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Friedensinitiative II Log 12 / Lhoal
#1
*** Quo'nos / Hauptstadt / Nächster Tag ***
 
Während sich Maag und Lhoal, die beiden ungleichen Schicksalsgefährten aus dem Gefangenenlager von K'Muna, auf den Weg machten, nahmen die Unruhen in der Hauptstadt immer bedrohlichere Ausmaße an. In der Annahme, Kanzler Kvorag sei tot, kämpften die Angehörigen von vier verschiedenen Häusern um die Nachfolge. Darüber hinaus gab es noch Auseinandersetzungen zwischen Progressiven und Hardlinern und ihren diversen Splittergruppen. Und wie immer in solchen chaotischen Situationen gab es noch jene Elemente, die die Gelegenheit nutzten, alte Rechnungen zu begleichen, zu plündern oder ganz einfach die sprichwörtliche Sau heraus zu lassen. An die zehn Stunden hatten Lhoal und Maag zwischen den Fronten fest gesessen.
 
Maag hatte dem Rihanha seinen Militärmantel mit großer Kapuze gegeben, was den Rihanha wenigstens vor flüchtigen Blicken schützte. So versuchten sie gerade, an der Straßenschlacht vorbei zu kommen, die sich die "Wahren Söhne des Kahless" mit den "Friedensjüngern" lieferten, wobei auch letztere im Augenblick kein bisschen friedlich wirkten. Pflastersteine flogen, Metallstangen krachten aufeinander und von irgendwo feuerte jemand ab und zu in die Menge, ob ein einsamer Ordnungshüter oder ein Irrer aus Spaß an der Freude, war nicht auszumachen.
 
Die beiden Männer drückten sich in einen Hauseingang, um einem Brandsatz zu entgehen. Der Werfer hastete gleich darauf an ihnen vorbei, erkannte die romulanischen Gesichtszüge und brüllte los, der Tal Shiar habe sie alle unterwandert. Maag packte den jungen Revoluzzer und nagelte ihn mit stahlhartem Griff an der Hauswand fest. "Hör zu, Bursche! Ich, Oberst Maag, habe diesen Gefangenen gemacht! Ich bringe ihn gerade zur Kommandantur! Und wenn du kleiner Nichtsnutz verursachst, dass der Kerl mir abhaut, dann wird nicht mal Kahless dir helfen! VERSTANDEN?"
 
Von der Uniform eingeschüchtert bedeutete der Youngster seinen Kumpanen, sich zurück zu halten. Maag griff seinen 'Gefangenen' am Arm und stieß ihn mit einer Kanonade saftiger Flüche vorwärts um die nächste Ecke.
 
"Das war knapp. Wie weit ist es noch?"
 
"Boru hat seine Werkstatt gleich in der Nächsten Straße... hatte sie zumindest, meine ich, als ich ihn vor vier Jahren zuletzt besucht habe."
 
Lhoal fand die Antwort wenig Vertrauen erweckend, doch was blieb ihm übrig? Wenig später erreichten sie tatsächlich ein Tor, über dem ein rostiges Schild Fahrzeugreparaturen und Schmiedearbeiten aller Art verhieß. Vom Wind bewegt, quietschte es in seiner Verankerung. Aus dem dahinter liegenden Hof klangen unverkennbare Arbeitsgeräusche.
Maag grinste und schlug seinem rihannischen Begleiter auf die Schulter. "Hab ich doch gesagt. Den alten Boru trennt so schnell nichts von seinem Hammer und Schraubenschlüssel!"
 
