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Griff in die Geschichte Log 7 Sokar / Mort
#1
*** Erde / Südtunesien ***
 
Die Sonne neigte sich gen Horizont und ließ die Ausläufer der Sahara in einem kraftvollen Orange erglühen, während Gestrüpp und Felsformationen tiefschwarze lange Schatten warfen. Sokar dachte an Vulcan. Die Szenerie erinnerte ihn beinahe bis ins Detail an einen Park in der Nähe seiner Heimatstadt. Selbst die blaue Färbung des Himmels löste sich mehr und mehr in orangeroten Tönen auf und der Geruch von heißem Sand erfüllte die Luft. Eine trügerische, verlockende Vertrautheit ging von alldem aus. Hatte er deshalb darauf bestanden, Randy Marlow zu begleiten? Sokar rief sich zur Ordnung. Heimatgefühle waren fehl am Platz.
Dies ist nicht Vulcan, und vor allem: dies ist nicht meine Zeitperiode! Ich bin hier, um meine Arbeit zu tun, und nicht, um in der Schönheit der Landschaft zu versinken!
 
Er hob den Koffer mit dem Werkzeug auf und stieg in die kleine Felsgruppe hoch, die sich dunkel in der Nähe erhob. Einige Meter vor ihm kletterte bereits Marlow. Sie waren vor einer viertel Stunde herunter gebeamt, um einen Teil der hier befindlichen kleinen Uranlagerstätte - die erst im 21. Jahrhundert ausgebeutet werden würde - zum sicheren Transport vorzubereiten.
 
Unter einem kleinen Felsüberhang blieb Marlow stehen und blickte ein weiteres Mal auf seinen Tricorder. "Hier ist es günstig. Mehrere Gesteinsadern, die eine geringere Dichte als die Umgebung aufweisen. Hier können wir bohren und die Fragmentierer einbringen." Mithilfe der Fragmentierer würde es ihnen möglich sein, den entsprechenden Teil der Lagerstätte soweit von seiner Umgebung zu trennen, dass er verlust- und gefahrenfrei von der Transportereindämmung erfasst und direkt in das kraftfeldgeschützte Areal auf der Picard gebeamt werden konnte. An Bord des Schiffes arbeitete ein kleines Team unterdessen am Aufbau der Raffinerie-Einrichtung, die das Uran soweit aufbereiten sollte, dass es der Rekristallisierung des Dilithiums dienen konnte.
 
Sokar hatte die ersten beiden Mikrobohrer auf das Gestein gesetzt und ihre Halterung aktiviert. Mit einem leisen Surren saugten sich die kleinen Maschinen auf dem Untergrund fest. Mittels eines haarfeinen Laserstrahls würden sie in die Tiefe vordringen und anschließend Nanosonden ausschleusen, die die energetische Absperrung und Markierung vornehmen sollten. Jeder einzelne Bohrer wurde anhand der Sensorscans von der Picard auf seine korrekte Positionierung überprüft.
 
"Nummer Sechs 1,5 cm weiter nach rechts," sagte Sokar, und Marlow entfernte ein Büschel hartnäckigen Grünzeugs aus einer Felsritze, um den Bohrer an der Stelle einrichten zu können. Bald hatten sie zwanzig Mikromaschinen auf dem Gestein befestigt.
 
"Es wird schätzungsweise vier Stunden dauern," erklärte Marlow. "Aber wir sollten den Prozess überwachen. Machen wir es uns gemütlich."
 
"Das wäre unklug," entgegnete Sokar. "Es kommt ein Sandsturm."
 
Marlow konsultierte seinen Tricorder. "Woher--"
 
"Die Vulcanier sind eine Wüstenspezies. Es war evolutionär von Vorteil, Gefahren wie Sandstürme frühzeitig erkennen und sich bergen zu können. Wir haben einen speziellen Ohrrezeptor, der Änderungen im Luftdruck wahrnimmt und die Erhöhung der Sandpartikel in der Luft können wir mit der Nasenschleimhaut erfassen."
 
"Sie können einen Sandsturm riechen?!"
 
"Nun - ja, wenn Sie es so vereinfachen wollen. Aber wir sollten eine Schutzplane über die Bohrer breiten."
 
"Ja, auf jeden Fall!" Der CEO rappelte sich auf und machte sich an seinem Koffer zu schaffen. "Hoffentlich wird es nicht allzu heftig. Bin kein sonderlicher Freund von Sandstürmen... Ah, hier ist sie!" Er förderte ein handliches Paket zu Tage.
 
