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MNK Log 3 Sareth - Sareth - Aug-Tue-2021 *** Auf dem platten Land in Missouri *** Ich stapfte unter blauem Sommerhimmel und begleited vomm Zirpen der Grillen einen schmalen Feldweg entlang, links von mir eine altersschwache hölzerne Absperrung, rechts ein abgeerntetes Feld. Aus der Ferne klang Pferdewiehern. Unwillkürlich fühlte ich mich um hunderte Jahre zurückversetzt, in die Zeit der Wildwest-Filme, von denen in den Kunstkinos erst letztens einer gelaufen war, den Charlie unbedingt hatte sehen müssen. Ich erwartete, gleich vor einem im schwachen Wind quietschenden, halb verrosteten Schild mit der Warnung "Trespassers will be shot" zu stehen... Meine Gedanken wanderten zurück zu den Ereignissen der letzten Tage, genauer gesagt, dem seltsamen Treffen mit "Kirk" und meine diesbezüglichen Nachforschungen. Der berühmte Admiral war nicht nur verschollen, sondern tot. Die entsprechende Akte war zwar unter Verschluss gewesen - wahrscheinlich wegen der Einstufung des Nexus - aber dort war von Jean-Luc Picard persönlich im Bericht vermerkt, wie Kirk ihm damals gegen Tolian Soran beigestanden hatte und dabei den Tod fand. Das war 2371. Sein Grab befand sich auf Veridian III. Knapp hundert Meter vor mir tauchte zwischen zwei hohen schattenspendenden Bäumen ein Gebäude mit ausladender Porch auf. Ich spürte das kurze Kribbeln auf der Haut, das der Kontakt mit einem Sicherheitskraftfeld hinterließ. Gleichzeitig löste es wohl Alarm aus, denn nun öffnete sich die Tür. Aus dem Schatten schob sich - nein, zum Glück kein bärbeißiger Typ mit Schrotflinte, sondern ... nur ein mürrisch dreinblickender Mann, dessen Gesichtsausdruck sich auch bei meinem Anblick nicht änderte. "Commander Walter Kirk?" rief ich. "Admiral T'Khellian. Sie erinnern sich, wir haben gestern am Interkom gesprochen." "Ich bin ja nicht senil! - Also kommen Sie rein!" Ich folgte ihm über die knatschende Holzporch ins Innere des überraschenderweise recht gemütlich eingerichteten Hauses. Viel Stein, Holz, und bunte Patchworkdecken auf den großen Sitzmöbeln. Auf einem von ihnen räkelte sich eine dicke Katze. "Kommen Sie General Lee nicht zu nah, er ist heute übler Laune, weil er die Maus nicht gekriegt hat." Ich nickte verständnisvoll und nahm Platz. Mein Gastgeber brachte ein Tablett mit Kaffee und zwei Tassen aus der Küche. "Damit Sie mal ordentlichen Kaffee trinken - nicht diese Plempe, die in der Sternenflotte immer so serviert wird, aus dem Replikator." "Danke!" Nach dem ersten Schluck musste ich zugeben, dass er damit gar nicht so Unrecht hatte. Ich konnte gar nicht unbedingt sagen, was es war... Jedenfalls schmeckte der Kaffee hervorragend! "So, und Sie wollen James T. Kirk begegnet sein? Ich sage Ihnen, wenn Sie nicht Sie wären.... Es vergeht kaum ein Monat, dass hier nicht irgendwelche Fans oder Irre stehen und nach Devotionalien oder der Aura von dem alten Kirk suchen! Erst letzte Woche hatte ich einen Ferengi hier, der mir horrende Summen für ein altes Fotoalbum geboten hat." "Dürfte ich das mal sehen? Das Album?" "Warum nicht." Er ging zu einem Schrank, dessen Innenleben sich als ein Safe entpuppte, und entnahm ihm ein kleines traditionelles Papieralbum, wie sie ja eigentlich schon lange vor Kirk nicht mehr in Mode waren. Aber manche Familien, schien es, schätzten die Nostalgie. Und James T. Kirks