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Hinterhalt Log 16 Hohardus Edzardus
#1
==========  Auf dem Weg zum Maschinenraum  ==========
 
Die Korridore in Richtung Maschine waren stockfinster.
Noch nicht einmal die Notbeleuchtung brannte.
Das war clever gemacht, wie unsere beiden Helden Mahan und Howy feststellen mußten, denn natürlich hatten sie auch keine Taschenlampen dabei.
Aber sie wußten, daß es alle paar Meter Boxen in der Wand gab mit Gerätschaften und Medikamenten für die Notfallversorgung, denn beim Bau dieses Schiffes hatte tatsächlich mal Einer daran gedacht, daß es Situationen geben könnte, wo alle Energieversorgung zusammengebrochen wäre und NICHTS mehr so funktionieren würde, wie man es seit hunderten von Jahren gewohnt war.
Eigentlich waren die Notbeleuchtungen mit eigener Stromversorgung ausgestattet, was sie auch im Extremfall weiter brennen lassen sollte, aber es schien den Banditen gelungen zu sein, selbst dieses Redundanzsystem lahmzulegen.
Und es wurde auch langsam kälter und die Atemluft deutlich dünner, als sie es gewohnt waren.
 
„Im Moment haben wir eine Situation, wie auf der Erde in etwa 3000 Metern Höhe. Die Temperatur dürfte bei etwa 15 °C liegen mit fallender Tendenz. Muß das sein.“
 
Beide tasteten sich an der Wand entlang, und nach ein paar Minuten fühlte Howy eines der Fächer für die Notfallausrüstung.
„Gott sei Dank hat da wenigstens mal Einer mitgedacht und einen rein mechanischen Drehverschluß rangebaut.
Er fühlte den in eine kleine Mulde gekippte Griff und klappte in hoch, nur um ihn danach um eine halbe Umdrehung nach rechts zu bewegen.

„Sesam öffne dich!“ stöhnte Howy.

 
„Was redest du da für ein Blech?“ zischte Mahan.
 
„Aus einem uralten terranischen Märchen, das mir meine Großmutter immer erzählt hat.
 
Tatsächlich klappte die Luke zur Seite und Howy wühlte mit der rechten Hand in dem kleinen Raum herum, bis er eine Lampe gefunden hatte.
 
„Es werde Licht! Und es ward Licht!“ rezitierte er, was Mahan mit einem Stirnrunzeln quittierte.
Und wirklich erstrahlte die kleine Lampe erstaunlich hell.
„Na, das ist doch schon mal was. Jetzt brauchen wir nicht mehr wie die Blindfische durch die Gänge schleichen.“
Howy steckte noch die in einem kleinen Päckchen verklebten Ersatzakkus in die Hosentasche und nahm auch die Notrationenpackungen mit.
 
„Die schmecken zwar scheiße, aber werden uns eine Weile am Leben erhalten.“
 
Auch Mahan versorgte sich. Er griff sich auch noch ein Multi-Tool, in der Hoffnung, damit vielleicht die eine oder andere Tür öffnen zu können, die nicht auf Kommandos oder Fußtritte reagieren wollte.
 
Howy biß erst einmal in einen der Riegel, auf dem Irgendetwas von ‚Erdnüssen in Aspik‘ stand.
„Welcher Idiot hat das bloß zusammengestellt?“ knurrte er, aber erst einmal war das besser als Nichts.
Aber er nahm sich fest vor, wenn sie zurück auf ihrem Globus wären, umgehend eine üble Beschwerde einzubringen.
 
Sie nutzten zunächst nur eine Lampe, da sie ja nicht wußten, wie lange die Beleuchtung nicht funktionieren würde, oder ob sie diese überhaupt je wieder in Betrieb bringen könnten.
 
„Man kommt sich vor wie in der tiefsten Steinzeit. Was  haben bloß die Menschen gemacht, als es noch keine Elektrizität gab?“ fragte Mahan laut.
„Wer konnte diesen ganzen Mist überhaupt reparieren, wenn der mal kaputt war?“
 
„Immerhin konnte man da noch was reparieren, wenn es kaputt war. Heute muß man immer gleich das halbe Schiff austauschen, wenn nur ein blöder Schalter oder ein Holoemitter nicht mehr funktioniert. Ich kenn mich mit alten Geräten aus, wie du weißt, und die waren so stabil, daß sie nie kaputt gingen und immer funktionierten.“
 
Sie waren an einen Turbolift gekommen, der aber selbstredend außer Dienst war.
„Die hätten wenigstens einen Zettel auf die Tür kleben können ‚Bitte benutzen Sie die Nottreppen!‘ Du wirst ganz schön zu tun haben, wenn das Ganze hier vorbei ist.“
 
Mahan grunzte zustimmend.
 
