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ISDA Log 2 Robert Vandenberg
#1
Zalluns-Sektor / Planet Vallus / Castrum Nero / Hof der Militärbasis Valguard

Du wirst aufsteigen und eine große Menge wird Dir zujubeln. Du wirst höher steigen als alle jene dort unten. Doch dann werden sich die Tore der Hölle unter Dir öffnen. Und Du wirst in die Dunkelheit stürzen.

Ein gelangweilt wirkender Mann, Anfang 30, mit sich allmählich lichtendem Haar und einem fast geisterhaften Gesichtsausdruck, musste an die Worte jenes Tallarianers denken, als er das scharfe Klicken des Öffnungsmechanismus hörte, welcher die Falltür unter den 3 Delinquenten frei und sie dem Fall in den Tod preisgab. Gut 500 Schaulustige hatten sich um den stählernen Galgen herum versammelt, als die 3 Kriminellen hingerichtet wurden. Der Jubel, als sich die Falltür öffnete, war laut gewesen. Lauter wohl jedenfalls als die Worte jenes Tallarianers, welcher von einem der Exekutierten, eine Woche zuvor getötet worden war.

Phrophetische Worte über das Aufsteigen waren es wohl gewesen, welche der Getötete, laut Zeugenaussagen und dem Inhalt der Prozessakte von sich gegeben hatte. Und tödliche dazu. An diese Worte dachte Robert Vandenberg. Wie auch immer, man hatte die Täter, 3 Flottenangehörige, sehr schnell gefasst und verurteilt. Alles in allem saubere Arbeit. Saubere Arbeit die jener gelangweilte Mann, Robert F. Vandenberg als überwachender Flottenkommissar sicher zu stellen hatte. Immer dort, wo es in der Flotte Unregelmäßigkeiten gab, hatte der Flottensicherheitsdienst einzugreifen. Und Vandenberg war einer dieser Männer, welche ein Auge auf die Moral und die Effizienz der Flotte hatten. Disziplin, Effizienz, unbedingter Gehorsam und drakonische Strafen. Das waren die Faktoren, welche die Flotte zusammenhielten.
Drakonische Strafen schien auch der lokale Gouverneur hier zu mögen. Wegen der Tötung eines zweitklassigen Bewohners eines drittklassigen Planeten, 3 Flottenangehörige hinzurichten, nur weil der Ermordete mit der Tochter des Gouverneurs ein Verhältnis gehabt hatte, entsprach wohl noch dem Gesetz. Sie aber aufzuhängen war völlig ineffizient. Auf den großen Industriewelten hätte man die 3 wahrscheinlich in irgendeinem Gefängnis dematerialisiert , oder sie vor ein Erschießungskommando gestellt und ihre Leichen sofort entsorgt , wenn man sie nicht sowieso zu lebenslanger Sklaverei verurteilt hätte. Aber hier? Völlig ineffizient, aber dafür umso plakativer. Eine Resourcenverschwendung. Wie lange würde Gouverneur Thurston die Leichen wohl hängen lassen? 3 Wochen, 6 Wochen?. Und wie lange würde der Leiter der Militärbasis, Colonel Clifton, das wohl zu lassen? Unfähige Idioten, allesamt. Wenn es nach Vandenberg gehen würde, wäre zumindest Clifton längst in einer Strafkolonie gelandet. Aber Clifton war jetzt nicht Vandenbergs Problem. Er hatte seine Aufgabe hier erfüllt, der Prozess gegen die 3 Flottenmitglieder war korrekt verlaufen, sie hatten ihre Unschuld nicht beweisen können und damit hatte sich die Sache.
Vandenberg, drehte dem Galgen den Rücken zu und marschierte über den staubigen Hof zum stark gesicherten Tor. Trotz seiner Zivilkleidung erkannten die Wachen ihn an dem winzigen Abzeichen am Kragen seines Mantels und gaben den Weg frei: Eine Waage, deren Zunge in einem Schwert auslief, welches einen Kreis durchbohrte. Das Zeichen der Flottensicherheit- und justiz. Gefürchtet und gehasst. Und sehr effizient.

