Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Zwischenlog 13
#1
NRPG: Ich musste ja auch mal klären, was Sokar die letzten zwei Jahre seit Ende der ersten Staffel so gemacht hat. Und dabei fiel mir ein, dass ich damals vor 10 Jahren nie drüber geschrieben hatte, wie Lhoal tr'Khellian im Spiegel eigentlich von Vanguard entkommen ist... =D

 
Hintergrundinfos zu Lhoal: http://www.uss-saipan.de/mediawiki/index..._(Spiegel)
 
RPG:
*** Vanguard / ehem. Straflager ***
 
Die Hitze stieg, wurde zu einer verdörrenden, dann Haut und Lungen versengenden Gewalt, brennend, alles Lebendige zu einem glühenden Schmerz zerschmelzend...
Sokar fuhr mit einem Schrei aus dem Schlaf und bekam im nächsten Moment einen Tritt gegen die Brust, der ihn an das Metallgestänge der Wand warf. "Maul halten, Assel! Will pennen!"
 
Sokar zog die Beine eng an den Körper, schlug die Arme darum und konzentrierte sich, seinen Atem zu beruhigen. Um sein Gesicht bildeten sich weiße Kondenswölkchen, die an seinen verfilzten Haaren und dem Metall in seiner Nähe als Eiskristalle hängen blieben. Es war eine absurde Ironie, dass ihn der Alptraum zu verbrennen gerade hier heimsuchte, wo die tägliche Gefahr vor allem darin bestand zu erfrieren. Er erinnerte sich nicht mehr, wann er sich das letzte Mal wirklich warm gefühlt hatte. Hier in der Eiswüste von Vanguard war alles kalt und feucht, oder noch kälter und feuchter. Die spärlichen Heizsysteme waren seit langem ausgefallen und nach der Meuterei hatten die Gefangenen alles verfeuert, was sich irgendwie verfeuern ließ. Aber mittlerweile war nichts mehr da. Auf der lebensfeindlichen, mit toxischen Gasen überlagerten Oberfläche des Planeten wuchsen höchstens ein paar extremophile Bakterienkulturen und Algen an sehr günstigen Stellen.
 
Und auf den letzten Ölvorräten sitzen Tr'Khellian und seine Killer.
 
Der Vulkanier biss die Zähne zusammen, um ein Klappern zu unterdrücken und wünschte sich beinahe in seinen Alptraum zurück. Die letzten Minuten auf der ISS Choctaw hatten sich für immer in sein Bewusstsein eingebrannt, buchstäblich. Ganz abgesehen von den Narben auf seinem Rücken und seinem linken Arm...
Dieser terranische Schlächter Van Zandt hatte seine Gefangenen auch noch als Schutzschild benutzt, als der Angriff das Schiff traf. Ja, Sokar war sich sicher, dass es ein Angriff war, mit dem man Beweise vernichten wollte. Den Beweis nämlich, dass Flottenkommissar Vandenberg und Inquisitor von Rabenstein nicht mehr unter den Gefangenen waren.... Irgendwer im terranischen Imperium hatte die beiden Amtsträger aus der Schusslinie geholt - und um das zu decken, sollte der Rest der Gefangenen, er, Rewdak, Howy und eine große Anzahl Sympathisanten von der ISS Picard inklusive Van Zandts und seiner Männer Vakuum atmen! So lief das Ganze, dachte der Vulkanier zynisch. Und dieser scheinheilige Inquisitor, der immer tat, als ob er die galaktische Moral gepachtet hätte, machte sich wahrscheinlich unterdessen ein schönes Leben mit dieser romulanischen Irren!
 
Aber Sokar musste zugeben, dass Van Zandts Gemeinheit nur noch von seiner Gier nach Anerkennung übertroffen worden war, die ihn dazu gebracht hatte, seine beiden wertvollsten Gefangenen (Sokar und Rewdak) zu 'retten', um mit ihrer Hilfe Orden und Beförderung zu kassieren. Sokar verzog das Gesicht zu einem lautlosen Lachen im Gedanken daran. Eine weitere Ironie dieses wahnwitzigen Universums! Van Zandt hatte sie beide nach Vanguard gebracht, bis die Formalitäten erledigt waren. Dort, bevor sich die Schotts des Hochsicherheitstrakts hinter ihm geschlossen hatten, hatte Sokar Rewdak zuletzt gesehen. Nun, der Kerl war ihm egal - bedauerlich nur, dass er ihn damals nicht gleich erschossen hatte, diesen romulanischen Bastard! Unterdessen mochte Rewdak tot sein. Er hatte ihn jedenfalls seit der Meuterei der Gefangenen etwa drei Wochen nach seiner Einschließung nicht mehr gesehen. Und in den folgenden Stunden des Chaos waren eine ganze Menge Leute draufgegangen, vom Wachpersonal wie von den Gefangenen. Man hatte die Leichen einfach rauf an die Oberfläche gebeamt, in Ermangelung irgendwelcher anderer Ideen.
 