Was folgte, war eine herzliche Begrüßung inmitten aufgestapelter Schrottteile, wie nur Klingonen sie fertig bringen. Nach heftigem Stirnplattenstoßen, Knüffen und freundlichem 'Alter Sack, wo warst du so lange' nahm der vierschrötige Metallwerker nun auch Maags Begleiter wahr. "Und, wen hast du mitgebracht? Bloß nicht 'nen neuen Lehrling, die können heute nichts mehr, diese Jungspunde!" Er spuckte aus. "Hab den letzten erst vorgestern mit einem Tritt in seinen -- oha, ein Spitzohr!? Maag, du dreimal ver--"
 
"Mein alter Kumpel aus K'Muna, Lhoal," unterbrach ihn Maag und Lhoal grüßte den Alten auf Klingonisch.
 
Der musterte ihn argwöhnisch. "Ist keine gute Zeit für 'ne Tour durch die Hauptstadt," brummte er dann anstatt einer Antwort.
 
"Boru, wir brauchen einen Gleiter, gepanzert, bewaffnet..."
 
"Sonst noch was, du Witzbold? Sieht das hier aus wie ein Gleiterhandel?"
 
"...Unregistriert," vollendete Maag. "Aus der speziellen Reserve, du verstehst schon."
 
"Was?" Der Schmied äugte wieder zu Lhoal.
 
"Er weiß Bescheid. Komm schon, Boru, wir wollen den Kanzler retten. Und es bleibt nicht mehr viel Zeit!"
 
"Kanzler Kvorag? Hab gehört, die Rommies...ähm... hätten ihn umgelegt? Mann, was geht hier bloß ab die letzte Zeit, kann man nicht mal in Ruhe seiner Arbeit nachgehen?!" Schimpfend stapfte er eine Treppe hoch. "Wenn die Registratur davon erfährt--"
 
"Die erfährt nichts von deinem kleinen Nebengeschäft!" Maag folgte ihm  mit einem zuversichtlichen Grinsen. "Kvorag wird dir 'nen Orden verleihen!"
 
"Bloß das nicht, bloß das nicht! Bloß keinen Rummel!" Auf verschlungenen Pfaden zwischen den Hinterhäusern hatten sie ein eingezäumtes Areal erreicht. Boru zog ein Gerät aus der Tasche und betätigte einige Schalter. Ein kurzes Knistern war zu hören und der eben noch lediglich mit Mülltonnen bestückte Platz offenbarte an deren Stelle zwei Objekte - die allerdings aussahen, als seien sie gerade aus eben diesen Mülltonnen gezogen worden.
 
"Der da hinten ist noch nicht fertig," erklärte Boru und blieb vor dem ersten Konglomerat aus Bauteilen stehen, dem er auf den rechten Flügel tätschelte.
 
Lhoal betrachtete das Fluggerät, das wirkte, als habe es schon den ersten klingonisch-terranischen Krieg mitgemacht, sei halb auseinander genommen und anschließend mit Ersatzteilen von einem halben Dutzend Spezies wieder geflickt worden. Er bemühte sich, seinen Gesichtsausdruck so neutral wie möglich zu halten. Aber im Stillen dachte er, dass sie das Rennen um den Frieden wohl schon verloren hatten... Wie viele Stunden war der Unfall oder das Attentat im Kloster jetzt schon her? Er hatte das Gefühl für Zeit ebenso verloren wie für die eigene Erschöpfung.
 
"Ha! Lass dich nicht täuschen, mein Freund! Boru schraubt die schnellsten und widerstandsfähigsten Schiffchen zusammen. Wir haben ein paar Monate mit so einem Kahn in den Grenzregionen zur Föderation geschmuggelt! Ach, waren das Zeiten... "
 
"Ja, aber von den alten Zeiten kann ich nicht leben, und die Maschine hatte ich schon jemandem zugesagt. Und wenn ich mich mit dem Kerl anlegen soll, dann musst du schon was springen lassen."
 
"Ich zahle jeden Preis, den Sie wollen," ergriff Lhoal das Wort. Er nahm einen Chip aus einer geheimen Tasche seines Gürtels, aus dem sich ein holographisches Scheckformular entfaltete, dass er mit seinem Siegelring elektronisch aktivierte. Dann sah er wieder zu Boru auf.
 
