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Rückkehrer Log 5 - Sareth - Sareth - Jan-Thu-2022 *** USS Picard / Brücke *** „Ich übernehme“ Ja, dass hatte sich wirklich gut angehört – und angefühlt! Ein Satz, der mich in die alten Zeiten zurück versetzte, als Captain an Bord der Saipan! Es war eben etwas ganz anderes, vom Platz des Kommandanten aus in eine Situation eingreifen zu können, als vom Schreibtisch aus Zahlen zu dirigieren… Oder als Beobachter zur Untätigkeit verdammt zu sein. Rufus LaSalle, der mir eben den Captain’s Chair geräumt hatte, blinzelte mir kurz zu. Wir verstanden einander! Aber für Nostalgie war im Moment wirklich keine Zeit. Die Enterprise hatte sich auf ihre diplomatische Mission begeben, und die Crew der Picard hatte eine Rettungsoperation von einem über hundert Jahre alten Schiff zu bewerkstelligen. Und nicht irgendein Schiff! Die legendäre Wellington! „Ist ein Transfer unseres MHN trotz der Strahlung möglich?“ fragte ich die Chefingenieurin, eine Bajoranerin namens Seli Makan. Sie überprüfte die Parameter und bestätigte dann: „Ich muss das Kohärenzfeld entsprechend anpassen, aber es ist möglich, insofern wir einen Port in den Systemen finden, um den Datenstrom einzuschleusen.“ „Kein Problem,“ ließ sich ein männlicher Offizier aus dem rückwärtigen Bereich vernehmen; LaSalle hatte ihn vorhin mit Lt. Munroe angesprochen. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber nach der Mimik der Ingenieurin zu urteilen, knisterte es zwischen den beiden etwas! „Wir müssen nur auf einen entsprechend tragfähigen Port switchen, auf der KS sollten genug sein, und auch halbwegs intakt. Wir steuern sie eben weiter Richtung Krankenstation.“ „In Ordnung. Tun Sie das.“ Munroe grinste in Richtung des Karyaners an der Taktik. „Mort? - Auf in die zweite Runde unserer Hindernis-Flugübungen!“ Währenddessen versuchten wir, die gefährliche Strahlung auf der Wellington unter Kontrolle zu bekommen und das Schiff zu stabilisieren. Ich rief mir die zur Verfügung stehenden Daten über die Strahlungsquelle auf. „Ensign Seli, der Großteil der Energie scheint sich auf den Transporterpuffer in Transporterraum Zwei zu konzentrieren?“ „Ja. Aber sie überlagert das gesamte System, deshalb können wir nicht beamen. Es ist… quasi ein hochenergetisches Feld, Hauptbestandteile Verteron- und Tachyonstrahlung.“ „Und es beschränkt sich auf die Transporter?“ „Soweit wir erfassen können, liegt dort die Quelle, aber die Strahlung verseucht durchdringt natürlich das gesamte Schiff. Lediglich die Krankenstation ist relativ gut abgeschirmt.“ Ich hörte, wie Mort Caldred leise zischte. „Mr. Caldred, haben Sie etwas beizutragen?“ fragte LaSalle. Ich verkniff mir ein Lächeln. Rufus war noch immer der Alte! Junge Crewmitglieder, die ihn nicht kannten, fühlten sich oft eingeschüchtert, während Erfahrenere genau wussten, wann sein Sarkasmus wirklich etwas Bedrohliches hatte – bedrohlich zumindest für die eigene Akte oder das Ansehen an Bord! Mort Caldred schien es kalt zu lassen, doch seine dreiecksförmige Schwanzspitze zuckte und schlug auf das Deck. „Das erinnert mich an eine karyanische Legende,“ erwiderte er. Über das Ra’Neg’O, ein Lichtwesen, das sich in elektronischen Geräten einnisted und dafür sorgt, dass diese nicht mehr funktionieren.“ Munroe ließ ein verhaltenes Kichern hören. „Das hört sich nach einer Story an, wie sie meine Urgroßmutter erzählt haben könnte. Die hasste auch jedwede Technik. Fuhr mit einer Pferdekutsche durch die Gegend, wenn die Geschichten stimmen – Sonde auf Flug durch Jefferiesröhre 34/B/3!“ „Ihre Ahnmutter in Ehren, Lieutenant,“ fauchte Caldred zurück, „aber das Ra’Neg’O ist sehr real. Vor knapp 80 Jahren ist die Lebensform erstmals in einem Kraftfeld gefangen worden. Und sie war sehr übellaunig.“ „Könnte es sich bei unserer Strahlungsquelle um eine solche Lebensform handeln?“ unterbrach ich den Disput, bevor er an Form gewinnen konnte. „Irgendwelche Muster in der Energie, die ein gerichtetes, intelligentes Handeln vermuten lassen?“ „Ich lasse eine Analyse laufen. Wir haben allerdings immer noch nicht genügend Messdaten für ein umfassendes Bild,“ kam die Meldung von der Sensorik. „Gut, bleiben Sie dran. Falls das eine Lebensform ist, müssen wir einen Weg finden zu kommunizieren, bevor weiterer Schaden angerichtet wird. – Mr. Caldred, Status der Sonde?“ „Ich habe das optische Relais aktiviert. Wir sind direkt über der Krankenstation.“ Die Sonde richtete ihre Kamera durch das Gitter des Schachtes nach unten. Die Krankenstation war teilweise beleuchtet, aber einige der Konsolen flackerten nur noch. Auf den Biobetten lagen Personen, andere schienen auf dem Boden zusammen gesunken zu sein. Zumindest auf den ersten Blick konnten wir keine sichtbaren Verletzungen ausmachen. Auf meine Anordnung hin versuchte Mort Caldred, mit dem Manipulator der Sonde Zugriff auf den Öffnungsmechanismus zu bekommen. Erfolglos. „Lieutenant Munroe, warum bekomme ich keinen Manipulatorzugriff?“ fragte er. „Die Strahlung hat einen der Fernzugriffkanäle überlagert. Moment, hab ich gleich! Muss das Signal verstärken…“ In der Kontrollholomatrix war zu sehen, wie sich die Sonde jetzt drehte und gegen die Wand stieß, anstatt den Manipulatorarm an der Öffnung der Luke zu platzieren. „Mist, der schluckt immer die Hälfte des Kommandocodes!“ Ich fühlte mich an die Anfangsjahrzehnte des Raumfluges erinnert, an die ungeheuren Probleme, die eine Fernsteuerung einer Robodrohne oder eines Vehikels auf einem anderen Himmelskörper verursacht hatten. Wenn jeder Kommandocode Stunden bis Tage zu seinem Ziel gebraucht hatte… „…habe die Frequenz angepasst, versuche es noch mal!“ Tatsächlich bewegte sich der Arm jetzt über das Panel, der Greifer umschloss den Hebel, und einen Moment später schwebte die Sonde hinunter in die Krankenstation, um sich an einer der Konsolen zu verankern. Erst wenn sie einen stabilen Link hergestellt hatte, konnten wir es wagen, eine Kopie des MHN zu transferieren. |