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Zwischen Licht und Finsternis - Log 20 - Druckversion

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Zwischen Licht und Finsternis - Log 20 - Richard von Rabenstein - Tue-Dec-2023

***An Bord der Vindicator***

Soeben hatten die kleine Renegatenflottille – bestehend aus fünf Schiffen der Inquisition unter Captain De Chabannes und den Piraten unter ‚Dr. Dolittle‘ - die angesteuerte Raumstation im Dark Rim – Sektor erreicht.

Richard von Rabenstein betrachtete das Konglomerat auf dem Hauptbildschirm und entschied, dass dieser Ort einen Ausbund an Häßlichkeit darstellte, der schwer zu überbieten war. Die ursprüngliche Station war vermutlich tellaritischen Ursprungs gewesen, ein Volk, dass bekanntermaßen auf äußere Eleganz und Symmetrie wenig achtete. Im Laufe der Jahrzehnte (oder Jahrhunderte?) mehrfach zerstört, geflickt, und von anderen Spezies erweitert wirkte sie nun wie ein großer Haufen verschmolzener Weltraumschrott.

„Eine Beleidigung der göttlichen Schöpfungsordnung,“ resümierte der Inquisitor Maximus Electus, und nahm sich vor, wenn die Verhältnisse erst einmal ‚geordnet‘ sein würde, derartige Schandflecken zu tilgen. Zumal es gewiss an Bord der Station auch zuging wie im sprichwörtlichen Sündenbabel!

„Exzellenz, Ihr solltet dort nicht persönlich rüber gehen,“ mahnte Richards rechte Hand Kavun argwöhnisch. „Ich könnte ein mobiles Hologramm entwickeln.“

„Ich verstehe deine Sorge, mein Sohn. Aber ohne persönliche Präsenz kann ich meine Gesprächspartner nicht sondieren. Und das ist von zentraler Wichtigkeit. – Du wirst an Bord der Vindicator bleiben und Waltham und dieses Piratengezücht observieren. Marcia wird mich begleiten. Und ich benutze den Schutzfeldgenerator.“

Kavun brummte. Seiner Meinung nach war niemand besser geeignet als er selber inklusive seiner kleinen Waffensammlung, verstand sich, um den Inquisitor zu schützen. Aber der heilige Gehorsam war Pflicht, und so fügte er sich mit einiger Anstrengung.


*** An Bord der Station ***

Die tholianischen Gesandten würden in einem speziell für ihre Anforderungen hergerichteten Habitat warten, das sich in den unteren Ebenen der Station befand. Leider verhinderten diverse Abschirmungen und Störfelder, direkt in den nächstgelegenen humanoiden Sektor zu beamen. Was bedeutete, Richard musste den Weg zu Fuß zurück legen. Vorbei an legalen Händlern und illegalen Drogendealern, Hökern mit gestohlener Hardware und geklonten Sklaven. Aus diversen Spelunken klang Gegröle und Musik, und an einer Ecke konnte man Wetten in einem Wrestlingmatch auf Leben und Tod abschließen. Das Einzig Positive war, dass in dem bunten Treiben niemand von den Neuankömmlingen Notiz zu nehmen schien.

In der Nähe eines flackernden kaputten Werbebildschirms, dessen Lichblitze ein bizarres Muster auf den verdreckten Stahlboden warfen, verhielt Richard plötzlich. Marcia ließ einen raschen Rundumblick schweifen, konnte aber nichts Aufmerksamkeit erregendes entdecken. Von rechts näherte sich träge ein Antigravtransporter. Ein paar verdreckte Kinder undefinierbarer Spezies tollten vor ihm her und blockierte den Weg.

„Exzellenz?“ hauchte die Leibwächterin.

„Ich nehme eine feindselige Präsenz wahr…“ In der nächsten Sekunde wich er zurück, Marcia glitt vor ihn und starrte Richtung des halb geöffneten Schotts, aus dem ein eisiger Wind wehte.

Richards Sinne tasteten hinaus und versuchten, die Bedrohung mental zu fassen – und in diesem Augenblick blitzte es dich hinter ihm auf. Marcia fuhr herum, schoß, aber der Disruptorstrahl traf nur noch auf Transporterflimmern. Im Boden hinter ihnen klaffte ein Loch, aus dem sich ein Rauchfähnchen nach oben wand.

