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Zwischenlog 24 Anselmus - Hohardus Edzardus - Dec-Wed-2019 ========== Auf Eridanus Prime, Kloster zur unbefleckten Empfängnis ========== Das Taxi hielt vor dem Klostertor und der Fahrer war sogar beim Entladen des Gepäcks behilflich, was ihm aber von Seiten des Abtes kein zusätzliches Trinkgeld einbrachte. Um genau zu sein: Er bekam überhaupt keins. Anselmus, der irgendwo ein Herz für die kleinen Leute hatte, reichte ihm zwei Kredits und nuschelte: „Fahr mit Gott, mein Junge.“ Dann standen sie da und der Abt schellte an der Glocke, aber trotzdem brauchten die drinnen immerhin 10 Minuten, um endlich aufzumachen. Nalae hüpfte von einem Bein auf das andere: „Ich muß mal! Können die sich nicht mal beeilen?“ Anselmus deutete auf einen Busch in etwa 50 m Entfernung: „Der wird es tun, mein Kind.“ Damit erntete er von der Dame einen vernichtenden Blick, was aber Anselmus absolut nicht störte. Dann öffnete sich ein Fensterchen in der Tür und ein Bruder starrte hindurch: „Wer da?“ fragte er. Ich bin Abt Aloysius, den ihr hier zu Besuch erwartet, und jetzt beeil dich ein bißchen, denn es ist ungemütlich hier draußen. Das Tor knarrte schrecklich, aber immerhin waren sie schon mal im Inneren des Klosters. „Die Frau muß aber hier bleiben.“ beharrte der Mönch. „Schon gut. Zeig ihr den Weg zum Abort, danach sehen wir weiter.“ knurrte der Abt, und der Bruder gehorchte und verschwand mit Nalae. „Der Mönch wird dir eine Zelle zuweisen, Bruder Anselmus. Und in etwa einer Stunde gibt es Abendessen, wobei wir aber zuvor erst noch die Vesper feiern, wie du natürlich weißt.“ Der Abt sprach in väterlichem belehrenden Ton mit unserem Mönchlein, der natürlich ehrerbietig nickte. Klar wußte er das Alles, aber sein Magen und der seines Hundes hingen ihm bis in die Kniekehlen. Und außerdem würde es nur Wasser zu trinken geben, obwohl er derzeit am liebsten ein ganzes Faß Rotwein gesoffen hätte. Aber irgendwie ging die Zeit vorbei. Der Bruder an der Pforte berichtete ihm, daß er Nalae in ein Haus gebracht habe, das etwa 500 m vom Kloster entfernt lag, um dort weibliche Gäste unterzubringen, was Anselmus mehr als nur recht war, denn die Nähe zu dieser Romulanerin war ihm sehr unangenehm. ========== Einen Tag später etwa um die gleiche Zeit ========== Es war schon dunkel geworden. Das Abendbrot vorbei und Anselmus pilgerte nun schon zum 8en Mal um den Kreuzgang. Sein Magen knurrte erbärmlich, zumal er das magere Essen auch noch mit Herodes hatte teilen müssen, denn man lehnte es ab, einen Hund zu füttern. Aber immerhin erlaubten sie es, daß er bei seinem Herrchen bleiben konnte. Schließlich setzte er sich auf einen harten Stein und kraulte seinen Begleiter hinter den Ohren, der seinen riesigen Kopf auf seine Knie gelegt hatte. Ein Leben im Kloster, das wußte er genau, kam für ihn nicht infrage. Er dachte an das Treffen auf dem Raumhafen, als er, während der Abt Aloysius in einem Inquisitionsbüro war, diesen Unbekannten vom Kopfgeldjägerschiff traf, der ihm berichtet hatte, daß sie Rabenstein umgebracht hätten. „Was machen wir jetzt bloß, Herodes? Wenn Rabenstein tatsächlich tot ist, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als irgendwo in ein Kloster zu gehen oder eine Pfarrstelle anzunehmen, die aber in aller Regel in den verlassensten Gegenden dieser Milchstraße liegen.“ Und was würde La Salle tun, sollte er herausbekommen, daß er ein Helfer Rabensteins war? Er sah sich schon auf einem Scheiterhaufen stehen, aber würde das wenigstens ausreichen, um als Märtyrer zu sterben und heilig gesprochen zu werden? Eher wohl nicht. Mit dem Abt wieder zu dessen Kloster zurückzukehren, gefiel ihm auch erst recht nicht, denn er konnte den Typen nicht ausstehen.. Irgendwie schleimig. Unter so einem wollte er auf keinen Fall dienen. Da schellte es an der Klosterpforte. Anselmus erhob sich und ging hin, um zu sehen, wer da um diese späte Zeit noch Einlaß forderte? Da der Bruder Türsteher noch nicht da war, öffnete er vorsichtig das Fensterchen und plierte hinaus in die Dunkelheit. Trotz der Tranfunzel an der Mauer konnte er nur einen dunklen Schemen erkennen, der allerdings zu einem ziemlich großen Mann gehörte. „Mach auf, Bruder! Ich brauche ein Lager für die Nacht.