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Griff in die Geschichte LOG 17 Hohardus Edzardus
#1
==========  9. November 1923, München, Odeonsplatz, etwa 8 Uhr abends  ==========
 
Howy hatte über den Kommunikator mitbekommen, daß Mort schwer verletzt war und Vandenburg und Tr’Kovath Jagd auf Gerschoni machten.
Er hatte sogar die Worte der Beiden oben auf dem Dach von Nummer 6 gehört und mitbekommen, daß ihr Mann einfach so ‚verschwunden ‚ war.
Aber Niemand verschwand ‚einfach so‘, das war ihm klar.
Wahrscheinlich hatte er die Reste eines Dämpfungsfeldes genutzt, das auch ihn bisher geschützt hatte.
 
Deshalb rannte er über den Platz, ohne auf die Rufe einiger Uniformierter zu achten, die in ihm wohl einen flüchtigen Hitleristen sahen.
„Halt, oder wir schießen!“ brüllten sie, aber Howy ließ sich nicht beeindrucken, obwohl er mehrere Kugeln in sein Schutzfeld einschlagen fühlte.
 
Einer der Beamten rief noch seinem Kollegen zu, er sei sich sicher, ihn mehrfach getroffen zu haben, aber dann hatte er sie abgehängt.
Durch eine kleine Seitenstraße versuchte er, den Hinterhof von Haus 6 zu erreichen. Er quetschte sich durch einen schmalen Spalt in einer Mauer, von wo aus er den Hof einsehen konnte, aber Gerschoni war weit und breit nicht zu sehen.
Auch seine Scans liefen ins Leere. Auch nicht das kleinste Signal.
Vandenburg hatte ihm noch mitgeteilt, daß der Masker ihres Gesuchten wohl dabei war, seinen Geist aufzugeben, was die Suche eigentlich erleichtern sollte, aber es gab keine Reaktion seines Gerätes.
 
Überall in den Straßen wimmelte es von Polizei und Militär, die nach versprengten Hitleranhängern suchten. Wenn sie glaubten, welche erwischt zu haben, schlugen sie diese zusammen und warfen sie auf LKWs, die sie dann wohl zu einem Gefängnis transportieren würden.
Überall standen Sanitätsautos, um die vielen Verletzten in die Krankenhäuser zu fahren, und da plötzlich hörte er ein großes Geschrei einer offensichtlich älteren Dame: „Hilfe! Polizei! Kommen Sie schnell! Ich habe bei mir in der Wohnung einen verwundeten Nazi. Nehmen Sie ihn fest!“
 
Zwei Uniformierte zogen ihre Pistolen und folgten der Frau zu ihrem Haus, als aus dessen Eingang ein Mann gesprungen kam und beide umstieß:
„Mich bekommt ihr nicht, ihr Schweine!“
 
Howy erkannte ihn sofort. Es war Gerschoni.
Er hinkte und hielt sich den Arm, aber er rannte mit allen seinen Kräften auf eines der Sanitätsfahrzeuge los, dessen Fahrer gerade ein paar Verletzte am Boden versorgte.
Er sprang auf den Sitz und startete den Motor.
„Woher wußte er, wie man das macht?“ fragte sich Howy und versuchte,  hinten aufzuspringen.
Dabei hätte er sich fast alles gebrochen, aber er schaffte es mit Müh und Not, sich an einem der Griffe festzuhalten.
 
Gerschoni raste mit Vollgas die Straße herunter, bis er von einer kleinen Gruppe zum Halten gezwungen wurde.
„Sie nehmen uns mit!“ brüllte einer der Männer.
Gerschoni sah sich gezwungen, der Aufforderung Folge zu leisten, denn er besaß kein Schutzfeld mehr und mehre Läufe von Projektilwaffen waren auf ihn gerichtet.
Daß Howy hinten am Wagen hin, erregte keine Aufmerksamkeit, denn der war offensichtlich auch aus dem Polizeikessel auf diese Weise geflohen, also einer von ihnen.
Sie öffneten die große Tür hinten und kletterten hinein, wobei sie Howy einfach mit reinschoben, was dieser zunächst natürlich gar nicht gut fand.
Dann aber stoppte ihm der Atem.
Der Mann, der da eben die Befehle gegeben hatte, war ein relativ kleiner schwarzhaariger Mann mit einem Bärtchen über der Oberlippe.
Adolf Hitler persönlich mit einigen Getreuen.
 
Dann öffnete sich die Tür noch einmal, und man schob Gerschoni auf die Ladefläche.
Howy verdeckte sein Gesicht, denn er wollte nicht, daß dieser Kerl ihn bemerken würde.
Ein paar von Adolfs Freunden hatten jetzt das Steuer übernommen und fuhren mit hoher Geschwindigkeit aus der Stadt.
 
Hitler zischte: „Habt ihr denen gesagt, daß wir nach Uffing am Staffelsee fahren?
Da hat ein Kamerad von mir, der ‚Putzi‘,  ein Landhaus, wo wir uns zunächst verstecken können. Er ist uns wohlgesonnen und wird uns nicht verpfeifen.
 
Das hatte wohl keiner gewußt, weshalb ein Kamerad von Adolf mit einem harten Gegenstand die kleine Scheibe zum Fahrerhaus einschlug und den Zielort rüberbrüllte.
Etwa 70 km südlich von München sollte das sein.
 
