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Zwischenlog 10 Anselmus
#1
========== In einem Paradies, wo niemand sein wollte  ==========
(Diese Geschichte spielt einige Wochen vor dem letzten Log Rabensteins)
 
Anselmus hatte bei einer Flasche billigem Fusels in einer Spelunke, die diese Bezeichnung mehr als nur verdiente, ein bemerkenswertes Gespräch belauscht, das zwei Betrunkene am Nachbartisch geführt hatten.
 
Unter dem Tisch lag Herodes, sein treuer Wolfshund, der auch in dieser Situation immer die Umgebung beobachtete, denn er wußte, daß überall Gefahren lauerten.
Aber natürlich hatte auch er was bekommen, das in Form eines gigantischen Knochens mit viel Fleisch dran zwischen seinen Vorderpfoten lag.
 
Der eine der Kerle hatte seinem Kumpel ein Erlebnis berichtet, an dem er gerade teilgenommen hatte. Beide waren wohl Mitglieder einer Bande, die von einem gewissen Galub angeführt wurde, der sich aber offensichtlich nicht an Verabredungen bezüglich der Lohngelder zu halten gedachte.
Er erzählte seinem Nachbarn, sie hätten da einen Typen entführt, der trotz seiner schlechten Kleidung ganz offensichtlich ein ‚feiner Pinkel‘ war und nach Kohle roch. Groß und fast weißhaarig.  Und dann habe Galub ihm nur die Hälfte seines versprochenen Lohnes gegeben, was ja nun überhaupt nicht ging.
Der andere klopfte ihm verständnisinnig auf die Schulter.
 
Anselmus bekam sehr lange Ohren, aber leider begann der Kerl jetzt über alles Mögliche zu labern, nur nicht über diese Entführung.  Aber die Beschreibung des Entführten entsprach Rabenstein auf’s Tüpfelchen.
Er mußte unbedingt mehr erfahren, das verstand sich von selber.
Er signalisierte Herodes, daß sie gehen würden. Dieser erhob sich langsam, nicht ohne seinen Knochen zwischen die Zähne zu nehmen, um sich diesem später in Ruhe zu widmen.
Der Mönch warf ein paar Münzen auf den Tisch und steckte die angebrochene Flasche in die weiten Taschen seiner Kutte.
Dann trat er aus der Kneipentür und drückte sich gegenüber in eine Nische. Herodes verschwand ebenfalls, und Anselmus wunderte sich jedes Mal, wie es dieser Hund schaffte, sich einfach aufzulösen. Trotzdem wußte er genau, daß er nur wenige Meter entfernt lauerte und auf Kommandos wartete.
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete sich die Tür und die beiden Saufbrüder erschienen.
Nachdem sie sich umarmt hatten, trennten sie sich.
 
Anselmus blieb etwa 10 Schritte hinter dem, der von der Entführung gequatscht hatte, und als sie in einer sehr dunklen Stelle angekommen waren, pfiff er leise. Der Typ drehte sich um.
 
Aber seine verquollenen Glubscher sahen nichts. Höchstens für den Bruchteil einer Sekunde einen dunklen Schatten, der sich auf ihn stürzte und ihn zu Boden warf.
Da lag er nun auf dem Rücken, und ein gigantisches Monster stand über ihm, dessen weit geöffneter Rachen direkt über seiner Kehle war. Er hörte das tiefe Knurren und den heißen Atem und bewegte keinen Finger mehr.
 
Anselmus beugte sich über ihn: „Mein Sohn. Du darfst dich unter die wenigen Glücklichen zählen, die vor dem letzten Atemzug noch beichten dürfen, wobei ich allerdings noch nicht wirklich davon überzeugt bin, dir eine Absolution zu erteilen.
Also beichte! Und zwar zügig!
Was war das mit der Entführung, und wohin habt ihr das Opfer gebracht?“
 
„Ich weiß nicht, wovon du redest?“
 
„Herodes!“
 
Der Fang schloss sich nun direkt um den Hals des Kerls und die Reißzähne drangen ein wenig durch die Haut.
 
