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Umbra et Malleus Log 19 - Richard von Rabenstein - Jan-Sun-2021 NRPG: da wir ja sowohl LaSalle, DeRaaf als auch Robert von Rabenstein überleben lassen müssen.... RPG: *** Terra / San Angeles Megalopolis*** Die bläulichweiße Nachtbeleuchtung zeichnete harte Kontraste um die spartanische Einrichtung des Büros und spiegelte sich in bizarren Mustern in der großen Panzerglasscheibe des Fensters. Dahinter stand Captain Robert Maximilian von Rabenstein, den Schatten der Deckenleuchten auf dem Rücken wie ein überdimensionales Fadenkreuz. Er wandte sich um, wurde sich des makabren Lichtspiels bewusst und lächelte düster. In der Tat - er war so gut wie tot. Auf seinem Schreibtisch lag das Pad mit den jüngsten Befehlen des Großkanzlers. Für die Sicherheit LaSalles und DeRaafs bei der Parade in zwei Wochen sollte er sorgen, wie die offizielle Order lautete. In beinahe mechanischen Handlungsabläufen hatte er bisher die Schutzfeldgeneratoren an der Tribüne überprüfen lassen und auf ein alternierendes Muster gesetzt, dessen Codesequenz ihm allein bekannt war. Ich bin so gut wie tot - so oder so. dachte er erneut, mit dem inoffiziellen Auftrag vor Augen. Natürlich würde es relativ leicht sein, LaSalle und DeRaaf bei der Parade zu eliminieren und das Ganze auch noch nach einem Unfall aussehen zu lassen. Allerdings würde Van Malnen sehr genau wissen, dass es kein Unfall war, und da er es sich weder leisten konnte, es mit der Inquisition noch mit der Flotte gänzlich zu verderben ohne selbst über die Klinge zu springen, würde er einen Sündenbock brauchen... Den für die offenkundig mangelhafte Sicherheit bei dieser Parade verantwortlichen Captain Robert Maximilian von Rabenstein... Dann war der Großkanzler ganz elegant alle losgeworden, die ihm momentan schwer im Magen lagen. Wenn ich DeRaaf die Angelegenheit hinterbringe, lässt er mich ohne Frage ebenfalls beseitigen. Einem Verräter war bekanntlich nicht zu trauen. Und außerdem lungert dieser McGregor die letzte Zeit viel zu oft im Oberquartier herum, der wartet auch nur darauf, etwas gegen mich in die Hand zu bekommen... Blieb die Möglichkeit, den Plan des Großkanzlers an LaSalle zu verraten. Aber das konnte Von Rabenstein nicht über sich bringen. Ganz abgesehen davon, dass er dem Großinquisitor, den er als geistig umnachtet betrachtete, höchstens zutraute, ihn in irgendeinem Folterkeller verschwinden zu lassen, um möglichst alles irgendwie Verwertbare aus ihm heraus zu bekommen. Oder ganz einfach, um seinen Frust abzureagieren, dass er an den Inquisitor Maximus Electus Richard von Rabenstein nicht herankam! Der Flottencaptain fluchte und nahm seine Wanderung durch das nächtliche Büro wieder auf. Es konnte keinen Zweifel geben, das ihn repräsentierende Figürchen war im Begriff, vomo Schachbrett der imperialen Politik gestoßen zu werden! Eine unbestimmte Zeit später verhielt Robert von Rabenstein plötzlich mitten in der Bewegung und starrte auf das ominöse Gitterkreuz aus Lichtlinien auf dem Boden. Ganz allmählich begann sich in seinen hageren, blassen Zügen ein Lächeln abzuzeichnen. Er aktivierte das Licht über seinem Schreibtisch und dann das Computerterminal. Kurz überprüfte er, ob ihn seine Erinnerung bezüglich eines ganz bestimmten Gefangenen nicht trog. Dann stellte er eine Verbindung mit dem Flottengefängnis auf Charon