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ISDA Log 13 Haddus
#1
==========  Noch im Lager der Aufständischen  ==========

Haddus drehte sich vor einem zerbeulten Blechspiegel und betrachtete sein neues Äußeres, erstellt durch eine Holomaske, die keine Wünsche übrig ließ und seinem Original in jeder Hinsicht nachgebildet war.
Grundsätzlich gestaltete sich der Anblick zu seiner Zufriedenheit, da er größten wert auf ein gutes Aussehen legte, denn er war schon ein wenig eitel, wie er sich zugestehen mußte.
Aber wenn er denn eines Tages ins Gras würde beißen müssen oder gar öffentlich gehenkt werden sollte, sollte er schon als sehr gut aussehender Terrorist in die Analen eingehen. Das war er den Medien und sich selbst schuldig.

Man mußte es Sokar lassen. Er bereitete wirklich jede Aktion extrem sorgfältig vor, und gerade in diese hatte er sehr viel Gehirnschmalz investiert, wie Haddus ihm neidlos zugestehen mußte, denn er wußte natürlich sehr genau, daß es ungeheuer schwierig war, durch all die Kontrollen, Scans und leiblichen Überprüfungen unerkannt zu kommen. Die in der imperialen Flotte waren ja keine Dummies und gingen kein Risiko ein, zumal sie genau wußten, daß der Gegner überall lauern konnte. Und da war Alles bei: Genetischer Test, Iris-Kontrolle und auch einige Fangfragen zur Identität der Person, und das war eigentlich das Schwierigste, denn was wußte man schon von der Vergangenheit der Person, die man darstellte?

Haddus war ein hochausgebildeter Navigationsspezialist und Pilot auf nahezu allen Schiffsarten der Flotte. Und er kannte sich ebenfalls auf allen wichtigen Schiffstypen ihrer Aliierten, den Romulanern aus, aber auch auf vielen ihrer Gegner.
Und so mußte der Charakter auch seinen Fähigkeiten entsprechen, das war klar. Haddus selber hatte auf Schiffen der imperialen Flotte gedient und kannte jedes Procedere, so daß ein sicheres Benehmen an Bord kein Problem darstellen würde, wohl aber die Position, die er einnehmen mußte, nämlich die eines Navigators oder Piloten.

Und wie es das Schicksal wollte, lief ihm ein Typ in einer Kaschemme über den Weg, der genau in sein Schema paßte: Er war von der richtigen Größe, hatte an der gleichen Akademie studiert und war Deutscher von seiner Herkunft: Adolf Kaiser. Daß er Deutscher war, war ebenfalls gut, denn so konnte Haddus kaum auffallen, da er natürlich diese Sprache als seine Muttersprache empfand, obwohl natürlich Standard seine eigentliche war. Aber bei sich zuhause wurde ausschließlich Deutsch gesprochen. Und sein Vater und sein Großvater waren der tiefsten Überzeugung, daß eigenlich eben diese Sprache hätte zum Standard ausgewählt werden müssen.
Und dieser Typ verkündete auch noch lauthals, er habe den Job seines Lebens gefunden, weil er auf die ISS Picard kommandiert worden sei, dem besten und stärksten Kampfschiff des Imperiums. Er solle in etwa 2 Wochen auf der Station SB 245 sein und dort mit einigen anderen Crewmitgliedern an Bord der Picard gehen.
Der Blödmann hatte sogar alle seine Transferpapiere, sein Bordbuch und sonstiges bei sich.
Ein echter Glücksfall.

Er hatte den Typen in einen  Hinterhof gelockt und ihn erst einmal in einen tiefen Schlaf versetzt. Dann hatten sie ihn zu Nalae gebracht, denn sie sollte ihm scannen und ihm soviel Erinnerungen entziehen, wie es nur irgend möglich war.
Haddus hatte da zum ersten Mal gesehen, wieviel Spaß es dieser Dame machte, ihrem 'Opfer' in nicht narkotisiertem Zustand sein Gehirn zu leeren!
Und als die Prozedur beendet war, saß da nur noch ein lebendes Gemüse, das gerade mal von den Basisfunktionen am Leben erhalten wurde.
Besonderes Mitleid hatte Haddus mit dem Heini nicht, wohl aber bewunderte er die Geschicklichkeit Nalaes. Die wußte tatsächlich, was sie tat. Der Kerl hatte eben einfach das Pech gehabt, am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen zu sein, und dazu war er auch noch ein Prahlhans, der mit sich hausieren ging.