Hinter dem Tor herrschte eher gelangweilter Müßiggang. Einige Händler versuchten Ersatzteile zweifelhafter Herkunft zu verkaufen, ein Mitglied einer lokalen Taschendiebesbande stritt sich mit einem Bettler, das normale Leben auf einem Hinterwäldlerplaneten also.

Vandenberg war noch nicht weit gegangen, als ihm eine Unregelmäßigkeit hinter ihm auffiel. Er beschleunigte seinen Gang, bog um eine Ecke und blieb dann abrupt stehen. Die Person, welche förmlich auf ihn auflief, hatte sich noch nicht einmal ansatzweise die Mühe gegeben, ihre Verfolgung Vandenbergs zu kaschieren. Nein. Vandenberg blickte direkt in das Gesicht eines jungen, recht feisten Priesters, welcher den Flottenkommissar frech angrinste.

Va: Bruder Anselmus. Welchem Umstand darf ich es verdanken, dass Sie eine so große Anhänglichkeit an mich entwickeln?
BA: Oh, ich habe Sie bei der Exekution gesehen und wollte mich nur erkundigen, was Sie von der Exekution halten.
Va: Das Urteil ist korrekt, die Ausführung mangelhaft.
BA: Warum?
Va: Viel zu aufwendig. Resourcenverschwendung. Ein Disruptorschuss hätte genügt.
BA: Oha, höre ich da Kritik am Justizsystem? Das wird einigen Leuten nicht gefallen.
Va: Nicht mein Problem.

Amselmus lächelte maliziös.

BA: Man kann nie wissen, was passiert.
Va: Exakt.
BA: Nun denn, ich bete für Ihr Seelenheil.
Va: Und ich für das Ihrige.
BA: Bitte?
Va: Auch Mitarbeiter der Inquisition sind nicht unsterblich. Nicht einmal inoffizielle. Guten Tag.

Vandenberg ließ den Priester stehen und wandte seine Schritte der örtlichen Militärpräfektur zu. Kaum hatte er den schattigen Innenhof des Gebäudes erreicht, trat ein junger Offizier auf ihn zu, salutierte zackig und überreichte Vandenberg einen Chip. Vandenberg entließ den Offizier und begab sich eine Ecke des Innenhofs. Dann schob er den Chip in ein Interfaceimplantat an seinem Handgelenk und wartete bis ein winziges Hologramm sich entfaltete. Vandenberg gab seinen persönlichen Code ein, wartete bis der DNA-Abgleich stattgefunden hatte und las dann den Text der Nachricht: Neue Befehle. Er hatte sich umgehend zur Erde zu begeben.


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Orts- und Zeitwechsel:


Erde / Südengland / Portsmouth / HQ der imperialen Flotte / Campus 2AA / Büro von Commodore Valen

2 Wochen später.

Commodore Alexander Valen ließ sich seufzend in seinen Sessel zurückfallen und deaktivierte das Holo von Vandenbergs Bericht. Dann schüttelte er den Kopf und blickte Vandenberg scharf an.

AV: Schade, sehr schade um den guten Clifton. Ich hielt ihn für fähiger. Wie auch immer, ich habe hier eine neue Aufgabe für Sie.
Va: Und die wäre?
AV: Ist Ihnen die Gamiria-Expanse ein Begriff?
Va: Weniger.
AV: Mir eben auch nicht. Aber die Regierung hat in Ihrer unglaublichen Größe beschlossen, dort ein Manöver abzuhalten. Zusammen mit diesen Ratten der Galae, unseren sogenannten Alliierten. Ich möchte, dass Sie ein Auge auf die Sache haben, da es Gerüchte gibt, dass sich einige Flottenangehörige zu den Rebellen von Maw absetzen wollen. Und auch die Nattern von der Inquisition, diese parfümierten Bischöfe, könnten bereits längsseits gekommen sein. Wo immer Dung seinen Gestank aufsteigen lässt, tauchen sie auf.
Va: Ich werde mir die Sache ansehen.
AV: Gut. Sie haben Freigabe zum Einsatz spezieller Methoden. Noch Fragen?
Va: Ja. Die Gamiria-Expanse ist nicht gerade um die Ecke. Wie komme ich dahin?
AV: Da haben Sie völlig freie Wahl.


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Robert F. Vandenberg, Flottenkommissar
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