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ISDA 22 Haddus
#1
==========  An Bord der ISS Picard  ==========
 
Haddus stand vor einem Spiegel in seinem Quartier und betrachtete sein Äußeres.
Das gab schon was her, wie er zugeben musste.
Der Leutnant Kaiser war ein echter Schönling und Frauenschwarm, was die Identifizierung mit ihm nicht gerade erschwerte, denn auch Haddus hatte immer Wert auf sein Äußeres gelegt, egal in welch einer beschissenen Situation er sich auch befand. Wenn man im Einsatz über die Klinge sprang, sollte das wenigstens mit Anstand und Würde geschehen.
Und hier an Bord war tadelloses Aussehen Pflicht. Und dem gedachte er nachzukommen.
Vorsichtig klopfte er ein verbliebenes Stäubchen von der Schulter.
Er heftete sich noch ein paar Auszeichnungen an den Busen, denn schließlich würde er in wenigen Minuten zum ersten Mal die Brücke betreten und seinem neuen Captain gegenübertreten. Da sollte der schon gleich sehen, dass er sich da einen wirklich herausragenden Mann geangelt hatte.
Er rückte die Uniform noch mal zurecht und machte sich auf den Weg zur Brücke.
 
 
==========  Ein paar Minuten später  ==========
 
Der Turbolift hielt und die Tür öffnete sich mit leisem Zischen. Haddus, oder besser Adolf, trat festen Schrittes auf die Brücke und salutierte zackig.
„Lieutenant Kaiser meldet sich zum Dienst!“
Alle drehten sich ihm zu, aber keiner begrüßte ihn.
Auf dem Stuhl des Kommandanten saß der EinsO Commander Brunson: „Setzen Sie sich auf Ihre Position, Kaiser, und verschwenden Sie nicht so viel Zeit mit Formalitäten. Ich hoffe sehr, dass Sie besser sind als Ihr Vorgänger. Sie haben sicherlich von seinem Schicksal gehört, nehme ich an?“
 
„Jawohl, Sir. Ich habe mir dessen Exekution natürlich nicht entgehen lassen. Ich habe weder Frau noch Kinder und auch keine nahen Verwandten, die mich zur Desertion veranlassen könnten. Ich nahm allerdings an, ich würde den Captain hier antreffen, um mich bei ihm vorstellen zu können…?“
 
„Der Captain ist derzeit unpässlich. Sie müssen schon mit mir vorlieb nehmen, Mister Kaiser.“
 
„Kein Problem, Sir.“ Haddus setzte sich in den Konturensitz vor der Nav-Konsole. Er hatte das Gefühl, schon immer hier gesessen zu haben, denn Alles war ihm zutiefst vertraut. Er war, das musste er sich selber lassen, ein Meister auf dieser Klaviatur. Und die paar wenigen Änderungen, die man beim Bau dieses Schiffes hatte einrichten lassen, waren im Nuh begriffen, denn er merkte sofort, dass der Konstrukteur dieser Konsolen und Hologrammtastaturen selber ein Navigationsprofi war.
 
Er aktivierte das Hologramm, das sich 360° um ihn schloss. Er konnte so jeden Teil des Schiffes überblicken und jede Richtung betrachten, die ihm wichtig schien. Da hatte sich in den letzten Jahren schon Einiges getan, wie er lobend feststellen musste.
Eigentlich würde es geradezu ein Jammer sein, dieses schöne Schiff zu zerstören, aber vielleicht fand sich ja ein Weg, es in die eigenen Hände zu bekommen, natürlich mit ihm als Kommandanten, was sich von selbst verstand.
 
„Setzen Sie Kurs auf das System Terion 6. Dort erwarten wir noch einen größeren Verband imperialer Schiffe, die dann mit uns zusammen in das Übungsgebiet fliegen werden. Ich nehme an, Sie kennen unser Ziel?“
 
„Selbstverständlich, Sir.“ Haddus, oder Adolf hatte kein Problem, die Koordinaten einzugeben und auf Warp 7 zu gehen.
 
