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ISDA Log 52 - NPCs - Druckversion

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ISDA Log 52 - NPCs - Richard von Rabenstein - Oct-Fri-2018

NRPG: weil ich ja immer mal wieder einen Imperator in meinen Logs erwähnt hatte...

RPG:

*** Terra / Konstantinopel / Residenzbezirk ***


Eine kaum merkliche Handbewegung genügte und die acht Säftenträger des Großinquisitors hoben die mit Elfenbeinintarsien verzierte antike Sedes gestatoria. Valentinian Constantius ordnete sein schwarzviolettes Amtsgewand und richtete den Blick nach vorn, die Stufen des Palais des Hofsekretärs hinauf, auf den modernistischen häßlichen Kubus dahinter. Dieser widerwärtige, den Namen Palais nicht im Mindesten verdienende bauliche Horror, dieser Schandfleck in der prächtigen alten Architektur der Residenz, war für ihn das sichtbare Zeichen der besorgniserregenden Entwicklung der letzten 50 Jahre und insbesondere der Ereignisse der letzten 24 Stunden. Gerade deshalb benutzte Valentinian Constantius die Sänfte: dieses schlichte Fortbewegungsmittel verkörperte für ihn das alte Imperium, seine Kraft, Ausstrahlung und schlichte Größe, seine Gründung auf menschliche Tugenden und Kraft - nicht auf seelenlose Technologie.

 Nach der unerfreulichen Unterredung mit Van Malnen hatte der Großinquisitor beschlossen, dass er zum Imperator direkt vordringen musste. Seine Heiligkeit Augustus XXV. lebte abgeschieden in der Verbotenen Stadt in Konstantinopel - so abgeschieden, dass manche Leute seine Existenz als Mythos bezeichneten. Aber nichts desto trotz war er der nominelle Herrscher des Imperiums und die Heilige Inquisition sein Schwert. Ein Schwert, das scharf zu halten er, Valentinian Constantius, verpflichtet war.

Im Vestibül des Palais erwartete ihn nicht etwa der Hofsekretär, sondern der Adjunkt zur Flotte, die rechte Hand des Großkanzlers.

"Eminenz." Der Adjunkt, ein dunkelhäutiger wohlbeleibter Typ, verneigte sich so knapp, wie es gerade noch gangbar war, während die Sänftenträger ihre Last absetzten. "Hätten Sie mich rechtzeitig über Ihren Besuch informiert, hätte ich Ihnen einen Antigravsessel geschickt, um Ihre Kräfte zu schonen..."

Constantius erhob sich mit der federnden Eleganz eines jungen Mannes, wartete, bis der Adjunkt den schuldigen Ringkuss geleistet hatte und sagte dann grußlos: "Ich hatte eine Audienz mit dem Ersten Hofsekretär. Wo ist er?"

"Eine Dringende Gesandtschaft nach Alpha Centauri, Eminenz. Sie werden verstehen --"

"Ich muss umgehend den Imperator sprechen. Es geht um die Sicherheit des Reiches."

"Seine Heiligkeit ist leider sehr unpässlich. Die Leibärzte haben strengstens von Besuchen und Kontakten aller Art abgeraten," sagte der Adjunkt und stellte sich dem Großinquisitor in den Weg. "Der Tod seines Großneffen hat ihn schwer getroffen. Auch wenn es ein Heldentod im Gefecht gegen die Terroristen war... der Verlust ist doch der Gleiche, zumal Antonio Rodriguez de Salazar als Thronerbe ---"

Heldentod! dachte der Großinquisitor abschätzig. Da hatte er etwas anderes gehört. Nein, um Salazar war es nicht schade. Da würde man schon noch andere Thronprätendenten aus irgendeiner Ecke ziehen können, nachdem die vier Ehen des Imperators kinderlos geblieben waren.
"Gerade um diese Terroristen geht es!"

"Großkanzler Van Malnen ist von Seiner Heiligkeit persönlich autorisiert worden, sämtliche Regierungsgeschäfte zu führen und nach seinem Gutdünken zu entscheiden."

"Ich habe Beweise, dass die jüngst zirkulierenden Falschmeldungen gezielt gestreut wurden."

Der Adjunkt verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen. "Das habe ich auch schon munkeln hören, Eminenz. Es gibt sogar Leute, die behaupten, SIE stecken hinter dieser Sache."

"Aber mein Freund!" Wer 'munkelt' das? Dein Herrchen Van Malnen, was? Glaubst du, damit kannst du mich einschüchtern, du Kretin?" Was für irregeleitete Seelen. Was hätte die Inquisition von einem Krieg mit den Romulanern?"

"Die Reinheit des Imperiums zum Beispiel," mischte sich eine neue Stimme in die Unterhaltung. Constantius wandte den Kopf und erblickte den Großkanzler höchstpersönlich auf der Treppe, die zum Haupttor der äußeren Mauer führte. "Die Befreiung von den satanischen 'Maledicti', wie Sie sie so gern nennen."

"Exzellenz, ich bewundere Ihre Phantasie," entgegnete der Großinquisitor eisig. "Ich könnte vielmehr an gewisse Industrielle denken, die sich in einem etwaigen Krieg gewaltige Profite erhoffen."

Van Malnen lachte. "Nun, Krieg ist gut für das Geschäft. Welches unserer unterworfenen Völker hat das noch gleich gesagt....?"

"Sie sind eine Schande für Ihr Amt!"

"Und Sie sind von Gestern."

"Wenn Sie mich jetzt nicht weiter gehen lassen, werde ich Sie mit dem Großen Anathema belegen! Und das wird Sie regierungsunfähig machen!"

"Aber aber.... Ihre Aufregung ist doch ganz unnötig." Aus Van Malnens Mantelmanschette schnellte ein schmales Stilett mit integrierter Laserklinge. Im Bruchteil einer Sekunde hatte sie sich durch die Brust des Großinquisitors gebohrt.

Constantius brach hustend in die Knie und presste die Hand gegen die Wunde.

"Sie wollten den Imperator sprechen? Aber bitte, nur zu. Sie können Ihn gleich in den jenseitigen Gefilden treffen," zischte Van Malnen und stieß den Großinquisitor zu Boden. "...wohin er Ihnen vorausgegangen ist!"

Mit letzter Kraft flüsterte Constantius die Verdammungsformel und packte dabei den Knöchel des Großkanzlers. Angewidert schüttelte Van Malnen den Fuß - und fühlte im selben Moment ein Brennen das Bein hinauf kriechen. Einen schrillen Schrei ausstoßend sprang er von dem Leichnahm zurück und riss den Stoff des Hosenbeins nach oben. Tentakeln gleich zog sich ein blutiges Geäst über seine eben noch unversehrte Haut.

"Esyralin, verdammt!!!" Er starrte den erschrockenen  Adjunkt an. "Peters, her mit Ihrem Transporter! Schnell! Ich brauche ein Gegenmittel!!!"

Der Adjunkt fingerte zitternd an seinem Transporterarmband, während sich eilige Schritte der Palastgarde näherten.

"Beeil dich, du Vollidiot!" Van Malnen hatte noch Kraft genug, dem kleineren Mann den Transporter aus der Hand zu reißen. Einen Moment später dematerialisierte er, einen Tatverdächtigen ohne Alibi zurücklassend....