“ „Ich kann dir nicht öffnen, Kamerad, denn ich bin auch nur Gast hier, aber der Bruder Türsteher wird sicherlich gleich kommen. Gedulde dich noch einen Moment.“ Anselmus hatte das unruhige Gefühl, die Stimme des Mannes da draußen zu kennen, aber er schob diesen Gedanken zur Seite. Hier konnte Keiner sein, den er kannte. Dann hörte er das Schlurfen des sich nähernden Mönchs. Auch der plinste durch die Luke und fragte ziemlich unfreundlich: „Was willst du? Wir haben keinen Strohsack mehr frei.“ „Ich schlaf auch auf dem Boden, aber mach endlich das Tor auf. Es ist kalt hier draußen.“ Der Mönch hob den Riegel aus der Halterung und öffnete die Tür. Der Fremde trat ein. „Warte hier! Ich muß dem Prior bescheid geben, daß er dir eine Zelle zuweist. Und Fremde dürfen nur eine Nacht bleiben, damit du es weißt.“ „Ich verschwinde morgen vor Sonnenaufgang, Bruder. Ganz bestimmt.“ Der Mann hielt sich im Dunkeln, wie Anselmus bemerkte. Offensichtlich wollte er nicht erkannt werden. Aber warum? „Komm mit mir in den Kreuzgang, wo du warten kannst, mein Sohn.“ Er wies dem Fremden den Weg und dieser folgte ihn. „Der dickliche Mönch vom Raumhafen.“ Rabenstein war keineswegs freudig überrascht, ihn hier zu treffen. Was machte dieser Kerl hier? Bisher hatte er ihn wohl nicht erkannt, aber es war sicherlich nur eine Frage der Zeit, wenn man wußte, wer er war, darüber war er sich im Klaren. Und dann hätte er ein ziemliches Problem, denn hier unerkannt wieder wegzukommen, war nahezu unmöglich, vor allem, weil sein Bild inzwischen natürlich schon überall an den Wänden hing, einschließlich des Raumhafens und aller anderen behördlichen Lokalitäten. Kaum ein Nachrichtenschirm würde sein Konterfei nicht ausstrahlen. Und La Salle wäre sicherlich auch längst informiert und würde seine Häscher schon losgeschickt haben, da war er sich ganz sicher. „Komm, setz dich hierher, mein Sohn.“ Anselmus wies ihm eine steinerne Bank zu und hockte sich neben ihn. Der Mann versuchte, sich im Schatten zu halten, aber dann war er doch unvorsichtig genug, nur einen Bruchteil einer Sekunde den Schein einer flackernden Kerze auf sein Gesicht fallen zu lassen. Unser Mönchlein schnappte nach Luft: „Monsignore von Rabenstein! Was machen Sie hier?“ Er fiel vor Rabenstein auf die Knie. „Die gnädige Herr Jesus hat Sie zu mir geführt! Ein Wunder! Eben noch habe ich verzweifelt darüber nachgedacht, wie es mit mir weitergehen soll, und jetzt habe ich Sie gefunden.“ „Willst du mich denn nicht an La Salle verraten? Du würdest eine große Belohnung bekommen.“ „Da sei der ‚Gott sei bei uns‘ zwischen, Vater! Ich suche Sie doch schon so lange, um Ihnen zu helfen, wenn ich kann. Und auch Vandenberg sucht Sie, um La Salle eins auszuwischen.“ „Und ich dachte, du seihst einer von La Salles Spionen. Wie man sich doch täuschen kann.“ „Aber, Monsignore, am Flughafen hat man mir erzählt, Sie seien tot. Man habe Sie durch die Luftschleuse des Ganovenschiffes geworfen? Und der hatte als Beweis Ihren Siegelring?“ „Meinst du diesen hier?“ Rabenstein zog den Ring an der Kette aus dem Hemd hervor. „Das war ich. Mein Holomarker funktionierte da noch. Und nun steh endlich auf! Wenn die anderen Mönche oder der Prior kommt und sehen dich so, werden sie sich fragen, warum du da am Boden kriechst? Ich werde dir später erzählen, was geschehen ist.“ „Das stimmt.“ Anselmus erhob sich mühsam. „Wir können nur hoffen, daß die Sie nicht kennen. Außerdem ist die Frage, wie sie es mit La Salle halten oder mit Ihnen?