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Umbra et Malleus Log 3 - Richard von Rabenstein - Sep-Tue-2020 *** Malastair 4 / ISS Dark Mirror / Brücke *** Die Klingonen?! Kein Grund beleidigend zu werden, Vandenberg, antwortete Richard in Gedanken, ohne eine Miene zu verziehen. Die Commissio Fidei (=Kommission für Glaubensfragen) hatte zumindest bis in die jüngste Zeit debattiert, auf welcher Stufe diese Spezies mit ihren animalischen Instinkten und barbarischen Sitten anzusiedeln sei. Schließlich hatte die Kirche sie unter „minderbegabte triebhafte Lebensformen“ verortet. Eine Einschätzung, die Richards Meinung nach insofern fehl am Platz war, als sie die Flotte verleitete, den Gegner nicht wirklich ernst zu nehmen. Was die Romulaner anbelangte – nun die hatten sich ohnehin hinter ihren Abwehrschilden verschanzt, und überdies munkelte man, ihr Prätor liege im Sterben. Und das Ableben von Staatsoberhäuptern pflegte dort wie hier selten ohne unerfreuliche Begleiterscheinungen wie Hinrichtungen, Unruhen und dergleichen vonstatten zu gehen! Das waren also in der Tat keine Alternativen. „Beta Phönizis? Ich werde Sie begleiten.“ Der Großinquisitor wandte den Blick von den Sandteufeln, die über die nun in dunkles Weinrot getauchte Wüste wirbelten. Wie hieß es doch so schön? Finis medii iustificat. Und sich Vandenbergs zu entledigen, würde zu gegebener Zeit sicher noch Gelegenheit sein! Er lächelte leicht und wusste, dass sein Gegenüber den gleichen Gedanken hegte. Dafür brauchte er keine emphatischen Fähigkeiten! „Gut. Ich lasse ein Quartier für Sie herrichten. Ich hoffe, Sie können mit den spartanischen Verhältnissen hier an Bord leben.“ „Nun – solange alles zweckdienlich ist, sollte das kein Problem darstellen. Ich muss aber vorher noch mit meinem Begleiter sprechen.“ „Ah ja, der Besitzer dieses Flohzirkus…“ Robert Vandenberg aktivierte einen Bildschirm an der Lehne seines Sessels, und aktivierte das Biotracking. „Der Hund ist im nördlichen Abschnitt der Oase, also nehme ich an, der Mönch wird ebenfalls dort sein.“ Er stand auf, griff ein Nachtsichtgerät und trat an das Panoramafenster. „Ja, dort hinten, neben dem Sperrfeldgenerator. Ich leite einen Ort zu Ort – Transfer ein, Exzellenz.“ „Danke, wie zuvorkommend.“ Damit ich auch ja unterwegs nicht irgendetwas sehe, was ich nicht sehen soll, nicht wahr? … Wenig später stand Richard neben Anselmus und Herodes unter einer der seltsamen Kaktuspflanzen, deren kleine Blüten einen süßlichen Duft verströmten, der mottenähnliches Getier anlockte. „Wir werden nach Beta Phönizis fliegen? Der Platz hat keinen guten Leumund.“ wiederholte der Mönch und Herodes ließ ein leises Knurren hören. „Ich werde fliegen, Anselmus. DU wirst dich nach Cephira III begeben und versuchen, Kontakt mit Marco Sardi herzustellen…“ Er berichtete von den Informationen aus der Datenbank der Inquisition, die den zwielichtigen Geschäftsmann (um nicht zu sagen Mafiosi) Sardi als einen Anhänger des Konzils auswiesen. Noch wichtiger, oder besser, das einzig wichtige war, dass Sardi Zugriff auf eine Transmitterphalanx hatte. „Ich brauche Augen und Ohren dort draußen, von Vandenberg und seinen Leuten unabhängige Augen und Ohren! Die eines verlässlichen Informanten der Inquisition, wie du einer bist, mein lieber Anselmus!“ Das runde Gesicht des Mönchs zeigte deutlich, wie geschmeichelt er sich fühlte. „Oh, Monsignore von Rabenstein! Das ist wirklich… nun… ich habe immer getan, was ich konnte!“ „Ich weiß.“ Und ich hoffe, ich kann dich eines Tages gebührend belohnen. „Aber wie soll ich Sie erreichen? Wenn ich etwas erfahre?“ fragte Anselmus. „Ich traue Vandenberg nicht…“ „Ich auch nicht. – Ich werde dich kontaktieren, in gewissen Abständen,“ erwiderte Richard und warf einen kurzen Blick hinter sich. Dort meinte er, etwas gehört zu haben. „… bis ich eine andere Möglichkeit gefunden habe. Und weil wir gerade von Vertrauen sprechen. Konntest du etwas über Schwester Agathea heraus bekommen?“ „Sie ist mir auf dem Fuße gefolgt. Da konnte ich nicht viel machen. Aber Herodes, der hätte doch gemerkt, wenn da irgendwas nicht stimmt!“ „Ja…“ Richard senkte nachdenklich den Blick auf Anselmus‘ treuen Begleiter. „Das ist wahr. Aber es ist ebenso wahr ist, dass ich Schwester Agathea vor vier Jahren persönlich die letzten Sakramente erteilt habe. Sie ist quasi vor meinen Augen gestorben. Entweder hat mich damals der ganze Konvent zum Narren gehalten, oder das ist nicht Schwester Agathea.