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Zwischenlog 15 - Sokar / Lhoal
#1
*** Vanguard / ehemalige Strafkolonie ***

Sokar starrte durch den schmalen Sehschlitz der verfallenen Bunkeranlage in die eisregengepeitschte Welt an der Oberfläche. Dort, in knapp 500 Meter Entfernung stand das Borgschiff. Die Hülle schien intakt zu sein und auch sonst hatte Tr'Khellian, der die 'Beute' mit einem Fernglas begutachtete, keine größeren Beeinträchtigungen erkennen können. Das Raumfahrzeug mochte terranischen Ursprungs sein, ein größeres Truppentransportshuttle vielleicht. Aber seine ursprüngliche Form war unter den zahlreichen neuen Strukturen, die wie Krebsgeschwüre überall saßen, kaum mehr auszumachen.

Wie groß war die Zahl der Gegner? Borg brauchten keine Feldbetten und keine Stühle, keine Kantine und Sanitäreinrichtungen. Das bedeutete, dass in diesem unförmigen Metallklumpen an die hundert Kreaturen auf sie lauerten. Sokar kniff die Augen zusammen. Das Schutzglas des Sichtschlitzes war geborsten und durch mikrofeine Risse drang genug von der toxischen Atmosphäre ein, dass ihm bereits die Augen brannten. Wie die meisten ihrer Truppe trug er eine alte Schutzmaske vor Nase und Mund, verstärkt mit Stofftüchern.
Sie waren knapp 40 Leute, bewaffnet mit abenteuerlichen selbstgebauten Projektil- Hieb- und Stichwaffen und einigen wenigen Disruptoren. Es war ihnen klar, dass viele von ihnen nur ein paar Meter weit kommen und krepieren würden, ehe die Borg ihnen ihre Assimilationsröhrchen in den Leib bohren konnten. Auf Vanguard war sich jeder selbst der Nächste. Wer fiel, durfte nicht damit rechnen, dass ihm jemand zu Hilfe kam.

Tr'Khellian prüfte seinen Disruptor und warf seinem ehemaligen XO, der neben ihm stand, einen Blick zu. Karatek, für immer entstellt von einer durchgestandenen Assimilation durch die Borg während des Krieges, war einer der Garanten für das Gelingen ihres Husarenstücks. "Los!" knurrte Tr'Khellian dann und unterstützte den Befehl mit einer gebieterischen Handbewegung Richtung Schott.

Zwei ihrer Leute zündeten die Sprengladungen und die Bunkertür flog mit großem Getösen nach draußen. Die grotesk vermummte Truppe stürmte vor, hinaus aus dem schaurigen Kerkerloch in die Gifthölle der Oberfläche. Ein paar Borg, die sich vor dem Schiff gezeigt hatten, fielen Disruptorschüssen zum Opfer. Die Borg schienen etwas disorientiert zu sein, wie es oft bei kleinen, vom HIVE getrennten Gruppen vorkam.  Aber allzu schnell war das Überraschungsmoment vorrüber und die Gegner verkeilten sich ineinander. Sokar rammte einem Borg eine Metallspitze zwischen die Panzerung, dort, wo laut Karatek eine Schwachstelle in ihren Energieschilden lag. Der Maschinenmensch brach röchelnd zusammen und hinterließ rote Blutflecken auf Sokars Umhang. Der Vulkanier wandelte sich in das, was seine Vorfahren vor Äonen gewesen waren: wilde Kreaturen, die in einer lebensfeindlichen Umgebung um ihr Überleben kämpften. Es gab nur das Vorwärts oder den Tod.

Neben ihm kämpfte Tr'Khellian. Nachdem die Disruptoren ihren Nutzen eingebüst hatten, mit einem Dolch in der rechten Hand und etwas häßlichem, klobigem und tödlich aussehenden in der linken. Sokar hatte Leute unter Drogen kämpfen sehen; Fanatiker bis zum letzten Blutstropfen. Aber Tr'Khellian ... Tr'Khellian war definitiv ein Irrer. Romulaner oder nicht - wenn ihnen jemand den Weg zu diesem verdammten Schiff bahnen konnte, dann er.