Vorliebe für alte Bücher war ja auch legendär. Walter Sherman Kirk zog sich auch ein paar weiße Archivhandschuhe über und blätterte vorsichtig durch die Familienreliquie. Bei einer Fotografie blieben wir hängen. "Das ist genau die Kleidung, die der Kirk trug, dem ich im Oberkommando begegnet bin!" sagte ich. "Und er sah auch in etwa so aus, vom Alter und dem Haarschnitt her. Oder nein... nicht in etwa.... eigentlich genau so!" "Das Foto ist von 2293, kurz bevor er als Ehrengast auf die Enterprise - B geladen wurde, soweit ich die Unterschrift noch entziffern kann. Alles ziemlich verblasst leider." Ich lehnte mich zurück. "Das ist wirklich seltsam." Ich nahm mir vor, den Ensign zu kontaktieren, der am nächsten Morgen offensichtlich die 'Begegnung der Dritten Art' hatte. Hatte Kirk da genau so ausgesehen? "Haben Sie schon einmal überlegt, ob das Ganze ein Scherz mit einer Holoprojektion gewesen sein könnte? Ich weiß, dass bei der Aufnahme in manche Bruder- oder Schwesternschaften an der Akademie einige seltsame Mutproben erforderlich sind." ... *** Genf / Grandhotel Geneva Regency / Speisesaal *** ... "Nun, und dann fragte er mich, ob nicht jemand mit den Notfall-Holonetz des Oberkommandos herumgespielt haben könnte, du weißt, dass Netz, was ermöglicht, MHNs oder Erstverteidiger zu generieren," erzählte ich. Richard nickte. "Ja, natürlich. Und, gibt es Hinweise?" "Nein, das habe ich überprüfen lassen. Damit kommen wir nicht weiter. Und der Ensign ist leider schon seinem Schiff zugeteilt und unterwegs in den Gammaquadranten." Der Ober brachte das Dessert, eine Pfirsich Melba mit einem exotischen Likör, der durch die Kristallschalen schimmerte. Vor dem Panoramafenster, das den Blick über den Genfer See freigab, schickte sich die Sonne gerade zu einem besonders prächtigen Untergang an. Die kleine Burganlage am Wasser leuchtete in warmen Orange, und über die leichten Wellen breitete sich ein goldroter Teppich. Auch der Schnee auf den fernen Berggipfeln glitzerte rötlich, während die östlichen Hänge schon im Violett und Blau der Nacht zu verschwimmen begannen. "Du sagtest, Kirk hätte gemeint, sich in der Etage geirrt zu haben?" "Ja, 'Ich habe mich im Flur geirrt' waren seine Worte." "Ich würde versuchen in Erfahrung zu bringen, was auf dem Flur war zu seinen Zeiten..." überlegte Richard. "Das dürfte nicht schwer sein. Du hast recht, das bringt uns vielleicht etwas weiter. Vielleicht liegt das Problem im Jahr 2293." "Vielleicht gab es irgendwelche Experimente, temporaler Natur. Du bist die Expertin in temporaler Physik!" "Und du denkst immer an Dinge, auf die ich irgendwie nicht komme." "Nun..." Er lächelte. "Das ist das Privileg des Schriftstellers, nicht wahr? Ich bin wirklich froh, dass du kommen konntest zu meiner Lesung. Trotz der misslichen Situation, in der Charles steckt." "Den Elementen sei Dank scheint es für ihn nicht wirklich misslich zu sein, im Augenblick jedenfalls nicht. Sie sind in Quarantäne und somit erst einmal sicher vor eventueller Ansteckung. Da bin ich beruhigt. Bei meinem letzten Anruf sagte er, er und Rollo würden sich gerade durch die Whiskysorten der Hotelbar testen, und nebenbei würde er an einer neuen Theorie der Quantensupersymmetrie arbeiten." "Ja, das hört sich nach Charles McGregor an!" Richard lachte. "Dann hast du sicher nichts gegen ein Glas Wein auf der Terrasse, gleich nach dem Essen?" |