Er riskierte jetzt einen ersten langen Blick auf die Brückencrew dieser Schicht.  Außer Brunson, der ziemlich hingelümmelt auf seinem Stuhl saß, gab es noch neben ihm an der Helmkonsole einen Androiden, den man H 130 nannte. Man hatte sich bei ihm allerdings nur wenig Mühe gegeben, ihn menschlich aussehen zu lassen. Er erwiderte den Blick, ohne dass man erkennen konnte, ob er irgendwelche Regungen haben würde.
Dieser half ihm auch bei der Identifizierung der einzelnen Crewmitglieder.
An der Technik-Konsole saß ein Andorianer, den man Iter Ch'zylnes nannte. Haddus hatte ein echtes Problem, den Namen halbwegs korrekt auszusprechen.
Am Kom saß ein weibliches Subjekt, das sich später als Trill herausstellte und Jumi Mon hieß, was auch Haddus leicht über die Zunge ging.
Und dann war da noch an der Waffenkonsole ein bärbeißig aussehender Terraner, der sich Li Myong-Oh nannte und aus Ost-Asien, oder besser aus Korea, stammte. Er hatte den Rang eines Sub-Commanders. Irgendwie hatte Haddus das unruhige Gefühl, dass mit diesem Kerl nicht gut Kischenessen wäre. Der hatte bestimmt irgendwo einen Krummdolch versteckt und war jederzeit bereit, willens und in der Lage, jemandem, der ihm nicht passte, die Kehle durchzuschneiden.
 
Wichtig war für die nähere Zukunft, mit dem Andorianer Freundschaft zu schließen, denn er war es ja, der auch die Verbindung zwischen ihm und Mahan Tr'Kovath herstellen musste, der ja tief unten in der Maschine Dienst tat, wo er eigentlich den wichtigsten Job dieser Operation zu erfüllen hatte, die Systeme so zu verändern, dass die Widerstandskämpfer sie nutzen konnten, ohne entdeckt zu werden und ohne die Ursprünge auf das Schiff selber und sie Beide zurückführen zu können.
Da hatte der sich schon was einfallen zu lassen. Aber Haddus hatte großes Vertrauen in Mahan, denn er wusste, dass dieser der beste Mann auf diesem Posten war.  An ihm hing eigentlich nahezu Alles.
 
 
==========  Etwa 1 Stunde im Transit  ==========
 
Plötzlich öffnete sich die Tür des Turboliftes und eine Person trat ein, die Haddus sofort erkannte: Dieser Kerl, der ihn, kaum dass er an Bord gekommen war, auf dem Flur ausfragte. Ein gewisser Vandenberg, wie ihm der Androide zuflüsterte, da dieser wohl gemerkt hatte, dass er, Adolf, diesen Knaben namentlich nicht kannte.
„Der ist von der imperialen Flottensicherheit. Ein ziemlich einflussreicher Typ. Der soll wohl dafür sorgen, dass bei unserem bevorstehenden Manöver nichts Negatives passiert, denn man munkelt davon,  dass die Gegner des Imperators Alles daransetzen werden, diese Übung zu stören oder gar in eine Katastrophe zu verwandeln.“
 
„Tatsächlich?“ Haddus grinste innerlich, konnte sich aber nach außen hin gut beherrschen. „Wenn die wüssten, dass der Widerstand schon die ersten Füße hinter der Türschwelle hatte. Und das an durchaus sensitiven Positionen.
Dass dieser Kerl wichtig war, hatte er sich schon bei ihrem ersten Zusammentreffen gedacht, aber dass man so einen auf diese Mission schickte, zeigte, wie ernst das Imperium die Lage einschätzte.
Und das wiederum zeigte, wie erfolgreich ihre bisherigen Aktionen gewesen waren, denn man traute uns ganz offenbar nahezu alles zu.
 
