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Griff in die Geschichte Log 16 - Sokar
#1
*** Erde / Südtunesien ***
 
"Ich verstehe Ihr Anliegen," antwortete Sokar auf das eben formulierte Ansinnen der Beduinen, Dr. D'Varo bei sich zu behalten. Er sagte es mit der typisch vulkanischen Emotionslosigkeit. Sein Gesprächspartner wertete es als die zeit-und ortstypische Geringschätzung von Frauen, die sich ganz einfach dem zu fügen hatten, was Mann als notwendig erachtete. "Auch meiner Regierung ist es wichtig, den ... eingeborenen Völkern die Hilfen der modernen Medizin zukommen zu lassen. Und in der Tat hatte sich die Frau Doktor ja für ein entsprechendes Programm gemeldet und es immer bedauert, nicht ausgewählt worden zu sein. Nicht wahr?"
 
Nalae zwinkerte irritiert, nickte aber dann und sagte: "Ja, nun scheinen sich ja die Elemente... ähm... das Schicksal entsprechend gefügt zu haben!" Sie rang sich ein Lächeln ab. "Wie seltsam die Wege doch manchmal sind..."
 
"Unerforschlich sind die Wege Allahs des Allbarmherzigen," sagte der Scheich und machte eine ehrerbietige Geste.
 
"Aber Sie verstehen, dass ich meiner Regierung die Nachricht mitteilen will, ehe wir diese wunderbare Fügung ..."
 
"...gebührend feiern." vollendete die Ärztin jetzt mit einem festeren Lächeln.
 
"Sie haben einen Telegrafen hier?" mischte sich Dubois wieder ein.
 
Sokar sah das verdächtige Glitzern in den Augen des ehemaligen Fremdenlegionärs und fügte hinzu: "Ja, bedauerlicherweise ein sehr altes Gerät. Der Sand hat ihm schon sehr zugesetzt."
 
"Ja, der Sand...der kriegt alles klein! Ich kann Ihnen sagen, damals in Algier--"
 
"Aber ich hoffe, eine Nachricht geht noch durch, bevor es endgültig seine Funktion einstellt. - Ich werde dann gehen." Er wandte sich um, machte einen Schritt und erwartete halb, zurück gehalten zu werden. Doch nichts dergleichen geschah. Ob die Einheimischen ihm glaubten oder nicht  - IHN betrachteten sie auf jeden Fall als minder wichtig, wenn sie nur die Ärztin hatten. Und mit einer kleinen, schlanken Frau würden sie ja allemal fertig werden...
 
So stapfte Sokar ungehindert zu seinem kleinen Lagerplatz an der dunkel aufragenden Felsformation zurück. Marlow wartete bereits auf ihn.
 
"Hier ist alles in Ordnung," rief er von oben, wo er eben die Bohrlöcher kontrolliert hatte. "Wir können die Marker aktivieren und dann kann der Transportvorgang des Urans beginnen."
 
"Gut. Aber wir haben ein weiteres Problem."
 
"Lassen Sie mich raten: die Eingeborenen wollen unseren Doc nicht mehr weglassen. Habe ich fast befürchtet. Für sie sind das die reinsten Wunder, die sie vollbracht hat! - Es tut mir leid, dass ich Sie in diese Situation gebracht habe. Aber der Sturm hatte eines unserer Rationspakete herunter gefegt, und ich wollte es wieder holen, als dieser Dubois auftauchte..."
 
"Mr. Marlow, das hat jetzt keine Relevanz mehr. Fakt ist, wir müssen Dr. D'Varo fort beamen lassen, und um eine kulturelle Kontamination zu vermeiden alle anderen, die den Beamvorgang verfolgen können, ebenfalls. Auf der Krankenstation können wir dann bei allen Personen eine partielle Gedächtnislöschung vornehmen."
 
"Hm... wir können die Leute nicht alle mit Transportermarkern  versehen. Wir müssten einen bestimmten Umkreis zur Erfassung vorgeben. Machbar ist das... aber es darf sich im entscheidenden Moment niemand aus dem Reigen lösen."
 
"Das sicher zu stellen wird unsere Aufgabe sein. - Ich informiere die 'Picard'." Sokar wollte auf den unter seinem altmodischen Khakijackett verborgenen Kommunikator klopfen, aber in diesem Moment erreichte ihn ein Ruf von Vandenberg aus München. Sein Statusbericht war alarmierend. Zwar war es gelungen, das beim Marsch auf die Feldherrnhalle geplante Attentat zu vereiteln, aber Gerschoni war noch immer flüchtig und willens, einen anderen Weg zu finden, um Hitler aus der Geschichte zu tilgen.
 
+Das Problem ist, er scheint damit Erfolg zu haben,+ berichtete der XO. + Dr. Val'Kara hat bei unseren Teammitgliedern eine wachsende Phasenvarianz in der atomaren Struktur entdeckt. Teile unserer Tau-Neutrinos fangen an, sich aufzulösen. Wir verschwinden aus diesem Raum-Zeit-Kontinuum.+
 
Logischerweise würde man dieselben Anomalien bei ihnen hier in Tunesien finden - sie hatten nur für entsprechende Tests bisher keine Gelegenheit gehabt! Und dies wiederum bedeutete... "Hat Dr. Val'Kara berechnen können, wieviel Zeit uns noch bleibt?"
 
+ Maximal 23 Stunden. Mr. Caldred versucht vom Basislager aus Gerschoni wieder anzupeilen. Er ist auf jeden Fall schwer verletzt und kann nicht weit gekommen sein. Wie ist die Situation bei Ihnen?+
 
Der Captain gab eine rasche Zusammenfassung der Geschehnisse und des Plans, die Situation zu bereinigen. "...dafür wird es unerlässlich sein, dass Sie mich innerhalb der nächsten Stunden keinesfalls kontaktieren, Robert. Das würde, wenn wir in der Runde mit den Eingeborenen zusammen sitzen, ein Verdachtsmoment mit unkalkulierbaren Folgen aufwerfen. Ich werde mich bei Ihnen melden, sobald wir zurück auf dem Schiff sind."
 
+ In Ordnung. Vandenberg Ende. +
 
Sokar setzte sich mit der 'Picard' in Verbindung. Wie befürchtet, hatte man auch dort die Phasenvarianz bereits festgestellt. Der Transportertechniker war der Meinung, dass ihnen für reibungslose Beamvorgänge höchstens noch vier Stunden blieben, weil sonst die Heisenbergkompensatoren die Varianz nicht mehr korrigieren konnten. Das bedeutete für sie hier in der tunesischen Wüste, in einer improvisierten kleinen Feier die Leute möglichst dazu zu bringen, sich an den Händen zu halten! "Mr. Marlow, wie sind Ihre Kenntnisse, was alte terranische Fest- und Feierkultur betrifft?"
[Bild: sokar.jpg]
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