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Zwischenlog 6 Anselmus
#1
========== Irgendwo im Nichts auf einer trostlosen Welt, die sich ‚Paradies‘ nannte  ==========

 
Es goß in Strömen.
Eine kleine etwas rundliche Gestalt stapfte durch den knietiefen Morast.
Wenn man ganz nahe gewesen wäre, hätte man sein Fluchen hören können.
„Wenn so das Paradies sein soll, das uns die Kirche verspricht, dann trete ich sofort aus. Welcher Idiot hat dieser Hölle bloß so einen Namen verpaßt?“
 
Er zog seine Kapuze tiefer über das Gesicht. Er trug eine Art Kutte. Es konnte schon mal eine solche gewesen sein, aber die Unbilden des Weges hatten ihr stark zugesetzt.
Eines aber wies ihn als Mann der Kirche aus: Ein großes Kreuz auf der Brust.
 
Etwa 50 m hinter ihm im Schatten der Gebäude oder Trümmeresten bewegte sich etwas Großes Dunkles, das man nur mit geübten Augen erkennen konnte: Es war ein riesiger Wolfshund, der auf den Namen Herodes hörte. Und dieser Hund wußte, warum er sich immer im Dunkeln hinter seinem Herrn so unsichtbar wie möglich machte.
 
Anselmus, denn niemand anderes war es, der hier über durch den Matsch watete, hatte sich auf die Suche nach seiner und der Kirche  Rettung gemacht: Richard von Rabenstein. Den rechtmäßigen Groß-Inquisitor.
Er mußte ihn finden, das stand fest, denn nur er konnte der Kirche wieder zu altem Ruhm und früherer Macht zurückverhelfen.
Und außerdem hatte Vandenberg ihm auch eine größere Belohnung in Aussicht gestellt, wobei er sich aber keinesfalls sicher war, ob er den informieren würde, wenn er Rabenstein gefunden hätte.
Die Spur dieses Mannes aufzunehmen, war nahezu eine Unmöglichkeit, denn der hatte es offensichtlich darauf angelegt, jeden Hinweis zu tilgen, der seinen Aufenthaltsort zeigen würde.
Seit der Verhaftung durch van Zandt und die anschließende Flucht aus dem Transportraumschiff, hatte er sich nie länger als ein paar Tage irgendwo aufgehalten.
Er war ein Gejagter und es gab viele Jäger, die sich die hohe Belohnung holen wollten, ihn und seine Begleiterin tot oder lebendig abzuliefern.
Und so einer blieb nie lange am gleichen Platz, darüber war sich unser Mönch im Klaren.
Aber die Frau bei ihm war da schon besser zu verfolgen, denn sie war auffallend hübsch, was immer wieder die gierigen Blicke ausgehungerter Kerle auf sich zog, die ihr Bild im Kopf für ihre schwülen Träume behielten.
 
Es war jetzt schon der dritte Planet, den Anselmus aufsuchte, was für ihn schwierig war, da er nahezu kein Geld hatte, um irgendwelche Passagen zu bezahlen.
Aber da half ihm Herodes, denn mit ihm nahm er an Hundekämpfen teil, die in diesen Gegenden sehr beliebt waren.
Da wurden schon mal ziemlich große Summen verwettet.
Und der Hund wußte, was er zu tun hatte: Sein Herrchen beschützen und Gegner zu töten, damit sie etwas zwischen die Zähne bekamen oder reisen konnten.
Und bisher hatte er jeden Kampf gewonnen. Sein gestählter muskelbepackter Körper war überseht mit Narben, aber er war Sieger geblieben, wärend seine Gegner als leblose Kadaver aus dem Ring gezogen werden mußten.
Meist wollten die Besitzer, wenn sie den gigantischen Hund sahen, dann doch lieber nicht weitermachen, aber sie hatten vorher großmäulich gefragt, ob es Jemanden gäbe, der gegen ihre Hunde antreten wollte, und dann hätten sie vor dem anwesenden und wettenden Publikum natürlich schlechte Karten gehabt, wenn sie den Schwanz eigezogen hätten.
Allerdings standen die Wetten meist eher auf Herodes, aber trotzdem konnte man von zwei oder drei Kämpfen schon eine Passage im Zwischendeck bezahlen und etwas Warmes zwischen die Kiemen bekommen.
 
So wie sich Anselmus auf seinen Hund verlassen konnte, so liebte dieser sein Herrchen und hätte sich für ihn aufgeopfert, und so manches Mal hatte er ihm auch schon sein Leben gerettet, wofür der Mönch ihm auch sehr dankbar war.
 
Er brauchte wieder eine Passage. Ein Fettsack, der im Raumhafen arbeitete, hatte das Mädchen gesehen, wobei er ihre Begleitung nur als groß und hager beschrieben konnte mit offenbar sehr hellen Haaren.
Und er wußte, daß sie einen Flug nach Riva Prime gebucht hatten.
 
