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Friedensinitiative II Log 10 - Lhoal
#1
*** Quo'nos / Hauptstadt / Vorstadtviertel ***

 
Lhoal wollte die kleine Mischlingsgemeinde auf keinen Fall jetzt allein lassen, obwohl er natürlich wusste, dass in Fällen wie diesen seine Order lautete, soll schnell wie möglich Kontakt zu seiner Delegation zu suchen und zum Schiff zurück zu kehren. Aber diese Möglichkeit war ihm keine Option. So wie der Familienpatriarch Ral ihm die Lage geschildert hatte, waren die rihannischen Mischlinge hier in der Situation einer marginalisierten Gruppe - und Gruppen wie diese pflegten in Zeiten der politischen Unsicherheit und des Aufruhrs stets das erste, weil gefahrlos zu erreichende, Opfer für den angestauten Zorn der Einheimischen zu sein.
 
Aus den öffentlichen Nachrichtensystemen klangen sich widersprechende Fetzen durch die engen Gassen. Parolen heizten die schwüle Sommernacht an. Kanzler Kvorag war ermordet - der Prätor hatte ihn ermordet - romulanische Truppen seien über die Grenze vorgedrungen - der Hohe Rat war von Feinden unterwandert - Gift wurde in die Atmosphäre geleitet.... immer wilder wurden die Gerüchte, die zu Rals Familie und den anderen Mischlingen drangen. In den letzten Minuten hatten viele von ihnen in dem relativ gut befestigten und mit starken Mauern versehenem ehemaligen Herrensitz Zuflucht gesucht. Sie standen und saßen im Hof zwischen den Slumhütten; die kleineren Kinder hatte man ins Innere des Hauses gebracht.
 
"In der Oberstadt gibt es Straßenkämpfe zwischen den Angehörigen des Hauses Zv'ogh und Barki," berichtete ein junger Mann gerade, während eine Frau versuchte, seine Kopfverletzung zu verbinden. Ein Projektil aus einer Schleuder hatte ihn getroffen. "Sie beschuldigen sich gegenseitig, Kvorag ans Messer geliefert zu haben. Und die Hardliner von der Klingonischen Schwarzen Front werfen Brandbomben." Hinter ihm verbarrikadierten Männer und Frauen Eingangstor und Fenster im Erdgeschoss. Das würde den Mob wenigstens etwas aufhalten...
 
"Die nutzen jede Situation zum Krawall," sagte Ishka und wandte sich zu Lhoal, der die ganze Zeit versuchte, jemanden aus der Delegation zu erreichen. "Senator, Sie sollten nicht länger hier bleiben. Niemand kann für Ihre Sicherheit garantieren. Ich kenne die Tunnelsysteme unter der Stadt gut, ich könnte Sie zu einem Transporterpunkt schleusen, von dem aus Sie zu ihrem Schiff beamen können."
 
"Ich sagte, ich bleibe." Er legte den Transceiver zur Seite und starrte in den Nachthimmel hinauf, der einen unnatürlichen Feuerschein widerspiegelte. Wie steht es derzeit auf Ch'Rihan? Wie geht es Melissa? Ihre Delegation war hier hergekommen, um den Grundstein für einen dauerhaften Frieden zu legen. Und nun? Nun schien sich alles in einer Spirale der Gewalt aufzuheizen, die nur im Krieg enden konnte!
 
Wie um seine Gedanken zu bestätigen, krachte etwas gegen das verrammelte Eingangstor. In dem sonstigen Lärm waren nur die Worte "Verräter" und "Spitzohrpack" auszumachen. Schüsse wurden in die Luft gefeuert. Ein Baby begann zu schreien. Einige junge Leute sammelten  sich am Tor, mit allem möglichen, was als Waffe zu gebrauchen war, in der Hand und bereit, den Krawallbrüdern draußen im Namen von Ehre und Familie eine ordentliche Schlacht zu liefern. Nichts unterschied sie in diesem Moment von den reinblütigen Klingonen auf der anderen Seite. Sie blickten abwartend zum Familienoberhaupt. Ral tr'Vorhal sah die Lage nüchtern genug, ihren Kampfesmut einzudämmen - und noch gehorchten sie.
 
