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Zwischenlog 5 Rabenstein
#1
*** Riva Prime / Hinterzimmer einer Bar ***
 
Der Ferengi Tekva, Chef eines Borgkomponenten Im- und Exportunternehmens mit gelegentlichen Nebeneinnahmen aus Sklavenhandel, Prostitution und Drogenschmuggel, stocherte sich gelangweilt zwischen den Zähnen. Vor ihm türmten sich die Reste einer ausgiebigen Mahlzeit. Auf der anderen Seite des Tisches hockte ein vieläugiges Wesen, das mit einem seiner Tentakel versuchte, unauffällig ein paar Essensreste zu ergattern, während es blubberte: "Boss, der Kerl war ein Telepath, zumindest ein Empath. Ich kann diese Typen erkennen. Die senden EM-Frequenzen einer ganz bestimmten Wellenlänge aus und--"
 
"Langweil' mich nicht mit diesem wissenschaftlichen Gefasel!" Tekva war nach umfänglichen Tests der für eine horrende Summe erhandelten Borgdrohne, die sich als besserer Altmetallschrott herausgestellt hatte, übler Laune.
 
Das vieläugige Wesen schlürfte eines der bläulich schimmernden Reste auf, gluckste zufrieden und wiederholte. "Ich kann sie riechen, wenn du so willst, Boss. Erinnerst du dich an diese Betazoidin damals? Na, und was hat sie dir gebracht auf dem Markt?"
 
"Nicht genug," raunzte Tekva und rülpste. "Und dürre Kerle stehen nicht so hoch im Kurs wie dicke Weibchen, hihi."
 
"Aber ein Empath oder Telepath könnte uns durch die borg-verseuchten Hubs bringen.... Da könnten sich lukrative Märkte eröffnen..."
 
"Märkte?"
 
Das Wesen zwinkerte irritierenderweise mit vieren seiner Augen, während die anderen vier in alle Himmelsrichtungen wanderten. "Nun, Borg sind kybernetische Lebewesen. Sie strahlen ein ganz bestimmtes flaches Gefühlsmuster ab, das sich von dem aller anderen Lebewesen unterscheidet. Ein empathisch begabtes Individuum müsste also in der Lage sein, zu unterscheiden, ob wir es mit Angehörigen des Hive zu tun haben oder irgendwelchen unabhängigen Ex-Borg. 'Ne Art Detektor, wenn du so willst, Boss." Ein halber Jinkra-Wurm wanderte in den Schlund des Wesens.
"Alles, was mir vorschwebt, ist eine 45-prozentige Beteiligung...Tekva...." Man hätte meinen können, das Wesen grinste mit all seinen Sehorganen.
 
 
*** Riva Prime / Schiffswrack ***
 
Richard von Rabenstein betrachtete nachdenklich den Siegelring, auf dem das Wappen der Inquisition in kunstvolle barocke Schnörkel eingebettet war: eine stilisierte Weltkugel, die von einem Schwert mit Kreuzknauf durchbohrt wurde - oder getragen wurde, das kam ganz auf den Blickwinkel des  Betrachters an... Die umlaufende Inschrift verkündete Inq. Max. Ex Prov. Dei
Inquisitor Maximus ex Providentiae Dei. Großinquisitor aus der Vorsehung Gottes.
 
*** Rückblende / Etwa 11 Monate zuvor / Morka-Cluster / Ehemaliger Raumhafen ***
 
Richard und Nalae schritten so schnell aus, wie es die trümmerübersäte, von Kratern zerpflügte Straße zuließ. Der letzte Angriff der Borg lag erst einige Tage zurück, und noch waren die Aufräumarbeiten in Gange. Man musste es der stoischen Gelassenheit der Bewohner dieser terranischen Kolonie zugute halten: sie gaben nicht auf. Sie reorganisierten sich, reparierten, luden nach und kämpften. Ihrer Zähigkeit war es zu verdanken, dass es hier noch so etwas wie einen regulären Transportverkehr gab.
 
"Das Konzilskonklave soll in Gwinwood City auf Cormaris tagen," flüsterte Richard mehr zu sich selbst als zu seiner Begleiterin, die versuchte, mit ihm Schritt zu halten. "Wenn wir einen Transport bis nach Bolarus bekommen..."
 
"Wir werden Glück haben, überhaupt irgend'nen Gammelkahn zu kriegen, Alter" antwortete Nalae. "Äh, Pater Ricardus, meine ich. Hab heut' morgen gehört, dass schon eine Passage zur Hemisphere-Station ein Vermögen kostet."
 
"Ich --" Er blieb abrupt stehen und lauschte.
 
"Was ist los?"
 
"Jemand verfolgt uns." Ehe Nalae etwas erwidern konnte, hatte der Inquisitor sie in einen Durchgang geschoben. "Er muss uns gefolgt sein seit der Brücke... ich hatte dort schon so ein... -- Sanctissimus Deus!" Er wies in die Gasse, die sich den gegenüberliegenden Hang hinauf wand. Dort stolperte eine Person abwärts, in ehemals wohl schwarzem, jetzt aber staubbedeckten und zerfetzten Gewand. Die in dichter Folge hinter ihm zischenden Disruptorstrahlen ließen keinen Zweifel, dass ihm jemand ernsthaft ans Leder wollte.
"Das ist Bruder Albertus, der Adjutant von Großinquisitor Constantius!"
 
