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ISDA Log 6 - Vandenberg
#1
Erde / Südengland / Portsmouth / HQ der imperialen Flotte / Campus 4B / Sicherheitsabteilung / Büro 4.299

Das Sichten von Akten war eine eher prosaische Aufgabe, doch gehörte sie zu Vandenbergs täglichen Pflichten. Es war ja schließlich wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben. Gefühle sollte man sich beim Betrachten der Akten von Verdächtigen nicht leisten, doch manchmal war es nicht zu vermeiden, sich eine Meinung zu bilden über jene, deren Bilder man auf den hochaufgelösten Holos sah.
Dieser hier zum Beispiel. Evan DeVaine, ehemals ein hochdekorierter Flottenoffizier, jetzt ein selbstverliebtes Mitglied der Dissidenten von Maw. In Stücke geschnitten sähe er wohl besser aus.
Oder dieser Typ hier. Ein Milchgesicht, ein Jüngelchen, noch nass Hinter den Ohren und doch schon ein Terrorist. Haddus Edzard. Trug noch Windeln und war doch schon tief in den Sumpf des Terrors abgeglitten. Dieser Kerl war in Abwesenheit schon 2 mal zum Tode verurteilt worden. Auf Talic-Prime wartete noch immer die Klinge einer Guillotine auf ihn. So wie Edzard auf dem Bild aussah, war er wohl genauso dumm wie gefährlich. Aber Bilder konnten täuschen. Nun noch war Edzard nicht Vandenbergs Problem. Doch wenn er es einmal werden würde, dann wäre dies für Edzard eine höchst schmerzhafte Erfahrung. Und seine Letzte.
Oder diese vulkanische Visage hier. Widerwillig musste Vandenberg zu geben, dass dieser Kerl genau dem Klischee über den Teufel entsprach, dem die glaubenstrunkenen Fanatiker der Inquisition nachhingen: Sokar, der Patriarch des Terrors. Vandenberg lächelte eisig. Dieser Sokar war Vandenbergs neues Hobby. Noch wusste Sokar dies nicht. Jedoch fühlte er es eventuell? Man sagte diesen Spitzohren ja einiges nach. Auch wenn Sokar Vandenberg nicht persönlich kannte, bald würde er Vandenbergs Atem im Nacken spüren. Irgendwo, irgendwann. Denn es gab einen Grund. Ein Grund der schon Jahre zurück lag. Vandenberg hörte noch heute das verächtliche Schnauben Sokars, als dessen Truppe von Marodeuren und halbverrückten Tieren das Dorf Mendric auf Mintaka III ausgelöscht hatten. Noch nicht einmal zum Kampf hatte er sich gestellt, als die Einsatzgruppe des Imperiums damals aufgetaucht war. Und mit Ihnen damals Leutnant Vandenberg. Nein, Sokars Truppe war nicht geflüchtet. Sie war einfachdavon geschlendert, die imperialen Einheiten nicht als Gegner würdig erachtend. Und dies war ein Fehler gewesen. Ja, eigentlich hätte Vandenberg Sokar sogar dankbar sein müssen, hatte Vandenberg aufgrund dieses Vorfalls sich doch dazu entschlossen, in die Anti-Terror- Abteilung der Flotte zu wechseln. Dort hatte er Karriere gemacht. Und bisher, ja bisher konnte er mit dieser Karriere zufrieden sein. Er hatte sich einen Namen gemacht unter all jenen Terrorgruppen, die sich für unbesiegbar gehalten hatten. Viele dieser Gruppen hatte den Erstkontakt mit Vandenberg nicht überlebt.
Und die Anderen? Nun, Vandenberg hatte ja noch Zeit. Viel Zeit. Denn er war ein Mensch der Etappe, des Hintergrundes, ein Offizier, welcher nur dann an die Front trat, wenn die Zeit reif war. Eben ganz anders als jene selbstverliebten, plakativen Helden vom Schlage eines von Schmidt-Rottlofs oder eines Hammertons. Und auch nicht wie jene herumschleichenden Wichtigtuer von der Inquisition. Die in Hinterhöfen intrigierten und manipulierten. Und die, wenn es nach Vandenberg gehen würde, allesamt im Neuralstimulator enden würden.
Nein, Vandenberg war ein Arbeiter im Stillen. Und nicht zuletzt deswegen passte sein Spitzname: the ghostly reaper

Vandenberg wurde jäh aus seinen prosaischen Gedanken gerissen, als ein Leutnant der imperialen Garde in sein Büro schneite, zackig grüßte und etwas atemlos dem Flottenkommissar eine Holofolie überreichte. Vandenberg nahm sie wortlos entgegen und überflog sie. Dann wandte er sich an den Leutnant.

