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Dämonen Log 17 - Sokar
#1
*** Auf A'shanita / Gästequartier von Sokar und Howy ***
 
Wie an jedem Abend zuvor besprachen Sokar und Howy die Ereignisse des vergangenen Tages.
"Haben Sie schon eine Nachricht von der Picard erhalten, wegen des musikalischen Archivs?" fragte Howy.
 
Sokar verneinte. Er hatte vor einigen Stunden über den Haupttransmitter der Einheimischen sein Schiff angepeilt, jedoch war das Kontaktsignal ausgeblieben."
 
"Die Ashani haben ja gewarnt, dass es Subraumfluktuationen im Nebel geben würde, die die Kommunikation stören könnten."
 
"Ja," antwortete Sokar nachdenklich, jedoch nicht bereit, seine sich formierenden Sorgen mit seinem Navigator zu teilen. Die Ashani hatten sich als überaus fortschrittliche Spezies gezeigt - warum hatten sie diese Fluktuationen nicht längst mit ihrer Technik kompensieren können? Und warum hatten sie diesen relativ nah gelegenen Nebel nicht erforscht, obwohl sie ein über mehrere Lichtjahre reichendes interstellares Reich begründet hatten. Es scheint geradeso, als ob sie auf uns... oder Wesen wie uns... gewartet hatten, um uns die Erforschung dieses Objekts anzutragen...
Sokar begab sich an die Wandnische, die das Äquivalent eines Föderationsreplikators darstellte. Anders als jener funktionierte er jedoch auf der Übertragung elektromagnetischer Gehirnwellen. Ein Ashan hatte am Tag ihres Einzuges das Gerät auf terranische und vulkanische Werte geeicht, so dass es problemlos funktionierte, als der Captain jetzt an einen kühlen Minztee dachte. Langsam trank er ein paar Schluck und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. "Ich werde das zweite Kommunikationsfenster abwarten," entschied er dann. "Und morgen versuchen, etwas mehr über die Scheu der Ashani vor diesem Nebel in Erfahrung zu bringen."
 
"Wir hätten Dr. Val'Kara mit auf die Reise nehmen sollen," meinte Howy. "Sie hat doch betazoidische Gene. Sie könnte den Herrschaften hier etwas auf den Zahn fühlen... wobei... haben die überhaupt Zähne?" Howy betrachtete nachdenklich das Astrolabium, das er gestern in einem Antiquitätengeschäft geschenkt bekommen hatte - dem Betreiber war es ein Anliegen gewesen, die Gäste aus der Ferne zu ehren.  "Glauben Sie, die Ashani haben eine genetische Weiterentwicklung gewaltsam verhindert und unterdrücken alle, die anders sind?" fragte er dann, bevor Sokar zu einer Antwort auf die Zahnfrage ansetzen konnte.
 
"Ich kann mir darüber im Augenblick noch kein Urteil erlauben, weil unsere Faktenlage sehr dürftig ist, Mr. Edzardus. Bisher erschienen mir die Ashani als ein ausgesprochen friedliebendes und harmoniebedürftiges Volk, das anstrebt, im Einklang mit der Umwelt zu leben."
 
"Mit der Umwelt vielleicht - aber die eigene Spezies?" erwiderte Howy skeptisch. "Da legen sie vielleicht strengere Maßstäbe an, damit die 'Harmonie nicht gestört wird'."
 
"Das ist eine unlogische Analogie. Harmonie bedarf der Vielfalt, sonst wäre es Eintönigkeit. Dennoch ... hier scheint ein Teil des Puzzles zu fehlen."
 
"Fest steht, das Abweichung von der Norm hier nicht gern gesehen wird. 'Warum sollen wir nicht zufrieden sein mit dem, was die Regierung will' und so ähnliche Sachen habe ich gestern gehört."
 
"Sie machen nicht den Eindruck von Unterdrückten."
 
"Mit Ausnahme dieser ... Schwimmhaut-Losen, offenbar."
 
Sokar ließ die These im Raum stehen. Sie wussten nicht nur zu wenig - die Föderationsgesetze untersagten ihnen auch, sich in die internen Angelegenheiten eines Volkes einzumischen. Was sie auf dieser Reise immer wieder getan hatten...Aber diesmal lag die Sache anders, sagte er sich, konnte jedoch nicht verhindern, dass sich ein unangenehmer anderer Gedanke in ihm formte. War die Sache diesmal nur anders, weil SIE etwas von den Ashani wollten, nämlich die Passage durch ihr Gebiet? War er im Begriff, seine ethischen Grundsätze und die Oberste Direktive reinem Pragmatismus zu unterwerfen? Ich brauche Zeit, um zu meditieren...
 
