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Dämonen Log 18 Hohardus Edzardus
#1
==========  Bei den Ashani  ==========
                                                  
Die Picard reagierte nicht.
Egal, was sie versuchten oder welche Frequenzen man nutzte, es kam keine Antwort. Langsam begann selbst der stets beherrschte Sokar, unruhig zu werden, was Howy daran bemerkte, daß er ständig zum Fenster ging und hinaus in die Nacht starrte, in der es absolut nichts zu sehen gab.
 
„Die schicken unser Schiff zum Singam-Nebel, ohne uns vorher etwas gesagt zu haben. Die hätten uns ja wenigstens berichten können, was uns da erwarten würde oder ob die Wesen dort aggressiv oder harmlos seien.“ Howy stellte sich neben Sokar und starrte in die Finsternis. „Sie ließen die Picard ins Ungewissen fliegen, Da tut sich mir die 5-$-Preisfrage auf, warum sie das taten? Und warum schaffen sie es nicht, trotz ihrer fortgeschrittenen Technik, keinen Kontakt herzustellen? Selbst wenn an Bord alle ohnmächtig wäre, würden automatische Systeme reagieren und antworten. Wir haben vielfach redundante Systeme an Bord, die nahezu die übelsten Katastrophen überstehen würden. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, Captain.“
 
Sokar schwieg eine Weile: „Darüber denke ich schon die ganze Zeit nach und muß zu dem Schluß kommen, daß die Ashani es möglicherweise gar nicht wollen, daß wir dort sind oder gar Kontakt mit den Dhallharan aufnehmen könnten. Wäre es möglich, noch einmal mit den Schwimmhaut-Losen Kontakt aufzunehmen? Sicherlich könnten die uns Einiges mehr über die Probleme der Ashani mit den Dhallharan berichten. Ich beginne sogar zu glauben, daß diese Leute Dhallharan sind. Dallharan, die im Untergrund leben oder jedenfalls verpflichtet sind, nicht in der Öffentlichkeit zu erscheinen.“
 
„Jedenfalls will man uns auf dem Umweg über den Singam-Nebel davon abhalten, ihr Gebiet zu durchfliegen und tarnen das mit der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes der Natur und ihrem Zusammenleben.
Sie scheinen zu hoffen, daß irgend etwas die Picard dort festhalten wird. Daß unser Schiff es dadurch nicht mehr schaffen wird, vor Ende ihrer ‚Feierlichkeiten‘ weiter zu fliegen und dabei ihr Gebiet zu kreuzen. Ich glaube inzwischen, daß die gar nicht wirklich die Picard kontaktiert haben, denn unsere automatischen Systeme würden sofort antworten. Die blockieren absichtlich den Kontakt.
Da die Kameraden aber auch nicht von sich aus senden, scheint dort etwas vorgefallen zu sein, was diese Verbindung verhindert, wobei ich natürlich sehr hoffe, daß es sich um ein eher harmloses Problem handelt, das die Schrauber schon lösen werden. Trotzdem werde ich das unruhige Gefühl nicht los, daß wir uns umgehend zurück zur Picard begeben sollten.“
 
Aber ich muß hier zunächst meine Mission abschließen“, stöhnte Sokar. „Ich kann jetzt nicht einfach gehen. Ich glaube nicht, daß die wirklich etwas Böses im Schilde führen.“
 
Howy stand auf: „Dank meiner Herumstrolcherei kenne ich mich inzwischen ein wenig in der Stadt aus. Ich werde zurück zu der Brücke gehen, wo wir die Schwimmhaut-Losen getroffen haben. Da wir recht auffällig sind, werden sie uns beobachten, in welchem Loch sie auch stecken mögen, und dann werden sie es vielleicht noch einmal versuchen, uns anzusprechen.“
 
„Aber Sie werden wohl kaum eine Erlaubnis dafür bekommen, nachts da so ganz alleine herumzuwandern.“
 
„Sicherlich nicht, aber ich werde ja auch nicht um Erlaubnis bitten, sondern im Klo aus dem Fenster steigen.“
 
„Im Klo?“
 
„Ich habe da heute morgen mal ein bißchen die Lage gepeilt, weil ich das unruhige Gefühl hatte, es könnte einmal nützlich werden, uns über die Dächer zu verdrücken. Und von da aus könnte es gut möglich sein. Außerdem habe ich noch in meiner Jacke eine Art Notfallset, zu dem auch ein 50 m langes Hochleistungsseil gehört. Letzter Schrei der terranischen Chemie. Das Seil ist nur etwa 2 mm dick, federleicht und trägt ganz locker einen Menschen, wobei man allerdings ein paar Handschuhe braucht, weil man sich sonst die Hände abschneiden könnte. Und da es derart dünn ist, wird auch ein eventueller Wachposten es kaum sehen können, und auch mit Scannern dürfte das Material nicht zu erkennen sein.“
 
„Was Sie so alles in den Taschen haben?“
 
„Tja, schon mein Urahn Hohardus Edzardus Eilers soll immer gesagt haben, man sollte auf alles vorbereitet sein, wobei er allerdings damit immer ein handliches Fläschchen Hochproprozentiges meinte.“
 
