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Das Athean-Komplott LOG 4 Hohardus Edzardus
#1
==========  An Bord der neuen USS Jean-Luc Picard – B  ==========
 
Da saß er nun unter der durchsichtigen Kuppel seines Traums. Um ihn rum all die vertrauten Geräte und auch ein paar neue, für die er extra eine Sonderschulung hatte machen müssen.
Aber es war sein Reich! Das war Alles, was wirklich zählte!
 
Auf zu neuen Abenteuern!
 
Er dachte an die Ereignisse der ersten Tage an Bord, die schon gezeigt hatten, daß hier ein neuer Ton herrschte, als auf der alten Picard, aber er glaubte fest daran, daß sich das schon alles einrenken würde. Vor allem, wenn sich die XO erst einmal ihre Hörner ein wenig abgeschleift haben würde.
 
Aber er war zutiefst glücklich, wieder eine große Aufgabe vor sich zu haben.
 
Er dachte an den gigantischen Ausblick auf die beiden riesigen Galaxien und die winzige Picard mitten drin. Fernab der Heimat. Und auch alle die Abenteuer kamen in Erinnerung.
Das war sein Leben, und so sollte es auch bleiben.
 
 
==========  Ein paar Wochen vorher: Am Deich in Ostfriesland  ==========
 
Es war ja schön und gut, in seinem Dorf als Held gefeiert zu werden und ständig im Dorfkrug sein Bier umsonst zu bekommen, weil jeder es sich als Ehre anrechnete, ihm Einen auszugeben.
Und auch der tägliche Nachmittagstee beim Großmuttchen war zwar ungeheuer gemütlich, aber doch auch irgendwie nicht ausfüllend.
Howy war sich darüber im Klaren, daß es so nicht weitergehen konnte.
Es mußte sich was ändern in seinem derzeitigen Dasein. Und zwar sofort!
Er mußte zurück auf ein Raumschiff. Egal welches, Hauptsache wieder zurück in den Raum zu seiner Profession.
 
Natürlich verfolgte er intensiv die Meldungen aus allen Bereichen der Raumfahrt und der Politik und las auch Stellenangebote, die ihm entsprechen würden.
Da waren zwar Einige darunter, die erheblich bessere Bedingungen aufwiesen, als sein alter Job auf der Picard, aber die versprachen nur sehr wenig Adrenalin, und er mußte sich gestehen, daß er eindeutig zu jung war, um so ein Rentnerdasein durchzustehen.
 
Dann las er die ersten Artikel über die neue Picard-B, und dieses Schiff faszinierte ihn sofort. Nicht nur, daß dieser Kahn den gleichen Namen führte, wie sein letztes Schiff, sondern es entsprach in den Daten und den geplanten Aufgaben seinen Erwartungen für einen aufregenden Job.
Er sah sich schon in der Glaskanzel seiner Navigationsabteilung sitzen. Zuständig dafür, dieses Schiff überall hin und durch alle Gefahren zu navigieren.
 
Es gab allerdings ein kleines Problem: Während die alte Picard ein ziviles Schiff war, auf dem selbstredend auch zivile Crewmitglieder arbeiten konnten, war dieses Schiff ein Teil der Sternenflotte und damit trotz der wissenschaftlichen Hauptaufgabe ein Kriegsschiff, das nur Soldaten als Besatzungsmitglieder haben durfte.
Klar hatte er alle notwendigen Diplome vorzuweisen, aber er war eben kein Soldat und wollte auch keinesfalls einer werden.
Trotzdem mußte er an Bord dieses Schiffes. Das stand für ihn fest.
 
Darum setzte er sich mit seinem Captain Sokar in Verbindung, um ihn zu bitten, sich für ihn einzusetzen.
Es war ein Erlebnis, seinen alten Kommandanten wiederzusehen, und sei es auch nur in einem Holodeck-Treffen.
Und Sokar versprach ihm, ihn für diese Aufgabe zu empfehlen.
Und er hielt Wort.
 
