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Zwischenlog 4 / Vandenberg
#1
Terranisches Imperium / Entfernungskreis 9 / Nord 219 / Garnisonsplanet Amergin / Garnsion 1.14.9 / Schulungstrakt

 
Wenn es etwas gab, was man als schlimmer als den Kampf im Schützengraben bezeichnen konnte, dann war es diese Aufgabe. Einst war er Flottenkommissar gewesen. Jetzt hatte er die Aufgabe, Wissen in die Gehirne überforderter Rekruten zu pumpen.
Vandenberg schnaubte verächtlich. Taktikausbilder. Welch wichtige Aufgabe. Pah. Draußen kehrte sich das Universum von innen nach außen und er versauerte hier. Wenn man bedachte, was im letzten Jahr passiert war, war seine Abkommandierung auf diesen Drecksplaneten schlimmer als eine Degradierung.
Die Allianz von Romulanischem Reich und Terranischem Imperium war seit über einem Jahr Geschichte, aufgelöst durch diese verräterische Natter namens Prätor Tr'Kaleh. Doch auf die kurze Zeit der blauäugigen Euphorie war ein Höllensturm losgebrochen, wie er selbst den düstersten Fantasien der Inquisition nicht erwachsen konnte. Durch das Wurmloch in den Deltaquadranten waren die Borg eingedrungen, ein Heuschreckenschwarm apokalyptischen Ausmaßes. Nach großen Verslusten war es gelungen, das Wurmloch kollabieren zu lassen und den Zustrom der Maschinenwesen zu stoppen.
Und dann hatte sich das terranische Imperium hinter gewaltigen Schildern und riesigen Geschützbatterien zurückgezogen. Dutzende von Kolonien hatte man zurückgelassen, sie einfach vergessen.
Nun, man sollte nicht undankbar sein. Großkanzler van Malnen hatte die Inquisition der Flotte unterstellt. Dies bedeutete, dass zumindest eine Person Großinquisitor LaSalle und seine Truppe völlig irrer Mystiker in Zaum halten konnte: DeRaaf. Solange Großadmiral DeRaaf das Sagen hatte, gab es zumindest noch etwas Vernunft. Und es gab für die Flotte genug zu tun. Noch immer trieben sich Überreste der klingonischen Liga in den Außenbereichen herum. Und innerhalb der Flotte sammelten sich einige Unzufriedene um diesen Wichtigtuer McGregor. Nein, es sah wirklich düster aus.
Und Vandenberg? „Sie werden gebraucht, Robert. Ihr Wissen wird gebraucht! Diese Mission ist die wichtigste Ihres Lebens!“ Und wie immer, wenn er an diese Worte von Commodore Ellis anlässlich zu Vandenbergs Versetzung dachte, die Ellis im Tonfall eines Pflegers zu einem Demenzkranken gerichtet hatte, stieg eine unsagbare Bitterkeit und Wut in Vandenberg auf und brach sich Bahn, indem ein schwerer Aschenbecher gegen die Betonwand der Büros flog und klirrend zerschellte.

Vandenberg brauchte frische Luft. Also ließ er die Korrekturen der Klausuren, Korrekturen sein und verließ mit entschlossenen Schritten das Büro. Draußen empfing ihn der Spätnachmittagsnebel diese Sumpfplaneten sowie die Schmerzensschreie und das Gewimmer eines Rekruten, welcher sich wegen ungebührlichen Benehmens 10 Hiebe mit der Elektropeitsche eingehandelt hatte und gerade der Prozedur der „administrativen Bestrafung“ unterzogen wurde. Seit DeRaaf das Sagen hatte, wurde die Flotte mit kalter Effizienz, Disziplin und Präzision geführt. Und das mussten einige eben auf die harte Tour lernen.
Einem plötzlichen Impuls folgend wandte Vandenberg seine Schritte dem unscheinbaren Gebäude am Rande des Exerzierplatzes. Zu Kirche „Heimsuchung des Propheten“. In dem kahlen Raum, nicht größer als Vandenbergs Büro saß eine untersetze, müde und verzweifelt wirkende Gestalt. Der Pastor der Garnison: Bruder Anselmus. Vandenberg trat in den schmucklosen Raum, welcher eher einem Lager glich denn einer Kirche, mit einem nachdenklichen Blick  ein.

Va: Bruder Anselmus, was ist Euch denn widerfahren?


Der einst so freche und fröhliche Mönch lächelte gequält.
An: Ah, Colonel Vandenberg. LaSalle ist mir widerfahren. Er hat meinen Orden auflösen lassen und unseren guten Ordensmeister Levier hinrichten lassen.
Va:  Wie denn das? Seit wann hat die Inquisition wieder die Möglichkeit Exekutionen anzuordnen?
An: Nun, wie man hört, hat man Levier Hochverrat nachweisen können. DeRaaf wurde wohl erst nach der Exekution informiert. Er soll getobt haben, aber das nutzt meinem Orden nichts mehr. Van Malnen hat sich Auflösung wohl genehmigt.
Va: Das war von LaSalle zu erwarten.
An: Colonel, wäre nur von Rabenstein der neue Großinquisitor geworden. Er ist das Licht, welches in dieser dunklen Nacht leuchtet.
 
Vandenberg verzog verächtlich das Gesicht. Von Rabenstein ein Licht? Eher eine trübe Öllampe.

An: Niemand weiß was aus ihm wurde, ob er überhaupt noch lebt. Aber nur er könnte LaSalle heraus fordern.

Die weiteren Lobeshymnen des Mönches auf von Rabenstein, waren für Vandenberg uninteressant. Denn der feine Faden einer Idee stieg in seinem Hinterkopf auf. Wenn man Lasalle Paroli bieten könnte, eine Möglichkeit finden würde, ihn zu beseitigen, dann gäbe es eventuell für das Imperium eine Hoffnung. Fähige Leute gab es , DeRaaf evtl. Aber dazu musste erst LaSalle verschwinden. Und der Schlüssel dazu war von Rabenstein. Vandenberg gab es nur äußerst ungern zu, aber er musste von Rabenstein finden. Schnellstens!
 
 
 
 
 
 
 
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