Sie hoben neben dem Lift eine Klappe aus der Wand und zwängten sich in das Innere der Röhre, in der eine Leiter senkrecht nach unten verlief.
 
„Ich kriege in diesen Dingern immer unglaublich Platzangst,“ stöhnte Howy und begann  langsam abwärts zu steigen. Das zitternde Licht der kleinen Lanpe vervollständigte noch das schauerliche Szenario.
 
Dann erreichten sie kurz vor dem Maschinendeck einen kleinen Wartungstunnel, der über dem Maschinenraum verlief.
Mahan begann da rein zu krabbeln.
 
„Auch das noch!“ stöhnte Howy und zwängte sich in die verdammt enge Röhre, wobei er vor sich im wackelnden Licht der Lampe, die Mahan trug, nur dessen Hintern sah.
Er fühlte an die Tasche, die er am Gürtel trug, in der sein altertümlicher Colt steckte, aber so richtig beruhigen tat ihn das nicht.
Gerade wollte er fragen, ob es noch weit sei, denn ihm wäre schlecht, stoppte Mahan und lugte durch ein kleines Fenster hinunter in den Maschinenraum:
„Dachte ich es mir doch. Mindesten zwei der Kerle, und sie haben meine Leute gut verschnürt in eine Ecke gelegt, was unsere Aufgabe nicht gerade erleichtert.“
 
„Und? Was nun?“
 
„Wir klettern noch ein Deck tiefer und versuchen dann auf Höhe des Maschinenraums rauszukommen. Ich hoffe, das Überraschungsmoment wird uns ein wenig helfen.“
 
„Dein Wort in Gottes Gehörgang,“ nuschelte Howy, dem ziemlich weich in den Knien war. „Bedenke bitte, daß ich kein Nahkampftraining habe. Ich bin nur ein kleiner Navigator.“
 
Mahan kniete vor einer Verkleidung und fummelte mit dem Werkzeug an der Kante einer Platte herum, bis diese sich löste.
„War doch eine gute Idee, das Teil mitzunehmen. Da war mal Einer am Werk, der sich so eine Situation vorstellen konnte.“
 
Langsam und vorsichtig hob er das Teil an und schob es hinter sich in die Wartungsröhre. Dann zwängte er sich erstaunlich geräuschlos durch das Loch, von dem Howy gerade gedacht hatte, er würde da niemals durch passen.
Der Ingenieur mußte einen Indianer in der Verwandtschaft gehabt haben, denn er agierte ohne auch nur das kleinste Geräusch.
 
Howy bemühte sich, es ihm gleich zu tun.
Sie hockten jetzt hinter einer Bedienungskonsole direkt hinter den beiden Echsen.
Mahan signalisierte unserem Navigator, sie sollten aufspringen und die Echsen festsetzen.
Howy hatte seinen Revolver in der zitternden Rechten und vergaß natürlich, ihn zu spannen.
 
Mahan sprang auf: „Hände hoch und keine falsche Bewegung!“
Die Echsen drehten sich blitzschnell um und hechteten in Richtung Mahans, der mit dem Schraubenschlüssel einen von ihnen niederstreckte.
Die zweite aber riß ihn von den Füßen und warf ihn zu Boden. Seine Klaue schloß sich um den Hals des Technikers und begann ihn zu würgen. Er lief schon grün an, als Howy auf den Kerl zielte und abdrückte. Aber nichts geschah.
Er hatte aber keine Zeit mehr, noch den Hahn zu spannen, deshalb drehte er, so wie er es mal in einem alten Western gesehen hatte, den Colt herum, faßte ihn am Lauf und schlug der Echse den Griff heftig von hinten auf den kahlen Schädel.
Der fiel nach vorne und regte sich nicht mehr.
 