“ In diesem Moment hörten sie Schritte und der Prior in Begleitung des Abtes, mit dem Anselmus gekommen waren, näherte sich. „Oh, ein weiterer Gast. Heute scheint unser Kloster ja sehr gefragt zu sein, aber Gastfreundschaft ist bei uns ein hohes Gut, und der ehrwürdige Pilger will versorgt sein. Ich habe den Bruder Küchenmeister schon angewiesen, dir ein Abendmahl zu machen und der Kellermeister wird dir etwas Ordentliches zu Trinken bringen. Danach wird man dir eine Zelle zuweisen, damit du dein müdes Haupt zur Ruhe legen kannst. Du hast ja sicherlich einen langen und anstrengenden Weg hinter dir.“ Der Prior faßte Rabenstein am Ärmel und zog ihn mit sich, so daß keine Aussicht mehr bestand, sich im Dunkeln zu halten. Anselmus Herz schlug ihm bis zur Kehle. Der Prior schien Rabenstein nicht zu erkennen, aber bei dem Abt Aloysius glaubte er, ein Erkennungssignal in dessen Augen zu bemerken, allerdings sagte dieser nichts oder ließ es sich anmerken, ob er sein Gegenüber erkannt hatte oder nicht. Wenn er ihn erkannt hatte, so ließ er es sich nicht anmerken. Anselmus war sich nicht sicher, aber je mehr er darüber nachdachte, um so sicherer war er, daß der Abt Rabenstein erkannt hatte. Aber warum sagte er dann nichts? War er sich nicht sicher, wie der Prior oder das Kloster selbst zu Rabenstein oder La Salle standen? Wollte er Rabenstein deshalb nicht gefährden? Auch Rabenstein ließ sich nichts anmerken. Hatte er die Reaktion des Abtes gesehen? Er blieb ruhig und gelassen, ließ aber nicht erkennen, daß er ein Mann der Kirche war. Er verhielt sich perfekt wie ein Laie, der keine Ahnung hatte, wie er sich in einem Kloster zu verhalten hatte. Er schien die Ruhe selbst, obwohl er sich sicherlich über seine Lage im Klaren war. Man führte sie in einen Raum, der eigentlich als Gesprächszimmer des Klosterabtes gedacht war, der auch kurz darauf zur Gruppe stieß. Er stellte sich den Gästen vor: Ich brauche mich dem Abt Aloysius ja nicht vorstellen, da er ein häufiger Gast in unseren Mauern ist, aber unseren anderen möchte ich sagen, daß ich der Bruder Eustasius bin und die hiesige Congregation leite. Wir haben nur sehr wenig Kontakt mit der Außenwelt, denn es ist ein Teil unseres Gelübdes, uns nicht in die große Politik und die Geschehnisse einzumischen, ganz im Gegensatz zu unserem Bruder Aloysius, der ja sehr weltgewand ist und viel herumkommt.“ Der Kellermeister brachte eine Flasche Rotwein und stellte Gläser auf den Tisch. Sogar Anselmus bekam eins. Allerdings war die Menge des Weines keineswegs geeignet, Anselmus freudig zu stimmen. Er bekam deutlich weniger als die anderen. Aber da er ja unter keinen Umständen auffallen wollte, verhielt er sich still. Anselmus beobachte die drei Klosterbrüder intensiv, um bei ihnen irgendwelche Reaktionen, egal ob freundlich oder feindlich festzustellen, aber er bemerkte nichts. Das Einzige, was ihm auffiel war, daß Aloysius etwas nervös zu sein schien. Jedenfalls konnte er seine Hände nicht still halten. Etwa eine halbe Stunde später erhob sich dieser und bemerkte, daß er sich zurückziehen wolle, da er einen anstrengenden Tag bei der Inquisition hinter sich habe. Kaum war er weg stöhnte Eustasius: „Heilige Jungfrau Maria. Ich konnte es nur noch mit Mühe bei mir behalten. Der rechtmäßige Großinquisitor persönlich bei mir in meinem bescheidenen Kloster.“ „Ihr habt das Erkennen aber gut unterdrücken können, lieber Abt, und ich werde, sollte ich hier wieder heil herauskommen, nicht vergessen, daß Ihr auf meiner Seite steht. Aber es tut sich die Frage auf, wie ich hier wieder wegkomme. Und natürlich mein Begleiter Anselmus ebenfalls, denn auch er hat sich verdient gemacht um mich.