Rückkehrer Abschlusslog Sareth
#1
*** USS Picard/ Quartier von Admiral T’Khellian***

Was hatte LaSalle mir da früh um sechs ‘serviert’, nachdem ich sozusagen gerade den ersten Schluck Kaffee in mir aufgenommen hatte?!

„Das ist interessant,“ sagte ich, die Augen noch auf dem Padd. „Das würde bedeuten, dass die tieferen Subraumschichten nicht nur temporal im Fluss sind sondern auch porös, was den Durchgang zu anderen Universen anbelangt. Es gab ja schon solche Theorien in Punkto der Kontakte mit diversen Paralleluniversen…“

„Ja, ich erinnere mich an die Thesen von Goldstein und Zheng-Fu. Ich hielt sie damals eher für wenig plausibel,“ entgegnete LaSalle und unterdrückte ein Gähnen. „Verzeihung. Ich wurde etwas unsanft aus dem Schlaf gerissen.“

Ich lächelte. „Sie, oder besser wir alle, haben uns ein paar Tage Landurlaub redlich verdient!“ Die Angaben von unserer Chefingenieurin faszinierten mich. „Wahrscheinlich existiert die Lebensform von Eins zwischen all diesen Realitäten. Das erklärt die seltsamen Fluktuationen in der Quantenoszillation, die wir in den letzten Tagen vermehrt um unsere beiden Schiffe registriert haben. Lt.Cmdr. Makan und ich vermuteten bereits spatiale Spannungen im Nanobereich, die durch das Auftauchen der Wellington verursacht wurde. Aber nun….könnte das Problem weitaus größer sein.“

„Allerdings,“ stimmte Lasalle mir zu. „Wenn Eins länger hier verharrt, könnte die Stabilität unseres Universums dauerhaft Schaden nehmen.“

„Zum Glück ist unsere Rückkehroperation in wenigen Stunden startklar. Makans Team hat die Angaben von Eins in die Steuerung der Wellington implementiert und das Schiff hat seine notwendigen strukturellen Verstärkungen erhalten. Eine wirklich bemerkenswerte Zusammenarbeit. Bedauerlich, dass wir sie nicht intensivieren können.“

„Vielleicht ergibt sich in einigen Jahrzehnten die Möglichkeit zu einem … Zweitkontakt.“

„Ich hoffe es. Wir könnten so viel von einem Austausch mit Eins lernen. – Ich habe gestern noch mit Dr. Silvain gesprochen: auch sein Team hat alles für die Rückkehr der Besatzungsmitglieder vorbereitet. Da die meisten Menschen sind, wird die Gedächtnislöschung keinerlei Probleme bereiten. Die übrigen Spezies, darunter Captain Kvoma, erhalten eine speziell auf sie abgestimmte Behandlung. Sie werden dann im betäubten Zustand auf die Wellington transferiert, in die Nähe ihrer Stationen. Wenn sie in ihrer Zeitlinie wieder auftauchen, wird es aussehen, als ob sie infolge einer plötzlichen Beschleunigung inklusive Ausfall der Trägheitsdämpfer das Bewusstsein verloren hatten.“

„Und die Logeinträge? Die Suche nach der Superwaffe?“

„Nun… ich habe mir mit Lt. Jefferson erlaubt, die Einträge entsprechend zu modifizieren.“

„Oh, Admiral T’Khellian eine Fälscherin.“ LaSalle grinste und trat zum Replikator, um sich auch einen Kaffee zu hohlen. „Haben Sie bolianischen Espresso im Programm?“

„Ich denke schon, probieren Sie es aus! – Was die Logs anbelangt: das von der Wellington verfolgte klingonische Schiff ist aufgrund massiver Wechselwirkungen zwischen dem Antrieb und dem Energieoutput des nahen Neutronensterns zerstört worden. Es gab keine Hinweise auf irgendwelche Waffen oder Ähnliches. Gleichzeitig haben die Sensoren Funksprüche der romulanischen Forschungsstation aufgefangen, die klar zeigen, dass dort keine Waffe beherbergt wurde, sondern die Gerüchte simple Fake-News waren. Das söllte Eins und diese Spezies schützen.“

LaSalle grinste hintergründig, während er den Espresso aus der Ausgabe hob. „Sie haben Ihr Einsatzfeld verfehlt, Sareth. Wie wäre es mit einer zweiten Karriere in der Starfleet Intelligence Counter Espionage Division?“

„Nein danke, ich bin zufrieden, wo ich bin. Zumindest meistens, wenn ich nicht gerade eine Marathonsitzung mit dem Budgetausschuss habe.“



*** Zwölf Stunden später ***

Die Arbeiten waren abgeschlossen und die Crew der Wellington sämtlichst auf ihr altes Schiff gebracht worden – in ihre Quartiere oder vorsichtig neben ihre Stationen drapiert. Ein abschließender Sicherheitscheck war gelaufen und der Maschienenraum sowie die Sensorik hatten grünes Licht gegeben. Die Crew der Picard war auf der Brücke, oder soweit möglich, in der Beobachtungslounge anwesend.

Eins schien eine Abschiedsvorstellung geben zu wollen. Wie ein glitzernder Teppich umhüllte sie (oder er/es???) die Wellington, wogte dann in Regenbogenfarben, bevor sie sich an den Warpgondeln und dem Deflektor in Tiefrot konzentrierte. Ich verfolgte den Anstieg des Energieniveaus. Die Wellington schien zu verschwimmen, ihre Konturen zu verlieren. Die Sensoren der Picard maßen massive Subraumstörungen und Chronitonpartikel.
Ich gab den Befehl, den Sicherheitsabstand zu vergrößern und die Schilde auf Maximum zu setzen. Dennoch vibrierte der Boden unter unseren Füßen unter dem Ansturm der energetischen Felder, die sich in einander verwirbelten. Schließlich blitzten sie noch einmal auf und – wie in einem antiken Zirkustrick – war die Wellington verschwunden. Das Areal, wo sie eben noch gewesen war, lag in friedlicher Schwärze vor uns.

„Mr. Jefferson, Status?“ fragte ich.

Er gab ein nüchternes Protokoll der gemessenen Energie und Partikeldichte. Entgegen dem Bild, das sich unseren Augen bot, tobte im unsichtbaren, subatomaren Bereich noch ein erheblicher Sturm. Wir ließen die Schilde auf Maximum wegen der erhöhten Gammastrahlung.

„Hoffen wir, die Wellington und ihre Crew sind sicher in ihrem Universum gelandet…“ murmelte der neben mir sitzende LaSalle.

Jefferson drehte sich von der Sensorikkonsole um. „Admiral, was ist eigentlich mit UNSERER Wellington geworden, also, der aus unserem Universum?“

„Sie verschwand tatsächlich während eines Gefechtes in der Neutralen Zone. Nur ein paar Rettungskapseln wurden geborgen, darunter jene mit Captain Kvoma,“ entgegnete ich. „Man ging davon aus, dass sie zerstört worden war, da auch Trümmer geborgen wurden. Letztendlich…“

„…kann sie auch in irgendeinem anderen Universum aufgetaucht sein,“ vollendete LaSalle. „Wer weiß….“
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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