Vandenberg blickte ziemlich finster in die Runde und musterte jeden Einzelnen kritisch. Sein Blick blieb an Haddus oder Adolf hängen, und er erkannte ihn natürlich sofort wieder.
„Sie verlieren keine Zeit, Ihre Aufgabe anzutreten, Mister Kaiser?“
 
„Selbstverständlich nicht, Sir! Nachdem mein Vorgänger etwas drastisch von Bord gegangen wurde, ist es meine Pflicht, unser Schiff zu übernehmen und sicher an seinen Zielort zu bringen.“
Der Mann hatte wirklich eine echt eklige und mehr als unsympathische Visage!
Wie hielt der das bloß aus, mit so einem Gesicht den ganzen Tag herumzulaufen? Dem sah man sein innerliches Problem ja schon von außen an. Das war so Einer, der konnte noch so ‚entspannt‘ stehen, und man wüsste trotzdem sofort, was für ein Kerl er war. Der würde es niemals schaffen, einfach mal entspannt und unauffällig so herumzustehen! Einfach ‚zivil‘ zu sein.
Aber er musste schon seine Qualitäten haben, denn sonst hätte man ihn ja wohl kaum auf diese Mission geschickt.
Haddus setzte ihn innerlich auf die erste Position der Gegner, mit denen es hier an Bord zu rechnen galt.
Es war eine seiner Grundeinstellungen, niemals einen Gegner zu unterschätzen, und gerade diesen Wichser musste er im Auge behalten.
 
Commander Brunson hatte sich schwerfällig aus dem Sitz erhoben, was die Wichtigkeit dieses Vandenberg noch unterstrich. Er bot ihm sogar seinen Platz an, aber dieser setzte sich auf einen der seitlichen Sessel, was vom Protokoll her völlig korrekt war, denn dieser Knabe hatte keinerlei echte Kommandofunktionen an Bord. Höchstens, wenn die Sicherheit direkt tangiert war. Er war sicherlich auch der Vorgesetzte der Sicherheitsabteilung hier an Bord, auch vor dem Captain, das verstand sich von selber.
 
Und dann öffnete sich der Turbolift erneut und eine weitere ‚Krähe‘ trat ein. Diese hatte Haddus bisher noch nicht kennengelernt, aber seine Aufmachung und das Kreuz am Busen wiesen ihn eindeutig als Mann der Inquisition aus. Und Haddus nahm an, dass auch der einen höheren Rang einnehmen würde, denn das Gelingen dieser Übung war einfach zu wichtig, als dass man unbedeutende Anfänger ins Feld schickte. Und da die Inquisition der Erbfeind der Flottensicherheit war, ließ das nichts Gutes erahnen. Aber vielleicht konnte man diese Situation zu ihrem Vorteil nutzen!?
Er nahm sich vor, beim nächsten Kontakt mit Sokar die Anwesenheit dieser Heinis zu melden. Da würde dem alten Ränkeschmieder Sokar schon was einfallen. Da war sich Haddus sicher.
Denn wenn einer gut im Ränkeschmieden hinter den Kulissen war, dann ihr Boss. Das gab Haddus auch gerne zu.
 
H 130 zischte: „Das ist Rabenstein von der Inquisition. Der will unbedingt selber mal Großinquisitor werden.“
 
„Tatsächlich? Woher weißt du das?“
 
„Ich habe die Akten der Neuzugänge, also auch deine, genau studiert und mir dann noch aus allen zugänglichen Quellen Informationen geholt. Bei der Beurteilung dieses Mannes sind sich nahezu alle einig. Außer vielleicht dem Großinquisitor selber, der ihn wie seinen Ziehsohn behandelt.“
 
Haddus betrachtete diese zweite Krähe genau. Irgendwie passten Vandenberg und Rabenstein ganz gut zusammen. Charakterlich könnten die Zwillinge sein, wenn man sie so betrachtete.
Er sah den Kerl schon auf einem Scheiterhaufen stehen, den er, Haddus, selber errichtet hatte und um Gnade winseln. Wer weiß, wie Viele der Mann schon auf das Schafott oder in finstere Verliese hatte wandern lassen?
Er setzte ihn auf der Wichtigkeitsliste auf Platz 2.
 