"Na, den wird er sicher gleich wiedersehen." kommentierte Nalae, als der Flüchtling getroffen stürzte und einige Stufen abwärts rollte. Hinter ihm schlug der Disruptor in eine Hauswand ein. Die Physik - oder die Vorsehung - sorgte dafür, dass die morsche Statik nachgab. Mit gewaltigem Getöse stürzte das Haus ein, riss einen weiteren Bau mit sich und blockierte die Gasse mit einem riesigen Trümmerberg. Betonstaub erfüllte die Luft.
 
Richard war schon auf der anderen Straßenseite, versuchte vergeblich mit dem Ärmel vor Mund und Nase den Staub halbwegs abzuhalten. "Albertus?" Die ganze Welt war ein einziger weißgrauer Staubhaufen. Aber er konnte deutlich Angst und Schmerz wahrnehmen, also musste der Adjutant hier irgendwo--
Ein schmales rötliches Rinnsal störte das weißgraue Einerlei. Richard ließ sich auf die Knie nieder, sah jetzt einen Arm, dann ein Ohr zwischen den Trümmern. Vorsichtig schob er die ersten Steine zur Seite, legte den Oberkörper des Mannes frei - und wusste sofort, dass er hier nichts mehr tun konnte außer den Segen zu sprechen. Was um alles in der Welt hast du hier zu suchen gehabt, Albertus?!
Er zeichnete ihm ein Kreuz auf die Stirn, das zu einer blutigen Spur im Betonstaub missriet.
 
Der Verletzte stöhnte. "Richard...Das... Konklave...."
 
"Ich weiß. Beschwere dich jetzt nicht damit. Hast du etwas zu beichten?"
 
"Habe... dich ... gesucht....Passagierlisten von Torral..."  Hustend sammelte Albertus seine letzten Kräfte. "...In Gefahr.... das Konzil...."
 
"Ja, ja, ich bin auf dem Weg. Höre--"
 
"Das Konklave ... hat.... entschieden...."
 
WAS? Ohne mich?!
 
Aus den Trümmern schob sich eine blutige rechte Hand, und Richard sah in den sich zitternd öffnenden Fingern einen goldenen Schimmer. "...Du bist... der neue .... Inquisitor Maximus." Der Ring rollte in den Staub.
Ein dumpfes Grollen in den Trümmern über ihnen sagte Richard, dass der Verfolger dabei war, sich seinen Weg durch den Schutt zu bahnen. Er griff den Ring, und als er sich zurück wandte, starrten Albertus' Augen tot in die Leere.
 
*** Gegenwart / Riva Prime / Raumschiffwrack ***
 
Richard schob den Ring an seinen Finger. Er stand auf, verneigte sich vor dem Kreuz und sprach ein letztes Gebet, ehe er sich umwandte. Heute würde sich zeigen, ob sich die Mühen der vergangenen Monate gelohnt hatten und es ihm gelang - als erstem Priester der Heiligen Kirche gelang - ein Geschöpf zweifelhafter dämonischer Gefilde mit der Macht des Lichtes zu besiegeln.
 
Nalae kniete am Boden; ihre spitzen teuflischen Ohren, deren Anblick ihn zuweilen immer noch irritierte, zeichneten sich deutlich gegen das Halbdunkel ab. Wenigstens habe ich sie dazu gebracht, diese entstellenden Tattoos entfernen zu lassen. dachte er kurz, während er die Hände auf ihren Kopf senkte. Er konnte spüren, wie das Blut in ihren Adern pulsierte.
 
"Sprich mir nach," flüsterte er. "Credo in unum Deum, omnipotentem, sempiternum, universalis, creator universi, visibilium omnium et invisibilium" (Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, Ewigen, Allumfassenden, den Schöpfer des Universums, der sichtbaren und der unsichtbaren Welt).
 
Nalae wiederholte mit leicht zitternder Stimme, aber fast akzentfreiem Latein.
 
"...Credo in unum Dominum Jesum Christum, filium Dei, qui propter nos homines et onmes creaturas viventes excendit de eterno..." (Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der für uns Menschen und alle Lebewesen aus der Ewigkeit herausgetreten ist...)
 
Ihrer beider Stimmen klangen in den anbrechenden Tag hinaus.
 
"...Credo in Ecclesiam unam solam sanctam, serva Dei vivi" (Ich glaube an die eine, einzige, heilige Kirche, die Dienerin des lebendigen Gottes), "credo in unam baptismam in remissionem peccatorum et vitam eternam" (an die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und an das ewige Leben.)
 
"Wiedersagst du dem Bösen?"
 
"Ich widersage," hauchte sie, die Augen auf seine Augen fixiert.
 
"...und all seinen Verlockungen?"
 
"Ich widersage."
 
Richard fühlte sich von einem heiligen Feuer durchglüht und beseelt, als er die Hände in das bereitstehende Wasser tauchte und es über ihren Kopf träufelte. "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Im selben Moment verdichtete sich die Luft hinter Nalae zu einem goldgelben Funkeln. Richard starrte ein Sekundenpaar atemlos - ehe das Funkeln zu Transporterschlieren zusammen fiel und aus ihnen wie aus den vier anderen im Raum ein kleiner Trupp Bewaffneter materialisierte.
 
Ehe er reagieren konnte, traf ihn ein Betäubungsschuss in den Rücken.
 
 
NRPG: ich habe mir die Freiheit genommen, das heute in der kath. Kirche übliche Glaubensbekenntnis etwas zu modifizieren, denn die Kirche hat ja hier im Spiegel auch eine leicht andere Geschichte, und es außerdem an das 25. Jhd. anzupassen Zwinker)
[Bild: richard-sig-klein.jpg]
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