“ „Ich fühl‘ mich unbehaglich, Monsignore!“ „– Aber da sie mit uns reist, werde ich diese spezielle Frage noch beantworten.“ … *** Einige Zeit später / Malastair 4 / ISS Dark Mirror *** Der Großinquisitor hatte das ihm zugedachte Quartier in Augenschein genommen und so gut er es vermochte, nach Abhörgeräten gefahndet. Es war ein mittelgroßer Wohnraum, wahrscheinlich eine Offizierskabine, von der Nüchternheit einer Klosterzelle. Früher hätte er eine derart unangemessene Unterbringung entrüstet abgelehnt – schließlich verlangte sein Amt eine gewisse Ehrerbietung, die sich eben auch in dezentem Luxus niederschlug. Aber nach all dem, was er in den letzten zwei Jahren durchgemacht hatte, WAR das hier Luxus. Richard beschloss, sich an Bord umzusehen, vor allem empathisch ein wenig zu sondieren. Dass Vandenberg offenbar über seine diesbezüglichen Fähigkeiten Bescheid wusste – oder war die Abschirmung einem anderen „Problem“ geschuldet? – war beunruhigend, gehörte seine genetische Modifizierung doch zu den bestgehütetsten Geheimnissen. Er zweifelte, dass selbst Constantius davon gewusst hatte. Aber FALLS Vandenberg die Wahrheit kannte, hatte er sie dann mit seiner Crew geteilt? Es wurde Zeit, das heraus zu finden! Die „Dark Mirror“ war eindeutig ein Schiff terranischer Bauart. Sämtliche Statuspanels auf den Gängen waren – selbstverständlich – gesperrt. Ein Kraftfeld mit penetrantem roten Sperrsymbol schützte sie, das sich nur bei der entsprechenden Eingabe des Sicherheitscodes senken würde. Was Deo Gratias nicht abgeschirmt war, waren die Emotionen der Crewmitglieder! Und vor allem eine Schwingung kehrte immer wieder: Unruhe und Unbehagen. Da scheinen eine ganze Menge Leute nicht wirklich angetan von dem, was ihr Kommandant vor hat… Und was genau ist das, Robert Vandenberg? Der Großinquisitor war sich sicher, dass es nicht nur um geheime militärische Einsatzkräfte der Inquisition ging. Vandenberg wollte etwas von IHM persönlich. Genau aus diesem Grund hatte er sich die mentale Abschirmung besorgt… Eine Wolke düsterer, angsterfüllter Emotionen verdichtete sich um ihn und ließ ihn unwillkürlich in seinem Spaziergang innehalten. Woher kam sie? Es fühlte sich seltsam an… Anders als etwa ein oder zwei Gefangene, die verhört wurden… auf jeden Fall musste es sich um eine ganze Gruppe handeln, die dieses kollektive Panikgefühl erzeugte. Waren das die Borg, mit denen Vandenberg experimentieren ließ? Aber die sollten nach seinen Erfahrungen nicht in der Lage sein, individuelle Bewusstseinsmuster abzusondern… Er ging weiter, an einigen Warnsymbolen vorbei und versuchte den Ursprungsort der unangenehmen Präsenz zu lokalisieren. Unverhofft sah er sich zwei schwer bewaffneten Wachposten gegenüber, hinter denen sich ein Schott mit Sicherheitssperre befand. „Exzellenz! Dieser Bereich fällt unter die Restriktionen!“ schnarrte einer der hünenhaften Männer. „Ich muss Sie bitten, sich zu entfernen!“ Richard tat überrascht. „Ich war wohl zu versunken in meine Gedanken. Selbstverständlich.“ Sagte er und trat den Rückweg an, nicht ohne eine so intensive wie ihm mögliche Sondierung der beiden Wächter. Amüsement war zu spüren und Langeweile. Aha, sie nehmen mich nicht für voll. Umso besser… Er bezwang sein Verlangen, ihnen einen kleinen mentalen Denkzettel zu verpassen. Stattdessen stieg er in den nächsten Lift und ließ sich auf das obere Deck tragen. Als die Türen zur Seite glitten, fand er sich der Bordkantine gegenüber, aus der gerade drei Besatzungsmitglieder traten. Zwei Frauen und ein Mann mit Unteroffiziersabzeichen. Sie unterhielten sich, verstummten aber, als sie den Inquisitor erblickten. Dann setzte sich eine der beiden Frauen in seine Richtung in Bewegung. Ihr Kamerad kommentierte mit einem gegrummelten. „Was hast du bloß immer mit diesem Religionsgedöns?!“ Sanctissima Trinitas, der Zustand des Imperiums ist wirklich beklagenswert! Richard bedachte den jungen Offizier mit einem eisigen Blick und merkte erfreut, dass die Augen des Mannes tatsächlich auswichen, während die Frau vor ihm auf die Knie sank und um seinen Segen bat. Ja, er genoß die Situation in der Tat. Und EINE Verbündete schien sich hier schon einmal zu präsentieren! Er zeichnete ihr ein Kreuz auf die Stirn und legte die Hand auf ihren Kopf, während er sich das Namensschild auf ihrer Uniform einprägte. Sergeant Ellen Robinson. In diesem Moment ertönte das Signal an die Crew, sich zur Startvorbereitung an ihren Posten einzufinden. |