Mahan saß einen Moment da und holte tief Luft.
„Kein schlechter Schlag, Junge. Der hätte von mir sein können.“
 
Er rappelte sich auf und ging erst einmal zu seinen Leuten.
Mit dem altmodischen Messer des Werkzeuges befreite er sie: „Los, keine Müdigkeit vorschützen! An eure Positionen! Wir müssen den Kahn wieder zum Laufen bringen.“
 
„Da läuft aber Nichts, Sir!“ stammelte einer der Techniker. „Die Typen haben alles lahmgelegt. Wir haben auch keine Kommunikation oder überhaupt irgendeine Verbindung. Und die Zugänge sind alle blockiert.“
 
„Es muß eine Möglichkeit geben, das Ganze wieder unter unsere Kontrolle zu bringen.
Vor allem müssen wir zuerst einmal die Lebenserhaltung wieder herstellen, denn es fängt an, ungemütlich zu werden.“
 
Er ging an eine Konsole, die eigentlich mit einer eigenen Energieversorgung ausgestattet war, die ebenso eigentlich unter auch den übelsten Bedingungen autonom funktionieren sollte.
Von hier aus sollte man, selbst wenn das gesamte Schiff nicht mehr einsatzfähig sein sollte, noch die Hauptsysteme erreichen und regeln können.
Es war ein System, wie es auf Kriegsschiffen in den sogenannten Kampfbrücken eingerichtet war. So eine hatte sie auf der Picard nicht, aber als Redundanzsystem hatte man das eingebaut.
 
Mahan schaltete die Konsole ein und tippte seinen Code ein, und es geschahen Zeichen und Wunder: Das Teil begann zum Leben zu erwachen.
Und was das Allerbeste war: Es kam auch umgehend ein Signal rein.
 
Howy starrte auf die Darstellung: „Das ist der Code vom Captain!“
 
Mahan nickte: „Der muß irgendwo an einem Gerät sitzen, das außerhalb der normalen Schiffskontrolle ist. Bloß wo?“
 
Howy grunzte: „Da gibt es derzeit nur einen Platz, nämlich ein Shuttle.  Die sind ja zunächst autonom, weil sie eigene autonome Systeme haben. Irgendwie muß es Sokar gelungen sein, in eins reinzukommen, es in Betrieb zu nehmen und sich in unsere Systeme einzuklinken?“
 
Mahan nickte: „So wird es sein. Wir müssen ihm ein Signal geben, daß wir mit ihm Verbindung haben.“
 
Er tippte rasend schnell ein paar Zeichen auf die Tastatur und wartete. Dann entspannte er sich, denn es kam Antwort! Und auch diese enthielt wieder die Signatur des Captains.
„Der sitzt tatsächlich in dem Shuttle. Und er hat es auch geschafft, unser Notsystem anzuzapfen und sich da reinzuhacken.
Gar nicht mal schlecht für ihn, wenn man bedenkt, daß er eigentlich nur wenig Ahnung davon hat.“
 
Wieder tippte er wie ein Irrer auf der Tastatur herum und übermittelte Sokar damit den Zugang zu den Hauptsystemen.
Wieder dauerte es eine Weile, was mächtig an Howys Nerven zehrte.
Aber dann begannen plötzlich auch die anderen Konsolen im Maschinenraum ins Leben zurückzukehren.
 
„Guter Mann!“ lobte Mahan.
 
In diesem Moment sprang die bewußtlos geglaubte Echse, der Howy den Colt über den Schädel gezogen hatte auf und griff Mahan an.
Howy hatte seinen geistesgegenwärtigen Moment und stellte ihm ein Bein, was ihn flach auf den Bauch legte.
Gleichzeitig stürzten sich die anderen Techniker auf ihn und verschnürten ihn zu einem handlichen Paket. Und aus dieser Erfahrung lernend, taten sie das Gleiche auch mit dem anderen, der sich allerdings noch nicht gerührt hatte. Immer nach dem Motto: ‚Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste‘.
 
Sokar meldete ihnen, daß auch Ingenieur Marlow bei ihm war, was Mahan natürlich gut fand, weil er dann Jemanden hatte, der über Ahnung verfügte.
 
Marlow berichtete ihnen, daß Sokar alle Grundsysteme des Schiffes gesperrt hatte, um weitere Zugriffe der Piraten zu erschweren, und dann sendete er – aber erst, nachdem auch Mahan noch einmal seinen speziellen Code übermittelt hatte – die Zugangsdaten zu den Hauptsystemen.
 
„Erst mal die Lebenserhaltung, denn es wird langsam ungemütlich hier.“
 
Und wirklich: Nach wenigen Minuten begann es, wieder wärmer zu werden.
 
Howy grinste: „Vielleicht sollte man für zukünftige Notfallausrüstungen auch vorschlagen, ein paar warme Klamotten beizulegen.“
[Bild: hohardus.jpg]
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