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Friedensinitiative II - Log 6 - Turan & Lhoal
#1
*** Ch'Rihan / Prätorenpalais / Büro des Prätors ***

 
Turan tr'Kaleh sichtete die auf dem kleinen Holodisplay auf seinem Schreibtisch die Reiseroute, die sein Schiff plus Eskorte nach Qo'nos nehmen würde. Die offizielle Reiseroute zumindest.... Selbstverständlich würde er nicht so selbstmörderisch sein und auf dieser Route tatsächlich reisen! Darauf würden seine Feinde, innerhalb und außerhalb des Reiches, ja nur warten. Ein  Schiff war verwundbar und bot ein zu verlockendes Ziel. Das wusste er - da brauchte er nicht den Tal Shiar, um die Risiken zu kennen. Deshalb würde er auf einer anderen, unerwarteten Reiseroute mit  dem zweiten Staatsschiff (dessen Existenz niemand kannte) reisen. Die Wahrheit würde offenbar werden, wenn seine Feinde zur Tat schritten - und wenn nicht, nun, um so besser! Der jüngste Zwischenfall in der havrannischen Bergbaukolonie hatte ihm gezeigt, das seine Gegner in den Reihen des Senats zu Einigem bereit waren. Männer wie dieser Emporkömmling Dalok Rul waren da schon eher das weit kleinere Übel.
 
Überhaupt verhält sich Rul derzeit recht bedeckt, dachte Turan mit erwachendem Argwohn. Seit der peinlichen Aktion mit den Journalisten im Central Terminal von Ra'tleifih... Nun, eigene Schuld. Wer sich mit dem letzten Trash der Werbung aus der Föderations-Schundecke behängt und davon austeilt, sollte sich nicht als Verteidiger rihannischer Tradition feiern lassen.
 
Der Prätor deaktivierte das Holodisplay. Trotzdem war auf Rul ein wachsames Auge zu haben. Der Tal Shiar hatte genügend gegen ihn in der Hand, und wenn er sich von einem Ärgernis zu einer tatsächlichen Bedrohung entwickelte... Vielleicht sollte ich ihm deutlich machen, dass sein Wohlleben von meinem Wohlwollen abhängt...
 
Turan wandte seine abschweifenden Gedanken wieder dem politischen Tagesgeschäft zu. Er sah einen Teil der Akten mit den Ernennungen der Provinzgouverneure durch, zeichnete sie elektronisch ab und siegelte sie. Die feierlichen Papierurkunden würden in ein paar Tagen ausgestellt werden.
Das Tisch-Kom gab einen melodischen Ton von sich und Turan aktivierte es mit einer Handbewegung.
+Exzellenz, Senator tr'Khellian ist hier.+ informierte sein Sekretär.
 
"Danke, senden Sie herein."
 
Nach der obligatorischen Sicherheitsprüfung betrat Lhoal tr'Khellian das Büro, in dem er die letzten Wochen häufiger zu Gast gewesen war. Hatte der Prätor ihn doch zum Sonderberater für diese Reise und die Verhandlungen mit dem klingonischen Kanzler ernannt.
 
"Ich danke Ihnen, dass Sie so rasch kommen konnten, Deihu." Turan bot ihm einen Platz in der Sitzecke unter dem großen runden Fenster an und ließ sich selbst auf einem der mit gepunztem Leder überzogenen Sessel nieder. "Mein Mann auf Qo'nos hat neue visuelle Informationen über die DeH'moH."
 
Die 'Unberührbaren', das war der Name, den die Klingonen jener am Rande der Gesellschaft lebenden Gruppe in der Hauptstadt gegeben hatten. Einer Gruppe, deren Mitglieder rihannische Gene in sich hatten. Turan reichte dem Senator ein Padd. Der verdeckten Operation des Agenten war es geschuldet, dass die Daten nur stark komprimiert hatten gesendet werden können und erst mehrere spezielle Filter sie wieder lesbar machten. Trotzdem war eindeutig zu sehen, dass in dieser Gemeinschaft, die da mehr oder weniger wortwörtlich im Untergrund oder draussen in den unzugänglichen Hügeln hauste, die Klingonen ANDERS aussahen.
Lhoal scrollte durch das Fotomaterial. Bei einigen Personen waren die Unterschiede kaum zu erahnen, andere wiederum hatten deutlich spitz geschwungene Ohren, eine hellere Hautfarbe und eine schlichtere Stirnplattenwölbung.
 
"Wie viele sind es?"
 
"Schwer zu sagen. Höchstens an die hundert, zweihundert Personen. Sie scheinen zu drei, vier Familien zu gehören, nach dem, was mein Agent in Erfahrung gebracht hat. Und das ist nicht sehr viel, bis jetzt," antwortete Turan.
 
"Könnten sie... Nachkommen der Experimente sein, die auf der K'Muna-Station durchgeführt wurden?" fragte der Senator.
 
Turan fühlte dessen Unbehagen. Er wusste, dass an Lhoal und einigen andere damals auf K'Muna inhaftierten Rihannsu Versuche durchgeführt worden waren, die auch die Zeugung von Hybridkindern zur Folge gehabt hatten. Auch nach den nunmehr fast 15 Jahren, die vergangen waren, seit Lhoal die Flucht von der vergessenen Strafkolonie des Klingonisch-romulanischen Krieges gelungen war, waren die Erinnerungen immer noch schmerzhaft. Aber der Senator war sein verlässlichster Vertrauter und der beste Kenner klingonischen Wesens, der zu haben war. Turan konnte und wollte nicht auf ihn verzichten.
 
"Ich denke nicht. Eher vermute ich, dass sie die Nachkommen des Carraya-Lagers sind. Die letzten Überlebenden wurden während des Krieges zwangsumgesiedelt. Man hat damals zwar die Rihannsu exekutiert, aber womöglich waren einige der Klingoninnen schwanger, oder man hat nicht alle Hybriden identifiziert in der ... Eile des Gefechts." Der Prätor lächelte traurig. "Wie dem auch sei: dem Gesetz nach sind es Rihannsu, auch wenn sie nur noch fünf Prozent rihannisches Blut in sich hätten."
 
Lhoal nickte und blätterte langsamer durch die Aufnahmen, als suche er bekannte Züge in einem der fremden Gesichter. "Aber ... wir können unmöglich in ihre Kolonie marschieren und sie repatriieren. Selbst wenn sie das wollen."
 
"Manche von ihnen scheinen in die Richtung zu denken," gab Turan zurück. "Aber so einfach ist es in der Tat nicht. Ich werde auf einer Friedensmission nach Qo'nos fliegen, und diese schwierig zu nennen, wird ein Understatement sein. Diese Rihannsu," Er wies auf das Padd in der Hand des Senators, "könnten sie im Handumdrehen nicht nur zu Fall bringen, sondern unsere Völker in einen neuen Krieg verwickeln. ... Deihu tr'Khellian, ich weiß, dass wir in dieser Angelegenheit die gleichen Überzeugungen haben. Daher möchte ich Ihnen den Kontakt zu den DeH'moH anvertrauen."
 
"Exzellenz... ich...Ihr Auftrag ehrt mich, aber... ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin, zu helfen."
 
"Sie sind es." Turan legte die rechte Hand auf den Arm des Senators. "Nur Sie sind es, mit Ihrer Geschichte, mit Ihrem Respekt für die Klingonen, trotz allem, was Ihnen widerfahren ist, mit Ihrem diplomatischen Feingefühl und Ihrer Ehrlichkeit. Nur mit Ihrer Hilfe kann ich diese Rihannsu in die Heimat bringen."
[Bild: turan-sig-neu.jpg]
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