her. In der Holomatrix neben dem Terminal formte sich das zackig salutierende Bild des Kommandanten. + Commander Marconi zu Diensten! Lang lebe das Imperium! + Zur Hölle damit. "Captain Von Rabenstein hier, Flottensicherheit. Ich habe den begründeten Verdacht, dass us Ihrer Institution Kontakt zu regierungsfeindlichen Gruppierungen aufgenommen wurde. Ich muss eine sofortige Überprüfung einleiten." Selbst im Hologramm war zu sehen, wie der Gegenüber erbleichte. +Hier?! - Selbstverständlich, Sir! Ich werde Sie nach Kräften unterstützen, um diese perfide-- + "Sie werden überhaupt nichts. Sie sind ab sofort suspendiert." Collateralschäden gab es überall. Robert von Rabenstein hatte da wenig Skrupel, solange es sich bei den Collateralschäden nicht um ihn selbst handelte! "Ich komme persönlich. Erwarten Sie mich in 12 Stunden." Er beendete die Übertragung. Zwölf Stunden bedeutete, er hatte 9 Stunden zur Verfügung! In diesen 9 Stunden verfasste er zuallererst ein offizielles Kommuniqué, dass er eine Sicherheitslücke enttarnt habe, deren Spur sich zum Flottengefängnis zurück verfolgen ließ. Das Schreiben leitete er an DeRaaf und VanMalnen. Die anschließende Zeit nutzte er, in der Datenbank einige Files zu modifizieren, die Verdachtsmomente gegen Personen unter dem Wachpersonal auf Io erhärten konnten. Im Morgengrauen trat er seinen Weg zum Shuttleterminal an, äußerlich eisige Ruhe wie stets, im Inneren angespannt wie ein Vulkan vor der Eruption. Jedem seiner Schritte lauschte er nach - es würde das letzte Mal sein, dass er diesen Weg nahm, das letzte Mal, dass er die abscheulichen pathetischen Gemälde in der großen Halle sah... So oder so. Wie in Trance grüßte er die wachhabenden Posten, ging weiter durch die sich automatisch öffnenden Türflügel. Widerwärtige neblige Kühle wogte ihm entgegen. Er verabscheute Nebel. Ein Morgen wie dieser war es gewesen, als er Isabel in Rom-- "Sir! Ihr Shuttle steht auf Platform 4, Sir! Ich eskortiere Sie, Sir!" "Nicht nötig. Bleiben Sie auf Ihrem Posten, Ensign! Lang lebe das Imperium!" *** Flottengefängnis auf Charon *** Es war eine einfache, unspektakuläre Zelle, mit einer Pritsche aus Stahl und einem eingebauten Sanitärbereich, hellerleuchtet und kameraüberwacht. Robert Maximilian von Rabensteins erste Handlung beim Betreten der Zelle war daher gewesen, den kleinen Störsender zu aktivieren, den er am Arm trug. Dann wandte er sich dem Insassen der Zelle zu, der für die Dauer des Verhörs mit elektronischen Fesseln an der Wand fixiert war. "Mr. Edzardus. Wie erfreulich, Sie bei guter Gesundheit zu finden." Der Gefangene ließ ein Schnauben hören. Seine wasserblauen Augen starrten mit unverholenem Hass auf den 'Gast'. "Ich bin Captain Robert Maximilian von Rabenstein." "Was hat wieder das Interesse so einen Lamettaträgers wie Ihnen an mir erweckt, nachdem ich hier seit drei Jahren hocke? Ich habe meinen Aussagen nichts hinzuzufügen." "Das bezweifle ich." Von Rabensteins Gesicht war dem des Gefangenen so nahe, dass er die Haar- und Bartstoppeln des Gegners glaubte zählen zu können. "Die Inquisition wäre sicher in der Lage, Sie zu einigen weiteren Aussagen zu überzeugen." "Und? Warum schicken Sie mich dann nicht rüber zu den Krähen? Was quatschen Sie mir die Ohren voll?!" "Sie scheinen sich nicht über Ihre Lage im Klaren zu sein." Von Rabenstein überhörte den obszönen Fluch und sprach