„Der Planet  ist ja noch schlimmer als dieser hier und noch dazu im Niemandsland und borgverseucht.“ Unser Gottesmann war mal vor Jahren dort, weil man ihm versprochen hatte, dort eine herrliche Kirche übernehmen zu können und dazu auch noch ein sattes Einkommen an Kirchensteuern, die man dort eintreiben dürfte.
Die stolze Kirche stellte sich als Blechschuppen heraus und die  Gelder waren noch nicht einmal Almosen.
Seine ‚Gemeinde‘ bestand aus 11 Personen, die alle zwischen scheintot und vermodern waren.
 
Trotzdem war diese Spur heiß, und deswegen mußte er dort hin. Aber zunächst galt es, genug Kohle zu machen, um hinzukommen.
 
Das Etablissement lag etwa 500 m am Ende dessen, was sich hier ‚Straße‘ schimpfte.  Immer wieder stolperte er über Kadaver, denen man kaum noch ansehen konnte, ob es mal intelligente Wesen oder nur Haustiere gewesen waren.
Kaum Einer starb hier eines natürlichen Todes oder gar an Altersschwäche.
Mord war hier die vorherrschende Todesart, dazu kamen dann noch Unfälle aller Art oder schlichtes Verhungern oder irgendwelche Seuchen, die längst woanders ausgerottet waren.
 
Die Spelunke hieß ‚Tartaros‘, was sicherlich bestens zu dem paßte, was da drinnen vorging.
Anselmus signalisierte Herodes, draußen zu bleiben, denn er wollte die Besitzer der anderen Kampfhunde nicht gleich erschrecken.
 
Gerade war ein Kampf zu Ende gegangen und es sah so aus, als habe keiner der beiden Gegner überlebt, denn man zog beide aus dem Ring, der über und über mit Blut bespritzt war.
In einer Ecke war man dabei, die Wettsummen auszuzahlen und im Ring stand jetzt ein fetter Kerl, der sich dramatisch umblickte:
„Was ist? Gibt es hier noch Jemanden, der seinen Hund in den Kampf schicken will?“
 
Ein relativ schmächtiges Kerlchen drängte sich nach vorne: „Ja, mein Hund ‚Beserker‘ wird kämpfen. Er wurde nie besiegt in hunderten von Kämpfen. Komm her, mein Kleiner!“
Hinter ihm erschien ein Koloß von Köter. Irgendwie mußte er eine Mischung aus Mastino und Ochse sein. Er setzte sich neben sein Herrchen.
„Nun gibt es Jemanden, der es mit meinem Süßen hier aufnehmen will?“
 
Es herrschte Ruhe im Saal. Offensichtlich wußten die Anwesenden über die Erfolgsgeschichte dieser Schmusebacke.
Auch Anselmus wurde es etwas mulmig, als er die Bestie sah, aber Herodes war in der gleichen Klasse und klar muskulöser. Berserker hatte Fett angesetzt, während Herodes ganz aus Stahl gebaut war.  Aber es würde ein schwerer Kampf dieses Mal werden, aber dafür würden die Wetten auch sehr hoch sein, da war er sich sicher.
 
„Mein Hund wird antreten!“ rief er.
Und sofort herrschte absolute Ruhe, die nur durch das Fallen und Zersplittern eines Bierglases unterbrochen wurde.
 
„Wo ist dein Hund?“ fragte der Schiedsrichter, oder was immer der Kerl war.
 
„Draußen. Moment.“
Anselmus ging vor die Tür und pfiff kurz. Herodes löste sich von der Mauer gegenüber und kam zu seinem Herrchen.
Er wußte, was jetzt seine Aufgabe war.
Er rieb zärtlich, was man diesem Hund kaum zugetraut hätte, seinen Schädel gegen die Hand des Paters und kam mit rein.
 
Als er den Ring betrat, hielten alle Anwesenden den Atem an, denn das war ein beeindruckendes Tier. Es war allen sofort klar, daß das ein Kampf des Jahrhunderts werden würde, und sofort schossen die Wettbeträge in die Höhe.
 
Beserkers Besitzer sah etwas schief auf Herodes, und man merkte, daß er vielleicht doch lieber sein Angebot zurückgezogen hätte, aber die Wetten liefen, so daß es kein Zurück mehr gab. Ganz abgesehen davon, daß dann sein Ruf ruiniert gewesen wäre.
 
Herodes wurde registriert, und schon wenige Minuten später zeigte es sich, daß es eine leichte Tendenz für Berserker gab.
 
„Wenn du diesen Kampf gewinnst, dann können wir uns einen 1.Klasse –Flug leisten und jede Menge leckeres Fleisch für dich und mich.“ Er streichelte zärtlich über den Schädel des Tiers und kraulte ihn hinter den Ohren.
Er wußte, daß der Hund sein Bestes geben würde.
 
Wenige Minuten später standen sein Gegner mit Berserker und Anselmus mit Herodes sich gegenüber in dem Ring, der eigentlich ein Käfig war.
Der Schiedsrichter gab das Kommando und beide Besitzer ließen die Hunde frei, die allerdings erst einmal nur langsam herumgingen, um sich zu beschnüffeln und den Gegner einzuschätzen.
 