Das war vor gut zwei Jahren gewesen. Damals hatte Sokar sich ausgerechnet, mit ein paar Gesinnungsgenossen ein Shuttle zu kapern und entkommen zu können. Doch die Borg hatten ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von einem Tag auf den anderen war Vanguard von der Allianz abgeschnitten und befand sich im Feindesland. Es kamen zwar keine Truppen der Allianz, um an den aufständischen Gefangenen Vergeltung zu üben, aber es kamen auch keine Versorgungstransporter mehr. Keine Nahrung, kein Öl, kein Dilithium für den Reaktor. Nach einem Monat brach die Hölle los, und wer bis dahin geglaubt hatte, Vanguard sei der übelste Ort der Galaxis, fand sich bald eines Besseren belehrt - wenn ihm Zeit blieb, darüber nachzudenken.
 
Die metallenen Bodenplatten trugen das Vibrieren von Schritten näher. Dann huschte der Schein von funzeligen Taschenlampen und handgemachten Öllampen durch das Gewirr von Leitern, Rohren und Bettgestellen im alten Gefängnistrakt. Die Stimme und das Schrittmuster warn eindeutig. Sokar erkannte Lhoal tr'Khellian, noch bevor der Romulaner zu sehen war. Er und sein Gefolge waren wieder auf der Suche nach versteckten Vorräten und Waffen.
Sokar rutschte so tief in das Halbdunkel seiner Ecke wie nur irgend möglich. Er klaubte seit Wochen Einzelteile für eine Projektilwaffe zusammen, und er trug alles an seinem Körper.
 
Tr'Khellian war schlau; er war ein Kämpfer, ein Überlebender wie Sokar selbst. Und er war gefährlich! Man munkelte, dass er eine Sammlung klingonischer Wirbelknochen hatte; dass er jedem klingonischen Rebellen eigenhändig einen Wirbel heraus schnitt und ihn an einer langen Kette drapierte. Der ehemalige Special Ops der Romulaner war einen Tag nach der Meuterei in die Hände der Aufständischen gefallen, und allein, dass er überlebt hatte, bewies, zu was er fähig war. Ja, dort kam er, wie eine Ausgeburt der Unterwelt mit seiner handgeschmiedeten Metallmaske vor der linken Gesichtshälfte und einer zusammengeschusterten riesigen Projektilwaffe in der rechten Hand. Hinter ihm marschierten drei andere, zwei Rommies, ein Terraner, auch sie mit handgefertigten Knarren und Spießen bewaffnet.
 
Ich muss überleben für meinen Sohn dachte Sokar. Ich muss ihn finden. Ich muss überleben. Er wiederholte die Worte wie ein Gebet, während er Tr'Khellians Kommando musterte. Etwas war anders als sonst... Sein Gesichtsausdruck...
 
Abrupt feuerte Tr'Khellian einen Schuss an die Decke ab. Betonstaub rieselte herunter. "Alle mal herhören!" brüllte er dann. "Zwei Kilometer von hier ist ein Borg-Scoutschiff runter gegangen. Wir können hier hocken wie die Drvaaki in ihren Bauen und auf die Klauen des Jägers warten. Oder wir können versuchen, die verdammte Blechbüchse zu erobern, die uns von diesem erbärmlichen Müllhaufen wegbringen kann!"
 
Sokar musterte den Romulaner und hielt den Atem an. Ein Schiff? Mit Borg? Tote Borg... oder lebende Borg? Deaktivierte oder aktive Nanosonden? Ich muss meinen Sohn finden.
 
Lhoal tr'Khellian grinste böse. "Ich weiß, was ich tue. Und ihr? Habt ihr die Hosen voll? Je mehr Leute wir sind, desto mehr Chancen haben wir." Die ersten zerlumpten Gefangenen, Angehörige diverser Spezies, lösten sich aus den Schatten, während der Romulaner weitersprach. "Klar werden eine Menge von euch draufgehen. Aber HIER verreckt ihr so oder so."
 
Sokar war aufgestanden und schritt langsam auf Tr'Khellian zu.
 
"Ah! Rihanha?" raunzte der kurz.
 
"Vulkanier," antwortete Sokar und schob die Kapuze zurück. Das ließ ihn etwas sinken in Tr'Khellians Meinung, aber dennoch nickte er.


[Bild: sokar-mirror.jpg]
[Bild: sokar.jpg]
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste