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Das Athean-Komplott LOG 9 Hohardus Edzardus
#1
==========  Astrometrie der USS Picard B  ==========
 
Wenn sich Einer an Bord wohl und glücklich fühlte, dann war es Howy.
Irgendwie war er eben doch ein Sproß einer langen See- und Raumfahrerfamilie, deren Mitglieder es nie lange zuhause ausgehalten hatten.
Die Ferne und das Abenteuer riefen, und da halfen auch die gemütlichen Teestunden mit seinem Großmuttchen und die Dorffeste ihm zu Ehren nichts.
Und er war wirklich aufgeregt und blickte den sicherlich kommenden Abenteuern zufrieden ins Auge.
Mag kommen, was wolle, er war an Bord eines tollen Schiffes, das sich seines Namens würdig erweisen würde.
Und er, Hohardus Edzardus, war der Chefnavigator dieses wunderbaren Kahns.
Was, bitte, hätte er sich mehr wünschen können?
Es hatte einen herzzerreißenden Abschied von Omchen und den Dörflern gegeben, aber sein Großmuttchen hatte zu ihm gesagt: „Du bist und bleibst nun mal ein Edzardus, mein Junge, und die trieb es schon immer in die weite Welt.
Aber vergiß mich nicht und schick mir ab und zu eine Nachricht.
Und sieh zu, daß du dieses Mal etwas schneller nachhause kommst, um mir zu erzählen.“
 
Und jetzt saß er in einem bequemen Sessel in einem Navigationsholodeck.
Ja, nicht nur, daß er inzwischen mit dem Modernsten ausgestattet war, was die Technik in den letzten Jahren entwickelt hatte, sondern man hatte der Astrometrie ein eigenes Holodeck gegeben, in dem er fast alles simulieren konnte, was das Schiff und seine Bewegungen im Raum betraf.
Alles, was die Datenbanken der Föderation und der befreundeten Systeme hergaben bezüglich der astronavigatorischen Kenntnisse und Schiffsdaten war hier einprogrammiert, was ihm nahezu unendliche Möglichkeiten gab, allerdings auch viel Zeit des Einarbeitens erforderte.
Er hatte viel neu zu lernen, was nahezu jede Minute seiner Zeit brauchte. Aber auch Verbesserungen der Technik hatten sich schon herausgestellt, wozu er sich mit ihrem Chefingenieur T’Sok kurzgeschlossen hatte.
Einige Relais arbeiteten mit einer viel zu hohen Verzögerung von 1,2 Milisekunden, was bei schwierigen Kurskorrekturen nicht tolerierbar war, denn dadurch konnten sich schon Zielortdifferenzen von vielen hunderttausend Kilometern, teilweise sogar im Lichtjahrbereich herausstellen, je nach Geschwindigkeit, mit der man unterwegs war.
 
T’Sok war einer der wenigen Leute, die auch ohne langwierige Erklärungen das Problem klar erkannten und umgehend nach einer Lösung suchten.
Und so konnten sie schon nach einigen Flugtagen die Systeme soweit verbessern, daß Howy zwar noch nicht vollständig zufrieden war, aber doch ordentlich damit arbeiten konnte.
Der Rest würde sich dann sicherlich auch noch finden, bevor man in ernsthafte Probleme kommen würde.
 
Immer wieder nahm er sich vor, endlich einmal das Schiff von Bug bis Heck zu durchstöbern, denn er wollte es natürlich gut kennenlernen, aber zunächst war es seine Aufgabe, es auf dem richtigen Kurs zu halten und dort hinzubringen, wohin es befehlsgemäß sollte.
 
Und dann war da noch das Problem der Tscherenkow, an dem er derzeit arbeitete.
Sie war im Athean-Sektor verschwunden, der derzeit auch politisch Probleme bereitete.
Über diese Entwicklungen war er nur oberflächlich informiert, aber bisher waren keine direkten Zusammenhänge zwischen diesen Problemen und dem Verschwinden der Tscherenkow zu erkennen.
 
Das Schiff war auf einer Kreuzfahrt, die auf Bolarius begonnen hatte. Nach einem Zwischenstopp auf Risa hatte es sich auf einen Kurs begeben, der es nach Ilmoria hätte bringen sollen, einem Planeten, der über eine Vielzahl von Touristenattraktionen verfügte, die keine Kreuzfahrtlinie ausließ.
Allerdings lag der Athean-Sektor nicht auf der vorher geplanten Flugroute.
 
Die Flugroute war über all die Parsec gut dokumentiert durch eigene Meldungen und die von 48 Transmitter- und Navigationsboien, die automatisch alle Flugdaten der in Reichweite befindlichen Schiffe aufnahmen, speicherten und dann an Flugleitzentren übermittelten, die diese Daten innerhalb der Vertragsstaaten verteilten.
Die Schiffe übermittelten auch automatisch Zustandsberichte und im Voraus programmierte Kurskorrekturen.
Eigentlich Alles, was das Schiff selbst betraf.
 
So auch bei der Tscherenkow.
Bis zur Boie CY51Na hatte es nur Daten gegeben, die keinerlei Aufschluß über irgendwelche Probleme an Bord gaben, außer der Tatsache, daß sie sich nicht auf der eigentlichen Route befand, die im Reiseplan angegeben war.
Nun war es durchaus möglich, daß die reichen Passagiere an Bord eine Änderung des Flugplans vorgeschlagen und auch erreicht hätten, was auch solchen Schiffen durchaus öfter geschah, aber davon meldete weder die Besatzung noch der Bordcomputer irgendetwas.
Das war auf jeden Fall ungewöhnlich.
Die Boie hatte das Schiff im Blickpunkt, bis es außerhalb ihrer Reichweite gelangte.
Etwa 3 pc vorher hätte die Boie CY53p übernehmen sollen und müssen, so daß sich einige Übermittlungsdaten überschnitten hätten. Aber diese Boie meldete – NICHTS! Gar nichts!
Die Tscherenkow hatte sich niemals bei ihr angemeldet.
Was war geschehen?
 
Howy überprüfte die Funktion dieser letzten Boie, ob es irgendwelche Fehlerberichte gäbe, aber sie arbeite, jedenfalls nach dem Datenprotokoll, absolut fehlerfrei.
 
Kurz nach der Tscherenkow hatte die erste Boie noch das Taxi 305 der Firma Rollo Vega registriert, das nahezu den gleichen Kurs flog, wie das vermißte Schiff. Dieses war auch von der zweiten Boie erfaßt und verfolgt worden, ohne daß es zu Unterbrechungen oder Datenübermittlungsfehlern kam.
Und auch derzeit arbeitete sie zur vollsten Zufriedenheit.
 
Howy hatte die Taxifirma kontaktiert, ob dem Piloten etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei, aber dieser hatte nichts Auffälliges übermittelt, außer vielleicht der Tatsache, daß er NICHTS über eine Begegnung mit der Tscherenkow ins Logbuch eingetragen hatte.
 
In der Holodecksimulation hatte er alle bekannten Daten übertragen.
Ebenso den ursprünglichen Kurs und den Punkt, an dem das Schiff vom Kurs abgewichen sein mußte.
Und der Bereich, in dem das Schiff verschwunden war. In diesem gab es eine Sonne vom Typ  A3 mit einem Planetensystem von 6 größeren Körpern, die unter der Bezeichnung AR904 lief. Die Sonne hatte keinen eigenen Namen, weil sie bisher noch uninteressant gewesen war, um sie näher zu erforschen.
Einer der Planeten von etwa Marsgröße war vom Typ M, könnte also Leben beherbergen, allerdings waren die Umstände so drastisch, daß sich bis dahin Niemand gefunden hatte, dort zu siedeln, selbst als man den ganzen Planeten kostenlos anbot, wenn man dort eine Basis errichten würde.
 
Ungewöhnlich war allerdings, daß es eine stärkere Subraumstörung in diesem Bereich gab, deren Ursprung bisher ungeklärt war, allerdings hätte die zweite Boie das Schiff noch vorher lokalisieren müssen, bevor es verschwand, wenn diese Störung schuld am Verschwinden sein sollte.
 
Subraumstörungen waren eine eher normale Sache, die immer wieder mal auftrat, wie zum Beispiel das Wurmloch bei Deep Space 9, allerdings gab es auch schon Vorfälle, bei denen Schiffe in solchen zunächst verschwunden waren, wie zum Beispiel im Fall der USS Hera, die der Bordingenieur LaForge der Enterprise D (TNG 7/3 Interface) zunächst für den Grund hielt, daß das Schiff ortversetzt worden sei. Allerdings stellte sich dann später heraus, daß es eine Lebensform war, die in dieser Anomalie lebte.
Dafür gab es aber in diesem Fall keinerlei Hinweise.
Und diese Anomalie schien auch schon ein paar Wochen alt zu sein, was die Besatzungen vorbeikommender Schiffe natürlich wußten, so selbstverständlich auch die der Tscherenkow.
Auch das Taxi wußte davon und umflog das Gebiet weiträumig.
 
Was also war an Bord des verschwundenen Schiffes geschehen?
Warum hatte es ohne Mitteilung den ursprünglichen Kurs verlassen?
Warum hatte es keinen Notruf abgesetzt? Weder automatisch noch durch die Besatzung?
 
Eines stand jedenfalls fest: Es hatte keine Explosion an Bord gegeben, denn es gab keinerlei Trümmer in diesem Bereich.
Außerdem hätte die Black Box des Schiffes automatisch senden müssen, denn diese überlebte auch Warpkernbrüche.
Es hatte bisher in der Geschichte der Raumfahrt noch keinen nachgewiesenen Fall gegeben, daß die Black Box zerstört worden wäre, egal, ob die Katastrophe im Kriegsfall oder durch andere Ereignisse hervorgerufen wurde.
 
Könnte das Fehlen von Trümmern ein Zeichen dafür sein, daß das Schiff in eine andere Dimension oder Zeitschleife geraten sei?
Howy ging in das Litheraturarchiv, um sich mit einer möglichen Zeitkorrelation auseinanderzusetzen.