Dann aber stürzte sich Berserker auf Herodes unter riesigem Johlen des Publikums, das Blut sehen wollte.
Aber Herodes war darauf vorbereitet. Im Bruchteil einer Sekunde sprang er an die Seite, und der Andere flog gegen das Gitter, was ihn eine hundertstel Sekunde Konzentration kostete, die Herodes brachial nutzte und seine Fänge um das rechte Hinterbein des Gegners schloß.
Dieser heulte auf. Das Publikum tobte, und die Wetten stiegen rasant zugunsten von Herodes.
Aber Berserker war hart im Nehmen, schüttelte Herodes ab und griff erneut an. Dieses Mal verbiß er sich in der Schulter des Wolfshundes, der aber mit seinen starken Hinterbeinen den Gegner wegdrückte.
 
Der Schnaps floß in Strömen, und auch Anselmus mußte sich einen gönnen, denn er wußte, was hier auf dem Spiel stand.
Verlor Herodes, dann war er seinen besten Kameraden los.
Er war zwar ein ziemlich gerissenes Kerlchen, aber nicht gerade kräftig und hätte ohne den Hund keine Chance, lebend aus dieser Hölle zu kommen.
 
Der Kampf ging hin und her, mal war der eine, dann der andere Hund im Vorteil, aber man merkte letztlich dann doch den eher verweichlichten  Körper, gegen den durchtrainierten Herodes.
Dieser ließ sich scheinbar als Finte auf den Rücken fallen, als sei er erschöpft- Berserker sprang hoch und wollte sich von oben auf ihn stürzen, so hatte Herodes von unten die Chance, seine Kiefer um den Hals des Gegner zu schließen und nicht mehr loszulassen.
Berserker zuckte noch ein paarmal, dann lag er da im Sand.
Sein Besitzer war zutiefst geschockt und das Publikum heulte vor Begeisterung.
Jedenfalls diejenigen, die auf Herodes gesetzt hatten.
 
Anselmus sammelt das Wettgeld ein und gab noch eine Lokalrunde aus, dann machte er sich von dannen, das viele Geld tief in seiner Kutte verborgen.
Herodes aber ließ sich streicheln und wußte genau, daß er mal wieder der Held war.
 
„So, jetzt suchen wir uns erst einmal ein Bleibe und etwas Ordentliches zu fressen, was, mein Guter? Und wir müssen auch noch deine Wunden versorgen.“
Herodes‘ Schwanz wedelte ohne Pause.
 
Da traten drei Typen aus dem Dunkeln: „Hallo, mein Bester. Du hast eben reichlich Kohle unverdient eingesackt. Komm, rück sie raus, und wir lassen dich und deinen Köter friedlich ziehen.“
 
„Ich hab das Geld fair gewonnen, also verpißt euch.“ Unser Mönchlein war ziemlich empört ob dieses Ansinnens, allerdings hätte er sich das schon denken können, denn zu viele Knilche hatten ihn mit der Kohle das Lokal verlassen sehen.
 
Während sich einer der Typen Anselmus näherte, hielten sich die anderen Beiden im Hintergrund.
Er hatte einen eindrucksvollen Dolch in der Rechten und hielt diesen Anselmus unter das Kinn.
 
„Moment, mein Bester. Ich bin ja nicht so, aber dazu muß ich erst einmal an meine Kutte kommen. Wie du siehst, bin ich unbewaffnet, da brauchst du doch keine Angst haben. Moment, dazu muß ich mal eben mein Kreuz abnehmen.“
 
Der andere grinste etwas tumb: „Beeil dich!“
 
Herodes hatte sich inzwischen unbemerkt verdrückt und war in der Dunkelheit verschwunden.
Während dessen fummelte der Mönch an seinem Kreuz. Er nahm die Kette ab und hielt sie scheinbar etwas unbeholfen in der Hand. Der Räuber sah nicht wie der rechte Daumen auf einen verborgenen Knopf drückte. Eine lange dünne Klinge sprang aus dem Kreuzstiel, und versank im Leib des Banditen, bevor dieser sie überhaupt gesehen hatte.
 
Ein weiterer Druck, und sie verschwand wieder im Kreuz.
„Danke, Herr Jesus. Auf dich ist immer Verlaß, wenn man dich braucht.
 
Und dort, wo die beiden anderen Knaben gestanden hatten, herrschte jetzt das Chaos. Gellende Schreie hallten über die Straße, aber Niemand kam ihnen zu Hilfe.
Herodes war in wenigen Sätzen heran und hatte dem Einen noch im Sprung die Kehle durchgebissen.
Der Zweite versuchte noch zu fliehen, aber die Kiefer rissen ihm die rechte Hand ab.
Anselmus pfiff, und Herodes ließ sofort von seiner Beute ab und kehrte freudig jaulend zu seinem Herrchen zurück.
 
„Du hast dich gut geschlagen. Und jetzt brauchen wir Beide eine ordentliche Stärkung. Komm. Da drüben ist eine Hütte, die sich ‚Hotel‘ schimpft. Ich hoffe, wir bekommen da ein lausfreies Bett und etwas Ordentliches zu essen.
Der Hund jaulte freudig und schmiegte sich an das Bein seines Herrchens.
„Komm, mein Freund!“

[Bild: anselmus2.jpg]
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