 
*** Währenddessen in München ***
 
Howy hatte es tatsächlich geschafft, das alte Auto bis in die Innenstadt zu manövrieren. Mort fühlte sich wie nach einem Hindernis-Testflug. Nur der geringen km/h-Zahl, die dieses vorsintflutliche Vehikel schaffte, war es wohl zu verdanken, dass sie keine Unfallopfer produziert hatten und dass sie selbst unbeschadet geblieben waren!
 
Quietschende Bremsen, ein heftiger Ruck, der ihn gegen Dr. D'Varo und ihren Hut drückte und saftige Flüche katapultierten Mort aus seinen Überlegungen in den Augenblick. Vor ihnen stand ein wuchtiger Lieferwagen voller metallfarbener Kannen auf der Ladefläche. Die Dinger erinnerten ihn irgendwie an Warpplasmacontainer.... aber das war natürlich nicht möglich.
 
Der Fahrer des Lieferwagens erging sich in einer Schimpfkanonade, aus der Morts Translator lediglich "Vorfahrt", "Ochse" und "Sonntagsfahrer" herausfiltern konnte, was immer die letzten beiden Worte bedeuten mochten.
 
Vandenberg versuchte den Streit zu schlichten, aber schon war ein uniformierter Ordnungshüter erschienen, und in seinem Schlepptau die unvermeidlichen Schaulustigen. Aus dem Augenwinkel sah Mort unterdessen, wie zwei Halbwüchsige einige der Milchkannen vom Transporter stahlen.
 
"Kann ich mal Ihre Papiere sehen?!"
 
Diese Zeit ist wirklich besessen von irgendwelchen 'Papieren'! dachte Mort. Wieso haben sie nicht eine ID-Karte, wo ALLES draufsteht, bei den  Dämonen von Urama!
 
Der leicht nervöse Howy zeigte allerlei vor, was er in den Taschen hatte, auch eine der neu replizierten hochzahligen Banknoten - was der Ordnungshüter etwas unfreundlich zur Kenntnis nahm.
 
Was ist nun wieder ein 'Führerschein'? überlegte Mort. Er entsann sich, beim Briefing gehört zu haben, dass man Adolf Hitler später als 'Führer' betitelte, aber das war noch ein paar Jahre hin. Trotzdem - ging es vielleicht um eine Art Parteibuch???
 
"Da muss ich Sie leider bitten, mit auf die Wache--"
 
"Meine Güte! Is des ned Olaf Dierckson?" kreischte plötzlich eine Frauenstimme.
 
Mort sah, wie sich eine junge Dame an dem Polizisten vorbeidrückte, den Blick unverkennbar auf ihn gerichtet. Hinter ihr drängten zwei weitere Damen. "Ohja, Minna, recht hast! Das ist er!"
 
"Meine Damen, ich muss Sie um Ordnung--"
 
"Aber Herr Wachtmeister! Lassen's uns doch! Erkennen's denn ned, da im Wag'n is der Dierckson, der berühmte Rennfahrer!"
 
"Ist mir egal, auch wenns Seine Heiligkeit wär--"
 
Mort stellte fest, dass der Holotechniker an Bord der Picard, der seine 'zeittypische' Holomaske kreiert hatte, sich offenbar bedenkenlos an einem historischen Konterfei aus der Datenbank bedient hatte. Ehe ihn eine der Verehrerinnen erreicht hatte, hing ihm geistesgegenwärtig Dr. D'Varo um den Hals, was die irdischen Damen zurück schrecken ließ.
 
Dann wandte sich die Ärztin mit ihrem süßesten Lächeln an den Polizisten. "Herr Wachtmeister, wenn Sie vielleicht heute, nur heute, eins ihrer wachsamen Augen zudrücken würden? Es war meine Schuld, dass unser Fahrer nicht aufgepasst hat. Es soll sicher nicht wieder vorkommen..."
 
Tatsächlich schaffte sie es, Auto und Insassen loszueisen.
 
"Ich entdecke ja ganz neue Talente bei Ihnen," brummte Vandenberg, während sie vorsichtig wie nur irgend möglich in eine Nebenstraße einbogen, um ihr Vehikel dort abzustellen.
 
"Man muss anpassungsfähig sein," kommentierte sie. "Und noch etwas, während wir dort eben standen, habe ich rasch ein Plakat gescannt, das gegenüber an der Hauswand hing." Im Schutz des Wagens entfaltete sie das Hologramm. 'Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei' war das Pamphlet überschrieben und darunter stand in altertümlich wirkenden Buchstaben 'Freiheit und Brot'."
 
"Eine Parteiversammlung."
 
"Und wir wissen auch wann und wo: nämlich heute in ... knapp 2 Stunden im Bürgerbräukeller!"
[Bild: sokar.jpg]
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