„Nein! Bitte nicht! Nimm das Ungeheuer von mir!“
 
„Aber nur, wenn du mir Alles berichtest, was du weiß. Und ich sagte: ALLES!“
 
„Oh, Mann. Wir sollten einen Kerl entführen. Ich habe keine Ahnung, wer das war und warum wir das tun sollten. Galub gab uns den Auftrag.“
 
„Gut. Wohin habt ihr ihn gebracht?“
 
„Zu Galubs Schiff. Was sie da mit dem gemacht haben, weiß ich nicht.“
 
„Na ja. Wie hieß das Schiff?“
 
„Ich weiß nicht. Aber es hatte ein Kleeblatt eine Zahl an der Seite. Ich glaube es war eine 13.“

„Hm, immerhin. Ist ja schon etwas. Wo hat dieser Galub sein Hauptquartier?“

 
„Ich weiß es wirklich nicht.“
 
„Du bist ein echtes Stück Dreck. Das Universum muß von Mistkriebeln wie dir gereinigt werden. Ein Gott gefälliges Tun. Herodes, beiß zu!“
 
Der Kerl kam noch nicht einmal mehr zu einem Röcheln, als sich die riesigen Kiefer um seine Kehle schlossen. Danach war er nur noch einer dieser Fleischsäcke, die hier überall als Dekoration herumlagen und um die sich niemand kümmerte.
 
 
==========  In der Halle dessen, was sich hier ‚Raumhafen‘ schimpfte  ==========
 
Unser Mönchlein stand am Schalter des ‚Abfluges‘. Dahinter hockte ein Wesen, das schon eher eine Art Vogelscheuche war, als ein vernunftbegabtes humanoides Wesen.
 
„Was kann ich für Sie tun, werter Herr? Möchten Sie einen Flug buchen?“
 
„Das könnte schon sein, aber ich kenne mein Reiseziel noch nicht. Aber ich bin mir sicher, du kannst mir bei der Auswahl helfen.“
 
„Wäre es da nicht besser, in ein Reisebüro zu gehen? Ich kenne da ein ganz ausgezeichnetes.“
 
„Nein. Ich brauche eine Auskunft über ein Schiff, das vor ein paar Stunden diesen Raumhafen verlassen haben soll.
Wenn du mir eine zufriedenstellende Antwort gibst, wird dir der Herr Jesus auch seine Dankbarkeit beweisen.“
 
„Ich glaube nicht an Jesus, oder wie ihr den nennt.“
 
„Das macht nichts, mein Bester, denn der Herr Jesus meint es mit dir Ungläubigem gut und will dir etwas geben, an das du ganz sicher glauben wirst.“
Er schob ihm ein Bündel Kreditscheine rüber, aber so diskret, daß es wirklich nur von ihnen gesehen werden konnte.
 
Der Mann bekam Stielaugen.
„Sieht du, ich war schon immer ein Meister in der Bekehrung Ungläubiger. Bist du jetzt bereit zu einer kleinen Auskunft?“
 
Der Mann nickte heftig.
 
Anselmus flüsterte zu sich selber: „Tja, mit Cash kann man wirklich auch den letzten ungläubigen Thomas überzeugen. Lieber Herr Jesus. Vielleicht hättest du zu deiner Zeit mehr damit arbeiten sollen?“
 
Der Clerk wollte das Geldbündel greifen, aber unser Mönch zog es wieder ein wenig zurück: „Erst die Ware, dann die Kohle! Das verstehst du doch hoffentlich?“
 
„Was willst du wissen?“
 
„Na ja, Hier war ein Schiff mit einem Kleeblatt und einer 13 am Bug. Du wirst dich sicherlich daran erinnern? Wohin wollten die?“
 
„Im Verzeichnis stand als Flugziel ‚Stratarura‘, das ist ein ziemlich verlorener Planet etwa 53 Lichtjahre von hier. Aber woher soll ich wissen, ob die da tatsächlich hingeflogen sind?“
 
