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Griff in die Geschichte - Zuhause - Hohardus Edzardus
#1
===========  An Bord der Picard  ==========
 
Nachdem Howy sein Schiff in eine stabile Umlaufbahn um die Erde gebracht hatte, die tatsächlich ihre Heimat war, verdrückte er sich erst einmal in seine Beobachtungskuppel.
 
Wie oft hatte er hier gesessen und den geradezu unglaublichen Blick auf die beiden Galaxien genossen, als ihr Schiff zwischen dem Andromeda-Nebel und ihrer eigenen Milchstraße gestrandet war.
Und trotzdem hatte er immer Heimweh gehabt nach dem kleinen blauen Planeten, der da irgendwo im Sternengewirr steckte und unbeirrt seine Bahn zog.
 
Und jetzt lag dieser Planet fast Bild füllend unter ihm, und die ersten kleineren Schiffe trafen ein, um die Picard zu überprüfen.
Und auch die erste Delegation war angekündigt, die in wenigen Minuten ankommen würde, darunter der andorianische Föderationspräsident persönlich, der es sich nicht nehmen lassen wollte, als Erster die Picard zu begrüßen und sich damit natürlich vorteilhaft ins Licht zu rücken, denn seine Neuwahl stand unmittelbar bevor.
 
Irgendwie war Howy mit sich nicht richtig im Reinen, was seine Gefühle betraf. Einerseits war er natürlich überglücklich, daß sie es geschafft hatten.
‚Against all Odds‘ hatten sie geradezu unglaubliche Gefahren und Abenteuer bestanden. Eigentlich mehr, als er sich erhofft hatte, als er auf der Picard anheuerte. Und auch er selber durfte zeigen, was in ihm steckte, wobei er sich, so im Nachherein betrachtet, eigentlich über sich selber wunderte, denn er hätte es sich niemals zugetraut, in Gefahrensituationen ruhig und überlegt (manchmal allerdings auch nicht) zu handeln.
Aber sein Großmuttchen hatte recht behalten, als sie ihm mitgab, daß er aus einer langen Reihe von Seefahrern stammen würde, die alle ihr Bestes gegeben hatten, teilweise sogar so berühmt geworden waren, daß es noch heute Gedenktafeln oder –steine für sie in seinem Heimatdorf gab.
 
Er mußte sich fast gewaltsam aus diesen Träumen reißen, denn durch das Schiff hörte man das Signal, sich in der Shuttlebay zu versammeln.
 
 
========== In der Shuttlebay  ==========
 
Da standen sie nun.
Die ganze Besatzung der Picard, wenn man von denen absah, die zurückgeblieben waren.
Aber es waren relativ Wenige.
Alle anderen standen im besten Wichs.
Mort hatte die Deerns und Jungs noch einmal inspiziert, ob die Paradeuniformen korrekt saßen und  ja nicht ein einziges Staubkorn auf den Stiefeln zu entdecken sei, denn man mußte sich in ihnen spiegeln können.
Und auch die Formation stand bis auf einen Millimeter exakt da.
Mort war schon etwas stolz auf diese Crew, auch wenn er selber ja noch nicht auf seiner Heimatwelt angekommen war.
 
Und dann öffnete sich die Heckklappe des Shuttles und allen voran betrat der Präsident den Hangarboden.
An seinen Fühlern sah man, daß er auch ziemlich aufgeregt war.
Er und die beiden Botschafter nahmen die vorbereitete Position an dem improvisierten Rednerpult ein, und tiefe Stille fiel über den Raum.
 
Mort kommandierte: „Die Augen links!“
Ein Ruck ging durch die Besatzung und sie standen da wie die Zinnsoldaten.
Man sah Sokar an, daß er stolz auf seine Frauen, Männer und andere Wesen war, denn jeder Einzelne hatte zum Erfolg ihrer Mission beigetragen.
Und auch Vandenberg, der auf der anderen Seite der Crew stand, ähnelte einer antiken Götterstatue.
 