Er schickte an alle involvierten Stellen und Personen Empfehlungsschreiben, um diesen militärischen Holzköpfen zu erklären, daß er, Hohardus Edzardus, in sehr vielen Fällen nachgewiesen habe, daß es derzeit wohl kaum einen besseren Navigator geben würde in diesem Quadranten, als eben ihn.
Er wies auch auf einen Sonderparagrafen hin, der die Einstellung von zivilem Personal bei speziellen Aufgaben durchaus vorsah, wenn es keinen gleichwertigen Ersatz in der Flotte gab.
Gerade dieser Satz machte Howy natürlich sehr stolz. Und Sokar hätte das ganz sicher nicht geschrieben, wenn er nicht dieser Überzeugung gewesen wäre.
Was er nicht wußte war die Tatsache, daß er ein ähnliches Empfehlungsschreiben auch für Mort verfaßt hatte, der sich ebenfalls um einen Job an Bord der neuen Picard beworben hatte, aber zunächst abgelehnt worden war, weil auch er kein Militär war.
 
Jetzt stand Howy vor einem bärbeißig aussehenden Captain des Rekrutierungsbüros der Sternenflotte in San Francisco.
 
„Stehen Sie nicht da wie ein Mehlsack, Mann. Können Sie denn nicht mal ein bißchen Haltung annehmen?
Warum sind bloß Zivilisten nicht in der Lage, mal korrekt zu stehen?
Und Sie denken, daß Sie auf der neuen Picard Dienst tun könnten? Sie haben nie gedient und wissen doch überhaupt nichts von den Strukturen und den Hierarchien innerhalb der Flotte.
Überhaupt sind Leute, die nie gedient haben, eigentlich raumuntauglich, wenn Sie mich fragen. Sie können doch in Notlagen überhaupt nicht disziplinarisch korrekt reagieren, wenn es drauf ankommt.“
 
„Sir, ich….“
 
„Sie reden nur, wenn Sie angesprochen werden. Merken Sie sich das!“
 
„Jawohl, Sir. Aber…“
 
„Wie konnte es nur geschehen, daß ein erfahrener Kommandant wie Captain Sokar, Ihnen ein derartiges Empfehlungsschreiben gab, das dieser auch noch an hochrangige Militärs und einflußreiche Politiker geschickt hat, darunter Admiral T’Khellian, die das Schiff kommandieren wird und an deren Ehemann Charles McGregor, der im wissenschaftlichen Bereich der Sternenflotte großen Einfluß hat.
 
„Na ja, ich….“
 
„Sie reden nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden.
Sie sind nicht der Einzige, der sich für diesen Job beworben hat. Es gibt auch noch vier weitere, die alle Soldaten sind.
Leider hat man mir den Befehl gegeben, mit den Kandidaten, zu denen Sie auch gehören sollen, eine Prüfung zu veranstalten.
Sie werden sich also morgen um 10Hundert im Gebäude 5 im 3. Stock im Simulator melden.“
 
„10Hundert. Jawohl, Sir!“
 
„Informieren Sie sich und seien Sie pünktlich. Etwas zu spät und Sie können nachhause fahren, Mann. Und lernen Sie endlich mal eine ordentliche Haltung, sonst wird das nichts in der Sternenflotte, selbst als Zivilangestellter nicht.“
 
Irgendwie hatte Howy das unruhige Gefühl, in der falschen Hologeschichte zu sitzen.
Er war durchaus der Überzeugung, an Bord der alten Picard seine Eignung als Navigator auch in schwierigen Situationen nachgewiesen zu haben, aber das Alles galt bei der Flotte offensichtlich nicht als ausreichend, solange man nicht gedient hatte.
Trotzdem wollte er unbedingt an Bord des neuen Schiffes. Da würde er sich wohl ein wenig den neuen Gegebenheiten anpassen müssen.
 
 
==========  Am nächsten Tag etwa gegen 15Hundert  ==========
 
Am Ende der Prüfung war Howy schon schweißgebadet, um ehrlich zu sein, aber er hatte auch das Gefühl, man habe ihn ganz speziell auf dem Kieker gehabt,
Vor allem der Flug durch einen Asteroidengürtel und Tarnen hinter einigermaßen großen Brocken war heftig gewesen.
Aber er hatte das Schiff nicht verloren, ja noch nicht einmal beschädigt.
Allerdings wußte er noch nicht, ob er bestanden hatte, denn die Konkurrenz war, bis auf Einen auch durchgekommen.
Man hatte ihm mitgeteilt, das Ergebnis würde er morgen in dem gleichen Büro erfahren, wo er sich schon vorher gemeldet hatte.
 
 
==========  Am nächsten Morgen um Punkt 10 Uhr  ==========
 
Es hatte sich eine kleine Schlange aus Aspiranten für die Picard gebildet, als er vor der Tür ankam, hinter der dieser Bärbeißer saß.
Er hatte das unruhige Gefühl, der Kerl würde ihn angrinsen und feststellen: „Suchen Sie sich einen anderen Job, Mann! Da wird sich schon irgendein kleiner Frachter finden, der Sie einstellt. Ganz sicher.“
 
Die Tür öffnete sich und heraus trat…?  MORT!
 
