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Zwischenlog 12 - Richard
#1
*** Auf dem Mafiosischiff Clover 13 ***

Richard trat aus der Schalldusche mit einem Seufzer der Erleichterung wie ein Gefangener nach Jahren der Kerkerhaft. Die halbstündige Reinigungsprozedur plus Rasur hatte ihn zwei Replikator-Rationen für die Energie gekostet, aber das war ihm gleich gewesen. Dass sein neues Quartier diesen Luxus aufwies, war ein bedeutender Luxus und ihm mehr wert als alle Teilhaberschaft an irgendwelchen obskuren Geschäften, die der Oktopoide Galub ihm sonst noch versprochen hatte.
Er warf einen Blick in den gesprungenen Spiegel und fand, dass er begann, sich wieder ähnlich zu sehen, Deo Gratias! Vor allen Dingen verunstaltete der Neuralverstärker nicht länger sein Gesicht. Nachdem die Kontrolleinheit ohnehin im Kampf auf dem Planeten zu unrettbarem Schrott zerschmolzen war...

Er griff nach den ebenfalls neu replizierten einfachen Kleidungsstücken und zog sich an, dabei die Informationen aus dem  Speicher in seinem Amtsring Revue passieren lassend.  Ich brauche einen ungestörten Platz, um ihn noch mal zu aktivieren und in Ruhe zu studieren... aber das ist natürlich nicht hier an Bord dieses Schrottkahns. Taminus... Was bedeutet das? Ein Sternsystem oder etwas IN diesem Sternsystem? Und wo liegt es? Ich brauche ein unüberwachtes Computersystem... Er befestigte den Ring an einem Band und hing ihn sich um den Hals, unter die Kleidung. Schließlich sollte man nicht mehr Begehrlichkeiten erwecken als nötig! Wie viele seiner Vorgänger hatten diesen Ring schon getragen, fragte er sich. Das Schmuckstück war sicher mehrere hundert Jahre alt.
Und seit wann sind diese Daten in ihm versteckt? Auf wieviele meiner Vorgänger sind sie schon codiert worden? Oder ... nur auf mich? Hat Constantius etwas von Van Malnens Verrat geahnt und hier den Schlüssel versteckt, das Imperium und die Kirche zu retten?

Es klopfte. Wunderbar, man klopft wieder, ehe man zu mir vordringt! Richard öffnete den altertümlichen Hebel, der angebracht worden war, nachdem der elektronische Schließmechanismus seinen Geist aufgegeben hatte. Der junge Terraner, sein Informant, huschte herein und machte einen Kniefall.
"Keine Ehrbezeigungen hier!" zischte Richard und zog ihn auf die Füße. "Wir wissen nicht, ob wir beobachtet werden!"

"Ja, Pater Ricardus," flüsterte der Bursche, der nicht mit viel Intelligenz, aber dafür viel bedingungsloser Anhänglichkeit gesegnet worden war.

"Hast du etwas über die Romulanerin in Erfahrung gebracht, die mit mir gefangen genommen wurde? Wurde sie verhört?"


"Verhört? Wieso?" Der junge Kerl grinste dümmlich. "Sie war Samechs Beute, irgendwas von einer alten Schuld, also, Galub musste sie abtreten, und Samech sagte, er will sie verkaufen, weil dralle Spitzohrweiber derzeit gut im Kurs stehen."

Widerlich.

"Aber dann hat das Syndikat 'nen Flüchtlingskonvoi aufgebracht, und die Preise auf dem Sklavenmarkt fielen in den Keller. Außerdem hatte das Luder Samech gebissen. Na und dann hat er sie für'n saurianischen Brandy an einen Typen auf Riva Prime verhökert. Hab aber gehört, das die bei der Übergabe abgehau'n sein soll."

Also ist sie wieder auf Riva Prime. Gut, ich muss mich später darum kümmern. "Ich brauche Zugriff auf die stellare Kartographie." Wenn es hier sowas überhaupt gibt... "Das liegt in K'Moraqs Ressort, oder?"

"In ihrem was? K'Moraq liegt nur auf 'ner Stahlplatte, ist doch ne Klingonin, wenn Sie das meinen."

"Nein. Sternenkarten, Navigation. Wer hat an Bord Zugriff?"

...

*** Nächster Tag ***

Der Inquisitor hatte sich dank seiner neu gewonnenen Freiheit an den Ort begeben, der die Bezeichnung 'Kantine', die in abblätternder Farbe über der Tür gemalt war, eigentlich nicht verdiente. Während er sich Galub näherte, fragte er sich, wie man hier überhaupt irgendetwas verzehren konnte, wenn man nicht lebensmüde war...

Der Boss saß vor mehreren Tellern undefinierbaren und ganz klar noch lebendigem Inhalt und war offenbar nicht bei bester Laune. Nicht einmal zum Essen hatte er Lust. Richard spürte ohne große Anstrengung, dass Galub danach lechzte, eine Schimpfkanonande über das Universum abzulassen. Er gab ihm einen kleinen verbalen Anstoß und wartete, bis das Schlimmste vorbei war.

"Ein Desaster, wirklich," fasste Galub noch einmal zusammen. "Ich habe drei meiner Leute verloren--"

"Sie sind drei Verräter losgeworden, sehen Sie es so," fiel ihm Richard ins Wort, ehe der Oktopoide von vorn anfangen konnte.

"Ja, ja." blubberte er nun. "Aber ich hab' wegen dieser Asseln auch nur einen Bruchteil der Borgkomponenten da unten rauf holen können! Ich brauch' gar nicht auf Stratarura auftauchen; Tekvas Aufkäufer wird mich zu Targhfrass verarbeiten!"

"Vergessen Sie Tekva. Sie brauchen ihn nicht."

Aus Galubs Sprachsynthesizer klang metallisches Lachen. "Es stimmt, was man so erzählt hat, was? Dass du Tekva mit einer nicht funktionierenden Borgdrohne geprellt hast?" Ein schlabberiger Tentakel patschte gegen den Arm des Inquisitors.

"Ein jeder hat seine Geschäftsgeheimnisse."

"Hehe, ja, du gefällst mir immer mehr!"

Du mir nicht. Und jetzt habe ich schon wieder ekelhaftes Schleimzeug auf meiner Jacke!

"...Wie heißt du eigentlich, Terraner?"

"Valentinian."

"Vali...was? Kann ja keine Sau aussprechen. Ich nenne dich Val! So...." Mit leicht wiedergewonnenem Appetit schlürfte der Oktopoide einige Käfer. "Trotzdem muss ich mir ja irgendwie den Lebensunterhalt verdienen, ich und meine Leute. Und dieser Deal sollte 100.000 Credits bringen. Verflucht noch mal."

"Es gibt lukrativere Handelsgüter als Borgschrott."

"Klar, bin ja kein Idiot. Waffen! Drogen! Aber das Business hat sich Tekva reserviert."

"Informationen."

Galub starrte den Inquisitor mit zwinkernden vier Augenpaaren an.

"Nun, die Galaxis ist dreigeteilt in Autokratie von Eisn, Terranisches Imperium und ... nun, uns, die wir im Niemandsland sitzen gelassen wurden. Beinahe undurchdringliche Grenzen überall. Informationen sind mehr wert als alles andere."

"Mag sein." Galub spuckte einen Käferpanzer aus. "Aber ich bin kein Orakel."

"Aber auf Epsilon Eridani gibt es ein Archiv der Inquisition." Richard legte all seine Möglichkeiten der mentalen Beeinflussung hinter diese Worte.
[Bild: richard-sig-klein.jpg]
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