das versteckte Kampfschiff. War es eine Falle – oder war es ein Angebot? Sollte er sich dorthin auf den Weg machen oder nicht? So wie es aussah, hatte der Allmächtige ihm diese Frage soeben beantwortet. Auf jeden Fall mussten sie diesen kleinen Hafen verlassen. Er bot keine Sicherheit mehr. „Ich informiere unsere Gefolgschaft. Wir reisen ab.“ ***Transmitterstation / Kapelle *** Gleich unterhalb der Werkstatt war eine kleine bescheidene Kapelle eingerichtet worden. Immerhin erinnerte die große Kupferscheibe, die die von einer dahinter angebrachten Lichtquelle umstrahlt wurde, und die kreuzförmigen Metallstreben davor an das große Kunstwerk im Inquisitorenpalast in Rom. Richard gab sich hier gern seinen Fantasien vom Endsieg des Glaubens hin, und träumte von dem Moment, da er in der traditionellen Sänfte getragen Einzug in Rom hielt, um endlich, endlich, den ihm gebührenden Platz einzunehmen. Den Platz, an dem Gott ihn gestellt hatte, und den zu erreichen ihm offenbar nur nach erheblichen Prüfungen vergönnt sein sollte! In diesen Minuten aber erwartete der Inquisitor Maximus eher einen präzisen Fingerzeig von den höheren Mächten. Sollte er sich zu den Koordinaten begeben, die die Botschaft präsentiert hatte? Er breitete die Arme aus, bis der Schatten des Metallkreuzes auf ihn fiel, und rezitierte Gebetsformeln aus dem Urgrund der Zeit… … bis ein ohrenbetäubender Alarm die Station erschütterte. Im gleichen Moment zirpte sein Kommunikator. Richard aktivierte das kleine Gerät. „Was ist los?“ +Perimeteralarm!+ hörte er Kavun am anderen Ende keuchen. +Mindestens sechs Schiffe! Kennung der Inquisition!+ LaSalle! Richard bekreuzigte sich, machte eine letzte Verbeugung in Richtung des Kreuzsymbols und eilte in den Gang. „Ist unser Schiff startklar?“ +In ein paar Minuten, Exzellenz! Bring gerade die Antimaterie-Injektoren online! Ich erfasse Sie und beame Sie direkt auf die Brücke!+ „In Ordnung.“ Richard verhielt, wo er war, und im nächsten Moment hüllte ihn das bläuliche Leuchten des Transporters ein. ***An Bord der Refugium / Brücke *** Als der Transporter ihn freigab, fand sich der Großinquisitor auf der Brücke des Kreuzers wieder, dessen Alter und Flickwerk ihm heute nur noch schmerzlicher bewusst wurde. Rings um ihn kämpften seine Anhänger, alles startbereit zu machen. Finger flogen über zusammen geschusterte Konsolen, Hände schoben herab hängendes Glasfaserkabel zur Seite. „Intermix komplett!“ brüllte irgendjemand. „Dockingklammern lösen!“ rief Kavun. Ein Seitenblick ließ ihn Richard erfassen und er nickte ihm kurz zu. „Exzellen! Wir können auf Impuls, sobald—„ Von einer anderen Konsole stob eine Funkenfontäne, gefolgt von einem gotteslästerlichen Fluch. „Druckabfall in der sekundären Plasmaleitung! Ich kann den Antrieb nicht hochfahren!“ „Bring den Reserveschild online, du Idiot!“ röhrte Kavun, stieß dann den anderen Mann zur Seite und versuchte selbst, zu retten, was zu retten war. Richard saß in der Mitte der Brücke und harrte der Dinge in eisiger Entschlossenheit, den Blick auf den Hauptmonitor gerichtet. In diesem Moment brachen die ersten gegnerischen Schiffe durch den Schutzschirm und bauten sich vor der kleinen Station auf wie eine Hundemeute vor dem Fuchsbau. Auf den Außenhüllen glänzte das schwarze Symbol der Terranischen Inquisition. Das selbe Symbol, wie es Richard auf der linken Brustseite tätowiert hatte. Meine Armee. dachte er. Meine Gefolgschaft. Die Komanlage spie die Aufforderung aus, sich zu ergeben. Richard erhob sich. „Kavun, öffne einen Multibandkanal. Ich will, dass diese Worte auch über diese Flotille hinaus reichen! – Hier spricht Richard von Rabenstein, Inquisitor Maximus. Die Vorsehung hat mich in dieses, euer Universum versetzt, damit ich dem Recht, der Wahrheit und dem Licht des Glaubens zum Sieg verhelfe! Ihr, dort auf euren Schiffen, ihr Kommandanten, IHR solltet Diener des Lichts sein! Aber ihr habt euch zu Handlangern der Finsternis erniedrigen lassen! Wollt ihr so enden? Wollt ihr dulden, dass die Dämonen euch in Ketten geschlagen und zu willfährigen Werkzeugen gemacht haben? Oder wollt ihr frei sein, selbstbestimmte Diener der göttlichen Dreifaltigkeit, der Wahrheit und des Lichts?!“ |