Und dann wurde er selber von ihr in eine spezielle Aparatur gespannt mit einer Art Kochtopf auf dem Schädel, der eine künstliche Gehirnverschmelzung durchführte und ihm das Gedächtnis seiner neuen Person einspielte.
Er hoffte nur, daß er da nicht mal seine eigene Identität und die dieses Mannes  durcheinanderbringen würde. Er stellte zum Beispiel fest, daß dieser Kerl für alte deutsche Schlager aus den 1980ern schwärmte. Ok Gott, das würde er im Kopf nicht aushalten.
Und dann liebte er Essen, die er haßte wie die Pest, wie zum Beispiel Saumagen oder Leber!
Er hoffte sehr, daß er das Alles irgendwie würde umgehen können.

Aber optisch gab er was her. Er würde sicherlich bei der Damenwelt an Bord der Picard gut ankommen, da war er sich sicher.

Er fühlte sich sehr unternehmenslustig und hatte Bock darauf, endlich anzufangen.
Allerdings gab es, wie immer vor solchen größeren Unternehmungen, endlos lange Einführungen und Instruktionen von Sokar, in denen er genau erklärte, wie sie an Bord vorgehen sollten und müßten. Er wollte keinerlei Alleingänge, und sollte etwas schiefgehen, dann würde er gnadenlos von dem Tötungschip Gebrauch machen, wobei er selber ebenfalls einen implantiert hatte, den Nalae auslösen sollte im Zweifelsfall. Solche Chips hatten sich bei ihren Aktionen als sehr nützlich erwiesen, dann natürlich kam es immer mal wieder vor, daß einer der Kameraden in Gefangenschaft geriet, und alle wußten, was das bedeutete für einen, wenn man erst einmal in einer imperialen Verhörzelle gelandet war.
Insbesondere die Inquisition war da berüchtig für. Man munkelte sogar, daß die liebend gerne mittelalterliche Foltermethoden anwandten, da denen Agonie-Zylinder etc. einfach zu primitiv und viel zu sauber waren. Da sollte gerne schon auch mal ein wenig Blut spritzen und gellende Schreie das geübte Ohr entzücken.
Aber auch die Abwehr der Flotte war keinesfalls zimperlich. Das wußte Haddus auseigener Erfahrung, denn er war mal in deren Hände gefallen. Aber mit Hilfe von einigen Kameraden war ihm gerade noch rechtzeitig die Flucht aus den Verhörkellern gelungen, was Etlichen vom Wachpersonal das mickerige Dasein beendet hatte.


==========  Flug zur Raumstation SB 245  ==========

Auch die Ankunft war bis ins kleinste Detail geplant.
Zunächst sollten nur Haddus und Mahan Tr'Kovath zur Starbase, denn die Anderen waren erst einige Tage später für den Transportflug vorgesehen.
Das paßte gut in den Plan, denn die Beiden sollten sich erst einmal mit allen Gegebenheiten, vor allem aber mit der Kommunikation usw. vertraut machen, um irgendwelchen Problemen zuvorkommen zu können.
Es ging ja nicht einfach so, daß die alle vom gleichen Planeten und dem gleichen Raumhafen her kamen. Sie mußten natürlich verschiedene logische Reisewege hinter sich gebracht haben, bis sie auf dem kleinen gottverlassenen Brocken angekommen waren, wo schon das imperiale Shuttle sie abholen sollte. Schließlich waren ihre 'Originale' ja an verschiedenen Standorten gewesen, oder sollten von Romulus her kommen.

Haddus, oder besser Adolf, schritt weit aus über das gerissene Betonfeld, das sich hier großspurig 'Raumhafen' nannte. Außer ein paar Einrichtungen zur Versogung von Raumschiffen und ein paar Bars und fragwürdigen Etablissements, die sich 'Hotel' schimpften, gab es hier nichts. Massenweise nicht näher identifizierte Mitbewohner der Zimmer hatten sie in der letzten Nacht erleben dürfen.
Haddus kratzte sich jetzt noch ohne Pause.