weiter. Die widerliche Ratte vor ihm war sein einziger Rettungsanker! "Ich brauche nur meinen Fingerabdruck unter den entsprechenden Befehl setzen, Mr. Edzardus. Und Sie wandern in die berüchtigten Folterkeller auf dem Mars. Ich versichere Ihnen, dass alles, was man bisher mit Ihnen angestellt hat, nur nette Spielchen dagegen waren. Ich habe Beweise, dass Sie über einen Wachposten mit dem Widerstand in Kontakt stehen, der die Ermordung des Großinquisitors plant." Jetzt weiteten sich die Augen des Gefangenen. "Was? Ich hab' mit Niemandem--" Gut, er war aus seinem "Harter-Hund"-Konzept gebracht! "Hören Sie gut zu. Der Einzige, der zwischen Ihnen und der Inquisition steht, bin ich. ICH kann dafür sorgen, dass sie hier herauskommen, eine neue Identität erhalten und in die blockfreie Zone verschwinden können. ICH, Mr. Edzardus." Der Gefangene musterte ihn mit schmalen Augen und spuckte dann aus. "Und Sie haben Ihren spendablen Tag, oder was? Was soll die ganze Scheiße?" Aber dann grinste er plötzlich. "Ahhh, ich kapiere... " Von Rabenstein löste die Disziplinierungsroutine aus und ein Elektroschock schüttelte Edzardus. "Sie kapieren noch gar nichts, mein Freund." *** Im Shuttle *** Eine Taschenlampe blitzte auf. Frank Hammerton betätigte einige Schaltflächen auf der Cockpitkonsole und das schräg im Raum hängende Shuttle begann sich langsam wieder zu stabilisieren. Er löste die Sicherheitsgurte und bahnte sich einen Weg nach hinten, dabei den Disruptor von Agathea aufsammelnd. Das Blut unter dem Kopf der Verräterin ließ keinen Zweifel, dass er sich um ihr 'Wohlergehen' nicht mehr kümmern musste. "Exzellenz?" Die Taschenlampe riß die Gestalt des Inquisitors aus dem Dunkel. Richard hing bewusstlos in seinen Fesseln. Hammerton durchtrennte die Spange, die die Handschellen zusammenhielt und fing den Inquisitor auf. "Aufwachen! Zeit für die Morgenandacht!" "Ahhh... Maledictus Infernus...." Richard versuchte die Arme zu bewegen und wurde von einem durchdringenden Schmerz attackiert. "Sie ... Meine rechte Hand! Ah, und mein Arm! Wollten Sie mich umbringen?!" Mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen überprüfte Hammerton die Lage. "Nur eine ausgekugelte Schulter. Haben wir gleich. Und ein gebrochenes Handgelenk sollte für das Medkit kein Problem sein." Er packte den Inquisitor mit geübtem Griff. Richard wurde erneut schwarz vor Augen. Als er wieder zu sich kam, lag er im Copilotensessel. "Sind wir wieder auf Kurs?" "Ja, seit einer halben Stunde." "Was ist mit der Häretikerin?" Richard stellte erleichtert fest, dass seine Hand wieder funktionstüchtig war. "Bereichert den Weltraummüll." "Den Regularien gemäß hatte ihre sterbliche Hülle verbrannt werden müssen." "Dafür war keine Zeit. Sie hatte möglicherweise ihre Gesinnungsgenossen informiert." Richard nickte. Für solche Unterbrechungen war in der Tat keine Zeit. "Wie weit noch?" "Wir erreichen die ersten Ausläufer in etwa zwei Stunden. Sie können sich noch etwas erholen, Euer Exzellenz, nach all den Strapazen." Richard starrte nach vorn und unterdrückte seinen Ärger. Wenn er etwas verabscheute, dann war das, vor anderen Menschen irgendwelche Schwächen zu offenbaren. "Machen Sie sich über mich lustig?" "Dazu habe ich keine Veranlassung." Hammerton wandte sich kurz in seine Richtung. "Glauben Sie mir, ich habe ganz andere Leute bei banaleren Dingen umkippen sehen." |