„Wann geht der nächste Kahn da hin?“
 
Der Mann wühlte in einer Liste: „Übermorgen geht ein Frachter da hin, aber der nimmt eigentlich keine Passagiere mit.“
 
„Du wirst den Kapitän davon überzeugen, mich mitzunehmen. Es wird weder desssen noch dein Schade sein.
Denk immer daran, daß es der Herr Jesus ist, der den Gläubigen größte Dankbarkeit entgegenbringt. Selbst eine Ratte wie du, kann mit seiner Hilfe zum Seelenheil kommen.
Und wenn es klappt, bekommst du noch einmal die gleiche Summe. Aber NUR dann.“
 
Grinsend raffte der Kerl das Geldbündel an sich.
„Es gibt drüben ein kleines gemütliches Hotel, das von einer Freundin betrieben wird. Es ist sehr sauber und sie kocht ordentlich.“
 
Anselmus nickte: „Gut, und wenn du etwas hörst, bezüglich dieses Schiffes oder dem Zielplaneten, kommst du sofort zu mir. Es soll dein schade nicht sein.“
 
 
==========  Im ‚Hotel zur galaktischen Rose‘  ==========
 
Na ja, gemütlich und sauber war zwar etwas übertrieben, aber immerhin war die Bettwäsche erst höchstens 5 mal benutzt worden, was Anselmus nicht wirklich störte, aber der Fraß, den die Besitzerin kochte, war tatsächlich essbar.
 
Er hatte seine Schnapsflasche geleert und lag nun ziemlich zufrieden auf dem Bett und wollte endlich ein verdientes Nickerchen halten.
Das konnte er sich leisten, denn Herodes, der genüßlich an seinem Knochen nagte, würde getreu Wache halten. Auf den war immer Verlaß.
 
Ein paar Stunden später bollerte es an die Tür.
Herodes stand davor und knurrte leise.
„Wer da?“ fragte Anselmus.
 
„Der Mann vom Raumhafen.“
 
Anselmus entriegelte die Tür und ließ den Kerl ein.
„Was gibt es?“
 
„Der Frachterkapitän hat eingewilligt, Sie mitzunehmen.“
 
„Gut, wann geht es los?“
 
„Deswegen bin ich so schnell gekommen. Er hat die Ladung vollständig und will heute Abend um 18.00 Uhr Ortszeit starten.“
 
„Und was will er für die Fahrt haben?““
 
„Er sagte, er wäre mit 150 Kredits einverstanden, allerdings müßten Sie das fressen, was er und die Besatzung bekämen. Was Anderes gäbe es an Bord nicht.“
 
„Kein Problem. Sagen Sie ihm, ich wäre pünktlich da.“
 
Der Mann hielt die Hand auf.
 
„Ne, mein Guter, das Geld kriegst du, wenn ich im Schiff bin, vorher natürlich nicht.“
 
 
==========  An Bord der Frachters  ==========
 
Sein Kontaktmann hatte ihn direkt bis zu dem Schiff begleitet, und Anselmus gab ihm auf der obersten Stufe seinen Lohn. Und er versuchte auch nicht, in zu bescheißen, denn er hatte tatsächlich Wort gehalten, was in diesen Zeiten an einem solchen Ort nur sehr bedingt geschah. Er hatte sogar noch etwas draufgelegt.
 
Der Captain, ein bärbeißiger Tellurianer, hielt auch gleich die Hand auf, die unser Mönch mit einigen Scheinen füllte.
 
Kurz darauf hob das Schiff ab und machte sich auf den Weg. In etwa 3 Tagen Standardzeit würde es ankommen, soweit der gütige Geist der Raumfahrt ihnen beistand und natürlich Jesus, aber da war sich Anselmus sicher.
 
Er beugte sich herab und kraulte seinem Begleiter den Kopf und den Hals, was der besonders liebte. Um diesen trug er übrigens ein Halsband mit einem großen Kreuz dran.


[Bild: anselmus2.jpg]
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