Va: Lt. Tschell, das ist eine Sache für den jeweiligen Sergeanten. Was habe ich damit zu tun, dass 3 Soldaten in Rom widerrechtlich ihren Posten verlassen und betrunken in der Nähe der Inquisitionszentrale angetroffen wurden?

Der Leutnant schien ein wenig verwirrt zu sein.

LT: Nun Sir, die 3 Männer klagten über Übelkeit.
Va: Wenn sie betrunken waren, ist das ja wohl normal.
LT: Sie klagten über plötzliche Übelkeit nach dem Erscheinen eines Würdenträgers der Inquisition.
Va: Lassen Sie mich raten. Die 3 haben den Würdenträger angepöbelt?!
LT: Laut Zeugenaussagen ja, Sir.

Vandenberg grinste innerlich. Könnte es sein? Nun man durfte nicht hastig sein. Keine falschen Schlüsse ziehen.

LT: Sir, der Garnisonskommandant fragt nach dem Strafmaß für die 3 Männer?
Va: Mhm, eigentlich nicht meine Sache. Aber gut. Was wäre das normale Strafmaß?
LT: 10 Peitschenhiebe öffentlich, anschließend 30 Tage Arrest.
Va: Nun, wir benötigen aber kampffähige Soldaten sofort und nicht erst wieder in 30 Tagen. Empfehlen Sie 20 Peitschenhiebe und anschließende, sofortige Wiederaufnahme des Dienstes. Der vorgesetzte Sergeant der 3 Männer erhält ebenfalls 20 Peitschenhiebe und anschließend 30 Tage Arrest.
LT: Ähm warum der Sergeant, Sir?
Va: Hätte er seinen Dienst korrekt verrichtet, wären die Männer weder an Alkohol gekommen, noch hätten sie ihren Posten verlassen können. Empfehlen Sie dem Garnisonskommandanten, dass er das nächste Mal die Übeltäter in Ketten legen und nach Charon schicken soll.
LT: Jawohl Sir. Nun da ist noch etwas, Sir.
Va: Und das wäre?
LT: Die Untersuchungen im Falle der Sprengung des romulanischen Frachters haben ein scheinbar erst kurz zuvor verlassenes Lager auf einem Planeten im Niemandsland zu Tage gefördert. Die Romulaner bitten um Amtshilfe.
Va: Nun, wer immer dort auch war, er muss einen externen Versorgungsstützpunkt gehabt haben. Was ist dort auf imperialer Seite in der Nähe?
LT: Die Agrarkolonie von Taleera.
Va: Politischer Status?
LT: Es gibt Hinweise auf Unterstützer einiger Terrorzellen. Der lokale Gouverneur weigert sich jedoch, eine Razzia zu zulassen.
Va: Nun, dann werden wir ihn und die Bevölkerung überzeugen müssen, dass diese Terroristen ihnen nur Schaden bringen. Bald ist Erntezeit. Ich empfehle, dass man die Großfarmen dort besetzt und eine totale Blockade errichtet. Solange bis die planetare Regierung entweder mit der Flotte zusammenarbeitet, oder es da unten nur noch Staub gibt.
LT: Ich werde es an den Planungsstab weiter geben, Sir.
Va: Gut. Sonst noch etwas?
LT: Nein Sir.
Va: Dann ist ihr Dienst für heute beendet. Was machen Sie heute abend?
LT: Nun Sir, heute Abend wird auf Justice Channel 31 die Hinrichtung von Duulan Obrax übertragen. Live von Charon.
Va: Nun, Tag und Nacht werden auf diversen Holokanälen Hinrichtungen aller Art übertragen. Was ist an der Hinrichtung eines cardassianischen Schmugglers so Besonderes?
LT: Nun, die Exekution findet mittels Gesichtsschädelzertrümmerung per Hammer statt. Auf altcardassianische Art also. Das Zuschauer-Voting letzte Woche hatte für diese Methode über 2 Millionen Stimmen mehr als für eine Enthauptung mit dem Valkrat geliefert.
Va: Dann wünsche ich Ihnen noch viel Vergnügen. Leutnant.

Tschell salutierte und verschwand. Vandenberg schüttelte den Kopf. Panem et circensis. Überall
Dann wandte sich Vandenberg wieder dem Bild Sokars zu.

Va: Irgendwann werden wie uns wiedersehen. Irgendwann!


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Robert F. Vandenberg,
Flottenkommissar
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