Haddus, und Mahan Tr'Kovath näherten sich vollkommen ruhig dem Shuttle. Es würde hier zwar schon erste Scans geben, die aber keinen Vergleich standhielten mit dem, was auf der Sternenbasis oder gar auf der Picard auf sie wartete.
Die Heckklappe war geöffnet und sie kletterten an Bord. Jeder mußte kurz stoppen, als der Bordscanner sie erfaßte: "Scan fertig. Leutnant Adolf Kaiser. Auf dem Transfer zur SB 245. Bitte treten Sie ein, Sir."
Mahan ging es nicht schlechter. Auch er passierte diesen ersten Test ohne jede Mühe. Ein junger Kadett wies ihnen ihre Plätze zu.
Mit ihnen saßen noch 9 Personen auf ihren Sitzen.
Aber der Abflug verzögerte sich noch, weil zwei weitere Passagiere zunächst nicht auffindbar waren.
Endlich hatte man sie gefunden. Den einen in einem Puff unter sehr kompromittierenden Umständen (er trug wenig mehr als seine Unterhose) und der Andere war im Halbdelirium, da er trotz Reisetermin zu tief in die Flasche mit Romulan Ale gekuckt hatte. Für Beide würde es ein sehr unangenehmes Nachspiel geben. Das war sicher.

Dann ging es endlich los. Während des langen Fluges von etwa 29 Stunden gab es keinerlei Unterhaltung und kaum etwas zu essen. Lauwarmes Wasser aus dem Tank und ein paar Kekse. Das war alles, was diese 'Never Come Back Airlines' seinen Passagieren bieten wollten.
"Scheiß Service!" beschwerte sich Haddus oder besser Adolf, was aber mit einem Achselzucken beantwortet wurde.


==========  Ankunft auf SB 245  ==========

Nach einem endlosen Flug erreichten sie die Station.
Haddus hatte alle Mühe, sich aus dem Sitz zu erheben, um sich mal für kleine Jungs zu begeben, so weh taten ihm alle Knochen, und auch Mahan neben ihm ging es nicht besser.

Mahan grunzte: "Wir sollten einen höheren Anteil an der Erfolgsprämie verlangen. Kann sich die imperiale Flotte denn nicht einmal ein paar ordentliche Sitze leisten?"

"Gelobt sei, was hart macht, mein Guter! Wie hieß das mal früher in Deutschland? 'Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und schnell wie ein Windhund'."

"Was waren das denn für Hirnis?"

Das Shuttle machte eine leichte Kurskorrektur und jetzt sah man auch die Station aus den winzigen Fenstern.
Mahan grinste: "Irgendwie ein Wunder, daß dieses Teil hier immer noch herum fliegt. Von welchen Schrottplätzenden der Galaxis haben die das Teil denn zusammengefriemelt?"
Haddus grinste: "Ich finde, das sieht genauso aus, wie der Zustand des Imperiums tatsächlich ist: Komplett verrottet!"

Der Pilot des Shuttles meldete: "Bitte machen Sie sich und Ihre Sachen fertig zum Aussteigen. Wir docken in 5 Minuten an und das Aussteigen sollte so zügig wie möglich von statten gehen."
"Sonst noch Wünsche?" nörgelte Haddus. "Haben die wenigstens einen Roboter, der mein Gepäck trägt? Die erwarten doch wohl hoffentlich nicht, daß ich den ganzen Kram selber durch die halbe Station schleppe? Und ich wette 100 : 1, daß die hier kein Punkt-zu-Punkt-Transportsystem haben."

Das Shuttle dreht sich und dockte mit der Heckklappe an der Station an.
"Welcome on Space Station SB 245, the most frequented station all over the Galaxy. Please prepare Your luggage for custom inspection! Later please follow the procedure for personal inquiries! And hold all your travel documents ready. Thank you. Have a pleasant stay on SB 245!"

Haddus lupfte seine riesige Seekiste, die ein uraltes Erbstück seines tatsächlich zur See fahrenden Ahnen Hohardus Edzardus Eilers war, auf die Schulter. Dazu noch diverse kleinere Taschen und Beutel.
Auch Mahan war nicht weniger bepackt, denn schließlich sollten sie an Bord der Picard für längere Zeit offiziell Dienst tun, und da mußte man schon mal was mitschleppen. Und diese alte Kiste hatte Haddus immer gute Dienste geleistet und auch Glück gebracht. Deswegen bewegte er seinen Arsch nirgends hin ohne eben diese.

Sie folgten den anderen Passagieren und kamen in eine größere Halle, in der man sein Gepäck auf ein Band legen mußte.
Es wurde nicht einfach nur gescant, sondern mit Hilfe aller möglichen Detektoren auf nahezu alle Stoffe hin untersucht, die illegal waren.
Und schließlich wurden die Sachen auch noch geöffnet und man mußte jedes Stück einzeln herausnehmen, damit die Schlickgriffel des Personals diese noch einmal intensiv begrabschen konnten.