Nur wenig später blendete sie das Scheinwerferpaar eines Gleiters. Das Fluggerät senkte sich langsam in der Mitte des Hofes nieder, zwang die hier Stehenden, zurück zu weichen und sich gegen die Wände zu drücken. Lhoal erkannte ein Wappen auf der Seite des Gleiters, der schon deutliche Kampfspuren trug, konnte es aber keinem Haus zuordnen. Dann hörte er ein dumpfes metallisches 'Klonck', gefolgt von einem zweiten und dritten. Jemand warf mit Steinen auf den Gleiter! Er konnte nicht sehen, woher der 'Angriff' kam. Ral brüllte einen Befehl zur Mäßigung, aber in diesem Moment öffnete sich die Luke des Gleiters und zwei Handvoll bewaffneter Klingonen quoll heraus. Lhoal hatte Mühe, sich durch die drängenden Leute einen Weg zum Geschehen zu bahnen, denn plötzlich zischten Schüsse, hallten Schreie durch den Komplex und vorn kam es zum Handgemenge. Er hörte etwas von "Umsiedlung".
 
"Wir haben nichts getan!" Das war Rals Stimme.
 
Als Lhoal den Landeplatz erreichte, erfasste sein Blick einen Klingonen in Uniform, der seinen Disruptor auf Rals Brust drückte. Einem in der Nähe stehenden Krieger lief Blut über das Gesicht, und zwei, drei Gestalten waren am Boden, bewusstlos oder tot.
Lhoal hob die Arme und rief so laut er konnte: "Stop! Hört mir zu!"
 
"Ah?! Wenn haben wir da?!" Der Klingone mit der Waffe fuhr zu ihm herum und bleckte die Zähne. "Ein romulanischer Spion! Hier, um deine Hündchen abzurichten? Aber nicht mit mir!" Die Mündung des Disruptors drückte sich in Lhoals Gewand.
 
"Mein Name ist Lhoal tr'Khellian und ich bin Mitglied der rihannischen Delegation. Diese Leute stehen unter meinem Schutz. Wer sich an mir oder ihnen vergreift, riskiert einen interstellaren Krieg."
 
Einer der Klingonen lachte röhrend. "Krieg?" blaffte der offensichtliche Anführer Lhoal entgegen. "Ich kann es kaum erwarten! Und diesmal wird euch die Föderation nicht den Hintern retten!" Er machte eine kurze Kopfbewegung in Richtung eines seiner Leute. "Los, aktiviere den Transporterverstärker und schnapp dir die ersten!" Er griff Ishka.
 
"Zur Seite! Verflucht! Hast du Gras in den Ohren?!" Ein breitschultriger, grauhaariger Klingone stapfte durch die Menge und stieß dabei den Uniformierten, der Ishka festhielt, in die Seite. Die Frau befreite sich und floh ins Halbdunkel. "Hab ich hier was von Tr'Khellian gehört?"
 
"Der Kerl da vorne, Oberst."
 
Der Klingone und der Rihanha musterten sich. Allmählich zeichnete sich ein Grinsen in den Zügen des Klingonen ab. "Lhoal! Natürlich, nur du kannst so verrückt sein!" Er ließ seine ledergepanzerte Hand auf die Schulter des Senators fallen.
 
Lhoal runzelte die Stirn. Die Sichtverhältnisse waren so schlecht... aber die Stimme...
 
"Was ist eh, erkennst du Maag nicht mehr, du lausiges Spitzohr?!" Die zweite gepanzerte Hand senkte sich auf die andere Schulter und er fühlte sich geschüttelt.
 
"Maag? Bei den Elementen!" Einer der Wachmänner auf K'Muna, die von ihrer Regierung samt den Gefangenen dort sitzen gelassen worden waren!
 
Lhoal immer noch fest im Griff drehte sich der klingonische Oberst wieder um. "Hört mir gut zu, Männer! Mit diesem Mann habe ich die letzte magere Ratte geteilt! Wer Hand an ihn legt, den hänge ich an seinen Eingeweiden auf - verstanden?!"


[Bild: Lhoal-klein.jpg]
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