“ Eustasius nickte: „Ich habe ein paar vertrauenswürdige Leute hier auf diesem Planeten, mit denen ich gleich nachher versuchen werde, Kontakt aufzunehmen. Wir sind eine Art kleine Widerstandszelle gegen La Salle, aber ich darf nicht offen auftreten, da ich sonst zu viele gefährden würde. Aber die werden einen Weg finden, Sie und den Bruder hier vom Planeten fortzubringen, ohne daß die Schergen La Salles etwas davon bemerken werden.“ „Und was ist mit dem Abt Aloysius? Auf wessen Seite steht er? Ich hatte zwar bisher den Eindruck, er habe mich nicht erkannt, aber das kann auch nur eine Täuschung gewesen sein.“ Rabenstein betrachtete sein Gegenüber. Eustasius nickte: „Bisher hatte ich nicht den Eindruck, er hätte sich für eine Seite entschieden. Er hat sich jedenfalls mir gegenüber nicht darüber geäußert. Allerdings gebe ich zu, daß ich ihm auch nicht meine wahren Gefühle verraten habe, denn selbst innerhalb unserer heiligen Mutter Kirche gibt es kein Vertrauen mehr. Wir können nur hoffen, daß er Sie nicht erkannt hat. Ich schlage vor, wir Alle begeben uns jetzt zur Ruhe, denn es könnte morgen ein anstrengender Tag werden. Und ich versuche gleich über ein sicheres Kom einen Freund zu erreichen, der dann für einen schnellen Transport sorgen wird.“ Aller erhoben sich, und der Abt selber führte seine Gäste zu ihrer Zelle. ========== Mitten in der Nacht ========== Ein heftiges Donnern gegen die Klostertür riß auch den letzten tief schlummernden Bruder aus seinen Träumen. „Aufmachen! Polizei! Im Namen der Inquisition! Öffnen Sie!“ Anselmus stand senkrecht in seiner Koje und auch Rabenstein war schon auf. „Scheiße! Wie ist das möglich, daß die Jungs schon da sind? Was nun?“ Anselmus wäre fast über Herodes gefallen, der wie immer neben seinem Bett lag. „Die haben uns verraten. Man kann noch nicht einmal mehr den Brüdern trauen. Was haben wir bloß für Zeiten?“ „Eustasius wird das nicht gewesen, wohl aber dieser Hundsfott von Aloysius.“ Richard stöhnte. „Ich hätte es merken müssen, als er sich so frühzeitig verabschiedete. Der hat sofort aus seiner Zelle die Inquisition informiert, die dann der örtlichen Polizei den Festnahmeauftrag erteilt hat, da sie ja selber keine Amtsgewalt haben oder Waffen tragen dürfen. Offiziell jedenfalls.“ „Was für ein Drecksack!“ stöhnte Anselmus. „Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich ihn zum Schweigen gebracht.“ Trotz der Situation lächelte Rabenstein: „Auch du darfst keine Waffe erheben gegen einen deiner Glaubensbrüder. Das weißt du doch.“ „So einer ist kein Glaubensbruder. Ich wette, der Herr Jesus würde mir das Beiseiteschaffen dieses Miststücks jederzeit verzeihen. Aber was machen wir jetzt?“ Draußen bollerten harte Fäuste schon gegen die Zellentür: „Machen Sie auf! Widerstand ist zwecklos!“ Rabenstein ging zur Tür und entriegelte sie. „Was wollen Sie? Haben Sie einen Haftbefehl?“ „Die Inquisition braucht keinen. Das wissen Sie ja wohl am besten. An die Wand und Hände auf den Rücken!“ Herodes wollte den Polizisten anspringen, als dieser sein Herrchen fesselte, aber Anselmus rief ihn zurück, was dieses Tier in große mentale Probleme brachte, da er grundsätzlich immer seinen Herrn verteidigte. Man führte die Beiden durch den Kreuzgang bis zur Klostertür, vor der ein größerer Gleiter mit Polizei-Signeten und Festbeleuchtung stand. Man schubste sie durch die Heckklappe, wobei sie nicht darauf achteten, daß auch Herodes mit reinsprang. Etliche Mönche, darunter auch die beiden Äbte betrachteten die Szene, wobei Anselmus das Grinsen in der Visage des Aloysius nicht entging, während Eustasius traurig aussah. „Wenn ich dir je wieder begegne, dann bring ich dich um.“ Und er war sich sicher, daß Jesus ihm vergeben würde. Sekunden später hob der Gleiter ab und brachte sie in den Hochsicherheitstrakt des örtlichen Gefängnisses, wobei Herodes ausgesperrt vor dem Tor blieb und laut heulte.
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