Bei Commander Brunson fragte er sich, wie zum Henker es ein Mann wie der auf diesen Posten hatte schaffen können? Immerhin war die Picard das modernste und bestausgerüstete Schiff des Imperiums und sollte natürlich auch die Romulaner tief beeindrucken, um diese von den Führungsqualitäten des Imperators zu überzeugen. Allerdings wusste er auch genau, dass die Rommis eigentlich nur der Notwendigkeit gehorchten, wenn sie der Allianz angehörten, denn wenn es nach deren Träumen und Wünschen ginge, dann wären die Herrschaftsstrukturen in der Galaxis nur unter ihrer Führung möglich.
Und genau das war es ja auch, was Sokar wusste und zu nutzen gedachte, denn auch die imperiale Sicherheit und auch die Inquisition wussten das. Und eigentlich jeder glaubte, dass die Rommis nur auf den geeigneten Moment warteten, um die Herrschaft an sich zu reißen.
Und diese Situation galt es, eiskalt zu nutzen!
 
Schön war es zu beobachten, wie sich diese beiden Krähen gegenseitig abschätzten und belauerten. Und Haddus hatte das irgendwie beruhigende Gefühl, dass diese Beiden mehr miteinander zu tun haben würden, um die Position des Anderen zu unterminieren, als mit dem Kampf gegen den Widerstand.
Es ist doch immer wieder schön zu beobachten, wie sehr sich die Konkurrenz und der Neid der jeweiligen Institutionen doch zugunsten der Opposition auswirkten.
 
Vandenberg hatte sich erhoben und bot mit einer ganz offensichtlich ironisch gemeinten Geste Rabenstein seinen Platz an, doch dieser lächelte ihn süffisant an und meinte trocken: „Danke, ich stehe lieber.
 
Haddus nahm sich vor, auch dieses umgehend Sokar mitzuteilen, denn der könnte daraus vielleicht Kapital schlagen. Vielleicht kannte er diese Figuren sogar, um das nutzen zu können?
 
==========  3 Stunden später  ==========
 
Adolf oder Haddus hatte Schichtende und wechselte den Platz mit seinem Stellvertreter, den er bisher noch nicht kennengelernt hatte.
Dieser stellte sich vor: „Hallo, ich bin O’Leary und der 2. Navigator. Wir sollten später mal ein Bier zusammen trinken, um uns kennenzulernen.“
 
„Gute Idee. Nach deiner Schicht im 10 vorne?“
„Klar. Bis nachher dann.“
 
Haddus machte sich auf den Weg in sein Quartier, wo er Mahan antraf.
„Auch Schichtende?“
„Mann, das war echt grottig. Nicht die Maschine selber, sondern der Obermaschinist. Der Mann ist eine echte Plage. Schaut einem ohne Pause über die Schulter und kontrolliert Alles, was man tut oder auch nicht. Und dem fällt auch wirklich Alles auf. Ich muss zugeben, dass der Typ echt Ahnung hat, von dem, was er tut.“
 
„Das kann man von der Kommandoebene nur bedingt sagen, jedenfalls, was den 1. Offizier betrifft. Den Captain habe ich noch nicht kennengelernt.  Wie sieht es eigentlich mit einem ersten Versuch aus, eine Nachricht an Sokar zu senden, und ihn über den Stand der Dinge zu informieren?“
 
„Das war eine meiner ersten Tätigkeiten, unseren Sender und dessen Frequenz auf den Sendestrahl der Picard zu legen, den diese ohne Unterbrechung mit dem Hauptquartier aufrechterhält. Wir sollten Alles kodieren und dann abschicken. Die Kompression dürfte unser Signal nicht länger als eine tausendstel Sekunde werden lassen.“
 
„Dann mal los. Sonst denkt unser Oberboss noch, wir hätten uns auf die faule Haut gelegt.“
[Bild: hohardus.jpg]
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