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Lesesessel
#1
Nachdem ich die letzten Monate so ein wenig in klassischer SF gelesen habe, muss ich das mal loswerden zum Thema "Vorstellungsreichtum von SF-Autoren". Wir freuen uns ja immer wieder, wenn so ein Startrek-Gadget heute schon allmählich Wirklichkeit wird (Pads, Universaltranslator, Hypospray, Touchscreen...) und ich finde immer großartig, wie die Autoren und ihre Berater doch Dinge voraussehen und aus dem bereits Vorhandenen extrapolieren konnten.

Kürzlich habe ich ein wirklich negatives Beispiel in Punkto Vorstellungreichtum gelesen: "Tod aus der Zukunft" von Clifford Simak (ein berühmter Autor immerhin) aus den 1950er Jahren. Abgesehen von der verworrenen Story und den unklaren Charas spielt der Roman 4000 (!) Jahre in der Zukunft und die Menschheit hat das Universum erobert; es gibt Androiden oder besser künstlich gezüchtete Menschen (der Unterschied scheint dem Autor nicht klar zu sein). Damit verließ die Imagination ihn offenbar schon, denn auch 4000 Jahre in der Zukunft sprechen die Menschen Englisch, verstehen problemlos 4000 Jahre alte Schriftstücke, rauchen Pfeife, sitzen in Autos mit quietschenden Bremsen, lesen Papierzeitungen, benutzen Telefonbücher und Tintenfässer.

Im Vergleich dazu zwei Erzählungen von Kurd Laßwitz aus den 1870er Jahren (ja, 1870er!), also vor dem ersten Auto und Flugzeug! Die beiden Geschichten spielen einmal im 24. und einmal im 39. Jahrhundert, es gibt diverse Flugmaschinen, im 39. auch Computer, neuartige künstliche Werkstoffe, die ultrahart, aber biegsam und durchsichtig sind. Nahrung wird über eine Art "Replikator" aus Basisbaustoffen künstlich erzeugt und somit keine Tiere mehr getötet, Nachrichten "erscheinen von selbst" auf einem großen Tableau im Restaurant. Auch über die Weiterentwicklung der Kunst macht er sich Gedanken; die Frauen sind selbstverständlich gleichberechtigt. Im 39. Jhd. werden die Menschen mittels gezielter Einflussnahme auf das Gehirn quasi programmiert für ihre spätere Aufgabe und sie haben ein Gerät, dass sie über Gehirnströme beruhigt, eine Art Droge. Pflanzen gibt es kaum noch, und Sauerstoff muss künstlich hergestellt werden (wobei er dieses Problem eher ästhetisch auffasst, nicht als Dystopie; er konnte sich die tatsächlichen Ausmaße so einer Klimaveränderung wohl nicht vorstellen). Die Menschheit hat auch eine Universalsprache und es bedarf Archäologen, um alte Sachen zu entschlüssen.
[Bild: Sareth-neu.jpg]
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