Der Präsident räusperte sich.
Er blickte hoheitsvoll auf die Besatzung.
„Es ist mir eine große Ehre, an diesem unglaublichen Moment der Föderationsgeschichte persönlich teilnehmen zu dürfen.
Nach so vielen Jahren des Bangens und der Hoffnung, aber auch der aktiven Arbeit Vieler hier auf der Erde, die das ‚Projekt Brieftaube‘ organisiert und am Leben erhalten haben, sind sie wieder zurückgekehrt.
Leider waren die beiden Hauptorganisatoren Sareth T’Khellian und Charles McGregor so kurzfristig unabkömmlich (er vergaß, daß er Beide gar nicht eingeladen hatte, an diesem Empfang teilzunehmen), so daß wir sie hier nicht begrüßen können, aber dafür haben wir zwei wichtige Botschafter hier. Den des Romulanischen Imperiums und den der Phalan, aus deren Reich ja ein Mitglied die Abenteuer der Picard miterlebt hat.“
 
Wenn man genau darauf geachtet hätte, wäre das laute Schnurren von Srri zu hören gewesen. Ihr buschiger Schwanz wedelte aufgeregt hin und her.
 
„Seit der Nachricht, sie Alle und die Picard seien verschollen, haben wir alles darangesetzt, sie zu finden und zurückzuholen (auch hier hielt er sich nicht wirklich korrekt an die Tatsachen) und der Erfolg gibt uns jetzt recht, denn wir haben immer an ihre Rückkehr geglaubt.
Meine Regierung hat jede Möglichkeit ausgeschöpft, um zu helfen, ihr Schiff zurückzuholen.
Und es gelang.
Und es erfüllt mich mit Stolz, den Helden der Föderation zu begegnen.
Sie Alle haben dem Namensgeber eures Schiffes Jean-Luc Picard alle Ehre erwiesen.
Ihr alle habt den Geist der Föderation hoch gehalten: Zusammenzuhalten im Geist der Freiheit!
Einer für alle und alle für Einen!
Keiner wird zurückgelassen.“
 
Howy mußte hier an die Kameradinnen und Kameraden denken, die sie zurücklassen mußten.
 
„Sie alle werden sich jetzt erst einmal wieder zuhause zurechtfinden müssen, aber die Erde und auch die anderen Föderationswelten werden ihnen einen feierlichen Empfang bereiten.
Und ich kann ihnen allen jetzt schon sagen, daß es selbstverständlich Beförderungen geben wird.
Und wir sind natürlich schon ungeheuer gespannt auf die Berichte und persönlichen Erzählungen all der Abenteuer, die sie alle erlebt haben.
Alle Medien stehen schon bei Fuß und werden sie mit Interviewanfragen überschütten.“
 
Dabei blickte er stolz in die auf ihn gerichteten Kameras von INN und den anderen Nachrichtenagenturen.
 
Howy überlegte, wie viel dieser Mann wohl tatsächlich zu ihrer Rückkehr beigetragen hatte.
Wahrscheinlich eher weniger, wie er die Politiker allgemein einschätzte.
Schon sein Großmuttchen hatte immer gesagt, daß diese Kaste von Wesen diejenigen seien, denen man am wenigsten trauen sollte, denn deren Versprechen seien Schall und Rauch. Jedenfalls eine Sekunde nach den Wahlen.
 
„Ich möchte sie alle nicht weiter mit langweiligen Reden beanspruchen.
Die Crew wird zunächst einmal in San Francisco einquartiert, denn natürlich müssen extensive gesundheitliche Untersuchungen vorgenommen werden, und auch Befragungen werden stattfinden, bevor man sie in Ihre Heimat entlassen kann.
Und ihr treues Schiff wird wohl, zusammen mit den berühmten Schiffen der Enterprise oder der Saipan ins Museum kommen, um zukünftigen Generationen das Heldentum zu zeigen, zu dem unsere ruhmreiche Föderation fähig ist.
Ich danke ihnen und wünsche ihnen eine glückliche Zukunft.“
 
Mort brüllte: „Hurra! Hurra!“
Und alle folgten.
 
Danach gab es für alle echten Champagner. Da ließ sich der Präsident nicht lumpen.
 