Der betrachtete den Rihanha und den Scheck mit zusammen gekniffenen Augen. Er mochte ein Ganove mit gut gepflegten Kontakten zur Unterwelt sein - aber er war auch ein Klingone der 'alten Schule' und es kam für ihn nicht in Frage, in ihn gesetztes Vertrauen zu missbrauchen und etwa mehr zu fordern als ihm zustand. Allerdings... Romulaner hatten bekanntlich ein ganz anderes Verständnis von Ehre... "Ist der überhaupt gedeckt?" fragte er mit einem Fingerzeig Richtung Scheck. "Maag, bürgst du für deinen Spitzohr...freund?"
 
"Willst du mich beleidigen?! Ich bürge NICHT für ihn! Mein Freund braucht keinen Bürgen! Und wenn du das bezweifelst--"
 
"Das Haus s'Khellian ist liquide und der Scheck ist gedeckt," antwortete Lhoal, ehe die beiden alten Klingonen aneinander gerieten. "Ich bin im diplomatischen Dienst und Sie können ihn in unserer Vertretung auszahlen lassen."
 
"Na, wenn die mal noch lange genug steht..." Boru trug eine gemäßigte Summe in den holographischen Scheck ein, Lhoal unterzeichnete und dann wechselten der Chip und der Gleiter den Besitzer. Wenig später befand sich das Gefährt in der Luft und auf dem Weg ins Sperrgebiet von Mamak.
 
 
*** Romulanischer Warbird 'Herihor' ***
 
Regierender Vizekanzler Ormak hatte das Schiff mit der rihannischen Delegation aufgefordert, sich in eine Entfernung von 5 AE von Quo'nos zu begeben, aus Sicherheitsgründen. Fünf klingonische Kreuzer hielten das Schiff umzingelt, um auch sicher zu gehen, dass es sich nirgendwohin bewegte ohne Erlaubnis.
 
Kommandantin T'Iril stand auf der Brücke und betrachtete mit düsterer Miene die gegnerischen Schiffe. Die Klingonen behandelten sie wie Gefangene! Und nicht nur das, sie störten auch ihre Transmitter, so das kein Kontakt zu Ch'Rihan und keine selbständige Suche auf Quo'nos möglich war! Schon um die zermürbende Untätigkeit zu ertragen, berechnete sie erneut ihre Chancen, die fünf Kreuzer auszuschalten und - ja was sollte sie eigentlich tun? Eine Flucht Richtung rihannisches Reich kam nicht in Frage, solange der Prätor und Senator tr'Khellian noch irgendwo auf Quo'nos verschollen waren. Und zurück zu dem von den Elementen verfluchten Planeten war nur für einen debilen Ptakh eine Option....
 
Abrupt fuhr sie zu ihrer Brückencrew herum und fragte ihren ersten Offizier: "Wieviele Terix-Sonden haben wir an Bord?"
 
"Riov, die letzten Befehle der Prokonsulin--" setzte der XO, ein hagerer Havranha an.
 
"Ich KENNE die letzten Befehle, die ZU UNS DURCHGEDRUNGEN sind!" fauchte die Kommandantin zurück. "Keinerlei feindselige Akte. - Nun, Sonden sind keine Torpedos, nicht wahr? Außerdem sollten sie so getarnt sein und ihre Signatur maskieren, dass sie ohnehin nicht entdeckt werden, oder liege ich in der Interpretation der diesbezüglichen Berichte des Tal Shiar falsch?" Ihr Blick haftete auf dem Vertreter des Geheimdienstes.
 
"Durchaus nicht, Riov T'Iril. Terix sind die letzte Entwicklung der--"
 
"Gut, Details brauche ich jetzt nicht. Starten Sie zwei Sonden Richtung Quo'nos, die nach den Biosignaturen von Prätor tr'Kaleh und Senator tr'Khellian fahnden sollen."

[Bild: Lhoal-klein.jpg]
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