„Was um Himmels Willen tust du denn hier, Mort?“ rief ihn Howy an.
 
„Was wohl? Ich habe mich um einen Job als Sicherheitschef auf der neuen Picard beworben.“
 
„Und?“
 
„Na ja, es gab eine kleine Prüfung. Wirkliche Kinderkacke.“
 
„Mensch, spann mich nicht so auf die Folter?“
 
„Morgen geht es rauf zur Picard.“
 
„Mann. Glückwunsch! Hoffentlich klappt das bei mir auch?“
 
„Wird schon! Wir sehen uns dann morgen früh im Zubringershuttle.“
 
Irgendwann nach etwa 2 Stunden Wartezeit war er dann endlich dran, nachdem er einen Kandidaten nach dem anderen betreten, teilweise sogar heulend, aus dem Büro hatte kommen sehen.
 
Als er aufgefordert wurde, einzutreten, nahm er sofort hinter der Tür die beste Haltung an, zu der er fähig war und versuchte, stramm zu salutieren.
 
„Machen Sie sich nicht zum Kaspar, Mann! Aus Ihnen wird nie ein ordentlicher Soldat.
Aber ich habe noch etwas Hoffnung bei Ihrer neuen Vorsetzten.“
 
„Sie meinen…?“
 
„Sehen Sie zu, daß Sie morgen früh nicht das Shuttle verpassen.
Ich war allerdings erstaunt, daß Sie tatsächlich mit hervorragenden Leistungen abgeschlossen haben, wie mir das Testkommitee berichtete.
Verschwinden Sie! Ich habe noch zu tun.“
 
 
==========  Am nächsten Morgen etwa gegen 11 Uhr Standardzeit  ==========
 
Howy stand neben Mort und Beide betrachteten das Bild, das sich vor ihnen aufbaute.
Es war schon beeindruckend, wie sie da lag.
 
„Ist sie nicht wunderschön?“ stöhnte unser Navigator.
 
„Wie kann ein Schiff ‚schön‘ sein? Das ist nur eine Sache. Ein Ding. Eine Hülle. Und der Rest ist Technik.“
Von Romantik hatte Mort keinerlei Ahnung, wie Howy mal wieder feststellte.
Für den zählte nur Effektivität im Job. Sonst nichts.
 
Howy fragte sich, ob er noch andere Crewmitglieder der alten Picard treffen würde, und wie es wohl unter dem Kommando von Sareth T’Khellian sein würde.
Ein wenig erschauern tat es ihm bei der Nennung des Namens der XO. Commander Ellini Langtsar.
Die geflüsterten Geschichten über diese Dame hätten ganze Bibliotheken füllen können.
Da würde er vielleicht der Empfehlung dieses Bärbeißers Folge leisten sollen und Haltung üben.
 
 
Das Shuttle dockte an der Picard an und Howy schulterte seinen Seesack, ein uraltes Erbstück, das schon viele Generationen seiner Vorfahren an Bord ihrer Schiffe genutzt hatten.
Sein Großmuttchen, das tränenreich von ihn Abschied genommen hatte, hatte ihn noch mit Tonnen selbstgebackener Kekse gefüllt, und auch das Dorf hatte sich nicht lumpen lassen, ihn mit Schinken, Würsten und Bier zu versorgen, damit er die ersten Tage überleben würde.
Er hatte fast keine persönlichen Sachen mitnehmen können, wobei allerdings das Meiste davon eh in dem neu errichteten ‚Hohardus Edzardus Museum für Raumfahrt‘ gelandet war. Und eine Straße war auch noch nach ihm benannt worden. Da kam er nicht drum herum.
 
Gleich nach der Luftschleuse gab es einen Tisch, an dem eine recht ansehnliche junge Dame saß und nach intensiver Identifizierung eines Jeden, ihnen ihre Quartiere zuwies.
Und so zog er in sein Quatier, das, genau wie auf der alten Picard, ebenfalls direkt neben seiner Abteilung lag. Allerdings war es erheblich größer und komfortabler als das alte, aber er hätte auch mit einem Loch vorlieb genommen, wenn das diesen Job bedeutet hätte.
 
Er war irgendwie tatsächlich zuhause.
Die Zukunft konnte kommen.
[Bild: hohardus.jpg]
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