Der Inquisitor holte tief Atem, blieb ansonsten aber unbewegt. Marcia musterte die Anzeige auf ihrem Tricorder. „Eine Timerdrohne,“ erkannte. „Wäre die Antigravkiste nur um 0,9 Sekunden schneller vorbei gewesen, hätte sie ihr Ziel erreicht. Was ist mit Eurem Schutzfeld?“

„Intakt. Auf maximaler Stufe.“ Also war die Präsenz eine Ablenkung. Im Moment war nichts mehr zu erspüren...
Wer auch immer das Attentat befohlen hatte, wusste also von seiner speziellen Gabe. Damit kamen nur LaSalle infrage und – Waltham. Er traute niemandem. Das war schon immer das Motto der Inquisition gewesen und es hatte sich bewährt. Daher kannte nur er selbst die Frequenz seines Schutzfeldes, und er trug eine eigene kleine Waffe, von der auch seine engste Umgebung nichts wusste. Wie hatte es der letzte Großinquisitor, Valentinian Constantius ausgedrückt? ‚Ein Inquisitor hat keine Freunde. Ein Inquisitor hat Gott allein. Und Gott genügt in allem.‘ Friede sei seiner Seele.
„Setzen wir unseren Weg fort. Das Habitat der Tholianer ist hinter der nächsten Schleuse verzeichnet.“



Abgeschottet hinter Kraftfeldern, hinter dem die hohe Temperatur alle Umrisse flirren und flimmern ließ, standen drei der spinnenähnlichen tholianischen Kreaturen.

Als seien sie geradewegs aus den Tiefen der Hölle gestiegen, dachte der Inquisitor. Mit einiger Anstrengung konnte er die fremdartige Präsenz der Tholianer dennoch wahrnehmen. (Anm. Deanna Troi kann ja auch durch den Weltraum und Schiffshüllen wahrnehmen Zwinker)
Aber: der Zweck heiligte die Mittel und die Bündnispartner! Richard registrierte abwartendes Amüsement und kalte Verachtung. Der von den Tholianern abgestellte Übersetzer, ein mehräugiger Servidi, strahlte Diensteifer und eine gewisse Aufregung ab. Vielleicht wäre es doch intelligenter gewesen, Mittel in die Entwicklung von Translatoren fließen zu lassen, dachte der Inquisitor in diesem Moment. Anstelle davon auszugehen, dass die Galaxis gefälligst die Sprache der überlegenen Spezies – also des Terranischen Imperiums – zu lernen hatte! Er selbst war zwar in mehreren Sprachen geschult, Tholianisch gehörte jedoch nicht dazu. Er beschloss, dies zu ändern, zumindest für Angehörige der Heiligen Inquisition, sobald die Ordnung wieder hergestellt war…

Nach dem Austausch einiger Höflichkeitsfloskeln zwischen den ungleichen Gesprächspartnern kam der Inquisitor Maximus Electus zum Kern seines Anliegens: „Ich weiß, dass das von uns mit Panox – B bezeichnete System eine gewisse religiöse Bedeutung für die Welt der Tholianer hat.“ ‚Religion‘ kam ihm in diesem Zusammenhang schwer über die Zunge, aber er konnte nicht gut ‚für den abscheulichen Aberglauben‘ sagen!

Von den Tholianern ertönte eine Fülle verschiedener Klicklaute, die der Übersetzer in die Worte fasste: „K’T’K’aT, das die Niederen Panox nennen, ist die Wiege des Lichts.“

„Ein Verbrecher aus dem Terranischen Imperium trachtet danach, sich den Ort anzueignen und zu zerstören.“

„Die Versammlung der Oberen hat die Gerüchte vernommen,“ klackte es.

Wie interessant… „Ich bin im Besitz von mehr als Gerüchten. Genauen Informationen über die Pläne, die die Wiege des Lichts betreffen.“ Richard missfiel der Ausdruck, aber andererseits musste er seine Allianzpartner in Spe dort abholen, wo sie waren, bei ihrem (Aber-)glauben! „Gemeinsam haben wir die Möglichkeit, den Gegner aufzuhalten.“