Er las in einem Beitrag über Quantenmechanik: „Es werden Bewegungsgleichungen für Makroobservable hergeleitet. Damit werden Zufallskräfte definiert. Den Zufallskräften entsprechen HERMITEsche Operatoren. Die Transportkoeffizienten lassen sich nicht als normale Zeitkorrelation der den Operatoren entsprechenden Observablen deuten, wohl aber als Zeitkorrelation der Zufallskräfte selbst in einer Gesamtheit von Gesamtheiten, die durch formale Zerlegung der mikrokanonischen Gleichgewichtsgesamtheit in reine Gesamtheiten entsteht.“
 
Ihm schwindelte ein wenig, aber könnte darin eine mögliche Erklärung liegen?
Aber schon der deutsche Physiker Harald Lesch hatte dazu mal gesagt: "Es ist die Theorie, von der die Physiker selber sagen, man kann sie nicht verstehen. Es ist die Theorie, von der die Physiker sagen, man müsse sie hinnehmen."
 
Howy starrte auf die projezierte Flugbahn und die eingetragenen Daten zur Subraumstörung, die ihm bisher vorlagen.
In etwa 10 Stunden würden sie in Reichweite durch die eigenen Sensoren kommen, so daß er schon mal Nutzerzeit beantragt hatte.
Die war auch sofort bewilligt worden, da das Auffinden der Tscherenkow höchste Priorität hatte, weil man, zumindest offiziell, einen Zusammenhang des Verschwindens mit der politischen Lage im Athean-Sektor vermutete.
Aber nach einer Entführung sah das Alles bisher nicht aus, denn da hätten die Entführer wirklich ganze Arbeit geleistet.
 
Howy kontaktierte T’Sok: „Hi, Chief. Könntest du mal zu mir raufkommen?
Ich brauche deinen technischen Rat.“
 
„Komme sofort.“ hörte er die charakteristische Stimme ihres neuen Ingenieurs, der sich dadurch auszeichnete, daß man keine langen Reden halten mußte, um ihm ein Problem darzustellen.
Und meist hatte er auch eine Lösung parat, die er dann auch umgehend in Angriff nahm.
 
Kurz darauf öffnete sich das Schott zur Holosimulation und T’Sok trat ein.
Er betrachtete sich den Raum um ihn herum.
„Nicht, daß ich weiß, wo wir uns hier befinden, aber es wird sicherlich etwas mit unserem Kurs und der Tscherenkow zu tun haben?“
 
„Richtig. Und da bin ich schon bei meinem Wunsch.
Wäre es möglich, die Sensorik noch um etwa 3,5% zu verfeinern. Und dazu noch die Wellenlängen so weit wie möglich in den Infraroten und den ultravioletten Bereich hin zu veschieben?
Es müßte doch eigentlich möglich sein, die WARP-Signatur genauer darstellen zu können, als bisher?
Vielleicht ließe sich dadurch auch der Zeitpunkt des Verschwindens genauer eingrenzen?“
 
„Grundsätzlich arbeiten alle Sensoren schon am technischen Limit, aber vielleicht könnte man da noch ein bißchen mehr herauskitzeln. Aber dafür brauche ich natürlich die Genehmigung des COs. Das kann ich nicht einfach so machen.“
 
Klar. Aber es ist wichtig, noch genauere Daten zu bekommen, bevor wir selbst in das Gebiet direkt einfliegen, denn wir kennen nicht den Grund für das Verschwinden, und ich muß zugeben, daß ich unangenehme Überraschungen, wie wir sie auf der ersten Picard erlebten, nicht noch einmal erleben möchte.
Ich weiß lieber, wohin ich fliege.“
 
T’Sok nickte.
„Ich werde gleich mal anfragen. Und wenn ich das Plazet kriege, mache ich mich umgehend daran.“
 
Auch als der Ingenieur schon einige Zeit weg war, starrte Howy immer noch auf die Flugbahn, so als ob sich ihm plötzlich die Erleuchtung auftun könnte, aber die kam leider nicht.
Dafür aber kam der XO und begutachtete die dargestellte Situation und ließ sie sich vom Navigator erklären. Auch das Problem mit der Sensorverstärkung und einer möglichen Zeitkorrelation erwähnte er.
 
Howy gab sich wirklich alle Mühe, sie zufriedenzustellen, und das Unglaubliche geschah: Sie lobte ihn!
„Es geschehen eben doch immer noch Zeichen und Wunder,“ sagte schon sein Großmuttchen immer.
 
Irgendwie hatte er das unruhige Gefühl, er würde jetzt einen riesigen ultra starken Ractajino gebrauchen, denn Tee hatte er in den letzten Monaten genug getrunken.
Und da er im Moment eh nicht weiter kam, schaltete er die Projektion ab, nicht, ohne sie vorher abgespeichert zu haben.
Danach schlenderte er in seine Kabine und gab dem Replikator den Befehl: „Ractajino, groß, doppelt stark.“
[Bild: hohardus.jpg]
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