Zwischen Blut, Schneematsch, Schlamm, knisternder Elektrizität und zuckenden Servos drang das Röcheln und Gurgeln der Sterbenden und Assimilierten in den grauen Himmel. Vor Sokar ragte die dunkle Masse des Schiffes auf, so nah und doch so fern, geschützt von einer Phalanx von Borg. Ein Stoß traf den Vulkanier in den Rücken. Er stolperte nach vorn, über einen Leichnam und landete auf den Knien. In der nächsten Sekunde fiel ein Schatten auf ihn. Assimilationsröhrchen zuckten dicht vor ihm und instinktiv riss Sokar den Arm hoch und rollte zur Seite - nur im mit einem anderen Hindernis zu kollidieren. Zwei Beine in Panzerschienen. Tr'Khellian!

Im nächsten Moment durchtrennte eine scharfe Klinge den Arm des Borg. Ein weiterer Stoß durchbohrte dessen Kehle. Tr'Khellian stieß einen romulanischen Kampfschrei aus, der durch die Atemmaske klang, als grolle ein Höllenhund. Dann riss er Sokar auf die Beine.

Irgendwann war es vorbei. Der Kampfesrausch wich und machte einer umfassenden Erschöpfung platz. Sokar realisierte, dass er auf einem metallischen Gitterboden auf allen Vieren kniete, in einer Lache aus Blut, Kühlflüssigkeit und anderem Undefinierbaren. Sein ganzer Körper schien aus Schmerz zu bestehen; seine Lunge brannte und er hörte den Herzschlag in den Ohren dröhnen. Erst allmählich kam die Erkenntnis, dass er diese Wahrnehmungen nur hatte, weil er NICHT assimiliert worden war. Und er befand sich im Inneren des Schiffes. Logische Schlussfolgerung: sie hatten es geschafft. Wieviele? Er sah sich um und erkannte etwa 10 Gestalten in dem dämmrigen Raum.

Eine romulanische Stimme drang zu ihm: "....Luken sind versiegelt, überprüfe jetzt den Intermix des Antriebs." Dann war Tr'Khellian zu hören. Ihr Anführer stand wie eine apokalyptische Siegerfigur im grünlichen Licht, das von zahlreichen Alkoven ausging, auf eine Speerartige Waffe gestützt."Gut. Karatek, sieh zu, dass du diesen Schrotthaufen ins All bewegst!"


*** Einige Stunden darauf ***

Sie hatten es geschafft zu starten und Fluchtgeschwindigkeit aus dem Orbit zu erreichen.  Aber damit begannen die Probleme erst. Ob das borgisierte Schiff warpfähig war, musste noch heraus gefunden werden. Karatek und ein weiterer Technikspezialist waren dabei, die Ambientalkontrollen etwas mehr dem Stand eines Normalhumanoiden anzupassen, was bedeutete, vor allem die Luftfeuchtigkeit und Wärme herunter zu regeln. Im Augenblick ging es den Flüchtlingen wie arktischen Kältebewohnern, die man plötzlich in eine Tropenhalle verfrachtet hatte.

Es gab keine Einrichtung zur Kranken- und Verletztenversorgung mehr an Bord. Also versuchten  sie, offene Verletzungen mit auf niedrigste Stufe gestellten Energiewaffen und Mikroschweißern zu schließen und ansonsten vertrauten sie, dass die robuste Natur den Rest erledigen würde. Als  Wasch- wie Desinfektionsmittel diente eine Reinigungsflüssigkeit, die man aus dem Leitungssystem abzapfen konnte.

Vor allem aber gab es kein Wasser und nichts zu Essen an Bord. Sie versuchten, das Kondenswasser irgendwie zu sammeln, was aber nur ungenügend gelang.

[Bild: sokar-mirror.jpg]
[Bild: sokar.jpg]
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