*** Nächster Tag / Transmitterzentrale ***
 
Von dem kugelförmigen Kontrollraum aus, den man Sokar nicht ohne Stolz vorgeführt hatte, konnte er weite Teile der Meeresbucht übersehen und die Vorbereitungen für die Laichperiode. Bald würden die Feierlichkeiten beginnen, und bis dahin musste er eine Antwort von den Ashani haben, was ihre Durchflugmöglichkeiten betraf... Im Moment jedoch hatte er eine dringlichere Sorge. Die Picard war noch immer nicht zu erreichen, und mehr noch, er bekam den Eindruck, die Ashani in diesem Transmitterzentrum wichen seinen Fragen aus. Die Daten, die man ihm bisher übergeben hatte, erklärten in keiner Weise, warum kein Subraumkontakt zustande kommen konnte. Sowohl die Instrumente der Ashani als auch der Picard sollten in der Lage sein, Fluktuationen und Ionen-Interferenzen dieser Art auszugleichen.
 
"Ich bin in Sorge um mein Schiff und meine Crew," bekannte er unumwunden dem Attaché, der ihn begleitet hatte. "Es gibt nur eine logische Erklärung, warum wir kein Kontaktsignal erhalten: die Picard ist nicht in Reichweite der Transmission oder die Crew ist nicht in der Lage zu senden."
 
"Wir bedauern diese Situation und werden uns um Abhilfe bemühen. Seien Sie versichert--"
 
Sokar hielt es für unlogisch, sich weiterhin mit höflichen Ausflüchten zu begnügen, wenn womöglich das Leben seiner Kameraden auf dem Spiel stand. "Warum haben die Ashani den Nebel nicht erforscht?" fragte er.
 
Der Attaché schien peinlich berührt. "Es ist... ein alter Mythos, ein ... Tabu," gab der Translator seine Worte wieder. "Es ist der Platz des Übels, und unsere Gesetze verpflichten uns seit alters her, nicht dorthin zu gehen, wohin das Übel verbannt wurde."
 
Sokar kannte ähnliche Geschichten aus der mythischen Geschichte vieler Völker der Galaxis. In der Frühzeit vieler Kulturen hatte man versucht, unkontrollierbare Emotionen, Verbrechen oder schlicht unverstandene Dinge auf einen 'Sündenbock' zu laden und zu vertreiben, um so der Gemeinschaft einen rituellen neuen Anfang zu ermöglichen - bevor Staatsgewalt und Gesetz sich mit diesen Problemen befassten. Sokar fand es jedoch faszinierend, dass ein solches Relikt bis in die Zeit interstellarer Reiche gehalten hatte.
 
"Und es gab keinerlei Bestrebungen in der Zeit der Aufklärung, von der Sie mir gestern berichteten, diesen mythischen Ort zu erforschen?" hakte er nach.
 
"Warum sollten wir etwas erforschen, von dem wir wussten, was es ist?" gab der Ashan verständnislos zur Antwort. "Die Dhallharran kamen und nahmen unseren Unfrieden mit sich. Seither sind wir eine friedliche, glückliche, aufstrebende Zivilisation. Wir haben kein Verlangen, das Übel zurück zu holen."
 
Sokar begriff. Die Ashan hatten sie nicht ausgesandt, etwas zu erforschen, weil sie neugierig waren. Sie hatten sie sozusagen als Späher geschickt, ob das Böse noch gebändigt in Ketten im Kerker lag....
 
 
*** Später am Tag im Gästequartier ***
 
Howy war herein gestürmt, ohne Rücksicht auf die Wasserspur, die er auf dem Boden hinterließ, ehe Sokar etwas sagen konnte. Er schwenkte er etwas in der Hand, was einer dünnen Steinplatte ähnelte. "Ich war tauchen mit den Ashani und sehen Sie mal, was ich gefunden habe!" Er drückte das Objekt in die Hand des Captains und wandte sich ins Bad, um dort nach Handtüchern zu angeln. "Das lag in einem riesigen Riff begraben; hätte das nie rausbekommen, wenn ich mich nicht ausversehen mit der Ausrüstung drin verhakt hätte!"
 
Sokar blickte auf die Fragmente einer prähistorischen Ritzzeichnung, die kleine und große Figuren darstellte. Er wischte Sandverkrustungen und Algenschlick ab, um den Fund genauer in Augenschein zu nehmen. Es waren grobe Figuren, auf die wesentlichsten Elemente reduziert, und dennoch als Ashani erkennbar: lang gestreckte Körper, Köpfe mit Kiemen, Schwimmhäute an den erhobenen Händen. Aber neben ihnen waren noch andere Figuren: menschenähnliche Wesen, die an ihren erhobenen Händen keine Schwimmhäute hatten. Über ihnen befanden sich seltsame Gebilde, die Flammen ähnelten. "Die Dhalharran..." murmelte Sokar.
[Bild: sokar.jpg]
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