Danach ging es einen markierten Gang hindurch, der an den Wänden lauter Parolen zeigte: 'Mit dem Imperium zum ewigen Sieg!' oder 'Der Imperator, unser Aller Vater, Bruder und Vertrauter!'.
Dann aber zuckte Haddus zusammen: An der Gangwand hing ein riesiges Poster, das eindeutig IHN zeigte. So wie er leibte und lebte. Und das auch noch dreidimensional! Das Foto drehte sich, wenn man den Blickwinkel änderte.
Und dann hatten die noch ein Foto gewählt, das äußerst unvorteilhaft war. Eines der Fotos von seinem letzten Knastaufenthalt.
Haddus war beleidigt. Immerhin stand darunter:
'Gesucht, tot oder lebendig: Haddus Edzard.
Meist gesuchter Terrorist im Sektor Tantalus Prime und in anderen ebenfalls.
Wer ihn ergreift oder zu seinem Ergreifen beiträgt wird mit 1,5 Mio. Kredits belohnt!
Allerdings seien Sie vorsichtig. Der Bandit ist bewaffnet und zögert nicht zu schießen! Informieren Sie also, wenn sie ihn sehen, lieber die Ordnungskräfte.'
Und bei so einem ordentlichen Kopfgeld, das ihm zeigte, daß man ihn ernst nahm, war so ein schnödes Bild wirklich eine Schmach! Da hätte man schon mal etwas Besseres besorgen können.
Aber immerhin war er wer auf der Bestsellerliste des Imperiums.

Mahan grinste: "Du siehst echt schnuckelig aus auf dem Bild, wenn du mich fragst:"
"Du willst wohl eine gelangt bekommen?"
"Versuch es!"


==========  Kontrollraum  ==========

"Bitte warten Sie alle an der weißen Linie auf dem Boden und kommen Sie nach vorne, wenn Sie aufgerufen werden. Vorher ziehen Sie bitte noch eine Nummer." Die Stimme kam von einem Tonträger, aber man hätte ja auch eine sexy Frauenstimme nehmen können. Stattdessen war das eine, die jedem bärbeißigen Schleifer bei den Marines alle Ehre gemacht hätte.

Mahan stand in der Reihe neben Haddus.
Er hatte schon pflichtbewußt alle seine Papiere in der Hand, während Haddus darüber nachsann, ob es hinter der Schranke irgendwo ein kaltes Bier geben könnte?

"Der nächste bitte! Lieutnant Kaiser. Treten Sie bitte vor!"
Haddus tat, wie ihm geheißen.
"Bitte schauen Sie in den Scanner oben links. Blinzeln Sie zweimal und öffnen dann die Augen so weit Sie können, damit der Iris-Scan funktioniert.
Und nun legen Sie Ihren rechten Daumen auf den Scanner und das Blutabnahmegerät für den DNA-Test.
Haddus tat wie ihm geheißen.
Im rechten Daumen hatte Nalae ein kleines Säckchen mit der entsprechenden DNA seines personellen Vorgängers reinoperiert.
Die winzige Nadel stach zu und das Gerät arbeitete für etwa 15 Sekunden und gab dann grünes Licht.

"Wie hieß Ihr erstes Haustier, Sir?" Auf Deutsch!
"Muschka, Sir!"
"Sehr gut. Sie können durch. Melden Sie sich bitte in etwa 1 Stunde beim Quartermaster des Schiffes, der Ihnen Ihre Kabine zuteilen wird, denn Ihr Schiff, auf das Sie sollen, wird erst in etwa 2 Tagen ankommen. Da hat sich was verzögert. Aber wir haben hier viele Möglichkeite der Unterhaltung."
"Das glaube ich Ihnen sofort, Sir."

In der Linie neben sich, auf der sich Mahan befand, ging es auch schnell, und Tr'Kovath stand bald neben ihm.
"Wir sollten versuchen, eine gemeinsame Kabine zu bekommen. Neben mir stand da gerade ein unglaublich stinkender Tellarianer, mit dem ich keinesfalls ein Zimmer teilen möchte!"

"Laß uns erst einmal ein Bier trinken. Ich bin kurz vor dem Verdursten."
Mahan nickte.
Beide schlossen ihr Gepäck in einen Locker und folgten einem Schild auf dem zu lesen stand:
"Bar zum Tor der galaktischen Wunder. Hier werden Ihre Träume wahr!"
[Bild: hohardus.jpg]
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#2
Sehr unterhaltsames Log!
Adolf, ein strammer Deutscher Ultragrins

"sollte er schon als sehr gut aussehender Terrorist in die Analen eingehen"
lustigster Schreibfehler jemals!
[Bild: LdhDcRs.png]
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#3
Stimmt!
Au Backe!
[Bild: hohardus.jpg]
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