(Aus WIKIPEDIA: Ernst Franz Sedgwick Hanfstaengl, genannt „Putzi“, war ein deutsch-amerikanischer Geschäftsmann, Kunsthändler, politischer Aktivist und Politiker. Er wurde vor allem als finanzieller Unterstützer und Freund Hitlers in den 1920er-, als Auslands-Pressechef der NSDAP in den 1930er-Jahren und später als Mitarbeiter Franklin D. Roosevelts bekannt.)
 
Howy sah zu seinem großen Erschrecken, daß auch Gerschoni inzwischen bemerkt hatte, mit wem er den Krankenwagen teilte.
Er grinste wie ein Honigkuchenpferd und konnte offensichtlich das Ausmaß seines Glücks kaum begreifen.
 
Howy wartete darauf, daß er einen Angriff starten würde, aber zunächst verhielt sich der potentielle Attentäter ruhig und wartete wohl auf eine bessere Gelegenheit.
Es konnte aber auch daran liegen, daß er möglicherweise keine Waffe mehr besaß. Er hatte diese vielleicht bei seinem Sturz oder dem Zusammentreffen mit den Polizisten verloren, jedenfalls blieb er untätig.
 
Dann aber fiel Howy ein, daß er möglicherweise einen Phaser dabei hatte, den er, wenn er einen hatte, wohl tief in seinem Anzug verborgen trug.
Er könnte den überladen, und wenige Sekunden danach wäre alles, was von ihnen übrig bleiben würde, ein riesiger Krater mitten auf der Straße.
Und da würde ihm, Howy, auch sein Kraftfeld nicht nützen, denn für solche Entladungen, war es keinesfalls stark genug ausgelegt.
 
Der Wagen rumpelte über eine Landstraße, und da eine Federung nahezu nicht vorhanden war, taten Howy inzwischen alle Knochen weh, während sich Gerschoni  angeregt mit seinen Nachbarn unterhielt.
An Hitler kam er nicht heran, da dieser ganz vorne hinter der Fahrerkabine saß, und es viel zu laut war, um mit ihm zu sprechen.
 
Am zufriedenen Gesichtsausdruck seines Mannschaftskameraden aber sah er, daß dieser sein Glück kaum fassen konnte, zumal er sich sicher wähnte, seine Verfolger abgehängt zu haben.
Und darin wollte Howy ihn solange im Unklaren lassen, wie es nur möglich war.
 
Er nutzte die Zeit, um sich die Person, die die Weltgeschichte drastisch ändern würde, einmal näher anzusehen.
Und er fragte sich, wie dieser Mann, der selber klein, eher schwächlich und schwarzhaarig war, es fertig brachte, seinen Mitbürgern zu erklären, daß es die blonde starke Herrenrasse der Arier sei, die Deutschland und die Welt zum Heil führen würde?
Er hatte Hitler ja im Bürgerbräukeller erlebt und mußte zugeben, daß er hervorragend in der Lage war, diese Schwächen zu überspielen und die Menschen in seinen Bann zu ziehen, zumal diese in ihrer Not nach jedem Strohhalm griffen.
Er fragte sich wieder einmal, wie er wohl selber reagiert hätte, wenn er ‚damals‘ gelebt hätte?
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit hielt der Laster und die Tür wurde von außen geöffnet.
Einer nach dem anderen stieg aus und streckte erst einmal die Tentakel, denn Howy war sich sicher, daß nicht nur ihm jedes einzelne Knöchelchen weh tat.
Sich im Schatten des Fahrzeuges haltend, sah er sich um und stellte fest, daß sie vor einem wirklich schönen bayrischen Haus standen.
Natürlich wußte er nicht, wer ein gewisser oder eine gewisse Putzi war, aber schön war die Hütte.

[Bild: Uffing.jpg]

 Er sah Gerschoni auf Hitler warten und sich dann zu ihm zu gesellen.
Jetzt würde er zuschlagen. Wann sonst?
So eine Gelegenheit würde er nie wieder bekommen.
Nur wie?
Howy aktivierte seinen Communicator und rief hinein: „Klarmachen! Zwei zum Beamen!“
 
Alle drehten sich nach ihm um, als Gerschoni ihn erkannte. Er hechtete auf Hitler zu und riss aus seiner Hose einen Phaser.
Gerade wollte er den Schalter auf ‚Überlastung‘ stellen, als Howy ihn ansprang.
„Er will euch alle töten!“ schrieh er und entriß Gerschoni das Teil, bevor er den Hebel umlegen konnte.
 
„Nein!“ brüllte er. „Das kannst du nicht machen! Ich muß ihn töten.“
 
Howy warf den Phaser mit gekonntem Schwung in den nahegelegenen See, umklammerte Gerschoni und brüllte, auch wenn er jetzt für ungeheuer viel Gesprächsstoff bei den Beteiligten sorgen würde: „Zwei zum Beamen!“
 
Mit einem zarten silbrigen Flimmern lösten sich beide im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf.
 
Zurück blieben zu tiefst erschrockene und erstaunte Männer.
Sie hatte gehört, daß der eine von den Beiden gerufen hatte, er wolle Adolf töten, und sie hatten ebenfalls gesehen, daß ein anderer den daran gehindert hatte.
Sie hatten alle keine Tatwaffe gesehen, aber er hätte ja eine Art Handgranate in der Tasche gehabt haben können.
Und sie hatten alle das unheimliche Verschwinden der Beiden beobachtet.
 
„Daß mir keiner von euch diesen Vorfall irgendwo erzählt!“ knurrte Adolf.
[Bild: hohardus.jpg]
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