„Sie müssen eine seltsame Familie gehabt haben, Mister Edzardus, aber ich gebe zu, daß Ihre Interprätation der Aussagen Ihres Vorfahren was an sich hat.
Also gut. Versuchen Sie es.  Aber seien Sie vorsichtig, denn wir dürfen unter keinen Umständen unsere Mission gefährden.“
 
Howy grinste: „Ich glaube eh nicht, daß die uns je Zugeständnisse gemacht hätten. Wir sollten sehen, daß wir zurück auf’s Schiff kommen und dann Gas geben. Immer Richtung Heimat.“
 
Howy zog sich extra was Dunkles an und holte die Notfallsausrüstung aus seiner Jackentasche. Dazu gehörte auch eine kleine Hochleistungslampe und ein winziges Gerät, das ihn zumindest unter günstigen Bedingungen etwas maskieren konnte, wobei er natürlich nicht wußte, ob und was für Scanner die Ashani am Mann haben würden.
 
„Ich geh dann mal, Sir. Ich will keine Prognose anstellen, aber vor Sonnenaufgang werde ich sicherlich wieder zurück sein.“
 
Sokar nickte: „Seien Sie vorsichtig, Mister Edzardus.“
 
„Da können Sie Gift drauf nehmen, Sir“
 
Sokar stellte fest, daß er sich an die Ausdrucksweise der Terraner, besonders aber der seines Navigators, wohl nie richtig gewöhnen würde. Warum können die bloß nicht mal sich einfach, präzise und kurz ausdrücken? Vielleicht würden die Terraner eben doch noch ganz dringend einen weiteren zivilisatorischen Sprung benötigen, bevor man sie wirklich als gleichwertige Spezies akzeptieren konnte? Immerhin gab es auf Vulcan eine ganze Reihe durchaus intelligenter Leute, die davon überzeugt waren, daß die Menschen noch Zeit brauchten, um wirklich zivilisatorisch auf einem hohen Niveau anzukommen. Aber neben dieser Flapsigkeit hatten sie einen ungeheuren Tatendrang, der sie nie aufhielt, etwas zu tun, was sie sich einmal vorgenommen hatten. Was immer es auch sei, und koste es das eigene Leben. Und Mister Edzardus war einer von denen.
 
Howy winkte noch mal kurz und kletterte auf das Sims des Fensters. Er befestigte das Seil um einen Fensterrahmen, denn es Gott sei Dank hier noch gab, zog sich die Handschuhe an und schwang sich über die Kante. Als er runter ins Dunkel kuckte, wurde ihm doch ein wenig schwummerich, aber er wußte, daß es höchstens 20 m waren, wie ihn vom Boden trennten.
Er stützte sich nach alter Bergsteigermanier mit den Füßen gegen die Wand, wobei es ihn schon störte, daß er das Seil praktisch nicht fühlte, aber es hielt, was ihn schon ein wenig beruhigte.
 
Einige Sekunden später hatte er wieder festen Boden unter den Füßen. Er zückte den Tricorder, den er vorher auf die planetaren Verhältnisse dieses Planeten eingestellt hatte und peilte die Richtung, um aus dem Park, in dem das Gästehaus lag, zugelangen.
Er sah ein paar Wächter, konnte aber ungesehen auf die Straße gelangen. Dort zog er sich eine Kapuze über den Kopf, versuchte aber, sich immer möglichst im Schatten zu halten, da natürlich selbst im Dunkeln leicht zu erkennen war, daß er kein Ashani war.
Eine Art Hund schnupperte ihn an, jaulte leise und hob sein Bein.
Noch bevor Howy ‚Scheibenkleister…!“ rufen konnte, war das Maleur geschehen. Er fühlte sich echt angepißt!
 
Nach etwa 20 Minuten Marsch hatte er die Brück erreicht, bei der sie angesprochen worden waren.
Er fragte sich, was er jetzt tun sollte, um die Aufmerksamkeit der Schwimmhaut-Losen auf sich zu ziehen, ohne auch irgendwelchen Wächtern aufzufallen.
Er glaubte zwar nicht, daß ihm tatsächlich etwas wirklich Gefährliches passieren würde, aber es würde sicherlich die Aufmerksamkeit der Regierenden auf sich ziehen, was für ihr Vorhaben keineswegs gut sein würde.
 
Er lief ein paarmal an den Säulen entlang, ließ auch mal kurz die Taschenlampe aufleuchten, so als ob er eventuelle Unebenheiten des Weges suchen würde, aber lange Minuten geschah nichts.
Dann aber löste sich ein Schatten von einer dunklen Wand und näherte sich ihm:
„Bist du einer der Terraner?“
 
„Ja.“
 
„Was willst du hier?“
 
„Euch sprechen.“
 
„Warum?“
 
„Nicht hier.“
 
„Komm!


(Fortsetzung folgt morgen)
[Bild: hohardus.jpg]
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