 
==========  Nessmersiel nahe Norden in Ostfriesland  ==========
 
Nach endlosen Stunden und Tagen der Berichte (manchmal hatte das Alles mehr Ähnlichkeiten mit einem polizeilichen Verhör) waren sie entlassen worden.
 
Und jetzt senkte sich das kleine Shuttle langsam auf einen Acker vor dem großen Seedeich bei Nessmersiel herab.
Irgendwie sah alles genauso aus, wie er es vor Jahren verlassen hatte.
Irgendwie schien hier die Zeit sowieso stillzustehen, denn wenn man den Häusern und den Schafen davor glauben durfte, hätte das auch von 500 Jahren nicht anders ausgesehen.
Die Ostfriesen waren eben schon immer darauf bedacht, ihre Traditionen zu bewahren und selbst ihre Sprache wurde gepflegt, auch wenn mancher junge Mensch damit nur holperig zurecht kam.
Dickköpfigkeit hatte seit vielen Jahrhunderten diese Gegend geprägt.
 
Howy kam es vor, als ob er träumte, denn so viele Jahre lagen zwischen seinem letzten Besuch und diesem hier.
Der Deich war überfüllt mit Menschen, die zur Feier des Tages ihre alten Trachten trugen.
Eine Kapelle spielte ein altes Seemannslied, als er langsam aus dem Cockpit stieg.
Irgendwie gab es keine Raummannslieder, stellte er dabei fest.
Jubel brauste auf, was ihm mächtig peinlich war.
 
Auf der Deichkrone stand ein riesiges Plakat:
„Nessmersiel begrüßt seinen großen Helden Hohardus Edzardus!“
 
Ein Marsch brauste auf, und eine Gruppe von Kindern rannte auf ihn zu und überschüttete ihn mit Blumen.
Und die Honoratioren des Dorfes traten auf ihn zu und schüttelten ihm die Hände.
Reden wurde keine gehalten, denn diese Menschen hier waren der Überzeugung, daß man nicht zu viel quatschen sollte und brauchte.
Ihr Held würde auch ohne dieses wissen, was man über ihn denken würde.
 
Im Triumphzug ging es zum Dorfgasthof, wo ein Festmahl wartete und ungeheure Mengen echten herrlich frischen friesischen Bieres.
 
Das ganze Dorf war ein Blumenmeer und selbst die Pferde waren geschmückt.
 

==========  Ein paar Stunden später  ==========

 
 Howy saß bei seinem Großmuttchen vor ihrem uralten Haus.
Sie war etwas faltiger geworden, aber der Stolz auf ihren Jungen war deutlich zu sehen.
Aber auch sie brauchte darüber nicht viele Worte zu verlieren.
Die Beiden hatten sich in die Arme geschlossen und lange gedrückt, und jetzt saßen sie auf dem alten Platz, an dem die Familie seit Jahrhunderten ihren Nachmittagstee genoß.
Die Porzellankanne dampfte und die alte Dame ließ es sich nicht nehmen, Howy persönlich nach alter Sitte den Tee zu reichen, der selbstredend auch echten frischen Tee zubereitet war, und nicht etwa aus Teebeuteln. *)
Erst kam Sahne in die Tasse und dazu Kluntjes, und erst dann der spezielle Ostfriesische Tee, von dem alle felsenfest überzeugt waren, daß es der Beste auf diesem Globus sei. Das überhaupt die Friesen die einzige wirkliche Teenation seien.
Umgerührt wurde selbstverständlich nicht, denn dadurch wurde der Tee Schluck für Schluck süßer.
 
Wortlos nippten Beide an ihren Tassen, bevor Howys Großmuttchen etwas sagte:
„Ich wußte immer, daß du eines Tages wiederkommen würdest.
Und ich wußte ebenso, daß ich stolz auf dich sein würde und dürfte.
Und jetzt bist du da.
Deine Vorfahren werden jetzt von da oben auf dich blicken und zufrieden sein.“
 
Mehr sagte sie nicht, aber ihr liebevoller Blick sagte Howy Alles.
 
Er war zuhause!
Wirklich zuhause.

*) Kleine Spitze gegen Picard in der 2. Folge der neuen TV-Serie!
[Bild: hohardus.jpg]
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